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Schönwetter, das länger hält als der Duracell-Hase erlaubt, motivierte Claudia und mich zu einer letzten (?) großen Tour der Saison. Klettern am Untersberg nahe Salzburg stand schon lange auf Claudias Wunschliste. Da die Seilbahn derzeit geschlossen ist und viele der interessanten Routen am Salzburger Hochthron nur von oben erreichbar sind, entschlossen wir uns, in die Südwand des Berchtesgadener Hochthrons auszuweichen.
Die Route „Neue Südwand“ aus dem Jahr 2002 verläuft ähnlich einer Direttissima in gerader Linie durch die Südwand des Berchtesgadener Hochthrons. Bohrhaken sorgen für Sicherheit in den teilweise recht brüchigen Seillängen, aber der Schwierigkeitsgrad 7- sollte beherrscht werden. In der Schlüssellänge passen Friends mittlerer Größe, es geht aber auch ohne. Die letzten drei Seillängen sind zwar nicht mehr schwer, dafür lang, schwer abzusichern und teilweise ziemlich brüchig bzw. grasig. Simultanklettern ist daher nicht wirklich empfehlenswert.
Tipps für (ortsunkundige) Wiederholer:
Topo: Website von Markus Stadler
– In Hinterettenberg parken und zum Scheibenkaser aufsteigen (gut beschildert).
– Bei der Almhütte (Scheibenkaser) rechts vorbei bis zu einem gelben Schild.
– Links dem Steig hinauf zur Südwand folgen (siehe Beschreibung am Topo).
– Einstieg ist mit Blechtafel in etwa 10 m Höhe markiert.
– Die Route kreuzt hin und wieder die „Alte Südwand“, die viel leichter ist (Fluchtmöglichkeit).
– Beim Abstieg entweder über den Klettersteig hinunter oder:
– Durch das „Mittagsloch“ und über den Südwandsteig. Der Höhleneinstieg in das Mittagsloch ist nicht ganz einfach zu finden. Er liegt etwas unterhalb des Stöhr-Hauses. Am besten Locals fragen!
Endlich fand sich ein Zeitfenster, um wohl das letzte große Projekt der heurigen Alpinkletter-Saison abzuhaken! Benni und ich starteten zeitig, um einen neuerlichen Traumtag (ungefähr der 40. wolkenlose Tag in Serie!) an der Schüsselkarspitze zu nutzen. Während des langen Zustiegs entschied eine Runde Schere-Stein-Papier (a.k.a. „Schnick, Schnack, Schnuck“) darüber, wer beginnen darf und somit die berühmte Piazschuppe in der 5. Seillänge erwischt… Meine Schere hat leider verloren… egal, dafür gehörte mir die 8er Länge in der achten Seillänge!
Bis auf die ersten zwei bis drei Meter besagter 8er-Länge, in der uns vor allem die Tritte fehlten, konnten Benni und ich alles in Wechselführung onsighten. Um die Tour abzurunden, stiegen wir über die „Südost“ weiter auf den Westgrat.
Tipps:
– Einstieg gemeinsam mit der „Friedenspfeife“ (kleines Schild)
– In der Schuppen-Länge sind große Friends ratsam: 2 Camalots #4 sind ideal
– 10 Expressschlingen sind ausreichend
– Papier schlägt Stein
Zum Abschluss meiner geologischen Diplomarbeits-Kartierungstätigkeit beschlossen mein Vater und ich, dem Südgrat auf die Larchetkarspitze einen Besuch abzustatten.
Um noch „unerforschtes“ Gebiet besichtigen zu können, wählten wir als Zustieg einen auf der ÖK eingezeichneten Jägersteig, der vom Kienleitensattel direkt ins Mitterkar führt. Großer Fehler. Auf ungefähr halbem Weg stellte sich endgültig heraus, dass dieser Steig schon seit Jahren nicht mehr verwendet wird, aber zu diesem Zeitpunkt standen wir schon mitten in meterhohen Latschen… Nützt nichts – es folgte Latschenkletterei des höchsten Schwierigkeitsgrades!
Der Grat beginnt anfangs harmlos an einem breiten Rücken, doch schon bald steht man vor der ausgesetztesten Passage. Auf etwa 8 m ist der Grat nicht viel breiter als der Bergschuh und auf halber Strecke klafft eine 2 m tiefe Scharte. Mit einem schon gewohnt mulmigen Highline-Feeling balancierte ich hinüber und wagte den Schritt über die kleine Scharte. Kriechen ist vernünftiger. Der weitere Gratverlauf bis zum Gauggturm ist stellenweise ziemlich brüchig (soll heißen: noch brüchiger, als man im Karwendel ohnehin erwartet) und fordert stellenweise Kletterei im 4. Grad.
Das Gipfelbuch am Gauggturm bestätigte unsere Vermutung, dass dieser Gipfel selten überlaufen ist: Ca. 20 Seilschaften seit 1979… Nach zwei kurzen Abseilstellen, die ich nur äußerst ungern seilfrei abklettern würde, und dem anschließenden Aufstieg über Fixseile gelangten wir schließlich auf den Gipfel der Larchetkarspitze. Als Rückweg wählten wir das Hinterkar, da ich dort noch die eine oder andere Schachtdoline vermessen musste. Schließlich statteten wir noch dem Siggi einen Besuch auf der Pleisenhütte ab, die mich während meiner zweijährigen Kartierungstätigkeit immer bestens versorgt hatte.