Archiv für die Kategorie „Kombinierte Touren“
Glück muss man haben: Genau in jener Woche in der wir (Claudia, Eva, Josy und ich) einen Chamonix-Urlaub machten, bescherte uns der französische Wettergott Prachtwetter vom Feinsten!
Samstag – 10. September 2011
Nach einer 8 stündigen Autofahrt über die Schweizer Pässe braucht man dringend noch ein bisschen Bewegung. Am berühmten Bolderblock von Pierre d’Orthaz fanden wir genau das was wir suchten: Perfekten Granit zum (wieder-)kennenlernen mit extrem kurzem Zustieg.
Sonntag – 11. September 2011
Mit der ersten Gondel ging es hinauf auf die Aguille du Midi – unser Ziel: der Cosmiques Grat. Dieser relativ kurze Grat ist wohl eine der besten Akklimatisations-Touren des gesamten Massivs. In etwa 3,5 Stunden kletterten wir in diesem unbeschreiblichen Ambiente von der gleichnamigen Hütte zurück zur Seilbahnstation.
Montag – 12. September 2011
Eva und Josy verbrachten den Tag am (steinschlag-)gefährlichen Zustieg zur Gouter-Hütte, weil sie am nächsten Tag den wohl begehrtesten Gipfel in Chamonix abhaken wollten. Da Claudia und ich das Vergnügen schon vor ein paar Monaten mit Tourenskiern hatten brachen wir früh morgens abermals auf zur Midi-Seilbahn. Leider hatte es in der Nacht etwas geschneit, weshalb die erste Gondel eine Stunde später abfuhr. Unsere geplante Tour – der Trident du Tacul stand daher bereits jetzt aus Zeitgründen auf wackeligen Beinen. Wir mussten dann noch den gesamten Weg quer durch das Vallee Blanche selber spuren und hatten beide die eine oder andere unheimliche Begegnung mit einer zugewehten Gletscherspalte… Nach eine beeindruckend Spaltenreichen Abkürzung unter dem Tacul standen wir schließlich am Einstieg des Tridents. Wir stiegen zwar noch in die Route ein, doch um nicht zu spät auf der Torino-Hütte anzukommen und um unsere Kräfte zu schonen seilten wir bald wieder ab. Am späten Nachmittag erreichten wir die neue Torino Hütte, in deren Umgebung gerade eine neue Seilbahnstation errichtet wird. Beeindruckende Baustelle!
Dienstag – 13. September 2011
Gegen 7 Uhr brachen wir zusammen mit etwa 10 Italienern auf in Richtung Dent du Geant. Nach einer Stunde am Gletscher und weiteren 1,5 Stunden Blockwerk standen wir am Einstieg. In den schwereren Seillängen hängen (leider) dicke Taue, die einem manchmal beim Freiklettern etwas behindern. Die Risse sind einfach herrlich und so konnten Claudia und ich alles rotpunkt (ohne Taue), mehr oder weniger in Wechselführung klettern. An der Abseilpiste blockierten uns dann leider die schon erwähnten Italiener, was damit endete, dass wir um 20 Minuten die letzte Fahrt mit der Helbronner-Seilbahn verpassten… Die resultierende Rückfahrt mit der italienischer Seilbahn nach Courmayeur und Taxi bzw. Bus zurück nach Chamonix war natürlich nicht gerade die kostensparendste Alternative!
Gratulation an dieser Stelle an Team Eva und Josef, die schon zu Sonnenaufgang auf 4809m und somit auf dem höchsten Punkt Mitteleuropas standen!
Mittwoch – 14. September 2011
Um uns alle ein wenig zu erholen verbrachten wir den Tag auf „der anderen“ Talseite – am Brevent. Wir hakten mehrere Sportkletterrouten ab und schließlich stiegen Claudia und ich noch in die beliebte Mehrseillängenroute „Frison-Roche“ an der Brevent Südwand ein.
Donnerstag – 15. September 2011
Da Josy sich nicht ganz fit fühlte, bzw er noch zu einer Autowerkstätte musste durfte ich an diesem Tag gleich mit zwei hübschen Bergsteigerinnen in die Midi-Seilbahn einsteigen. Von der Mittelstation querten wir über zermürbendes Blockgelände bis zum Einstieg des Aguille de l’M NNO-Grates. Claudia und ich hatten für den morgigen Tag eigentlich die Gd. Charmoz-Grepon-Überschreitung geplant, weshalb unsere Rucksäcke randvoll mit Biwak-Ausrüstung gefüllt waren. Auf der Moräne vor dem Nautillons Gletscher findet sich ein ausgezeichneter Schlafplatz und wir konnten unser Gepäck endlich etwas für die heutige Tour erleichtern.
