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Der Patteriol ist wohl der imposanteste Berg im Arlberg-Gebiet. Sein NO-Grat bietet schöne Kletterei in meist festem Fels und stellt eine attraktive Variante zum langen Normalweg dar.
Da ich aufgrund eines Ringband-Einrisses (sport)klettermäßig stark eingeschränkt bin war ich froh über Lucky’s Vorschlag diesen bekannten Klassiker zu machen. Auch meine Eltern waren gleich von der Idee überzeugt und schlossen sich uns an.
Am frühen Morgen darf man mit dem privaten PKW bis zur sogenannten „Salzhütte“ fahren. Von dort ging es mit dem Mountainbike weiter, an der Konstanzer Hütte vorbei, bis zum gelben Wegweiser, der den Zustieg zur Route markiert. Der anschließende Steig ist zwar steil, aber durch die vielen Begehungen sehr gut ausgetreten.
Die ersten Seillängen kletterten wir noch seilfrei, ehe wir an einer steilen Platten-Stelle auf Seilschaftsbetrieb wechselten. In Wechselführung machten „am laufenden Seil“ endlose Seillängen, wobei zwecks sozialer Aspekte beide Seilschaften nebeneinander synchron kletterten. Ich weiß – Sicherheitstechnisch nicht ganz unproblematisch, aber in diesem Schwierigkeitsgrad dennoch vertretbar.
So kamen wir immer fröhlich plaudernd schnell voran und erreichten bald die Schlüsselstelle, einem kurzen aber kräfteraubendem Überhang. Auch hinter dieser knackigen Einzelstelle geht es steil weiter, was diesen letzten Abschnitt sicherlich zum schönsten Teil der Route macht.
Der Abstieg über den Normalweg erfordert nochmals einiges an Konzentration – einerseits damit man den Steig nicht verliert (viele Steinmännchen), andererseits um im losen Schutt keinen Fehler zu machen. Selbige verzeiht das steile, felsdurchsetzte Gelände nämlich gar nicht.
Tipps für Wiederholer:
Alle Infos finden sich auf www.bergsteigen.com!
Die Hitzewelle lässt einem ja gar keine andere Wahl, als sich in das kühlere Hochgebirge zu begeben. Deshalb holte mich Claudia direkt von einer Woche Bergrettungs-Grundkurs im Jamtal ab um zusammen zu den höchsten Bergen der Ostalpen zu fahren.
Der Ostpfeiler des Piz Palü ist eine der schönsten Hochtouren dieses Schwierigkeitsgrades überhaupt und ist es deshalb Wert ihn nicht nur einmal zu machen. Ich selbst hatte nun schon das zweite Mal das Vergnügen. Weitere Faktoren, welche diese Route zur absoluten Genusstour machen sind der bequeme Zu- und Abstieg mittels Seilbahn, das unglaublich schöne Abendrot-Panorama von der Diavolezza-Terrasse, sowie das 5 Gänge Menü welches in der Halbpension inbegriffen ist. Da können einen nicht mal mehr die unverschämt hohen Getränkepreise (10 Euro für 1 Liter Mineralwasser) die Euphorie und Vorfreude auf den bevorstehenden Tourentag vermiesen!
Gegen 5 Uhr früh (und somit wiedermal als letzte) brachen Claudia und ich Richtung Gletscher auf. Natürlich war alles perfekt gespurt weshalb wir schnell an der Ostseite des Piz Trovat vorbei kamen und schon bald am großen Gletscher standen. Vor uns wanderten Heerscharen anderer Bergsteiger in Richtung Gipfel und wir waren Froh, dass die allermeisten am Normalweg blieben. Claudia und ich bogen nach dem ersten Gletscheraufschwung Richtung Ostpfeiler ab und gelangten ohne Probleme zum Einstieg, den ein Bohrhakenstand erkenntlich macht.
Von nun an ist die Route nur noch ein Genuss: feinste Blockgratkletterei! Wir bewegten uns zügig in Wechselführung dahin, wobei wir viel am „laufenden Seil“ kletterten. Krönender Abschluss ist der scharfe Firngrat hinauf zum Ostgipfel. Auch hier fanden wir beste Verhältnisse mit perfekter Spur vor. Vom Ostgipfel erreicht man in ca. 15 min den Hauptgipfel. Auch hier bewegt man sich, gesichert am kurzen Seil, auf einem scharfen Firngrat mit ordentlich Tiefblick.
