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Lukas vulgo „Lucky“ Priemer und ich fuhren am Samstagnachmittag in die östlichen Dolomiten zum Klettern. Das Tourenziel wurde erst im Laufe der Autofahrt endgültig beschlossen, wobei folgende Routen in die engere Auswahl kamen: Gelbe Kante an der kleinen Zinne; Constantini-Ghedina am zweiten Pfeiler der Tofana und der erste Südwandpfeiler – ebenfalls an der Tofana… Schlussendlich gewann letztere Route unser strenges Auswahlverfahren.
Am Samstagabend zeigten sich bei einem kleinen Lagerfeuer am Parkplatz der Cinque-Torri-Seilbahn grobe Mängel in der Tourenplanung: Ich hatte nur eine Flasche Rotwein eingekauft, was sich noch in der gleichen Nacht durch schlechten Schlaf rächte.
Gestärkt durch ein kalorienarmes Tiramisù-Frühstück fuhren wir um 7 Uhr Früh über die frisch asphaltierte(!) Straße hinauf zum Rifugio Dibona, wo wir feststellten, dass man selbst zu dieser gottlos frühen Morgenstunde als Spätaufsteher unter den italienischen Kletterern zählt. Meine Befürchtung, dass wir uns am Einstieg in die beliebte Route schon in eine lange Warteschlange einreihen müssen, stellte sich aber zum Glück als falsch heraus. Nur eine kroatische Seilschaft mit der bezaubernden Natascha war schneller als wir.
Die Kletterei ist Genuss vom Feinsten – nie zu schwer, immer gut mit Normalhaken bzw. eigenem Material abgesichert und alles in allem einfach eine schöne Linie! Natascha dürfte von der Route auch sehr begeistert gewesen sein, denn ihre Seillängen wurden immer kürzer, wahrscheinlich um den Genussfaktor zu erhöhen… Wir ließen uns aber dennoch nicht zu einem Überholmanöver hinreißen, sondern genossen bei den zahlreichen Wartepausen das Panorama von Cortina bis zur Marmolada.
Lucky und ich cruisden in 5 Stunden in Wechselführung durch die Wand, ehe wir über den imposanten Abstieg zurück zum Auto gingen. Bei einem Bierchen am Falzarego Pass rundeten wir einen komplett stressfreien Tag ab und planten schon unsere nächsten gemeinsamen Klettertrips – dann aber mit zwei Flaschen Wein!
Das Beste gleich vorweg: Endlich darf ich das blaue UIAGM-Wappen auf der Brust tragen! Nach insgesamt 2 Jahren Ausbildung in den verschiedensten Spielarten des Bergsteigens traf sich mein Jahrgang zu einem letzten, grandiosen Kurs in Chamonix – aber jetzt der Reihe nach:
Um uns ein wenig für die hohen Berge der Mont-Blanc-Gruppe zu akklimatisieren, fuhren Benni, Olli und ich schon 4 Tage vor dem eigentlichen Kursbeginn in die Westalpen. Das Ziel unserer Bergtour wählten wir erst auf den letzten Kilometern nach Zermatt und entschieden uns schließlich für die Überschreitung der Wellenkuppe (3903 m) zum Obergabelhorn (4063 m). Am Samstagnachmittag stiegen wir von Zermatt in Richtung Rothornhütte auf. Etwa auf halbem Weg begann es wie aus Kübeln zu schütten und so kamen wir völlig durchnässt auf der Hütte an. Gott sei Dank gab es nur zwei weitere Gäste und so konnten wir unsere Ausrüstung in der Gaststube wenigstens einigermaßen trocknen…
Gegen 4 Uhr begannen wir dann mit dem Aufstieg auf die Wellenkuppe, welche Kletterei bis zum oberen 3. Schwierigkeitsgrad erfordert. Der erste Gipfel des Tages belohnt einen mit einer prächtigen Aussicht auf die Matterhorn-Nordwand … die steht doch auch noch auf der to-do-Liste…
Eigentlich hatten wir damit spekuliert, durch die elegante, ca. 300 m lange Nordwand auf das Obergabelhorn zu steigen, doch leider lag noch viel zu viel Schnee in der Wand. Durch die hohen Temperaturen war die Gefahr von Nassschnee-Rutschern selbst auf 4000 m zu groß. Also folgten wir weiterhin dem exponierten Gratverlauf und standen schließlich, nach einem interessanten Mix aus Schnee, Fels und Eis auf dem Gipfel. Beim Abstieg zurück zur Wellenkuppe bestätigte sich unsere Befürchtung, denn die vorher schneebedeckte Nordwand war nun innerhalb kürzester Zeit durch viele kleine Lawinen blank geworden. Nach weiteren 2500 Höhenmetern Abstieg waren wir zurück im von Touristen überfluteten Zermatt.
