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Ich stattete der „Direkten“  heuer bereits das zweite Mal einen Besuch ab, diesmal mit Matthias Stumpf aus Götzens. Für ihn war es die erste Mehrseillängenroute, noch dazu mit „alpinem Touch“. In Wechselführung konnten wir alle  Längen, bis auf den Quergang rotpunkten. Am Start der Quergang-Seillänge brach mir etwa 4m oberhalb vom Standplatz ein Griff aus und ich verabschiedete mich um Miles&More Bonusmeilen zu sammeln. Nach etwa 6 Meter insgesamt  und zwei Meter unterhalb des Standplatzes, an dem ich zum Glück nicht mit Matthias kollidiert bin, wurde mein Flug aber etwas abrupt und schmerzhaft beendet als ich mit dem Steißbein gegen den Fels prallte… Nachdem die Sternchen aus meinem Sichtfeld verschwunden waren kletterte ich weiter, aber an einen Rotpunkt-Versuch dachte ich jetzt gar nicht mehr.
In der letzten Seillänge scheint jetzt noch weniger zu stecken als früher (vielleicht war aber auch nur meine Moral nach dem Sturz etwas geschwächt) und die viele Vegetation macht die Sache auch nicht leichter.
Nach einem äußerst schmerzhaften Abstieg und der Überlegeung doch noch in die Klinik zu fahren entschieden wir uns doch für ein Bierchen in der Branger Alm.

Glück muss man haben: Genau in jener Woche in der wir (Claudia, Eva, Josy und ich) einen Chamonix-Urlaub machten, bescherte uns der französische Wettergott Prachtwetter vom Feinsten!

Samstag – 10. September 2011
Nach einer 8 stündigen Autofahrt über die Schweizer Pässe braucht man dringend noch ein bisschen Bewegung. Am berühmten Bolderblock von Pierre d’Orthaz fanden wir genau das was wir suchten: Perfekten Granit zum (wieder-)kennenlernen mit extrem kurzem Zustieg.

Sonntag – 11. September 2011
Mit der ersten Gondel ging es hinauf auf die Aguille du Midi – unser Ziel: der Cosmiques Grat. Dieser relativ kurze Grat ist wohl eine der besten Akklimatisations-Touren des gesamten Massivs. In etwa 3,5 Stunden kletterten wir in diesem unbeschreiblichen Ambiente von der gleichnamigen Hütte zurück zur Seilbahnstation.

Montag – 12. September 2011
Eva und Josy verbrachten den Tag am (steinschlag-)gefährlichen Zustieg zur Gouter-Hütte, weil sie am nächsten Tag den wohl begehrtesten Gipfel in Chamonix abhaken wollten. Da Claudia und ich das Vergnügen schon vor ein paar Monaten mit Tourenskiern hatten brachen wir früh morgens abermals auf zur Midi-Seilbahn. Leider hatte es in der Nacht etwas geschneit, weshalb die erste Gondel eine Stunde später abfuhr. Unsere geplante Tour – der Trident du Tacul stand daher bereits jetzt aus Zeitgründen auf wackeligen Beinen. Wir mussten dann noch den gesamten Weg quer durch das Vallee Blanche selber spuren und hatten beide die eine oder andere unheimliche Begegnung mit einer zugewehten Gletscherspalte… Nach eine beeindruckend Spaltenreichen Abkürzung unter dem Tacul standen wir schließlich am Einstieg des Tridents. Wir stiegen zwar noch in die Route ein, doch um nicht zu spät auf der Torino-Hütte anzukommen und um unsere Kräfte zu schonen seilten wir bald wieder ab. Am späten Nachmittag erreichten wir die neue Torino Hütte, in deren Umgebung gerade eine neue Seilbahnstation errichtet wird. Beeindruckende Baustelle!

Dienstag – 13. September 2011
Gegen 7 Uhr brachen wir zusammen mit etwa 10 Italienern auf in Richtung Dent du Geant. Nach einer Stunde am Gletscher und weiteren 1,5 Stunden Blockwerk standen wir am Einstieg. In den schwereren Seillängen hängen (leider) dicke Taue, die einem manchmal beim Freiklettern etwas behindern. Die Risse sind einfach herrlich und so konnten Claudia und ich alles rotpunkt (ohne Taue), mehr oder weniger in Wechselführung klettern. An der Abseilpiste blockierten uns dann leider die schon erwähnten Italiener, was damit endete, dass wir um 20 Minuten die letzte Fahrt mit der Helbronner-Seilbahn verpassten… Die resultierende Rückfahrt mit der italienischer Seilbahn nach Courmayeur und Taxi bzw. Bus zurück nach Chamonix war natürlich nicht gerade die kostensparendste Alternative!
Gratulation an dieser Stelle an Team Eva und Josef, die schon zu Sonnenaufgang auf 4809m und somit auf dem höchsten Punkt Mitteleuropas standen!

