Archiv für die Kategorie „Eisklettern“
Da das Tiroler Oberland von den jüngsten Schneefällen etwas verschont blieb und die Renkfälle in ihrer Funktion als Gefrierschrank auch die letzte Hitzewelle gut überlebt hatten, beschlossen „Lucky“ Lukas Priemer und ich, ihnen einen Besuch abzustatten. Die Forststraße bis rauf zum Schranken war bestens geräumt, doch auch von dort ist man noch ca. zwei Stunden mit den Tourenski unterwegs.
Bei nahezu arktischen Temperaturen stiegen wir in die leichteste Linie, den „Klassischen Renkfall“ (WI 4+) ein. Das Eis war wie erwartet ziemlich spröde und deshalb war ich froh, seit Langem wieder einmal meine Hohlhauen montiert zu haben! Auf den letzten Metern lag dann doch noch einiges an Schnee auf den Eisabsätzen, aber wirklich störend war’s noch nicht.
Etwas links vom Ausstieg findet man an einem großen Felsblock 2 fette Bohrhaken mit Ringmuttern zum Abseilen. Danach braucht man noch 2 Eissanduhren um mit 60m Halbseilen zurück auf festen Boden zu gelangen.
The guys of last summer’s gritstone climbing trip teamed up again and spent three and a half days in Cogne climbing as much frozen water as possible. Located near the city of Aosta, just north of Gran Paradiso, Cogne escaped the „heat wave“ with temperatures of up to 15 °C, which destroyed much of the ice in Tirol. When we arrived on Thursday evening, we were thrilled by the perfect conditions: very little snow, which meant a low risk of avalanches and consistently low temperatures below freezing. According to some experienced Cogne climbers, this year’s conditions are above average.
We started off with „Cascade de Lillaz“ – a very nice and scenic waterfall with moderate difficulties. In the afternoon we drove down to the avalanche gallery and climbed the first three pitches of „Parto Gemellare“ (WI 4).
On the second day (29.01.2011), we climbed „E tutto relativo“ (WI 4), which has a beautiful second pitch up a mighty, freestanding column. After rappelling down the route, we walked up the ramp leading to the second pitch of „Pattinaggio artistico“. Unfortunately we had to skip that route because of the traffic ahead of us, so we continued along the ledge to climb „Hard ice in the rock“, further to the right. The traverse is somewhat delicate, but there are enough pitons to do it safely. We descended by rappelling over the huge overhang through which the famous route „X-Files“ leads.
On the third day (30.01.2011), Team Mark & Mark competed with a dozen other climbers on the „Cold Couloir“ while Lukas and I climbed „Il candelabro des coyote“ (4+/5) and afterwards the first pitch of „Tuborg“ (4+/5).
On our last day (31.01.2011), we climbed the first two pitches of „Stella Artice“ (5), probably one of the best climbs I have ever led.
As mentioned above, the conditions were wonderful and since there was so little snow, the approaches were very easy and quick.
Zugegeben – etwas erschrocken bin ich schon, als ich hörte, dass der Zustieg zur Serles Kaskade etwa 2 Stunden mit Skitourenausrüstung benötigen würde, aber Bennis Argumente sorgten dann doch für einen Motivationsschub: Chance auf eine der ersten Wiederholungen der Serles Kaskade, aber vor allem die Möglichkeit von gleich drei vermutlichen* Erstbegehungen!
Benedikt Purner hatte bei seinen vielen Fahrten ins Stubaital während der Arbeit am neu entwickelten Eisgerät „Phrugo“ von AustriAlpin immer ein Fernglas dabei und beobachtete so die vier spektakulären Eislinien an der Nordseite des Sonnensteins, einem Vorgipfel der Serles. Wollte er nicht in absehbarer Zukunft von der Polizei in Mieders als Spanner verhaftet werden, so musste er diese Projekte bald in Angriff nehmen. Also packten wir unsere Rucksäcke und machten uns auf den Weg Richtung Eisfälle, was sich im dichten Wald und auf steilen Latschen-Hängen sehr anstrengend gestaltete!
Spätestens als ich die Linien aus der Nähe sah, wurde mir klar, dass die Schwierigkeiten mein Vorstiegskönnen überschreiten würden, aber wofür gibt es denn Rope-Guns wie Benni!? Die rechte, untere Linie erwies sich als dünne Eisglasur, welche leider über weite Bereiche von der Felswand abgeplatzt war und uns deshalb als viel zu riskant erschien. Deshalb stieg Benni zuerst in den weiter links stehenden Eisfall ein, bei dem es sich wahrscheinlich* um die im Führer „Eisklettern in Tirol“ als Serles Kaskade bezeichnete Linie handelt. Benni kletterte die 60 Meter Eis non-stop, wobei die ersten 30m durchwegs senkrechtes, mäßig absicherbares Röhreneis im Schwierigkeitsgrad WI6 boten. Die zweite Hälfte ist ein mächtiges Eisschild und liegt im Bereich WI5 bis 5+.
Anschließend querten wir über ein breites Schneeband nach rechts in Richtung der beiden anderen Linien. Erfreut stellten wir fest, dass der Fels-Einstieg zur freihängenden Säule durchaus machbar erschien. Benni bestückte seinen Gurt mit Friends, Keilen, Schrauben und was man sonst noch so für eine Mixed-Erstbegehung* braucht und ging ans Werk. Trotz wechselnder Felsqualität und zweifelhafter Absicherung (M6) erreichte er schnell den Zapfen, der mit Samthandschuhen behandelt werden wollte. Nach ein paar extrem anstrengenden Zügen (WI 6+) gelangte er zu einem kleinen Rastplatz, ehe die zweite Säule (WI 6) auf seine Eisbeile wartete.
Nach ca. 4 Metern Gehgelände folgt zum Abschluss noch eine 10m hohe, senkrechte Steilstufe (WI 5+), ehe man sich am Standplatz das Laktat aus den Armen schütteln kann. Insgesamt ist diese Länge knapp 40 Meter lang.
Nachdem wir uns über diese Linie zurück auf das Schneeband abgeseilt hatten, war Benni natürlich noch heiß auf den 4. Eisfall, der etwas weiter rechts liegt. Leider war die Eisglasur in einem ähnlich schlechten Zustand wie die Untere und auch die Absicherungsmöglichkeiten schienen, wenn überhaupt vorhanden, äußerst fragwürdig. Trotzdem stieg Benni über eine geneigte Glasur 8m bis zur ersten Steilstufe auf, ehe er mit ein paar Kilo ausgebrochenem Gestein den Schnellabstieg zurück aufs Band antrat. Nichts passiert – Glück gehabt!
Wir hatten auf jeden Fall genug Nervenkitzel und seilten uns über den ersten Wasserfall zu unserem Materialdepot ab. Bei einem Bier im Gasthof Sonnenstein waren wir uns beide einig, dass sich der lange Zustieg für die beiden außergewöhnlich schönen und anspruchsvollen Linien gelohnt hat!
* Zum jetzigen Zeitpunkt liegt uns keine Information zu den 3 weiteren Eislinien im Bereich der Serles Kaskade vor. Letztere wurde lt. „Eisklettern in Tirol“ von S. Gwiggner und W. Nagele 1999 erstbestiegen.