Zum Abschluss meiner geologischen Diplomarbeits-Kartierungstätigkeit beschlossen mein Vater und ich dem Südgrat auf die Larchetkarspitze einen Besuch abzustatten.
Um noch „unerforschtes“ Gebiet besichtigen zu können wählten wir als Zustieg einen, auf der ÖK eingezeichneten, Jägersteig, der vom Kienleitensattel direkt ins Mitterkar führt. Großer Fehler. Auf ungefähr halbem Weg stellte sich entgültig eraus, dass dieser Steig schon seit Jahren nicht mehr verwendet wird, aber zu diesem Zeitpunkt standen wir schon mitten in meterhohen Latschen… Nützt nichts – es folgte Latschenkletterei des höchsten Schwierigkeitsgrades!

Der Grat beginnt anfangs harmlos an einem breiten Rücken, doch schon bald steht man vor der ausgesetztesten Passage. Auf etwa 8m ist der Grat nicht viel breiter als der Bergschuh und auf halber Strecke klafft eine 2m tiefe Scharte. Mit einem schon gewohnt mulmigen Highline-Feeling balancierte ich hinüber und wagte den Schritt über die kleine Scharte. Kriechen ist vernünftiger.
Der weitere Gratverlauf bis zum Gauggturm ist stellenweise ziemlich brüchig (soll heißen: noch brüchiger, als man im Karwendel ohnehin erwartet) und fordert stellenweise Kletterei im 4. Grad.
Das Gipfelbuch am Gauggturm bestätigte unsere Vermutung, dass dieser Gipfel selten überlaufen ist: Ca 20 Seilschaften seit 1979…
Nach zwei kurzen Abseilstellen, die ich nur äußerst ungerne seilfrei abklettern würde und dem Anschließenden Auftstieg über Fixseile gelangten wir schließlich auf den Gipfel der Larchetkarspitze.
Als Rückweg wählten wir das Hinterkar, da ich dort noch die eine oder andere Schachtdoline vermessen musste und schließlich statteten wir noch dem Siggi einen Besuch auf der Pleisenhütte ab, die mich während meiner zweijährigen Kartierungstätigkeit immer bestens versorgt hatte.

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