{"id":725,"date":"2013-08-15T18:51:19","date_gmt":"2013-08-15T16:51:19","guid":{"rendered":"http:\/\/higher-ground.at\/?p=725"},"modified":"2013-08-20T19:12:22","modified_gmt":"2013-08-20T17:12:22","slug":"acherkogel-w-grat-integral-ivv-a2-eine-botanische-expedition-fur-abenteurer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/higher-ground.at\/?p=725","title":{"rendered":"Acherkogel W-Grat Integral (IV+\/V-, A2) &#8211; Eine botanische Expedition f\u00fcr Abenteurer"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus beruflichen Gr\u00fcnden verschl\u00e4gt es mich regelm\u00e4\u00dfig ins \u00d6tztal. Jedes Mal wenn ich talausw\u00e4rts an Tumpen vorbei fahre wandert mein Blick unweigerlich auf die gro\u00dfen Platten der Habicher Wand. Ein paar schwere Kletterrouten f\u00fchren durch diese glatte und abweisend wirkende Wand. Erstbestiegen wurden sie von bekannten Namen der Tiroler Kletterszene, allen voran Reinhard Schiestl und Darshano Luggi Rieser. Die neueste Route wurde von Hansj\u00f6rg Auer und Thomas Scheiber im Jahre 2006 erschlossen.<\/p>\n<p>Die Routennamen wie &#8222;Teufelsk\u00fcche&#8220; oder &#8222;Kreuzzug&#8220; sind bereits schon abschreckend, doch ein Blick auf die aktiven Ausbruchsfl\u00e4chen diverser Felsst\u00fcrze macht jegliche Kletterw\u00fcnsche meinerseits endg\u00fcltig den Garaus. Sch\u00f6n dass man seine Angst hinter geologischem Fachwissen verstecken kann&#8230;<\/p>\n<p>Wenn mir f\u00fcr die &#8222;richtigen&#8220; Routen an der Habicher Wand schon der Mut fehlte, dann wollte ich wenigstens versuchen den Berg direkt an der Kante zu besteigen. Au\u00dferdem k\u00f6nnte man auf diese Weise den Acherkogel quasi von seiner Zehenspitze aus erklettern &#8211; \u00fcber den &#8222;integralen W-Grat&#8220; sozusagen.<\/p>\n<p>Davon, dass es ein abenteuerliches Unterfangen wird bin ich schon im Vorfeld ausgegangen, aber mit einer nahezu epischen 16 st\u00fcndigen Ausdauerschlacht gegen Fels und Gr\u00fcnzeugs hatte ich nicht gerechnet. Lukas scheinbar auch nicht. Sonst w\u00e4re er wohl nicht sofort f\u00fcr dieses Projekt zu begeistern gewesen.<\/p>\n<p>Um 6 Uhr fr\u00fch verlie\u00dfen wir das Auto in Tumpen und suchten uns einen geeigneten Weg auf den, im unteren Teil noch breiten, R\u00fccken der W-Grates. Wir kamen erstaunlich schnell voran und hatten das Gl\u00fcck einen relativ einfachen Zustieg durch den felsdursetzten Wald zu finden. Bis zur Gratschulter, nach der es deutlich steiler wird, liegen die Schwierigkeiten im Bereich I bis II.<\/p>\n<p>Dann ging es aber erst so richtig los. Konnten wir die erste Seill\u00e4nge noch &#8222;am laufenden Seil&#8220; auf ca. 80 m ausdehnen, so wurde unser Tempo durch den ersten richtigen Felsriegel abrupt auf ein Minimum reduziert. Da man den senkrechten oder sogar leicht \u00fcberh\u00e4ngenden Fels aufgrund der au\u00dfergew\u00f6hnlich dichten Bedeckung durch Moos, Flechten, Wacholderstauden, Graspolstern und diversen anderen biologisch abbaubaren Materialien kaum zu Gesicht bekommt, waren meine Freikletterambitionen bald verflogen. Gottseidank hatten wir gen\u00fcgend Friends, Keile und Normalhaken dabei und so werkelte ich mich ganz im BigWall-Techno-Stil h\u00f6her.<\/p>\n<p>Die Schwierigen Passagen im Fels werden durch subvertikale Wiesen und Wald abgel\u00f6st, doch auf wundersame Weise fanden wir immer einen Ausweg aus dem gr\u00fcnen Labyrinth. Immer wieder staunt man auch \u00fcber kurze aber dennoch sch\u00f6ne Kletterpassagen, so zum Beispiel \u00fcber den ausgesetzten und luftigen Turm in der 3. Seill\u00e4nge, oder den spitzen Block in der sechsten.