Schon seit Jahren ärgerte es mich, dass ich diese imposante Felswand, welche ich bei jedem Blick aus dem Wohnzimmerfenster sehe, noch nie durchstiegen bin. So ähnlich oder noch schlimmer ging es dem Benni, vor allem seitdem er in Kranebitten wohnt und der Hechenberg quasi vor seiner Haustür steht. So konnte es also nicht mehr weitergehen…

Durch Benni’s Ortskenntnisse als „Anrainer“ fanden wir in etwas über einer Stunde ohne Probleme zum Einstieg der Route. Dennoch sollte man den Zustieg nicht unterschätzen – die fast senkrechten Wiesen erlauben keinen Ausrutscher!

Die ersten Seillängen bieten dann Bruchkletterei vom Feinsten, garniert mit viel Vegetation und losem Schutt. Die Absicherung ist aber meist recht gut – auch der eine oder andere Friend / Klemmkeil verbessert die Moral. Ab der vierten Länge wird’s dann wirklich steil. Obwohl der Begriff „Pfeiler“ im Routennahmen steckt folgt die Linie meist Verschneidungen in denen Gelenkigkeit beim Ausspreizen gefragt ist. In den schweren Längen ist die Felsqualität deutlich besser als weiter unten, aber Vorsicht ist trotzdem immer geboten.
Wir konnten die Route in Wechselführung rotpunkt klettern und standen nach ca. 5 Stunden im hüfttiefen Schnee zwischen den Latschen.

Die Route bietet sicherlich keine „Genusskletterei“, aber ihr ernster, alpiner Charakter, die Ausgesetztheit und die elegante Linie machen sie zurecht zu einem Karwendel-Klassiker! Hauptsache ist aber, dass wir beide seit gestern mit gutem Gewissen unter der Wand, in Richtung Klettergebiete mit festerem Fels, vorbeifahren können…

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