Der Abstieg über den Normalweg ist, solange die Brücken über die vielen Gletscherspalten halten, unproblematisch. Einzig der Rückmarsch inklusive Gegenanstiege zur Diavolezza stellt dann am Ende der Tour nochmals Ansprüche an die Kraftreserven…
Tipps für Wiederholer:
- Heuer (14. Juli) lag noch recht viel Schnee im Bereich des Gletscherzustieges, was durchaus ein Vorteil war, da man sich das gestolpere durch den sonst vorhandenen Blockschutt erspart. Bei uns war es so warm, dass wir die Steigeisen erst direkt am Beginn der ersten Gletscher-Steilstufe montierten – so lässt es sich viel bequemer (und schneller) gehen.
- Vorsicht auf den letzten Metern des Zustieges: Je nachdem wie man den letzten flachen Bereich des Gletschers erreicht quert man ihn unter Umständen parallel zu großen Querspalten. Versetzt gehen!
- Wir hatten 5 Friends (Camalots #0,4 (grau) bis #2 (gelb) dabei, was meiner Meinung nach Ideal war. Viele lange Bandschlingen verhindern den Seilzug und finden oft als Köpflschlinge Verwendung.
- Die offensichtlich schwierigste Steilstufe kann recht einfach links umklettert werden.
- Der abschließende Firngrat ist zwar bei vorhandener Spur nicht schwierig, erfordert aber ggf. eine gute Sicherungstechnik (Kurzes Seil mit Sprungseil, bzw. Seilschaftsbetrieb mit Standplatzbau durch Steckpickel).
Jedes Mal wenn ich diesen Klassiker in den Kalkkögeln klettere bin ich erstaunt, dass die Route bereits 1898 von Otto Melzer und Gefährten erstbegangen wurde! Die Kletterei mag objektiv betrachtet zwar nicht schwerer sein als IV+, aber in Kombination mit der Felsqualität und der oft schlechten Absicherung verlangt sie einem deutlich mehr ab!
Als das Hauptproblem entwickelte sich aber in den letzten Jahren der Zustieg zur ersten richtigen Seillänge, dem sogenannten „Melzer-Riss“. Die Erosion ließ meiner Meinung nach einiges an Schotter am ersten Band des Zustiegs verschwinden, weshalb jetzt nur noch extrem aufgelockerter (soll heißen: brüchiger) Fels vorliegt. Meine Hoffnung dass im Juni noch ausreichend Schnee vorhanden ist, um diese gefährliche Passage besser überwinden zu können bewahrheitete sich leider nur zum Teil. So fand ich mich bald mit Händen und Füßen im extremen Schutt festklammernd wieder, ehe ich Claudia an einem Steckpickel-Stand nachsichern konnte.
Der Melzer-Riss ist bestimmt gleich die schönste Seillänge der Tour. Hier stecken auch noch einige Normalhaken. Im Mittelteil kann man eigentlich fast überall klettern, irgendwie drängt es einen dann schon wieder in die richtige Richtung. Ab und zu findet man auch ein Steinmännchen auf den schuttbedeckten Bändern. Die klettertechnisch schwierigste Stelle liegt am Start der letzten Seillänge. Hier gilt es einen kurzen aber knackigen Überhang zu überwinden – ein Sturz endet mit Sicherheit unsanft auf dem großen Band darunter. Wahrscheinlich kann man diese Seillänge aber auch großräumig links umgehen.
Wer auf Abenteuerklettern steht und sich im brüchigen Gestein halbwegs wohl fühlt (drücken, schieben, stemmen – niemals ziehen!) findet in der Marchreisen Nordwand die Ideale Route!
Für den Rückmarsch wählten Claudia und ich den gut versteckten „Schneelabstieg“, welcher unter einem Klemmblock in die Rinne zwischen Marchreisen und Mahlgrube führt. Diesem Schnellabstieg wiederfährt aber auch schon ein ähnliches erosives Schicksaal wie dem Zustieg…
Tipps für Wiederholer:
- Im Winter / Frühjahr würde der Zustieg weniger Probleme bereiten…
- Ein gutes Sortiment Friends (kleine bis mittlere Größen) gestalten die Sache deutlich sicherer.
- Wie beim Eisklettern ist es vorteilhaft von den Bändern immer versetzt wegzuklettern, damit man seinen Partner nicht mit Schutt bombardiert.