<\/p>\n<p>Nach 8 Seill\u00e4ngen hat man die &#8222;Headwall&#8220; hinter sich und erreicht bald eine Lichtung direkt an der Kante mit sch\u00f6ner Aussicht Richtung S\u00fcden ins \u00d6tztal. Leider sieht man von hier aus schon, was einen f\u00fcr die n\u00e4chsten 300 H\u00f6henmeter keuchend und fluchend besch\u00e4ftigen wird: ein fast un\u00fcberwindbarer Latschen-Dschungel. Lucky, der gerade noch meinte er k\u00f6nne nach dieser Route auch freih\u00e4ngenden Efeu onsight besteigen ruinierte in diesem Abschnitt endg\u00fcltig Hose und T-Shirt.<\/p>\n<p>Komplett zerschunden erreichten wir dennoch das Gipfelkreuz der Habicher Wand. Das Gipfelbuch beweist, dass es nur sehr wenige Menschen an diesen Ort verschl\u00e4gt &#8211; vielleicht weil sogar der &#8222;Normalweg&#8220; von der Achplatte herunter ziemlich mit Latschen zugewachsen ist.<\/p>\n<p>Wir entschlossen uns auf der Achplatte (hier k\u00f6nnte man auch \u00fcber einen Steig zur Bielefelder H\u00fctte gelangen) unser Projekt &#8222;Integraler W-Grat&#8220; fortzusetzen und stiegen weiter auf in Richtung Acherkogel. Der gr\u00f6\u00dftenteils sch\u00f6ne Blockgrat bietet dann noch die ein paar recht schwierige Kletterstellen (IV+) wobei mir vor allem die steile Rampe kurz vor dem Gipfel gefiel. Gegen 19 Uhr standen wir ziemlich ersch\u00f6pft am Gipfelkreuz.<\/p>\n<p>\u00dcber die N-Flanke stiegen wir ins Mittertal ab, ehe wir im Licht unserer Stirnlampen am Speichersee in K\u00fchtai von Alexandra abgeholt wurden. Danke daf\u00fcr und gro\u00dfen Dank auch an Lucky, dass er mich immer wieder bei meinen Spinnereien begleitet..!<\/p>\n<p>PS: <a title=\"Gipfelbuch Habicher Wand\" href=\"https:\/\/higher-ground.at\/forum\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Gipfelbuch_Habicher_Wand.pdf\" target=\"_blank\">Hier gibt es das Gipfelbuch der Habicher Wand als PDF.<\/a><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Tipps f\u00fcr Wiederholer (als ob das wirklich jemand wiederholen m\u00f6chte&#8230;):<\/strong><\/span><\/p>\n<ul>\n<li><a title=\"Topo Habicher Wand W-Kante\" href=\"https:\/\/higher-ground.at\/forum\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Habicher_Wand_W-Kante.pdf\" target=\"_blank\">TOPO downloaden (PDF, 150KB)<\/a><\/li>\n<li><a title=\"GoogleEarth Track\" href=\"https:\/\/higher-ground.at\/forum\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Acherkogel_Integral.kml\" target=\"_blank\">Google Earth Track: KML downloaden<\/a>\u00a0(rechte Maustaste &gt; Ziel speichern unter, evtl. Dateiendung auf &#8222;.kml&#8220; \u00e4ndern)<\/li>\n<li>Die \u00e4lteste Kleidung anziehen um Sachsch\u00e4den gering zu halten.<\/li>\n<li>Daheim als Training an der Gartenhecke bouldern.<\/li>\n<li>Hammer und ein gutes Hakensortiment mitnehmen.<\/li>\n<li>Wir hatten ein Set Camalots der Gr\u00f6\u00dfen #0,4 (grau) bis #3 (blau) dabei und haben auch alle gebraucht. Zus\u00e4tzlich ein Satz Keile.<\/li>\n<\/ul>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Aus beruflichen Gr\u00fcnden verschl\u00e4gt es mich regelm\u00e4\u00dfig ins \u00d6tztal. Jedes Mal wenn ich talausw\u00e4rts an Tumpen vorbei fahre wandert mein Blick unweigerlich auf die gro\u00dfen Platten der Habicher Wand. Ein paar schwere Kletterrouten f\u00fchren durch diese glatte und abweisend wirkende Wand. 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