{"id":555,"date":"2012-07-26T00:00:09","date_gmt":"2012-07-25T22:00:09","guid":{"rendered":"http:\/\/higher-ground.at\/forum\/?p=555"},"modified":"2016-01-21T18:12:33","modified_gmt":"2016-01-21T16:12:33","slug":"alpamayo-5947-m-franzosenroute-d-50-70-grad-ca-600-m","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/higher-ground.at\/?p=555","title":{"rendered":"Alpamayo (5947 m) &#8211; Franzosenroute: D+, 50 &#8211; 70 Grad, ca. 600 m"},"content":{"rendered":"<p>\u201eEin Traumberg erhebt sich \u00fcber den T\u00e4lern der n\u00f6rdlichen Cordillera Blanca, wie ihn nur Kinder zu zeichnen wagen, die noch nie einen Berg gesehen haben. Das ist der Alpamayo nicht Traum, sondern Wirklichkeit. Von der einen Seite sieht man ihn als ebenm\u00e4\u00dfige Pyramide emporsteilen, deren Schenkel mit riesigen W\u00e4chten behangen sind. Das andere Gesicht des Alpamayo, die trapezf\u00f6rmige S\u00fcdwestwand, ist noch sch\u00f6ner: Durch das Zusammenwirken der fast senkrecht herabbrennenden Tropensonne am Mittag und der aufsteigenden, feuchten Luftmassen aus dem Urwald wurde die Wand mit feinem Riffelfirn \u00fcberzogen. So sieht der Berg von dieser Seite wie eine wei\u00dfe Kathedrale aus\u201c (G\u00fcnther Hauser, Erstbesteiger &#8211; Quelle: Wikipedia).<\/p>\n<p>Oder: 6 Tage f\u00fcr einen Gipfel.<\/p>\n<p>Claudia und ich sorgten mit der Besteigung des Alpamayo, welcher seit 1966 als vermeintlich &#8222;sch\u00f6nster Berg der Erde&#8220; gilt, f\u00fcr den kr\u00f6nenden Abschluss unserer Peru Reise.<\/p>\n<p>Mit unserem gesamten Gep\u00e4ck verlegten Claudia und ich unser &#8222;Basislager&#8220; von Huaraz ins kleine, verschlafene \u00d6rtchen Caraz. Zuvor deckten wir uns aber am Mercado mit ausreichend Lebensmittel ein, denn der Alpamayo ist vielleicht der abgelegenste Berg der gesamten Cordillera Blanca und nur zu Fu\u00df erreichbar.<\/p>\n<p>Am Dienstag bestiegen wir wiedermal ein ber\u00fchmt ber\u00fcchtigtes Collectivo: Ein alter Toyota Corolla wurde vom Fahrer mit 6 Passagieren vollgestopft und anschlie\u00dfend die 1000 H\u00f6henmeter hinauf nach Cashapampa gequ\u00e4lt. An die fehlenden Leitplanken der ausgesetzten, teilweise abgemurten, einspurigen Schotterstra\u00dfen haben wir uns mittlerweile auch schon fast gew\u00f6hnt.<\/p>\n<p>Am Ende der Stra\u00dfe in Cashapampa beginnt der Fu\u00dfweg ins Santa Cruz Tal. Hier befindet sich auch ein kleiner Holzkiosk, in dem ein Nationalparkbeamter seinen Dienst versieht. Gottseidank schien der Ranger seinen Job noch nicht allzu lange zu machen, denn er glaubte uns, dass unser Wochenticket vom Pisco noch lange genug g\u00fcltig sei. Kurze Zeit sp\u00e4ter hatten wir auch schon einen Eseltreiber organisiert: Amador, 36 Jahre alt, Single und seineszeichen staatlich gepr\u00fcfter Eseltreiber und Lastentr\u00e4ger. Nach den Gehaltsverhandlungen (125 Soles pro Tag) verabschiedete er sich eine Stunde lang zum Lebensmittel shoppen und Esel einfangen. Wir lauschten w\u00e4hrenddessen der unglaublich nervigen, fast chinesisch klingenden Volksmusik, welche aus Amadors Lehmh\u00e4uschen schallte.<\/p>\n<p>Nachdem wir unser Gep\u00e4ck eselgerecht auf vier gleich schwere Pakete verteilt hatten, gingen wir schlie\u00dflich los. Cashapampa liegt auf ungef\u00e4hr 2900 m und das heutige Tagesziel Llamacorral 900 m h\u00f6her. Mit leichten Rucks\u00e4cken schlenderten wir das schmale Tal hinauf und hatten das gro\u00dfe Gl\u00fcck zwei Kondore ganz nah zu sehen. Nach drei Stunden wird das Tal flacher und ein bisschen weiter. Schlie\u00dflich gelangt man zu einer kleinen Steinh\u00fctte mit dazugeh\u00f6rigem Holzkiosk in dem die ans\u00e4ssige Hirtenfamilie Snacks und Getr\u00e4nke an die vielen Wanderer und Bergsteiger verkauft. Hier, in Llamacorral, schlugen wir unser erstes Lager auf.