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Uns gelang die Flucht aus dem Moloch Lima und nach achtststündiger, recht angenehmer Busfahrt, bei der man von Meereshöhe über einen 4100 m hohen Pass rollt, erreichten wir die Bergsteigerstadt Huaraz. Am Sonntag stand die Organisation unseres nächsten Bergabenteuers auf dem Programm. Da wir morgen Richtund Quebrada Llaca aufbrechen werden feierten wir schon heute Claudias Geburtstag. Da die am Markt angebotenen Torten nicht gerade appetitlich aussahen gabs eine „Geburtstagskokosnuss“. Diese musste natürlich erst geknackt werden und was bietet sich da besser an als die mitgebrachten Steileisgeräte. Training für die kommenden Eiswände, sozusagen… Wie gesagt: Morgen gehts ab in die Berge, wobei wir bis Freitag oberhalb von Huaraz Sportklettern und den 5670 m hohen Vallanaraju besteigen wollen.
Sonntag 24.6.2012 – Salkantay Trek Tag 1
Heute brachen wir um 6 Uhr bei leichtem Regen von Aguas Calientes Richtung Hidro Electrico auf. Unsere Rucksäcke wiegen gefühlte 100 Kilo, doch nach 2,5 Stunden hatten wir die 11 km entlang der Schienen geschafft. Neidisch machten wir dem ersten Zug der uns überholte Platz, doch dieser Abschnitt der Bahnstrecke darf nur von Einheimischen befahren werden(!). Am Bahnhof des alten Wasserkraftwerkes stärkten wir uns an einem kleinen Imbissstand, ehe wir nach Süden in das Aobamba Tal abbogen und die Zivilisation hinter uns ließen. Nun beginnt das Abenteuer Salkantay Trek! Ein junger Hund entschloss sich uns zu begleiten und wehrte unsere Verscheuchungsversuche gleichgültig ab. Bald gelangt man zu einer 50 m langen Hängebrücke, die uns wild schaukelnd zur anderen Talseite führte. Hier filtrierten wir 5 Liter Trinkwasser (bedeutet nochmals 5 kg mehr zu tragen) und begannen dann mit dem steilen Aufstieg. Der schmale, schlammige Pfad führt mit unzähligen Serpentinen durch den Regenwald mit Bananenbäumen, Kokastauden und Walderdbeeren. Mmmmmhh! Bald kamen uns die ersten Touristen entgegen, schließlich wird diese Trekkingtour normalerweise von der Gegenrichtung gemacht. „Unser“ Hund schien von unserer unfreundlichen Art ihm gegenüber nun doch die „Schnauze voll zu haben“ und schloss sich zwei Franzosen an! Um 13 Uhr erreichten wir nach fast 900 Höhenmetern die Inkaruinen von Llactapata. Von hier hat man einen wunderschönen Ausblick nach Machu Picchu und auch der über 6000 m hohe Salkantay lässt sich zwischen den Wolken erkennen. In nun völliger Einsamkeit machten wir es uns auf der Wiese zwischen den Ruinen bequem, und genossen unsere Travellunch Ration. Nachdem ich diese Zeilen fertig getippt habe werden wir uns noch gemütlich einen Kokatee machen während wir den Sonnenuntergang über Machu Picchu bewundern und uns schließlich in unser Zelt innerhalb der Mauern eines Inka Hauses kuscheln. Ja – es geht uns richtig gut! 🙂
Montag, 25.6.2012 – Salkantay Trek Tag 2
Heute war ein langer, anstrengende Tag, aber nun der Reihe nach: Nachdem wir unser Trinkfrühstück (Schoko-Peronin) in der Arena der Inkaschauplätze beendet hatten brachen wir um 7 Uhr auf. Nach etwa 20 Minuten erreichten wir den Pass zwischen Aobambatal und jenem des Rio Santa Teresa auf ca. 2800 m. Von nun an ging es entlang eines perfekt angelegten und gepflegten Inkapfades bergab. Anfangs durch einen wegen der vielen Schlingpflanzen mystisch wirkenden Wald, später durch etliche Bananen-, Kaffee-, und Avocadoplantagen. Bald erreichten wir die staubige Fahrstraße, welche die vielen kleinen Siedlungen und Wellblechhütten mit der Ausenwelt verbindet. Das Angebot eines Taxifahrers uns bis zum nächsten größeren Dorf mitzunehmen lehnten wir im sportlichen Ehrgeiz dankend ab. Um 10 Uhr kamen wir in Sahuayaco an, wo wir uns