Am nächsten Tag stand Erholung in Form von Schwimmen auf dem Programm. Benni kannte durch seine fanatische Lektüre von Klettermagazinen eine wahre Perle und einen echten Geheimtipp: Das Schwimmbad im Zoo von Marecottes – hoch über Martigny. Hier kann man in einem traumhaft schönen Natur-Pool direkt neben dem Schwarzbär-Gehege seine Seele baumeln lassen!
Offizieller Kursbeginn war erst am Dienstagabend, deshalb fuhren wir vormittags von Chamonix hinauf auf die Aiguille du Midi um einen der Felsklassiker auf der Südseite zu klettern. Mittlerweile waren wir zu viert, denn beim Bouldern am Col des Montets am Vorabend stieß Gerhard zu unserer Gruppe hinzu. Benni und ich ließen uns von der Warteschlange in der Rébuffat-Route einschüchtern und kletterten deshalb die „Kohlmann“, allerdings mit alternativem Ausstieg. Der Granit in der Midi-Südwand ist ein Traum und durch ein weit verzweigtes System aus Rissen kann man mit genügend Freunden an der Materialschlaufe eigentlich überall klettern.
Der spannendste Moment des gesamten Kurses kam dann am Abend: Die Verkündung, mit welchen Teilnehmern man zu welchem Ausbildner kommt. Meine Nerven lagen aufgrund schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit blank, aber dieses Mal hätte ich es kaum besser treffen können: Ich kam mit Christian Bauer und Jan Beutel in die Gruppe von Karl Wieser. Noch am selben Abend begann die Tourenplanung für die nächsten beiden Tage: Mittwoch Petite Aiguille Verte (3508 m) und Abstieg zum Refuge d’Argentiere, gefolgt von einer Hammer-Tour am Donnerstag: Mont Dolent (3820 m) über die 300 m hohen Westwand und den Nordgrat mit Abstieg auf die italienische Seite.
MITTWOCH (7. Juli 2010)
Von der Bergstation der Aig. des Gds. Montets ist es eigentlich nur noch ein Katzensprung auf die Petite Verte, aber dennoch bietet der kurze Grat ein tolles Führungsgelände für das Gehen am kurzen Seil. Über das Col des Gds. Montets stiegen wir anschließend ab auf den Argentiere Gletscher, welcher aus dem beeindruckenden Argentiere-Kessel fließt. Das Ref. d’Argentiere wurde vor wenigen Jahren komplett neu gebaut und übertrifft an Komfort sogar Hütten wie die Konkordia- oder die Finsteraarhornhütte.
Der Wirt Fred begrüßte uns mit einer Runde Freibier und im Waschraum gibt es sogar fließend Warmwasser – unerwarteter Luxus in den französischen Westalpen!
DONNERSTAG (8. Juli 2010)
Um 3 Uhr führte uns Chris zwei Stunden lang zum Einstieg unserer Route: die Westwand, welche sich vom hintersten Argentiere-Kessel hinauf zum Col de l’Amone zieht. Die große Randkluft, welche wir in der Morgendämmerung hinter uns brachten, war ein erster Vorgeschmack auf die zu erwartenden Schwierigkeiten unserer Tour. In wechselnder Felsqualität kletterten wir in etwa 3 Stunden durch die 300 m hohe Wand, wobei die schwierigsten Längen den unteren 5. Grad erreichten. Es dauerte nicht lange, da schlug auch das erste Mal mein Geologenherz höher, als etwa 150m rechts von uns ein beachtlicher Felssturz in die Tiefe donnerte. Kein Wunder, dass der Permafrost immer weiter zurückschreitet, lag die Null-Grad-Grenze doch auf über 5000 m!
Ab dem Col de l’Amone war ich an der Reihe, die Führung zu übernehmen. Zuerst ging es am schönen, ausgesetzten Nordgrat entlang, der sich schließlich in einem messerscharfen Firngrat fortsetzte. Danach galt es eine ca. 100 m lange, ca. 60° steile Eisflanke zu überwinden, ehe man in einen wirklich katastrophal brüchigen, grobblockigen Abschnitt gelangt. In diesen zwei Seillängen half nur noch eins: hoffen, dass es schon irgendwie hält und nichts wie durch! Die letzten 200 m zum Gipfel waren dann vergleichsweise wieder reinste Genusskletterei…
Um 12:45 erreichten wir schließlich den Gipfel und machten Stand an einer Madonna-Statue, deren Kopf durch unzählige Blitzeinschläge stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Abstieg vorbei am Fiorio-Biwak hinunter ins Val Ferret bot dann den knietiefen Schnee-Sumpf, welchen wir auf der Südseite erwartet, bzw. befürchtet hatten. Nach insgesamt ca. 12 Stunden waren wir wieder im Tal und gönnten uns ein Taxi durch den Mont Blanc Tunnel zurück nach Chamonix.
