{"id":228,"date":"2010-10-10T19:24:22","date_gmt":"2010-10-10T19:24:22","guid":{"rendered":"http:\/\/higher-ground.at\/forum\/?p=228"},"modified":"2011-05-22T17:16:39","modified_gmt":"2011-05-22T15:16:39","slug":"gritstone-cleaner-sandstein-im-englischen-peak-district","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/higher-ground.at\/?p=228","title":{"rendered":"Gritstone &#8211; Cleaner Sandstein im englischen Peak District"},"content":{"rendered":"<p>Die Engl\u00e4nder sind schon ein seltsames Volk! Zu dieser Erkenntnis kommt man sp\u00e4testens, wenn man in seinen ersten Pork Pie bei\u00dft, w\u00e4hrend man auf der falschen Stra\u00dfenseite \u00fcber eine viel zu schmale Landstra\u00dfe f\u00e4hrt, die noch dazu beidseitig von endlosen Steinmauern begrenzt wird&#8230; Und hinter den Steinmauern? Schafe.\u00a0Heerscharen von Schafen und ab und zu ein kleines H\u00e4uschen, ein &#8222;Cottage&#8220; in der dann vermutlich ein Schafz\u00fcchter sitzt.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>Genau so ein Cottage, n\u00e4mlich das &#8222;Well Cottage&#8220; im kleinen \u00d6rtchen Youlgrave sollte Lukas, Tom, dem ehemaligen Local Mark und mir f\u00fcr eine Woche als Basislager f\u00fcr unseren Klettertrip in England dienen. Mark, der wie gesagt ein paar Jahre in Youlgrave lebte, organisierte uns diese stilvolle Unterkunft und war auch sonst so freundlich eine Art Fremdenf\u00fchrer f\u00fcr uns zu sein. Vor allem aber war er unser Chauffeur, denn w\u00e4re ich gefahren h\u00e4tte es garantiert schon am ersten Kreisverkehr gekracht!<\/p>\n<p>Was bewegt 4 Tiroler Kletterer die heimischen Berge f\u00fcr maximal 30 Meter hohe Sandsteinklippen einzutauschen? Es ist der Kletterstil, der uns in den Nationalpark des Peak Districts lockte: Bezeichnen manche den heutigen Kletterstil in Tirol als &#8222;Climbers Paradise&#8220;, so m\u00fcssten sie den Stil im Peak District als &#8222;Climbers Hell&#8220; empfinden&#8230; Es gibt absolut keine fix montierte Absicherung im gesamten Gebiet! Alles clean!\u00a0Die Strukturen der schier endlosen Sandsteinklippen schlucken daf\u00fcr so ziemlich alles an mobilen Sicherungsger\u00e4ten die man ihnen vorh\u00e4lt. Meistens zumindest &#8211; denn hier kommt die n\u00e4chste Eigenart der Engl\u00e4nder zur Geltung: Ihre Schwierigkeitsbewertung! Um Auskunft dar\u00fcber zu geben wie gut eine Route absicherbar ist f\u00fchrten die Altvorderen eine Bewertung ein, an deren Basis die Schwierigkeit &#8222;Moderate&#8220; (Mod) steht. F\u00fcr Schwierigkeiten im Bereich UIAA II-III verwendeten sie schon den Begriff &#8222;Difficult&#8220; (Diff), was in der weiteren Entwicklung des Klettersportes nat\u00fcrlich f\u00fcr Probleme sorgen sollte. Die n\u00e4chste Stufe war ja noch logisch: &#8222;Very Difficult&#8220; (VDiff), aber dann ging&#8217;s los kompliziert zu werden: &#8222;Hard Very Difficult&#8220; (HVD), &#8222;Severe&#8220; (Sev), &#8222;Hard Severe&#8220; (HS), &#8222;Very Severe&#8220; (VS) und schlie\u00dflich &#8222;Hard Very Severe&#8220; (HVS). Mit HVS befinden wir uns im UIAA Grad V+ bis VI+, also brauchte man bald ein noch gr\u00f6\u00dferes Superlativ &#8211; und das war\u00a0schnell gefunden: &#8222;Extreme&#8220; (E). Und weil&#8217;s halt\u00a0kein furchteinfl\u00f6\u00dfenderes Wort\u00a0als &#8222;Extreme&#8220; gibt begn\u00fcgt man sich nun damit eine Zahl von 1 bis derzeit 10 anzuh\u00e4ngen, also E1 bis E10.