{"id":775,"date":"2013-10-27T22:35:44","date_gmt":"2013-10-27T20:35:44","guid":{"rendered":"http:\/\/higher-ground.at\/?p=775"},"modified":"2015-01-23T15:29:21","modified_gmt":"2015-01-23T13:29:21","slug":"jordanien-klettertrip-ins-wadi-rum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/higher-ground.at\/?p=775","title":{"rendered":"Jordanien &#8211; Klettertrip ins Wadi Rum"},"content":{"rendered":"<p>Genau vor 10 Jahren war ich das erste Mal in Jordanien, im Rahmen einer klassischen Touristen-Rundreise mit Schwerpunkt auf historischen St\u00e4tten. Damals fuhren wir auch mit einem Bedouinen-Taxi eine Runde durchs Wadi Rum, und mich faszinierten die gewaltigen Sansteinw\u00e4nde schon deutlich mehr als die \u00dcberreste der Behausung eines gewissen Lawrence von Arabien&#8230;<\/p>\n<p>Dank der guten Flugverbindung von Wien nach Amman g\u00f6nnten Claudia und ich uns einen einw\u00f6chigen Kurzurlaub \u00a0im K\u00f6nigreich Jordanien um noch einmal sommerliche Temperaturen zu genie\u00dfen. Mit einem winzigen Leihauto ging&#8217;s nach der Landung hinein in die Hauptstadt um uns mit ein paar Lebensmitteln f\u00fcr die Zeit in der W\u00fcste einzudecken. Schon am ersten Kreisverkehr waren wir froh die Versicherungssumme f\u00fcr den Leihwagen erh\u00f6ht zu haben &#8211; die Umstellung vom gesitteten europ\u00e4ischen Stra\u00dfenverkehr auf die r\u00fccksichtslose W\u00fchlerei des arabischen Rush-Hour-Verkehrs kostet einiges an Nerven! Nach einem Besuch des r\u00f6mischen Theaters und des angrenzenden Obst- und Gem\u00fcsemarkts verlie\u00dfen wir am Montagmorgen die Hauptstadt Amman, welche touristisch nicht allzu viel zu bieten hat. Der Desert Highway ist die wichtigste Verkehrsverbindung zwischen Amman und Jordaniens einziger Hafenstadt Aquaba. Dementsprechend gro\u00df ist das Verkehrsaufkommen und unser extrem untermotorisierter Leihwagen bescherte uns spannende Kopf- an Kopfrennen mit den LKW&#8217;s und Sattelschleppern. Trotz zahlreicher Verkehrskontrollen und noch h\u00e4ufigeren Schlagl\u00f6chern und Bremsschwellen (Bumper) kamen wir z\u00fcgig voran und waren schon am fr\u00fchen Nachmittag am Visitor Center am Eingang ins Wadi Rum.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>Am Visitor Center wurden wir nat\u00fcrlich sofort von einem einheimischen &#8222;Guide&#8220; in Empfang genommen, der uns gleich durch die Eintritts-Formalit\u00e4ten (5 Dinar \/ Person) leitete und uns eine 4WD-Fahrt zur Westseite des Jebel Rum f\u00fcr 50 Dinar anbot. Da wir die W-O-Traverse des Jebel Rum ohnehin f\u00fcr morgen geplant hatten verabredeten wir uns f\u00fcr 6 Uhr am n\u00e4chsten Morgen. Wir fuhren die restlichen 7 km bis in Rum-Village und errichteten unser Zelt im Schatten eines Bedouinenzeltes am Campingplatz beim sogenannten &#8222;Rest House&#8220;. Die Bedouinenzelte werden &#8211; soweit wir das verstanden haben &#8211; von Salim, dem (selbsternannten ?) Kletterer-Beauftragten betrieben und f\u00fcr eine kleine finanzielle Entsch\u00e4digung l\u00e4sst er einen das Zelt auf dem \u00fcberdachten und betonierten Untergrund aufstellen. Salim informierte uns auch prompt dass es ein gro\u00dfer Fehler war f\u00fcr Morgen beim jungen Mann am Visitor Center zu buchen &#8211; schlie\u00dflich ist er sowas wie der &#8222;Climbing Ranger&#8220; des Wadi Rums. Egal &#8211; dann w\u00fcrden wir uns morgen Fr\u00fch eben von ihm in die W\u00fcste fahren lassen.