FREITAG (9. Juli 2010)
Am Freitag stiegen wir erst am Nachmittag vom Skiort Le Tour zum Ref. Albert Premier auf. Ziel für den nächsten Tag war die Aiguille du Chardonnet (3824 m).
SAMSTAG (10. Juli 2010)
Um 3 Uhr verließen wir die Hütte und überquerten in gerader Linie den Glacier du Tour in Richtung Chardonnet. Dieser direkte Zustieg ist nur möglich, wenn noch genügend Schnee am Gletscher liegt, aber in 1 bis 2 Wochen wird man wohl den ganzen Gletscherkessel ausgehen müssen. Es folgt ein ziemlich steiler Gletscher-Aufschwung zwischen Aig. Forbes und Punkt 3471, um auf den Gletscherrücken „La Bosse“ zu gelangen. Von hier ist es nicht mehr weit in eine markante Scharte des Forbes-Grats, der sich nach Westen zum Gipfel zieht.
Der Grat bietet zum Teil richtig schöne Kletterei, aber auch brüchigere und vereiste Passagen, speziell beim Umgehen von manchen Gendarmen. Alles in allem aber auch wieder eine exzellente Führungstour für gehobene Ansprüche und auf jeden Fall weiterzuempfehlen!
Der Abstieg auf der Westseite (= Normalweg) erfordert zwei unproblematische Abseiler, ehe man wieder auf den Gletscher gelangt.
SONNTAG (11. Juli 2010)
Am Sonntag stand alpines Sportklettern und Bergrettung auf dem Programm, weshalb wir mit der Seilbahn auf den nördlich von Chamonix gelegenen Brevent fuhren. Der Blick von hier auf das Mont-Blanc-Massiv ist einfach unbeschreiblich und es wird wohl auch nirgendwo ein schöneres Ambiente für Bergrettungsübungen geben! Wir kletterten eine schöne Route im unteren 6. Grad an der Brevent-Ostwand, welche leider durch völlig unnötige Bohrhaken direkt neben den schönsten Rissen verunstaltet war.
MONTAG (12. Juli 2010)
Der Aiguille du Plan sind nördlich (Chamonix-Seite) mehrere kleinere Aguilles vorgelagert. Eine davon, nämlich die Aiguille des Pélerins, wollten wir über den SW-Grat besteigen. Von der Mittelstation der Midi-Seilbahn steigt man über den Glacier des Pelerins auf, bis man über 2er und 3er Gelände auf den Grat aufsitzen kann. Die Kletterei erfordert mindestens den oberen fünften Grad, was uns mit den schweren Bergschuhen ordentlich zu schaffen machte. Wir verzichteten absichtlich auf unsere Kletterpatschen, was aber im Nachhinein eher als Fehler zu werten ist, da wir sonst deutlich schneller gewesen wären.
Etwa 200 Meter unter dem Gipfel entschieden wir uns schließlich, die Tour abzubrechen und seilten uns über die SO-Seite ab. Egal – Rückzug steht ja schließlich auch auf dem Lehrplan 🙂
DIENSTAG (13. Juli 2010)
Eigentlich hatten wir geplant, am Nachmittag mit der Midi- und der Helbronner-Seilbahn zur Torino-Hütte zu fahren, um am nächsten Tag über den Kuffner-Grat auf den Mont Maudit zu steigen, doch leider machte uns starker Wind einen Strich durch die Rechnung: Alle Seilbahnen blieben geschlossen. Wir machten das Beste aus dem Tag und gingen Sportklettern, bzw. Bergrettungstechniken üben.
Am Abend fand in Chamonix der Kletterweltcup statt, wo wir die Angy Eiter natürlich lautstark anfeuerten.
MITTWOCH (14. Juli 2010)
Der Wind ließ zum Glück wieder nach und so fuhren wir zeitig hinauf auf die Aiguille du Midi um einen echten Chamonix-Klassiker zu machen: den Midi-Plan-Grat.
Der ausgesetzte Grat fordert führungstechnisch recht viel, durch einen ständigen Wechsel von Schneefeldern, Eis, Fels und einer Abseilstelle. Der Gipfel der Aiguille du Plan (3673 m) ist eine 3 × 3 m große ebene Fläche und bietet ein einmaliges Panorama. Für mich war dieser Gipfel der schönste des ganzen Kurses!
