Archiv für die Kategorie „Eisklettern“

Weil’s vorgestern so schön war gingen Claudia und ich heute gleich nochmal ins Pinnistal. Da sich am Wochenende doch deutlich mehr Eiskletterer eingefunden haben stapften wir heute direkt zum Einstieg des Familiensonntags hoch. Es folgten drei traumhafte Genusslängen, die nie schwerer sind als WI 4. Abgestiegen sind wir dann via Eiszeit.

Ein bisschen “auf gut Glück” starteten Dominik und ich ins Pinnistal – diesmal mit Seilbahnunterstützung und Rodelbahn zur Issenangeralm.

Extrem viel Eis findet sich im Pinnistal leider auch nicht, aber zumindest ein paar der Linien sind gut kletterbar. Wir entschieden uns für die Eiszeit/Familiensonntag Kombination. Dominik führte souverän die steile und etwas röhrige Einstiegslänge der Eiszeit. In der zweiten Seillänge wählte ich die einfachere ganz linke Säule, die höhere und steilere mittlere Säule wäre aber für nervenstärkere auch möglich.
In etwa 10 min lässt sich relativ bequem (kurze Latschen-Querung lässt sich kaum vermeiden) zum Familiensonntag stapfen. Dort wählte Dominik eine beeindruckende Einstiegsvariante über eine freistehende Säule. Ich durfte diese Länge dann im strahlenden Sonnenschein nachsteigen. Die zweite Länge startet dann mit einer Querung nach rechts zur Originallinie, gefolgt von bester Genusskletterei über einen kompakten Eisschild. Die letzte Seillänge führt dann durch einen super Gully der an die Dolomiten erinnert. Der Ausstieg aus dem Gully wird dann nochmal richtig steil – dabei sollte der Vorsteiger tunlichst Eisschlag vermeiden, denn der Sichernde hat im Gully wenig Möglichkeit sich zu verstecken.

Wir sind den selben Weg wieder abgestiegen (3 Sanduhren gebohrt, 1 Köpfelschlinge im Familiensonntag-Gully, 1 Kettenglied an Latschen bei Eiszeit-Ausstieg).

Verhältnisse im Pinnistal am 22.01.2015 (siehe Fotos):

  • Männer ohne Nerven: extrem dünn – eher nicht kletterbar.
  • Gully: nicht zusammengewachsen
  • Vorhang: Weniger als normal, aber gut kletterbar (heute mehrere Seilschaften)
  • Chamäleon: gut kletterbar (wurde heute geklettert)
  • Eiszeit: siehe Bericht oben.
  • Magier: kein Eis
  • Kerze: steht recht gut, aber extreme Dusche!
  • Rumpelkammer: fast gar kein Eis!
  • Familiensonntag: genial (siehe Bericht oben).

Was das Wetter betrifft war heute wohl ein neuer Tiefpunkt erreicht… Der Föhn blies die ganze Nacht und als er am Morgen zusammenbrach regnete es in Strömen. So starteten wir (zugegebener Weise eher mäßig motiviert) zum dritten Mal ins Anlauftal. Diesmal waren wir zu viert, denn Marco und Matthias kamen ebenfalls nach Gastein um ihre ersten Eisklettererfahrungen zu sammeln.

Es regnete auch noch am Einstieg des Almrosencoloirs – unserem Ausweichziel, weil alle anderen Linien links vom Fenstergucker den warmen Temperaturen zum Opfer gefallen sind. Da ich mich am Beginn der Einstiegssäule wie unter einer Dusche fühlte brachen wir die Aktion ab und beschlossen doch wieder hinüber zum Federweiß zu wechseln.

Schließlich wurde es doch deutlich kühler und es setzte zum Teil heftiger Schneefall ein. In zwei Seilschaften kletterten wir im nebelig-wilden Ambiente hinauf bis zum Höhkarsteig. Die Jungs verblüfften Lukas und mich durch ihre super Vorstiegsmoral an ihrem ersten Eisfall! Gratuliere zu eurem tollen Debüt – in Bad Gastein finden wir sicher ein passendes Plätzchen um den heutigen Tag zu feiern ;-)

Die ohnehin schon mäßigen Eisverhältnisse in Gastein erlebten heute einen weiteren Tiefpunkt: Föhnsturm und Temperaturen weit über dem Gefrierpunkt.

Top Motiviert starteten wir heute schon um 6:45 Uhr Richtung Mordor – dem Highlight im Anlauftal. Bereits bei der Autoverladung ahnten wir, dass es heute wohl eher nix werden wird – starker Wind und milde Temperaturen begleiteten uns beim langen Zustieg. Trotzdem stiegen wir in den riesigen Wasserfall ein, aber ein gewisses Unbehagen in der Magengrube konnten wir nicht verschweigen. Als dann der Wind stetig stärker wurde und die Temperatur auch merklich zulegte, fassten wir am Ende der ersten Seillänge den Beschluss umzukehren. Das Risiko einen der großen Eisbalkone über uns beim Abbrechen hautnah zu erleben war uns einfach zu groß. Schade.

Der Tag wurde dann doch noch sinnvoll genützt und wir kletterten den Fenstergucker. Abgestiegen sind wir über den Höhkarsteig bis zur Abseilpiste am Ausstieg vom Federweiß.

Die Eisarena im Anlauftal beeindruckte mich heute gleich wie damals beim Bergführer-Eiskurs! Eine gewaltige Linie nach der anderen zieht in diesem Amphitheater in die Höhe! Zwar sind die Eisverhältnisse im Vergleich zu damals bescheiden (siehe Übersichtsfotos), aber manche der Fälle mit klingenden Namen wie Federweiß, Fenstergucker oder Mordor stehen recht gut. Letzterer fasziniert derzeit durch riesige Eis-Dächer, welche teilweise wie weit aufgerissene Mäuler erscheinen. Furchteinflößend.

Lucky und ich genossen heute aber allerfeinstes Eis am Federweiß. Mit Ausnahme der leichten 4. Länge bietet dieser Eisfall Genusskletterei im oberen 3. Eisgrad. Ähnlich wie im Mordor beeindruckten auch in unserer letzten Seillänge bizarre Eisdächer.

Tipps und Tricks:

  • Unbedingt den oberen Stock klettern (Abseilschlinge an Gebüsch)
  • Abstieg: Nach der 3. Seillänge quert man den Höhkarsteig. Hier gibt es rechts (orografisch links) einen Bohrhakenstand. Von dort etwa 50 m bis zum nächsten Bohrhakenstand abseilen (Vorsicht – wir hatten heute leichte Probleme beim Abziehen). Dann nochmals in 60 m zurück zum Einstieg!

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