Montag, 2. Juli 2012
Die Oma unseres Hotels machte uns in ihrer privaten Küche ein kleines Frühstück und bot uns an ein Taxi zur Quebrada Llaca zu organisieren. Der Preis von 120 Soles für eine Richtung schreckte uns aber ab, weshalb Claudia (das heutige Geburtstagskind) vorschlug ein normales Taxi auf eigene Faust zu checken. Eigentlich hatten wir vor im Bergführerbüro nach weiteren Klettertopos zu fragen, aber als um halb 10 (um 9 sollte offen sein) noch immer keiner da war, gaben wir auf. Die Wartezeit wurde uns aber von mehreren Uniformierten (Militär und 4 Politessen) unterhaltsam verkürzt, da diese ebenso auf die Herrn Bergführer warteten, aber schon deutlich ungeduldiger waren. Schon das erste Taxi willigte ein uns für 60 (!) Soles zur Laguna Llaca zu fahren. Dieser Preis gründete aber wohl auf der Unwissenheit des Fahrers, denn immerhin gilt es 1500 Höhenmeter und 30 km auf schlimmsten Schotterstraßen zurückzulegen. Nach 1,5 Stunden kamen wir an und der Blick auf den nahen 6000er Ranrapallca war so beeindruckend, dass selbst unser Taxler ein paar Fotos mit seinem Smartphone machen musste. Schließlich tauschten wir unsere Handynummern aus und verabredeten uns für kommenden Freitag um 15 Uhr. Wir hoffen, dass er uns wieder abholt!!! Am Nachmittag gingen wir dann ein bisschen sportklettern auf typischen Granit-Gletscherschliffen. PulpFriction! Zwischen den Routen galt es allzu hungrige Kühe zu vertreiben, wobei wir auch den Essensack zweier Basken heroisch verteidigten. Hinter dem recht neuen Ausbildungszentrum der peruanischen Bergführer (großes UIAGM Logo) schlugen wir auf über 4450 m Seehöhe unser Lager auf. Heute Nacht werden wir von einer kleinen Pferdeherde bewacht, ehe wir morgen Richtung Hochlager des Vallunaraju aufbrechen.

Dienstag, 3. Juli 2012
Schon seit unserem Meerschweinchen-Abendessen in Cuzco habe ich leichte Probleme mit der Verdauung. Dazu kommt ein ordentlicher Schnupfen. Die Kombination aus beidem, zusammen mit der trockenen Höhenluft, führte zu einer richtig unguten Nacht. Als sich dann am Morgen mein Magen komplett entleerte war klar, dass wir unser geplantes Bergprojekt verschieben müssen. Vollgepumpt mit Immodium Kapseln ging es mir dann doch gut genug um die 5 Seillängen Sportkletteroute „Mission Lunatica“ im oberen siebten Schwierigkeitsgrad zu klettern. Claudia und ich waren begeistert von der schönen Route, welche uns bis in eine Seehöhe von 4700 m führte und eine gewaltige Aussicht Richtung Ranrapalca und Vallunaraju bot. Zurück beim Zeltplatz bekamen wir bald Besuch von zwei Grazern, welche ebenfalls heute in das Hochlager des Vallunaraju wollten, aber den Weg nicht fanden. Gleich wie Claudia und ich fassten auch sie den Entschluss morgen auf das Hochlager zu verzichten und die 1200 Höhenmeter gleich in einem Zug zu machen. In meinem Gesundheitszustand wollte ich mir die Nacht im Moränenlager auf fast 5000 m ersparen! Am Abend ging es mir dann wieder etwas schlechter, was ich mit einem Medikamentenmix aus Schlaf-, Kopfweh- und Durfalltabletten zu bekämpfen versuchte…

Mittwoch, 4. Juli 2012
Um 2:15 riss uns der Wecker aus dem Schlaf und wir machten uns im Flutlicht des Vollmondes ein deliziöses Frühstück: Haferschleim! Egal, ich sollte es sowieso nicht lange bei (in) mir behalten… Um 3 Uhr brachen wir schließlich auf. Der Weg Richtung Vallunaraju ist anfangs zwar steil, aber in einem guten Zustand und nicht zu verfehlen. Ab dem Zeitpunkt an dem man den Wald verlässt wurde es aber richtig kalt und am Moränencamp auf 4950 m gönnten wir uns ein zweites Frühstück, eingemummt im Biwaksack. Ich konnte leider nichts mehr essen, eine halbe Stunde vorher verabschiedete sich bereits ziemlich abrupt das erste Frühstück. Die nun leere Thermoskanne und meinen Sombrero deponierten wir auf einem Felsband um Gewicht zu sparen. Auf 5000 m gilt es die Steigeisen zu montieren, denn ab hier bewegt man sich am Gletscher. Der Blick hinunter ins Lichtermeer der 2000 m tiefer liegenden Stadt Huaraz ist wunderschön. Die wärmenden Sonnenstrahlen ließen lange auf sich warten, da man immer ein bisschen westlich des Grates aufsteigt. Bald kamen uns die ersten geführten Gruppen entgegen, welche heute Früh im Moränenlager gestartet waren und den Gipfel so schon ein paar Stunden vor uns erreicht hatten. Ab 5300 m kamen wir mangels Sauerstoff nur noch recht langsam voran, wobei uns kurze Steilstufen zwischen den riesigen Gletscherspalten am meisten einbremsten. Dennoch kamen wir um halb 10 in die Scharte zwischen Vor- und Hauptgipfel. Ab hier waren wir in de Sonne und der recht exponierte und steile Gipfelgrat setzte neue Energie in uns frei. Wie geplant standen wir nach 7 Stunden um Punkt 10 Uhr am Gipfel des 5686 m hohen Vallunaraju. Das Panorama mit Worten zu beschreiben ist kaum möglich – für 15 Minuten genossen wir die Ruhe und die wärmende Sonne. Der Abstieg ist ziemlich unproblematisch, allerdings setzte uns die bald flimmernde Hitze am Gletscher zu. Unsere Euphorie über den Gipfel wurde ein wenig gebremst, als wir beim Moränencamp enttäuscht feststellten, dass jemand unsere Thermoskanne und meinen Hut mitgenommen hatte! Der weitere Abstieg erschien uns endlos, doch nach etwas mehr als 11 Stunden Gesamtzeit waren wir zurück beim Zelt. Völlig erschöpft schliefen wir eine Weile, bzw. warteten wir ab, bis der Schneeregen aufhörte, ehe wir uns doch noch eine große Portion Nudeln kochten.