<\/p>\n<p>Am Nachmittag machten wir uns noch ein bisschen mit dem Sandstein vertraut und bestiegen den Jebel Mayeen \u00fcber seinen S-Grat. Schon hier hei\u00dft es volle Konzentration beim seilfreien klettern auf den absch\u00fcssigen Felsb\u00e4ndern und dem exponierten Blockwerk. Die Schl\u00fcsselstelle ist der ca. 5 m hohe Gipfel-Block, welcher am leichtesten an seiner steilen\u00a0 SO-Kante erklettert wird. Vom Gipfel stiegen wir Richtung W ins schmale Wadi S&#8216; Bach ab \u00fcber welches man schnell wieder retour zum Zeltplatz gelangt.<\/p>\nngg_shortcode_1_placeholder\n<p>Wer bei Campingpl\u00e4tzen viel Wert auf Sauberkeit und Ruhe legt wird in Rum definitiv entt\u00e4uscht werden. Zwischen kaputten Generatoren und einem zeitenweise abnormal verdreckten WC- und Duschh\u00e4uschen ist M\u00fcll in jeder Gr\u00f6\u00dfe und Form einer der Hauptbestandteile des W\u00fcstensandes&#8230; Dazu kommen jede Menge streunende Katzen und Hunde. Letztere liefern sich N\u00e4chtens stundenlange Bellereien &#8211; manchmal abrupt durch das M\u00fcndungsfeuer eines Gewehres unterbrochen! Manchmal nervt die Bellerei scheinbar sogar die Einheimischen&#8230;<br \/>\nAber: Wenn man seine westlichen Anspr\u00fcche erst mal ein bisschen zur\u00fcckgefahren hat kann man den Aufenthalt beim Rest House durchaus mit jenem im ber\u00fchmten Camp4 in Yosemite vergleichen! Man trifft Kletterer aus der ganzen Welt, kocht zusammen und diskutiert stundenlang \u00fcbers Klettern!<\/p>\n<p>Schon um 5 Uhr holte uns Salim am Campingplatz ab. Bereits eine halbe Stunde sp\u00e4ter waren wir auch schon am Ausgangspunkt der &#8222;Thamudique-Route&#8220; an der Westseite des Jebel Rum. Dabei handelt es sich um eine der vielen &#8222;Bedouinen-Routen&#8220; welche gr\u00f6\u00dftenteils ohne erhebliche Kletterschwierigkeiten durch das un\u00fcbersichtliche Steinlabyrinth auf die Gipfel der Jebels f\u00fchren. Bedouinen fanden diese &#8222;Normalwege&#8220; bei der Jagd, welche dennoch immer wieder Kletterstellen im 4. Schwierigkeitsgrad aufweisen k\u00f6nnen oder auch Abseilstellen beinhalten. Da es noch stockdunkel war kochte uns Salim am Lagerfeuer Tee und erkl\u00e4rte mir die Schl\u00fcsselstellen der Route.<\/p>\nngg_shortcode_2_placeholder\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung der Bedouinen-Routen ist die Routenfindung. Zwar gibt es Steinm\u00e4nnchen, diese sind aber oft sehr klein und weit auseinander. Sp\u00e4testens am Gipfelplateau ist man daher mehr als gefordert am richtigen Weg zu bleiben. Ganz ohne &#8222;Verhauer&#8220; ging es bei uns dann auch nicht \u00fcber die B\u00fchne, aber dennoch kamen wir gegen 10 Uhr am Gipfel des Jebel Rum an. Ich war heilfroh einen GPS-Track im Internet gefunden zu haben, der die Orientierung deutlich erleichterte! F\u00fcr den Abstieg w\u00e4hlten wir die &#8222;Hammad&#8217;s-Route&#8220;. Dieser Bedouinen-Pfad ist der k\u00fcrzeste Weg zwischen Gipfel und Rum-Village. Bei der ersten von vielen Abseilstellen angekommen verkn\u00f6chelte ich stark, konnte aber vorerst problemlos weitergehen &#8211; wenigstens h\u00e4tte man hier sogar Handy-Empfang im Fall eines Notfalls. Es folgen zahlreiche Abseilstellen, die mitunter spektakul\u00e4r in die gro\u00dfe Schlucht (Great Siq) f\u00fchren. Claudia und ich navigierten z\u00fcgig von einem Steinm\u00e4nnchen zum n\u00e4chsten und waren gegen 15:30 zur\u00fcck beim Zelt.