Als Abstieg wählten wir die lange Variante: Über den unglaublich spaltigen Glacier d’Envers du Plan hinunter zum Refuge du Requin und dann weiter über das blanke Mer de Glace hinaus nach Montenvers. Am Mer de Glace gingen wir mehr oder weniger absichtlich in den spaltenzerfressendsten Bereich und übten uns im Spalten-Springen… Im Nachhinein betrachtet waren mehr als nur ein Sprung zu gewagt und übermutig, aber es machte uns einfach viel Spaß. Vom Gletscher hinauf nach Montenvers führt eine Vielzahl endloser Stahlleitern, welche man überwinden muss, bevor man sich in einen der Sitze der Zahnradbahn fallen lassen darf.
DONNERSTAG (15. Juli 2010)
Der erste Prüfungstag: Lehrauftritt am Col des Montets. Mein Thema: Treten und Steigen im alpinen Gelände mit Bergschuhen.
FREITAG (16. Juli 2010)
Zweiter Prüfungstag am Brevent: Orientierung, Bergrettung, Sportbiologie, Erste Hilfe, Alpine Gefahren.
Nach der Verkündung der Noten am Abend gab’s nur noch eines: Feiern!!! An dieser Stelle möchte ich mich noch mal ganz besonders beim Kursleiter Alex Giacomelli für die tolle Organisation bedanken: Alle erfolgreichen Teilnehmer erhielten sofort den Bergführerausweis und der Verband sowie die BSPA spendierten T-Shirts und ein paar Runden Bier bei einem geselligen Abschlussabend!
Der Abschlusskurs in Chamonix hat alle Erwartungen bei Weitem übertroffen! Der Hauptgrund war bestimmt das unglaublich schöne Wetter (auch wenn’s schon eher zu warm war), aber auch die tolle Gruppe und allen voran unser Ausbildner Karl! Danke für die super Zeit!
Hier die besten (50) Fotos als Diashow:
Für einen (angehenden) Bergführer gibt es wohl nichts Schöneres, als eine motivierte Gruppe, die schon eine große Portion Eigenkönnen mitbringt! Dieser Umstand macht die Arbeit im Ausbildungsteam der Bergrettung Tirol zu etwas ganz Besonderen.
Vom 19. bis 26. Juni stand der erste Sommerkurs im Ausbildungszentrum (ABZ) Jamtal auf dem Programm, nach dessen erfolgreicher Absolvierung die Ausbildung zum Bergretter abgeschlossen ist. Insgesamt 17 Anwärter nahmen am Kurs teil. Christian und Stefan von der Ortsstelle Innerpitztal sowie Simon von der Ortsstelle Jenbach kamen in meine Gruppe.
Das Wetter zeigte sich von Samstag bis Dienstag von seiner übelsten Seite: Über 30 Zentimeter Neuschnee und dementsprechende Temperaturen. Trotzdem blieb meine Gruppe immer topmotiviert und so nutzten wir die Zeit für Übungen mit dem Zweibein und trainierten den richtigen Seilschaftsablauf, in der Hoffnung, dass wir bei besserem Wetter doch noch die eine oder andere Berg- bzw. Klettertour machen können.
Am Dienstag war das Wetter dann zwar nicht wirklich besser, aber wir stapften trotzdem bei praktisch null Sicht in Richtung Totenfeld. Die Steilstufe des Gletschers war zwar leider größtenteils mit fast einem halben Meter Neuschnee bedeckt, doch mit verkürztem Seil gingen sich dann doch 3 Seillängen im Blankeis aus. Anschließend schulten wir unseren Orientierungssinn beim Weitermarsch durch den Nebel zum Gipfel der Haagspitze (3029m).
Am nächsten Tag kam das erste Mal die Sonne zum Vorschein. Wir packten unsere Rucksäcke und gingen hinauf zum Alpinen Klettergarten an der Südwestseite der Gamsspitze. Der Schnee auf den Felsbändern sorgte für Westalpen-Feeling und in zwei Seilschaften kletterten wir großteils mit mobilen Sicherungsmitteln durch besten Silvretta-Fels.
Ein weiterer Höhepunkt für die Teilnehmer war der Hubschrauberflug am Tau und auch das Wetter hielt bis zum Kursende am Samstag durch. Am Freitagnachmittag legten alle Anwärter eine positive Prüfung in Seiltechnik und Erster Hilfe ab, was bedeutet, dass es in Tirol seit heute 17 neue Bergretter gibt! Ich gratuliere allen Teilnehmern und vor allem Christian, Stefan und Simon ganz herzlich und bedanke mich für die tolle Mitarbeit!
PS: Für meinen letzten Bergführerkurs in Chamonix kommende Woche wünsche ich mir, dass wir auch die weiße Flagge hissen können!!!