{"id":340,"date":"2011-04-09T10:01:01","date_gmt":"2011-04-09T10:01:01","guid":{"rendered":"http:\/\/higher-ground.at\/forum\/?p=340"},"modified":"2011-05-22T17:15:33","modified_gmt":"2011-05-22T15:15:33","slug":"eiger-nordwand-heckmair-route-1800hm-3000-klettermeter-v-60%c2%b0","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/higher-ground.at\/?p=340","title":{"rendered":"Eiger Nordwand &#8211; Heckmair-Route (1800Hm, 3000 Klettermeter, V, 60\u00b0)"},"content":{"rendered":"<p>Es ist vollbracht! Benni und mir gelang die klassische Linie durch die wohl ber\u00fchmteste aller finsteren Nordw\u00e4nde im ersten Versuch.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholderNachdem wir die idealen Verh\u00e4ltnisse in der Wand Anfang Feber verschlafen hatten, hielten wir uns immer wieder ein paar Tage frei, in der Hoffnung auf eine zweite Chance noch vor dem Sommer. Denn eines war uns klar: wir wollten die Wand im Winter, oder zumindest bei noch winterlichen Verh\u00e4ltnissen durchsteigen, denn auf die gro\u00dfen objektiven Gefahren in den Sommermonaten (Steinschlag!) hatten wir beide keine Lust. Nachdem Benni die letzte Woche am Olymp und ich im Jamtal verbracht hatten war die Freude gro\u00df, dass der Wetterbericht f\u00fcr den 5. bis 8. April vielversprechend aussah&#8230; Am Dienstag (5. April 2011) packten wir unsere Sachen und fuhren nach Grindelwald. Mit einer der letzten Bahnen ging&#8217;s hinauf auf die Kleine Scheidegg und von dort zu Fu\u00df weiter \u00fcber die Piste zur Station Eigergletscher.<\/p>\n<p>Um 5:30 machten wir uns auf den Weg zum Einstieg, den wir dank vorhandener Spuren nach etwa 45 Minuten, p\u00fcnktlich zum ersten Tageslicht erreichten. Am un\u00fcbersichtlichen Vorbau, auf dem wir im guten Trittschnee seilfrei schnell Meter machen konnten, waren wir noch\u00a0zuversichtlich die Wand an einem Tag hinter uns zu bringen. Bald kam aber erste Skepsis auf als die Spuren immer weiter nach rechts zogen und schlie\u00dflich im Stollenloch verschwanden&#8230; Ab jetzt hie\u00df es selber spuren! Nach einer etwas unguten Querung nach links gelangten wir wieder zur\u00fcck auf die richtige Linie und fanden bald die erste schwere Seill\u00e4nge: den &#8222;Schwierigen Riss&#8220;. ngg_shortcode_1_placeholderAb hier ist die Routenfindung relativ einfach und wir konnten Seill\u00e4ngen mit den klingenden Namen wie &#8222;Hinterstoisser-Quergang&#8220;, &#8222;Erstes- bis Drittes Eisfeld&#8220; und &#8222;B\u00fcgeleisen&#8220; recht z\u00fcgig durchklettern. Die Verh\u00e4ltnisse in der &#8222;Rampe&#8220;, vor Allem eine Seill\u00e4nge nach dem &#8222;Wasserfallkamin&#8220; bremsten uns aber dann doch stark ein: viel Triebschnee, wenig gutes Eis und zuletzt eine K\u00fchlschrankgro\u00dfe W\u00e4chte kosteten viel Zeit. Mit dem Wissen, dass wir es wohl heute nicht mehr bis zum Gipfel schaffen w\u00fcrden ging&#8217;s weiter in der Abendsonne \u00fcber den &#8222;Br\u00fcchigen Riss&#8220; via &#8222;G\u00f6tterquergang&#8220; zur &#8222;Spinne&#8220;. Etwa zwei Seill\u00e4ngen sp\u00e4ter fanden wir ein akzeptables Biwak-Pl\u00e4tzchen, an dem wir sitzend die Nacht verbrachten. Wenigstens war es nicht zu kalt und windstill!<\/p>\n<p>Frisch und munter waren wir am n\u00e4chsten Tag zwar nicht, aber weiter ging es trotzdem: &#8222;Quarzriss&#8220; (unter uns Geologen gesagt: &#8222;Kalzitriss&#8220; &#8211; kein Quarz!) und dann die heiklen, oft komplett eisfreien Austiegsrisse hinauf Richtung &#8222;Gipfeleisfeld&#8220;. Im strahlenden Sonnenschein genossen wir schon regelrecht den exponierten Mittellegigrat zum Gipfel auf 3970m, den wir um 11:15 erreichten. In geradester Linie kamen wir in 1,5 Stunden wieder hinunter zur Station Eigergletscher.<\/p>\n<p><strong>Info&#8217;s zu den Verh\u00e4ltnissen am 6. bis 7. April 2011:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Schwieriger Riss: Sehr wenig Eis, recht gut abgesichert, u.A. ein feststeckender Friend.<\/li>\n<li>Hinterstoisser: Nagelneues Statik-Fixseil auf den ersten Metern, danach mehrere \u00e4ltere Seile &#8211; problemlos!<\/li>\n<li>Eisfelder: Nur wenig Blankeis, meist recht guter Trittschnee &#8211; Eisschlauch zwischen 1. und 2. Eisfeld perfekt!<\/li>\n<li>B\u00fcgeleisen: Eher schlecht absicherbares Mixed-Gel\u00e4nde<\/li>\n<li>Todesbiwak: Sieht fast einladend aus&#8230;<\/li>\n<li>Rampe: Generell eher schlechte Verh\u00e4ltnisse: wenig Eis, viel Schnee.<\/li>\n<li>Wasserfallkamin: Wenig Eis &#8211; eine der Schl\u00fcsselstellen. Die Seill\u00e4nge danach mit einer regelrechten &#8222;Schaumrolle&#8220; aus Triebschnee und heiklen Eisglassuren war aber noch schwerer.<\/li>\n<li>Biwakplatz am Br\u00fcchigen Band: Sieht gut aus.<\/li>\n<li>Br\u00fcchiger Riss: Kein Fixseil, aber gut abgesichert, u.A. 2 feststeckende Friends.<\/li>\n<li>G\u00f6tterquergang: Recht wenig Schnee, nur stellenweise Fixseile<\/li>\n<li>Spinne: Zur H\u00e4lfte blank<\/li>\n<li>Quarzriss: Sehr wenig Eis<\/li>\n<li>Corti-Biwak: Ich w\u00fcrd&#8217;s nicht wollen! &#8211; Da war unser Platz kurz vorm Quarz-Riss noch besser!<\/li>\n<li>Austiegsrisse: Wenig Eis, wenig Absicherung<\/li>\n<li>Gipfeleisfeld: Zum Teil Blankeis.<\/li>\n<li>Abstieg: In direkter Fallinie hinunter stapfen. Die letzte halbe Stunde h\u00fcfttiefer Sumpf.<\/li>\n<\/ul>\nngg_shortcode_2_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist vollbracht! Benni und mir gelang die klassische Linie durch die wohl ber\u00fchmteste aller finsteren Nordw\u00e4nde im ersten Versuch. Nachdem wir die idealen Verh\u00e4ltnisse in der Wand Anfang Feber verschlafen hatten, hielten wir uns immer wieder ein paar Tage frei, in der Hoffnung auf eine zweite Chance noch vor dem Sommer. 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