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag ging es dann in Richtung Basislager weiter. In den ersten Stunden der Wanderung macht man quasi keinen einzigen H\u00f6henmeter, denn man spaziert am Ufer eines Sumpfes und sp\u00e4ter der Laguna Jatuncocha entlang. Am Ende des gro\u00dfen Sees staunten wir nicht schlecht, als sich die sonst gr\u00fcne Landschaft in eine w\u00fcstenartige Gegend verwandelte. Hier ging laut Amador vor einem halben Jahr eine riesige Mure ab, welche das saftige Gras unter sich begrub. Viele K\u00fche scheinen diese Tatsache allerdings immer noch nicht wahr haben zu wollen und stehen etwas verwirrt blickend mitten in dieser kleinen Sandw\u00fcste. Auch f\u00fcr uns hatte diese Mure ungute Auswirkungen, denn im tiefen Quarzsand geht es sich nicht besonders gut.<\/p>\n<p>Das Wetter war heute ausnahmsweise auch nicht sehr freundlich, aber die kurzen Regenschauer aus den tief h\u00e4ngenden Wolken passten auf eine dramatische Art und Weise zur trostlosen Landschaft.<\/p>\n<p>Am Ende der Sandw\u00fcste zweigt der Weg nach links ab und gewinnt in vielen Serpentinen rasch an H\u00f6he. Bald ergattert man einen ersten Blick auf das Objekt der Begierde: den Alpamayo. Das Basislager liegt idyllisch in einem kleinen Wald und bietet wieder den Komfort eines kleinen Getr\u00e4nkekiosks. Da Amador ja wie bereits erw\u00e4hnt auch professioneller Porter ist, bot er uns an den gr\u00f6\u00dften Teil unserer Ausr\u00fcstung zumindest bis zum Beginn des Gletschers zu tragen. F\u00fcr den weiteren Weg hatte er leider nicht das passende Schuhwerk dabei.<\/p>\n<p>Am Donnerstag um 5 Uhr fr\u00fch brachen wir so zu dritt \u00a0auf, mit dem Ziel, in einem Tag zum Hochlager auf 5400 m zu gelangen. Das Mor\u00e4nenlager auf halber Strecke wollten Claudia und ich auslassen, da es nur eine weitere kalte Nacht in gro\u00dfer H\u00f6he bedeuten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Seufzend \u00fcbernahm ich schlie\u00dflich den gro\u00dfen Rucksack von Amador, welcher die ca. 25 kg an Ausr\u00fcstung keuchend bis hierher geschafft hatte. Am Gletscher gab es nat\u00fcrlich wieder einen gut ausgetretenen Pfad hinauf Richtung Hochlager, schlie\u00dflich ist der Alpamayo einer der ber\u00fchmtesten Berge \u00fcberhaupt und dementsprechend viel bestiegen. Zum Ende des Aufstieges muss man eine 50 m hohe Steilstufe hinauf zum Sattel \u00fcberwinden, an der wir das erste Mal beide Eisger\u00e4te ben\u00fctzen mussten. Von hier ergibt sich ein Erster Blick auf das Hochlager und die SW Flanke des Alpamayo.<\/p>\n<p>Etwas erschreckt stellte ich fest, dass in dieser Saison scheinbar nur die l\u00e4ngere und steilere Franzosenroute als Aufstiegsrinne geklettert wird. Positiv war aber, dass scheinbar nur recht wenige Personen den Berg belagerten und die Gefahr des Eisschlages deshalb geringer sein sollte. Bereits um 11:30 begannen wir unseren eigenen Lagerplatz im Schnee mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen auszubuddeln. Das Zelt wurde mit den selbstgeschnitzten H\u00f6lzchen in Form von &#8222;Hombritos muertes&#8220; (kleine tote M\u00e4nner) verankert. Den Nachmittag verbrachten wir mit Schnee schmelzen, Kletterer beobachten und essen.<\/p>\n<p>Ist es untertags am Gletscher fast unertr\u00e4glich hei\u00df, fallen die Temperaturen nach Sonnenuntergang rapide ab. Nun war ich froh eine W\u00e4rmeweste mitgenommen zu haben, denn aus Gewichtsgr\u00fcnden hatten wir nur einen Schlafsack und eine Isomatte dabei.