Die Route auf das „M“ bietet Granit-Risskletterei vom Feisten, auch wenn manche Stellen schon ziemlich glattpoliert sind. Die neidischen Blicke eines Chamonixer Bergführers, der „nur“ einen, noch dazu männlichen Gast hatte verschönerten mir den ohnehin tollen Gipfel. Super geklettert Mädls!
Claudia und ich hatten heute einen relativ kurzen Abstieg, da nur Eva zurück zur Midi-Mittelstation musste. Wir machten es uns derweil mit einer Flasche Wein im Abendrot gemütlich.
Freitag – 16. September 2011
Dass der Zustieg über den Nautillons-Gletscher Eisschlag-gefährdet ist wussten wir natürlich schon, aber das angsteinflößende Gedonnere von herabstürzenden Eismassen während der ganzen Nacht leistete dann doch ganze Arbeit: Wir bschlossen unseren ohnehin schon übermüdeten Körpern einen Erhohlungstag zukommen zu lassen – trotz wolkenlosem Himmel.
Samstag – 17. September 2011
Irgendwann musste die Schönwetter-Periode ja zu Ende gehen, und so wurde heute leider nichts mit der geplanten Tour (Rebuffat) an der Midi-Südwand… Stattdessen traten wir die Heimreise an und gönnten uns in der Altstadt von Bern noch eine heiße, schweizer Schokolade.
Die lang ersehnte Gemeinschaftstour der Bergrettung Axams nach Chamonix war ein voller Erfolg: Bei Prachtwetter gelang uns die Überschreitung des höchsten Berges der Alpen!
Da die Argentiere Hütte aufgrund von Schneemangel bereits geschlossen hatte verbrachten wir zwei Nächte auf der Cosmique. Am Freitag bestiegen wir den Mont Blanc du Tacul (4248m) um uns zu akklimatisieren und auch um den derzeit etwas heiklen Aufstieg durch dessen N-Flanke zu erkunden. Eine erfolgreiche Begehung steht oder fällt wortwörtlich mit der Brücke über eine riesige Spalte auf halbem Weg. Sollte sich diese Brücke verabschieden wird es Zeit für Leitern…
Am Nachmittag gingen ein paar der Jungs noch am Triangle du Tacul Eisklettern, während ich dem Cosmique Grat einen Besuch abstattete.
Am Samstag war dann der große Tag: Um 4 Uhr verließen wir die Hütte und stiegen wieder in Richtung Tacul auf. Anschließend ging es weiter auf das Col du Maudit, welches über einen Bergschrund und anschließender 50° Flanke erreicht wird. Nachdem wir dann noch ein paar recht anspruchsvolle Passagen im Bereich des Col de la Brenva hinter uns gebracht hatten stiegen wir bei stürmischen Wind mit knapp 30 Spitzkehren zum 4810m hohen Gipfel.
Gekrönt wurde die Tour auf den Monarch mit der spektakulären Abfahrt über die N-Flanke, welche uns auf schnellstem Weg wieder in eine Höhe mit dickerer Luft brachte!
Gratulation an alle Bergrettungs-Kollegen und vor allem an Claudia, der einzigen Frau auf dem Gipfel, zu dieser äußerst anspruchsvollen Tour!
Es ist vollbracht! Benni und mir gelang die klassische Linie durch die wohl berühmteste aller finsteren Nordwände im ersten Versuch.
Nachdem wir die idealen Verhältnisse in der Wand Anfang Feber verschlafen hatten, hielten wir uns immer wieder ein paar Tage frei, in der Hoffnung auf eine zweite Chance noch vor dem Sommer. Denn eines war uns klar: wir wollten die Wand im Winter, oder zumindest bei noch winterlichen Verhältnissen durchsteigen, denn auf die großen objektiven Gefahren in den Sommermonaten (Steinschlag!) hatten wir beide keine Lust. Nachdem Benni die letzte Woche am Olymp und ich im Jamtal verbracht hatten war die Freude groß, dass der Wetterbericht für den 5. bis 8. April vielversprechend aussah… Am Dienstag (5. April 2011) packten wir unsere Sachen und fuhren nach Grindelwald. Mit einer der letzten Bahnen ging’s hinauf auf die Kleine Scheidegg und von dort zu Fuß weiter über die Piste zur Station Eigergletscher.