<\/p>\n<p>Am Abend begann mein Kn\u00f6chel stark zu schmerzen, schwoll aber nie an. W\u00e4hrend des Abendessens, zu dem uns Salim in sein Haus einlud, entschieden Claudia und ich morgen als Ruhetag Petra zu besichtigen. Als Nachspeise gab&#8217;s f\u00fcr mich Schmerztabletten&#8230;<\/p>\nngg_shortcode_3_placeholder\n<p>Nachdem wir am Mittwoch Petra besichtigt hatten war es am Donnerstag nun endlich so weit &#8222;richtig&#8220; klettern zu gehen. Als erste Route kletterten wir am Donnerstag die &#8222;Black Magic&#8220; (12 Seill\u00e4ngen, 5+) am Dark Tower, unweit vom Campingplatz. Sandsteinkletterei vom Feinsten erinnerte uns an die Red Rocks bei Las Vegas. Tendenziell ist der Fels im Wadi Rum zwar ein bisschen weicher \/ br\u00fcchiger, aber das wirkt sich auf das Klettervergn\u00fcgen gar nicht aus! Die Standpl\u00e4tze sind meistens eingerichtet, aber dazwischen hei\u00dft es selber absichern, und wie vom Sandstein gew\u00f6hnt ist das Arbeiten mit Friends und Keilen einfach eine Freude!<\/p>\n<p>Mindestens genauso ein Abenteuer wie das hochklettern ist das runterkommen: bei sehr vielen Abstiegen muss abgeseilt werden und zahlreiche abgeschnittene Kletterseile in den Tiefen der Risse beweisen, dass sich die Seile extrem einfach verfangen&#8230;<\/p>\n<p>Freitag und Samstag verbrachten wir im Barrah Canyon. Salim&#8217;s Bruder fuhr uns eine knappe Stunde durch die W\u00fcste in diesen abgelegenen Canyon. Am Fu\u00df der imposanten Merlins Wand errichteten wir unser einsames Lager und starteten sofort in den &#8222;Supercrack des Wadi Rums&#8220;. Die Route Merlins Wand folgt f\u00fcr 5 Seill\u00e4ngen einem perfekten Riss durch die steile Wand und z\u00e4hlt bestimmt zu den tollsten Routen, welche ich je geklettert bin! Immer wieder m\u00fcssen kleine \u00dcberh\u00e4nge \u00fcberwunden werden &#8211; der schwerste von ihnen im Schwierigkeitsgrad 6a+. \u00a0Nachdem wir (gottseidank ohne Seil-Probleme) \u00fcber die Route angeseilt hatten brachen wir am Nachmittag noch Richtung Arch Tower auf um die Route &#8222;Le Bal des Chameaux&#8220; zu klettern. Hier wurden unsere Kaminkletter-F\u00e4higkeiten gepr\u00fcft und auch das anschlie\u00dfende Abseilen gestaltete sich nicht ganz einfach&#8230;<\/p>\nngg_shortcode_4_placeholder\n<p>Den letzten Klettertag verbrachten wir in der Route &#8222;Rain in the Desert&#8220; &#8211; einer genialen Linie durch ein Riss- und Kaminsystem. Wieder einmal stellte sich der Abstieg als die gr\u00f6\u00dfere Herausforderung heraus &#8211; so hat man hier eine 50 m lange Querung \u00fcber ein absch\u00fcssiges Band zu bew\u00e4ltigen, was dem Nachsteiger einiges an Moral abverlangen kann.<\/p>\n<p>Nachdem wir am Samstagabend p\u00fcnktlich von Salim&#8217;s Bruder abgeholt wurden starteten wir Sonntag fr\u00fch in Richtung Totes Meer. F\u00fcr eine kurze Schrecksekunde sorgte ein kaputter Reifen, aber der war dann schnell gewechselt. Vielleicht w\u00e4re es besser im Toten Meer VOR einem Klettertrip zu baden, denn die zahlreichen kleinen Wunden an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen k\u00f6nnen in der Salzbr\u00fche ganz sch\u00f6n brennen&#8230; P\u00fcnktlich um 15 Uhr trafen wir am selben Tag am Flughafen ein und schon um 22 Uhr waren wir zur\u00fcck am Flughafen Innsbruck.