Donnerstag, 5. Juli 2012
Vormittags trockneten wir unsere Sachen und versuchten so viel wie möglich zu relaxen. Aufgrund meines Gesundheitszustandes beschlossen wir doch schon heute hinunter nach Huaraz zu fahren, denn auf fast 4500 m hatte ich nicht das Gefühl mich zu erholen. Außerdem hatten wir hier in der Quebrada Llaca eigentlich alles „abgehakt“ 🙂 Claudia schnappte sich das Handy und rief unseren Taxler David an, der uns dann pünktlichst um 15 Uhr abholte. Mittlerweile hatte er sich nach einer besseren Straße erkundigt und so rasten wir mit 70 km/h über die Schotterstraße auf dem Grat eines riesigen Moränenwalles hinunter. David grinste wie ein zufriedener Ralleyfahrer, der soeben eine Tageswertung gewonnen hatte! Unsere Gesichtsausdrücke würde man eher mit „erschreckt“ beschreiben… Wir ergatterten auch ohne Reservierung ein Zimmer im gleichen Hotel und richteten eine kleine Krankenstation für mich ein.

Freitag, 6. Juli 2012
Da Claudia nach langjähriger Erfahrung schon daran gewöhnt ist der gesundere Teil des Reisegespanns zu sein (Michi?) übernahm sie dankenswerter Weise die Rolle einer Krankenschwester und versucht mich derzeit gesund zu pflegen, auf dass wir bald in Richtung Sportklettergebiet Hatun Machay aufbrechen können.

5 Kommentare zu „Quebrada Llaca – Vallunaraju 5686 m“

  • Irene:

    eure Bergfotos sind beeindruckend! claudia hat den guten magen von herbert geeerbt – wünsche klaus gute besserung und erholung! bei guter betreuung dürfte das ja kein problem sein! morgen mittag endet mein sportlicher genussurlaub im waldviertel – auch hier gab es viele beeindruckende kitschige naturerlebnisse lg irene

  • Michi:

    …das stimmt, Clau ist einiges von mir gewöhnt, also wirklich gut ausgebildete Krankenschwester 😉 Dafür musste ich so manche andere Verletzungen ertragen… ich sag nur: Operation Zehennagel… Gute Besserung Klaus! lg

  • Irene:

    Hallo ihr Eiskletterer!
    Ich habe mich illegal eingeloggt, nachdem ihr mir keinen Zugang gewährt. Na endlich konnte Claudia ihren Geburtstag in luftiger Höhe feiern. Bei euch ist es Gottseidank nicht so heiß wie hier im Weinviertel wie ich an eurer Ausrüstung sehe. Nun ich freue mich, daß ich zumindest mit meinen Magengenen zum Gelingen eures Abenteuers beitrage.
    Klaus, jetzt würde dir Opas Weinbrand wieder auf die Sprünge helfen, aber vielleicht helfen ein paar Cocapflanzen, wenn schon der Waldviertler Mohn nicht verfügbar ist.

    Ich Wünsche euch einen weiteren guten Verlauf eurer Tour und freue mich auf weitere Neuigkeiten.

  • Ulli:

    Gute Besserung aus OÖ, hoffe Klaus ist über den Berg. War der Kopfstand ein Versuch, den Magen wieder einzurenken? 😉

  • Evi:

    Hallo ihr Abenteurer
    Herzliche Gratulation zu eurem 5000er. Die Fotos sehen genial aus und machen richtig Lust aufs Bergsteigen. Ich hoffe der Magenzustand hat sich inzwischen auch wieder gefestigtund das Bröckerllachen ist vorbei.
    Ich wünsche euch noch schöne Tage
    LG Arno
    PS: Wir werden uns heute auch sportlich betätigen. Bouldern in Stonehenge mit Gummistiefel und Daunenjacke

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