<br \/>\nDen englischen Kletterern war es aber noch nicht kompliziert genug, jetzt musste auch noch ein technischer Schwierigkeitsgrad her. Hierf\u00fcr nutzen sie das gleiche System wie die Franzosen, aber weil sie die ja nicht besonders m\u00f6gen\u00a0gibt es einen\u00a0kleinen Unterschied: 5a englisch bedeutet 6a franz\u00f6sisch, die Skala hinkt der uns vertrauten also\u00a0immer ungef\u00e4hr einen Grad hinterher! Buh&#8230;Gl\u00fcck gehabt wenn man in einer 5c abblitzt: In Wirklichkeit ist sie ja 6c!<\/p>\nngg_shortcode_1_placeholder\n<p>Gleich nach unserer Ankunft in Manchester fuhren wir zum gr\u00f6\u00dften aller Klettergebiete: Stanage. Diese Klippe zieht sich f\u00fcr etwa 3km durchs Land und weil es Samstag war und die Sonne schien gab es eine ebenso lange Schlange von Kletterern!<br \/>\nWir begn\u00fcgten uns anfangs mit ein paar Boulderproblemen, aber sp\u00e4ter am Tag tastete ich mich dann doch bis zur Schwierigkeit HVS vor. Erster Eindruck: Geniale Kletterei&#8230; super griffiger Fels und vor allem: Cool dass man alles selber absichern kann und muss!!!<\/p>\n<p>Der zweite Tag brachte dann jenes Wetter, das wohl jeder mit England assoziiert: Regen. Da wir (und auch die Meteorologen) nicht genau wussten was die restliche Woche noch bringen w\u00fcrde, beschlossen wir uns in einer riesigen Boulderhalle in Sheffield die Finger wund zu klettern&#8230; Gesagt getan. Es sollte dann aber der einzige wirklich schlechte Tag der ganzen Woche sein und der ein oder andere von uns h\u00e4tte sich in der Boulderhalle wohl ein bisschen zur\u00fcckhalten sollen.<\/p>\nngg_shortcode_2_placeholder\n<p>Von Montag bis Sonntag war es dann im Gro\u00dfen und Ganzen wundersch\u00f6n und wir konnten viele der gro\u00dfen Gritstone-Klassiker abhaken. Obwohl die H\u00f6he der meisten Routen recht bescheiden ist, so ist die Kletterei doch sehr geschichtstr\u00e4chtig: Kletterlegenden wie Joe Brown (Erstbesteiger des\u00a0Kangchendz\u00f6nga) verewigten sich mit, f\u00fcr die damalige Zeit, unvorstellbar schwierigen Routen.<br \/>\nIm Laufe der Zeit w\u00e4chst das Vertrauen in das eigene Absicherungsverm\u00f6gen und auch der Schwierigkeitsgrad &#8222;Extreme&#8220; verliert etwas von seinem Schrecken. Am letzten Tag konnte ich mich schlie\u00dflich bis zum Schwierigkeitsgrad E3 5c herantasten und kann so, wie meine Begleiter auch, auf eine erfolgreiche und lohnende Woche auf der Insel zur\u00fcckblicken!<\/p>\n<p>Danke nochmal an meine 3 Freunde Lukas, Mark und Tom, dass sie mich bei ihrer schon l\u00e4nger geplanten Tour mitkommen lie\u00dfen, danke auch f\u00fcr die vielen tollen Fotos, welche hier zum Teil zu sehen sind und danke vor allem an Mark unseren &#8222;Fremdenf\u00fchrer&#8220; und &#8222;Papa Duck&#8220;!<\/p>\nngg_shortcode_3_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Engl\u00e4nder sind schon ein seltsames Volk! Zu dieser Erkenntnis kommt man sp\u00e4testens, wenn man in seinen ersten Pork Pie bei\u00dft, w\u00e4hrend man auf der falschen Stra\u00dfenseite \u00fcber eine viel zu schmale Landstra\u00dfe f\u00e4hrt, die noch dazu beidseitig von endlosen Steinmauern begrenzt wird&#8230; Und hinter den Steinmauern? 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