<\/p>\nngg_shortcode_5_placeholder\n<p><strong>Tipps und Tricks:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Lebensmittel (inkl. frischem Gem\u00fcse) kann man auch in Rum Village einkaufen. Mehr Auswahl hat man aber in Amman!<\/li>\n<li>Gleich beim Visitor Center sagen, dass man zum klettern hier ist und dass man alle weiteren Arrangements mit Salim machen wird.<\/li>\n<li>Bevor man eine lange Route am E-Face des Jebel Rums machen will sollte man sich den Abstieg (Hammad&#8217;s-Route) anschauen! Eine W-O-\u00dcberschreitung ist landschaftlich einmalig und auch sonst ein gro\u00dfes Abenteuer!<\/li>\n<li>Immer eine Stirnlampe mitnehmen &#8211; Das Seil kann sich beim Abziehen extrem leicht verfangen und dann wird&#8217;s unter umst\u00e4nden schnell dunkel&#8230;<\/li>\n<li>Ich bin immer mit 2 Sets Camalots bis zur Gr\u00f6\u00dfe 3 (blau) plus einmal #4 und #5 geklettert.<\/li>\n<li>Das Buch von Tony Howard &#8222;Treks and climbs in Wadi Rum, Jordan&#8220; kaufen! Dieses Buch ist sowas wie die Bibel der Kletterer in Rum.<\/li>\n<li>Bei einer Jebel-Rum \u00dcberquerung ein GPS Ger\u00e4t mit meinen Tracks dabei haben! Hier kannst du ein hochaufl\u00f6sendes Satellitenbild mit dem Track downloaden:<\/li>\n<\/ul>\n<p>Download High Resolution Image mit Track (Jebel Rum):<\/p>\n<p><a title=\"Jebel Rum Track - High Resolution Image\" href=\"https:\/\/higher-ground.at\/forum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Jebel_Rum_W-E-Traverse_HighRes.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-780 alignnone\" src=\"https:\/\/higher-ground.at\/forum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Track-300x121.jpg\" alt=\"Jebel Rum W-O-Traverse\" width=\"300\" height=\"121\" srcset=\"https:\/\/higher-ground.at\/forum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Track-300x121.jpg 300w, https:\/\/higher-ground.at\/forum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Track-430x175.jpg 430w, https:\/\/higher-ground.at\/forum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Track.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Download High Resolution Image mit Track (Jebel Mayeen):<a title=\"High Resolution Image and Track Jebel Mayeen\" href=\"https:\/\/higher-ground.at\/forum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Jebel_Mayeen_S-Ridge_HighRes.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-781 alignleft\" src=\"https:\/\/higher-ground.at\/forum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Jebel_Mayeen_Track-208x300.jpg\" alt=\"Jebel_Mayeen_Track\" width=\"208\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/higher-ground.at\/forum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Jebel_Mayeen_Track-208x300.jpg 208w, https:\/\/higher-ground.at\/forum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Jebel_Mayeen_Track-712x1024.jpg 712w, https:\/\/higher-ground.at\/forum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Jebel_Mayeen_Track-121x175.jpg 121w, https:\/\/higher-ground.at\/forum\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Jebel_Mayeen_Track.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Genau vor 10 Jahren war ich das erste Mal in Jordanien, im Rahmen einer klassischen Touristen-Rundreise mit Schwerpunkt auf historischen St\u00e4tten. 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