mit frittiertem Huhn und viel Inka Cola stärkten. Ab nun ging es wieder kontinuierlich bergauf, wobei sich der Fahrweg bald zu einem schmalen Gehweg verengte. Auf der anderen Talseite gäbe es seit ein paar Jahren eine Straße, jedoch dürfte diese wegen zahlreicher Muren derzeit unbefahrbar sein. Auch unser Pfad ist immer wieder über kurze Strecken vermurt, wackelige Holzbrücken ermöglichen aber ein rasches Weiterkommen. Die steilen Talflanken weisen nur selten ebene Flächen auf und diese werden dann für kleine Plantagen genützt. Mehrmals gelang man so auch zu „Campingplätzen“, an denen sich die Bauern durch den Verkauf von überteuerten Erfrischungsgetränken und Schokoriegeln etwas dazuverdienen. Hier trifft man meist auch auf organisierte Touristengruppen, deren Gepäck mit Pferden oder Eselkolonnen transportiert wird. Ein übermäßig hilfsbereiter Amerikaner erklärte uns, dass unser für heute angestrebtes Etappenziel noch 5 Stunden entfernt sei… (es waren dann nicht einmal 3). Der Pfad verläuft nun leider nicht mehr ganz so kontinuierlich was den Höhenmetergewinn betrifft, denn es müssen oft kleine Felswände und Murgräben umgangen werden. Plötzlich fallen einem kleine Quellen auf, an denen das Gestein intensiv rot gefärbt ist. An einer Stelle spritzt das Wasser etwa 5 m im hohen Bogen aus einem Felsspalt heraus. Ein Kontrollgriff bestätigte die Vermutung, dass es sich dabei um warme Quellen handelt. Nur wenige Meter weiter mündet ein großer Bach in den Rio Santa Teresa. Hier schlugen wir an einem kleinen, ebenen Platz unser Lager auf. Ein kurzes Bad im kalten Wasser und ein gutes Kilo Nudeln später verkrochen wir uns beim Einsetzen des Regens in unser Zelt. Tagesbilanz: 22 km und fast 900 Höhenmeter.
Dienstag, 26.6.2012 – Salkantay Trek Tag 3
In der Nacht regnete es ein bisschen und auch am Morgen hingen die Wolken noch bis tief ins Tal herab. Ein paar Meter nach unserem Zeltplatz erreichten wir um 7 Uhr die neue Fahrstraße, die scheinbar doch intakt ist, denn bald fuhren die ersten Lieferautos an uns vorbei. Transportmittel der ersten Wahl ist aber doch das Pferd, über den ganzen Tag gerechnet begegneten oder überholten uns bestimmt hundert schwer bepackte Vierbeiner. Gleich nach der kleinen Siedlung Collpapampa, in der wir uns noch mit Keksen und noch mehr Schokoriegeln eindeckten, verließen wir die Fahrstraße und überquerten eine Hängebrücke Richtung Salkantay Pass. Von nun an gewinnt man schnell Höhenmeter, denn der schmale Pfad ist ziemlich steil. Mehrmals erkundigten sich Einheimische und Touristen, ob wir schon in die richtige Richtung marschieren, schließlich liege Machu Picchu in der Gegenrichtung… Die Wolkendecke riss untertags nur selten auf und erlaubte nur kurze Blicke auf die beeindruckende Bergwelt. In einer Seehöhe von ca. 3900 m erreichten wir die Baumgrenze. Die folgenden Almwiesen samt Kühen erinnern an unsere Almen – aber um ganze 1000 m höher. Auf ungefähr 4000 m liegt ein großer Lagerplatz, an dem die geführten Reisegruppen bekocht werden. Wir aber stiegen noch weiter auf, vorbei an Alpacas, bis in eine Höhe von 4280 m, mit dementsprechend dünner Luft. Hier fanden wir um 3 Uhr einen netten Zeltplatz, abseits der restlichen Salkantay-Treker. Pünktlich zu unserer ersten Kanne Kokatee riss auch die Wolkendecke auf und wir hatten freie Sicht auf den nun sehr nahen Salkantay. Beide Talseiten beeindrucken mit mächtigen Hängegletschern und den typischen Riffelwänden aus senkrecht angepresstem Schnee. Noch bevor es ganz dunkel und somit auch gleich ziemlich kalt wurde zogen wir in unser Zelt ein. Sozusagen als Einschlaflied lauschen wir gespannt dem tiefen Grollen herabbrechender Eismassen. Tagesbilanz: 14 km und über 1500 Höhenmeter.