Mittwoch – 14. September 2011
Um uns alle ein wenig zu erholen verbrachten wir den Tag auf „der anderen“ Talseite – am Brevent. Wir hakten mehrere Sportkletterrouten ab und schließlich stiegen Claudia und ich noch in die beliebte Mehrseillängenroute „Frison-Roche“ an der Brevent Südwand ein.

Donnerstag – 15. September 2011
Da Josy sich nicht ganz fit fühlte, bzw er noch zu einer Autowerkstätte musste durfte ich an diesem Tag gleich mit zwei hübschen Bergsteigerinnen in die Midi-Seilbahn einsteigen. Von der Mittelstation querten wir über zermürbendes Blockgelände bis zum Einstieg des Aguille de l’M NNO-Grates. Claudia und ich hatten für den morgigen Tag eigentlich die Gd. Charmoz-Grepon-Überschreitung geplant, weshalb unsere Rucksäcke randvoll mit Biwak-Ausrüstung gefüllt waren. Auf der Moräne vor dem Nautillons Gletscher findet sich ein ausgezeichneter Schlafplatz und wir konnten unser Gepäck endlich etwas für die heutige Tour erleichtern.
Die Route auf das „M“ bietet Granit-Risskletterei vom Feisten, auch wenn manche Stellen schon ziemlich glattpoliert sind. Die neidischen Blicke eines Chamonixer Bergführers, der „nur“ einen, noch dazu männlichen Gast hatte verschönerten mir den ohnehin tollen Gipfel. Super geklettert Mädls!
Claudia und ich hatten heute einen relativ kurzen Abstieg, da nur Eva zurück zur Midi-Mittelstation musste. Wir machten es uns derweil mit einer Flasche Wein im Abendrot gemütlich.

Freitag – 16. September 2011
Dass der Zustieg über den Nautillons-Gletscher Eisschlag-gefährdet ist wussten wir natürlich schon, aber das angsteinflößende Gedonnere von herabstürzenden Eismassen während der ganzen Nacht leistete dann doch ganze Arbeit: Wir bschlossen unseren ohnehin schon übermüdeten Körpern einen Erhohlungstag zukommen zu lassen – trotz wolkenlosem Himmel.

Samstag – 17. September 2011
Irgendwann musste die Schönwetter-Periode ja zu Ende gehen, und so wurde heute leider nichts mit der geplanten Tour (Rebuffat) an der Midi-Südwand… Stattdessen traten wir die Heimreise an und gönnten uns in der Altstadt von Bern noch eine heiße, schweizer Schokolade.

An meinem heurigen Geburtstag gönnte ich mir zusammen mit Lucky einen 2-Tagestrip in die Dolos.

MITTWOCH, 31. August 2011: COLLAC – Jori-Führe

Collac - Jori Topo

Seit meinen geologischen Kartierungsübungen im Contrintal wollte ich einmal den 2715m hohen Collac über dessen Südostwand erklettern. Jori und Andreoletti machten 1911 die Erstbegehung über eine 300m lange Schlucht-Kaminreihe mit Schwierigkeiten bis in den oberen fünften Grad. Hundert Jahre später gibt es immer noch nicht mehr als maximal 6 Normalhaken und die glatten Reibungsstellen sind auch mit modernen Kletterschuhen alles andere als einfach!
Schwierig gestaltet sich auch die Suche nach dem Einstieg in die Route, denn der viel zitierte dürre Baum scheint sich endgültig zu Humus verwandelt zu haben. Auf jeden Fall muss man von der F. Neigra ein ganzes Stück absteigen und die beste Beschreibung der Route findet sich im alten Auswahlführer von Buscaini (1984). Das Foto von Lucky in der ersten Seillänge kann einem bei der Suche bestimmt auch weiterhelfen.

DONNERSTAG, 1. September 2011: Rosengartenspitze Ostwand – Steger Direkte

Schon alleine wegen der wunderschönen, geraden Linienführung stand diese Route auf unser beider Wunschliste. Mit dem ersten Shuttlebus ging es hinauf zur Malga Ciapela und dann zu Fuß weiter zum Einstieg. Um Zeit zu sparen hängte ich so viele Seillängen zusammen, wie nur irgendwie möglich, doch nach ca zwei Drittel der Route erwischte uns der Regen dann doch noch. Ziemlich durchnässt und mit dem bedrohlichen Rauschen eines spontan gebildeten Wasserfalls im Rücken zehrte die letzte schwere Seillänge durch den Ausstiegskamin doch ziemlich an den Nerven. Am Einstieg zum Normalweg halfen wir dann noch bei der Hubschrauberbergung einer beim abseilen verunglückten Frau, ehe wir die Heimreise antraten.

Panorama vom Gipfel des Collac

Panorama vom Gipfel des Collac

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