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Schon seit Jahren ärgerte es mich, dass ich diese imposante Felswand, welche ich bei jedem Blick aus dem Wohnzimmerfenster sehe, noch nie durchstiegen bin. So ähnlich oder noch schlimmer ging es dem Benni, vor allem seitdem er in Kranebitten wohnt und der Hechenberg quasi vor seiner Haustür steht. So konnte es also nicht mehr weitergehen…
Durch Benni’s Ortskenntnisse als „Anrainer“ fanden wir in etwas über einer Stunde ohne Probleme zum Einstieg der Route. Dennoch sollte man den Zustieg nicht unterschätzen – die fast senkrechten Wiesen erlauben keinen Ausrutscher!
Die ersten Seillängen bieten dann Bruchkletterei vom Feinsten, garniert mit viel Vegetation und losem Schutt. Die Absicherung ist aber meist recht gut – auch der eine oder andere Friend / Klemmkeil verbessert die Moral. Ab der vierten Länge wird’s dann wirklich steil. Obwohl der Begriff „Pfeiler“ im Routennahmen steckt folgt die Linie meist Verschneidungen in denen Gelenkigkeit beim Ausspreizen gefragt ist. In den schweren Längen ist die Felsqualität deutlich besser als weiter unten, aber Vorsicht ist trotzdem immer geboten.
Wir konnten die Route in Wechselführung rotpunkt klettern und standen nach ca. 5 Stunden im hüfttiefen Schnee zwischen den Latschen.
Die Route bietet sicherlich keine „Genusskletterei“, aber ihr ernster, alpiner Charakter, die Ausgesetztheit und die elegante Linie machen sie zurecht zu einem Karwendel-Klassiker! Hauptsache ist aber, dass wir beide seit gestern mit gutem Gewissen unter der Wand, in Richtung Klettergebiete mit festerem Fels, vorbeifahren können…
Nachdem ich bereits am Dienstag mit Eva einen super Tag im Klassiker „Männer ohne Nerven“ hatte und die Verhältnisse im Pinnistal gerade sehr gut sind, brach ich heute wieder Richtung Pinnisalm auf – dieses Mal mit meinem Vater Arno.
Als ersten Eisfall des Tages wählten wir den Vorhang (WI 5-), den wir beide in einer Seillänge im Vorstieg kletterten. Am Ende der Schwierigkeiten fand sich dankenswerter Weise eine perfekte Eissanduhr mit Umlenkkarabiner und auch in der zentralen Linie sparten einem zwei Abalakovs die Kraft selbst Schrauben zu setzen.
Perfekt aufgewärmt ging es dann weiter in Richtung Magier (WI 5/5+). Die Eissäule am Beginn der ersten Seillänge berührt recht solide den Boden, was einem den M7 Felskontakt ersparte. Der alte Profilhaken im Riss hinter der Säule sorgte für ein geborgenes Gefühl und auch die Eisqualität mit zahlreichen Hooks und Tritten beschleunigte das Vorwärtskommen. In der zweiten Seillänge erwartet einen etwas Röhreneis, aber dennoch finden sich meist gute Möglichkeiten solide Schrauben zu setzen.
Zum Abschluss statteten wir der Eiszeit (WI 5-) einen kurzen Besuch ab. Die erste Seillänge ist um einiges steiler, als man von unten vielleicht annehmen möchte, aber die zahlreichen Begehungen erleichterten auch hier das Klettern. In der kurzen zweiten Seillänge wird’s dann richtig senkrecht, aber auch hier ist die Eisqualität perfekt.
Solche intensiven Klettertage sind immer wieder ein Highlight – ganz Besonders wenn man sie mit seinem Vater erleben kann!
Eva Lang und ich nützten das Traumwetter heute und machten uns auf den Weg ins Pinnistal. Unser Ziel: „Männer ohne Nerven“ – WI 5/5+
Nach einer Garagen-Drytool-Session am Vorabend hatten wir in diversen Kletterforen schon gelesen, dass man am Besten einen Regenschirm für die Schlüssellänge mitnehmen soll, doch wer die Eva besser kennt weiß, dass ihr ein bisschen kaltes Wasser nichts anhaben kann… Der Regenschirm blieb also zuhause, dafür nahmen wir aber eine Rodel für danach mit.
Schon aus einiger Ferne konnte man das Wasser plätschern hören und bald war klar, dass der direkte Einstieg wohl eher was für Polarmeer-Schwimmer ist. Der klassische Einstieg und auch der erste Standplatz am Beginn der Säule waren dann aber trocken. In der Schlüssellänge selbst blieb man die meiste Zeit auch verschont, aber bei der Rechtsquerung ins einfachere Gelände stand man schließlich doch unter der Dusche. Halb so schlimm. Danach war die Eisqualität wieder perfekt!
Noch stehen die meisten Eislinien im Pinnistal: Vorhang, Eiszeit, Magier und Kerze sehen verlockend aus… Lange wird’s aber wohl nicht mehr halten…
Hurry up!
Klaus