Mittwoch 27.6.2012 – Salkantay Trek Tag 4
Da uns die höhenbedingten Kopfschmerzen ein bisschen Schlaf raubten ließen wir den Wecker heute ein wenig später läuten. Außerdem motiviert einen die Kälte (das Außenzelt war vereist) auch nicht gerade für einen frühen Aufbruch… Doch als wir uns dann doch überwunden hatte den warmen Schlafsack zu verlassen um heißen Kokatee zu kochen wurden wir mit einem fast wolkenlosem Bergpanorama belohnt! Heute vertrugen wir die Höhe schon um vieles besser als gestern abend und so erreichten wir schon nach ca. Einer dreiviertel Stunde den 4620 m hohen Pass. Der Ausblick hinüber zu 2000 m hohen, furchteinflößenden Südwand des Salkantays war einfach unbeschreiblich! Wir freuten uns über das große Glück des richtigen Timings, denn gestern dürfte diese Bergkulisse wohl die meiste Zeit hinter den Wolken verborgen geblieben sein. Sobald die Sonne nur ein wenig über dem Salkantay-Gipfel hervorkam wurde es schnell angenehm warm. So konnten wir hier oben den sprichwörtlich, wie auch tatsächlichen Höhepunkt unseres Trekkings genießen. Unterhalb der steilen Südwand setzt ein riesiger Moränenwall an, den wir natürlich auch noch besteigen mussten. Hier und auf einer nahen Almwiese fanden wir dann mehrere exzellente Boulderblöcke und wir verbrachten mindestens eine Stunde damit ein paar Probleme zu knacken. Unglaublich wie einem die dünne Luft beim schweren Klettern zu schaffen macht! Das erste Mal in den vergangenen Tagen waren nun wir es, die bergab gingen, während sich die geführten Touristengruppen nach oben keuchten. Mittlerweile glauben wir, dass wir die ersten überhaupt sind, die den Salkantay Trek in diese Richtung machen. Kurz vor Soraypampa gönnten wir uns auf 4000 m und strahlendem Sonnenschein ein äußerst erfrischendes Bad in einem Bach. Von nun an folgt man einer nur sehr mäßig abfallenden Schotterstraße hinaus nach Molepata. Nachdem wir uns noch ein Travellunch-Mittagessen zubereiteten waren wir sehr froh, als uns ein sogenannter „Colletivo“ also ein Kleinbus überholte. Als wir erfuhren, dass dieser direkt nach Cuzco fährt zögerten wir natürlich nicht lange und ersparten uns so fast 18 km an eher eintönigem Bergabgehen. Unsere Gelenke waren uns sicher dankbar! In der Dunkelheit kamen wir gegen 7 trotz haarsträubender Fahrweise sicher in der Inkahauptstadt an und waren froh im selben Hotel wie vor einer Woche ein Zimmer zu bekommen. Trotz der deutlich anstrengenderen Variante (fast 5000 Höhenmeter auf ca. 80 km Wegstrecke, alles ohne Träger) hatten wir den Salkantay Trek nun doch wie alle anderen auch in 4 Tagen geschafft. So bleibt uns ein Tag mehr in Cuzco zum Wäsche waschen und für ein wenig sightseeing. Am 29. fliegen wir zurück nach Lima, ehe wir am darauffolgenden Tag mit dem Bus nach Huaraz in Richtung nächster Bergabenteuer aufbrechen werden.
Claudia und ich brachen heute um halb 5 uhr frueh in richtung der groessten attraktion von ganz suedamerika auf : Machu Picchu! Nach etwas ueber einer stunde und weit ueber 1000 stufen standen wir zu tagesanbruch vor den strengen einlasskontrollen. Ohne fruehzeitige ticketreservierung via internet waere hier bestimmt schluss. Wenig spaeter beeindruckte uns der erste grandiose blick auf die mit nebelschwaden noch mystisch wirkende anlage. Ein paar lamas machten diese kulisse schon fast kitschig. Nach einer schnellen querung durch die inka siedlung trugen wir uns dann in das besucherverzeichnis fuer den angrenzenden berg wayanapicchu ein, fuer den wir uns ebenfalls schon vor monaten eintrittskarten sicherten. Der Aufstieg auf den extrem steilen aber dicht bewachsenen granitturm war fuer mich der beeindruckendste teil des tages! Die aussicht vom exponierten Gipfel ist einfach unbeschreiblich! Den restlichen tag verbrachten wir in den unterschiedlichen vierteln von machu picchu und versuchten den wahnwitzigen menschenmassen bestmoeglich aus dem weg zu gehen. Nachdem wir wieder zu fuss in aguas calientes ankamen konnten wir schliesslich doch noch den dringend benoetigten treibstoff fuer unseren kocher auftreiben: der offensichtlich bekiffte betreiber eines kleinen campingplatzes verkaufte uns einen liter seines persoenlichen benzinvorrats – scheinbar ein wirklich seltenes gut in dieser untypischen stadt. Somit steht unserem trekingabenteuer nichts mehr im wege und wir werden morgen recht frueh zurueck richtung hidro electrico aufbrechen, ehe wir uns fuer 4-5 tage in die bergwelt rund um den 6000er salkantay verabschieden. Am 29. Juni planen wir wieder zurueck in cuzco zu sein, und dann gibt es vielleicht auch wieder eine fortsetzung in diesem blog. Lg, C+K