<\/p>\n<p>Das Zittern hatte aber bald ein Ende, denn bereits um 1 Uhr Nachts begannen wir mit dem Fr\u00fchst\u00fcck kochen im Zelt. Kurz vor zwei brachen wir trotz einsch\u00fcchternd kaltem Wind zeitgleich mit sieben anderen Gipfelaspiranten auf. Da gerade Neumond war, gaben unsere Stirnlampen wirklich das einzige Licht. Das ist aber nur zum Teil wahr, denn Claudias Lampe hatte ausgerechnet heute einen Wackelkontakt.<\/p>\n<p>Am Einstieg in die Flanke kam das erste Mal ein Firnanker zum Einsatz und ich fand eine schonendere Variante den Bergschrund zu \u00fcberwinden. Die anschlie\u00dfenden ersten 150 m der Rinne bestehen haupts\u00e4chlich aus steilem, aber kompaktem Schnee, der sich immer gut mit Firnankern absichern l\u00e4sst. Danach wird die Rinne steiler und es wird Zeit die mitgebrachten Eisschrauben einzusetzen.<\/p>\n<p>Bei eisiger K\u00e4lte froren und tauten abwechselnd Finger und Zehen. Wir konnten immer relativ knapp hinter den anderen Bergsteigern bleiben, was die gelegentlich herabst\u00fcrzenden Eisbrocken weniger schmerzhaft machte. Nur nicht zu viel nach oben schauen! Immer wieder fanden wir in der Dunkelheit Eissanduhren, welche als solide Zwischensicherungen dienten. Vier Seill\u00e4ngen vor dem Gipfel begann es endlich zu d\u00e4mmern und wir konnten das erste Mal den Tiefblick in die Rinne &#8222;genie\u00dfen&#8220;.<\/p>\n<p>Um halb neun standen Claudia und ich dann ganz alleine am unerwartet breiten (2&#215;2 m), aber dennoch sehr exponierten, Gipfel und lie\u00dfen unsere Freudenschreie los! Wir hatten es geschafft! Detail am Rande: Claudia ist gerade durch ihre erste Eiswand geklettert!<\/p>\n<p>Der Abstieg erfolgt \u00fcber den gleichen Weg wie der Aufstieg, was bedeutet, dass man viel abseilen muss. Wir hatten das gro\u00dfe Gl\u00fcck, dass ein peruanischer Bergf\u00fchrer gerade damit begonnen hatte die Route mit 100 m langen Fixseilen einzurichten und uns am Gipfel anbot diese zum Abseilen zu ben\u00fctzen. Auf diese Weise konnten wir die ersten 2\/3 des Abstieges sehr schnell bew\u00e4ltigen, ehe wir doch mit den eigenen Seilen weiter abseilen mussten.<\/p>\n<p>Gegen 11:00 waren wir zur\u00fcck am Zelt, kochten uns was zu essen und brachen dann Richtung Basislager auf. Die wieder gl\u00fchende Hitze am Gegenanstieg zum Sattel, die Warteschlange am dortigen Abseilstand und der extrem schwere Rucksack setzten uns ganz nett zu. Nach insgesamt 15 Stunden auf den Beinen errichteten wir am Abend wieder unser Basislager und schliefen nach einer kleinen Jause und einer Flasche Siegesbier schnell ein.<\/p>\n<p>Wie schon beim Anmarsch verbrachten wir von Samstag auf Sonntag eine weitere Nacht in Llamacorral, ehe wir schlie\u00dflich m\u00fcde, aber \u00fcbergl\u00fccklich nach Cashapampa zur\u00fcckkehrten. Ein am gleichen Tag 150 m weit abgest\u00fcrztes Auto erinnerte uns bei der Collectivofahrt zur\u00fcck nach Caraz wieder daran, dass Autofahren in Peru mindestens gleich gef\u00e4hrlich ist, wie das Bergsteigen&#8230;<\/p>\n<p>Nun genie\u00dfen wir noch ein paar gem\u00fctliche Tage in Caraz und auf dem Weg nach Lima. Mit diesem bergsteigerischen Highlight beenden wir unseren Reiseblog und bedanken uns bei euch f\u00fcr euer Interesse und lieben Kommentare! Bis bald daheim!<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEin Traumberg erhebt sich \u00fcber den T\u00e4lern der n\u00f6rdlichen Cordillera Blanca, wie ihn nur Kinder zu zeichnen wagen, die noch nie einen Berg gesehen haben. Das ist der Alpamayo nicht Traum, sondern Wirklichkeit. Von der einen Seite sieht man ihn als ebenm\u00e4\u00dfige Pyramide emporsteilen, deren Schenkel mit riesigen W\u00e4chten behangen sind. 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