Um 5:30 machten wir uns auf den Weg zum Einstieg, den wir dank vorhandener Spuren nach etwa 45 Minuten, pünktlich zum ersten Tageslicht erreichten. Am unübersichtlichen Vorbau, auf dem wir im guten Trittschnee seilfrei schnell Meter machen konnten, waren wir noch zuversichtlich die Wand an einem Tag hinter uns zu bringen. Bald kam aber erste Skepsis auf als die Spuren immer weiter nach rechts zogen und schließlich im Stollenloch verschwanden… Ab jetzt hieß es selber spuren! Nach einer etwas unguten Querung nach links gelangten wir wieder zurück auf die richtige Linie und fanden bald die erste schwere Seillänge: den „Schwierigen Riss“.
Ab hier ist die Routenfindung relativ einfach und wir konnten Seillängen mit den klingenden Namen wie „Hinterstoisser-Quergang“, „Erstes- bis Drittes Eisfeld“ und „Bügeleisen“ recht zügig durchklettern. Die Verhältnisse in der „Rampe“, vor Allem eine Seillänge nach dem „Wasserfallkamin“ bremsten uns aber dann doch stark ein: viel Triebschnee, wenig gutes Eis und zuletzt eine Kühlschrankgroße Wächte kosteten viel Zeit. Mit dem Wissen, dass wir es wohl heute nicht mehr bis zum Gipfel schaffen würden ging’s weiter in der Abendsonne über den „Brüchigen Riss“ via „Götterquergang“ zur „Spinne“. Etwa zwei Seillängen später fanden wir ein akzeptables Biwak-Plätzchen, an dem wir sitzend die Nacht verbrachten. Wenigstens war es nicht zu kalt und windstill!Frisch und munter waren wir am nächsten Tag zwar nicht, aber weiter ging es trotzdem: „Quarzriss“ (unter uns Geologen gesagt: „Kalzitriss“ – kein Quarz!) und dann die heiklen, oft komplett eisfreien Austiegsrisse hinauf Richtung „Gipfeleisfeld“. Im strahlenden Sonnenschein genossen wir schon regelrecht den exponierten Mittellegigrat zum Gipfel auf 3970m, den wir um 11:15 erreichten. In geradester Linie kamen wir in 1,5 Stunden wieder hinunter zur Station Eigergletscher.
Info’s zu den Verhältnissen am 6. bis 7. April 2011:
- Schwieriger Riss: Sehr wenig Eis, recht gut abgesichert, u.A. ein feststeckender Friend.
- Hinterstoisser: Nagelneues Statik-Fixseil auf den ersten Metern, danach mehrere ältere Seile – problemlos!
- Eisfelder: Nur wenig Blankeis, meist recht guter Trittschnee – Eisschlauch zwischen 1. und 2. Eisfeld perfekt!
- Bügeleisen: Eher schlecht absicherbares Mixed-Gelände
- Todesbiwak: Sieht fast einladend aus…
- Rampe: Generell eher schlechte Verhältnisse: wenig Eis, viel Schnee.
- Wasserfallkamin: Wenig Eis – eine der Schlüsselstellen. Die Seillänge danach mit einer regelrechten „Schaumrolle“ aus Triebschnee und heiklen Eisglassuren war aber noch schwerer.
- Biwakplatz am Brüchigen Band: Sieht gut aus.
- Brüchiger Riss: Kein Fixseil, aber gut abgesichert, u.A. 2 feststeckende Friends.
- Götterquergang: Recht wenig Schnee, nur stellenweise Fixseile
- Spinne: Zur Hälfte blank
- Quarzriss: Sehr wenig Eis
- Corti-Biwak: Ich würd’s nicht wollen! – Da war unser Platz kurz vorm Quarz-Riss noch besser!
- Austiegsrisse: Wenig Eis, wenig Absicherung
- Gipfeleisfeld: Zum Teil Blankeis.
- Abstieg: In direkter Fallinie hinunter stapfen. Die letzte halbe Stunde hüfttiefer Sumpf.