Es ist vollbracht! Benni und mir gelang die klassische Linie durch die wohl berühmteste aller finsteren Nordwände im ersten Versuch.

Kleine Scheidegg mit der Nordwand Nachdem wir die idealen Verhältnisse in der Wand Anfang Feber verschlafen hatten, hielten wir uns immer wieder ein paar Tage frei, in der Hoffnung auf eine zweite Chance noch vor dem Sommer. Denn eines war uns klar: wir wollten die Wand im Winter, oder zumindest bei noch winterlichen Verhältnissen durchsteigen, denn auf die großen objektiven Gefahren in den Sommermonaten (Steinschlag!) hatten wir beide keine Lust. Nachdem Benni die letzte Woche am Olymp und ich im Jamtal verbracht hatten war die Freude groß, dass der Wetterbericht für den 5. bis 8. April vielversprechend aussah… Am Dienstag (5. April 2011) packten wir unsere Sachen und fuhren nach Grindelwald. Mit einer der letzten Bahnen ging’s hinauf auf die Kleine Scheidegg und von dort zu Fuß weiter über die Piste zur Station Eigergletscher.

Um 5:30 machten wir uns auf den Weg zum Einstieg, den wir dank vorhandener Spuren nach etwa 45 Minuten, pünktlich zum ersten Tageslicht erreichten. Am unübersichtlichen Vorbau, auf dem wir im guten Trittschnee seilfrei schnell Meter machen konnten, waren wir noch zuversichtlich die Wand an einem Tag hinter uns zu bringen. Bald kam aber erste Skepsis auf als die Spuren immer weiter nach rechts zogen und schließlich im Stollenloch verschwanden… Ab jetzt hieß es selber spuren! Nach einer etwas unguten Querung nach links gelangten wir wieder zurück auf die richtige Linie und fanden bald die erste schwere Seillänge: den “Schwierigen Riss”. Brüchiger Riss Ab hier ist die Routenfindung relativ einfach und wir konnten Seillängen mit den klingenden Namen wie “Hinterstoisser-Quergang”, “Erstes- bis Drittes Eisfeld” und “Bügeleisen” recht zügig durchklettern. Die Verhältnisse in der “Rampe”, vor Allem eine Seillänge nach dem “Wasserfallkamin” bremsten uns aber dann doch stark ein: viel Triebschnee, wenig gutes Eis und zuletzt eine Kühlschrankgroße Wächte kosteten viel Zeit. Mit dem Wissen, dass wir es wohl heute nicht mehr bis zum Gipfel schaffen würden ging’s weiter in der Abendsonne über den “Brüchigen Riss” via “Götterquergang” zur “Spinne”. Etwa zwei Seillängen später fanden wir ein akzeptables Biwak-Plätzchen, an dem wir sitzend die Nacht verbrachten. Wenigstens war es nicht zu kalt und windstill!

Frisch und munter waren wir am nächsten Tag zwar nicht, aber weiter ging es trotzdem: “Quarzriss” (unter uns Geologen gesagt: “Kalzitriss” – kein Quarz!) und dann die heiklen, oft komplett eisfreien Austiegsrisse hinauf Richtung “Gipfeleisfeld”. Im strahlenden Sonnenschein genossen wir schon regelrecht den exponierten Mittellegigrat zum Gipfel auf 3970m, den wir um 11:15 erreichten. In geradester Linie kamen wir in 1,5 Stunden wieder hinunter zur Station Eigergletscher.

Info’s zu den Verhältnissen am 6. bis 7. April 2011:

  • Schwieriger Riss: Sehr wenig Eis, recht gut abgesichert, u.A. ein feststeckender Friend.
  • Hinterstoisser: Nagelneues Statik-Fixseil auf den ersten Metern, danach mehrere ältere Seile – problemlos!
  • Eisfelder: Nur wenig Blankeis, meist recht guter Trittschnee – Eisschlauch zwischen 1. und 2. Eisfeld perfekt!
  • Bügeleisen: Eher schlecht absicherbares Mixed-Gelände
  • Todesbiwak: Sieht fast einladend aus…
  • Rampe: Generell eher schlechte Verhältnisse: wenig Eis, viel Schnee.
  • Wasserfallkamin: Wenig Eis – eine der Schlüsselstellen. Die Seillänge danach mit einer regelrechten “Schaumrolle” aus Triebschnee und heiklen Eisglassuren war aber noch schwerer.
  • Biwakplatz am Brüchigen Band: Sieht gut aus.
  • Brüchiger Riss: Kein Fixseil, aber gut abgesichert, u.A. 2 feststeckende Friends.
  • Götterquergang: Recht wenig Schnee, nur stellenweise Fixseile
  • Spinne: Zur Hälfte blank
  • Quarzriss: Sehr wenig Eis
  • Corti-Biwak: Ich würd’s nicht wollen! – Da war unser Platz kurz vorm Quarz-Riss noch besser!
  • Austiegsrisse: Wenig Eis, wenig Absicherung
  • Gipfeleisfeld: Zum Teil Blankeis.
  • Abstieg: In direkter Fallinie hinunter stapfen. Die letzte halbe Stunde hüfttiefer Sumpf.

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