{"id":199,"date":"2010-07-19T16:58:18","date_gmt":"2010-07-19T16:58:18","guid":{"rendered":"http:\/\/higher-ground.at\/forum\/?p=199"},"modified":"2011-05-22T17:17:15","modified_gmt":"2011-05-22T15:17:15","slug":"chamonix-abschlusskurs-der-bergfuhrer-ausbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/higher-ground.at\/?p=199","title":{"rendered":"Chamonix &#8211; Abschlusskurs der Bergf\u00fchrer-Ausbildung"},"content":{"rendered":"<p>Das Beste gleich vorweg: Endlich darf ich das blaue UIAGM-Wappen auf der Brust tragen! Nach insgesamt 2 Jahren Ausbildung in den verschiedensten Spielarten des Bergsteigens traf sich mein Jahrgang zu einem letzten, grandiosen Kurs in Chamonix &#8211; Aber jetzt der Reihe nach:<\/p>\n<p><a rel=\"lightbox[]\" href=\"https:\/\/higher-ground.at\/forum\/wp-content\/gallery\/chamonix-2010\/p1000669.jpg\">ngg_shortcode_0_placeholder<\/a><\/p>\n<p>Um uns ein wenig f\u00fcr die hohen Berge der Mont-Blanc-Gruppe zu akklimatisieren fuhren Benni, Olli und ich schon 4 Tage vor dem eigentlichen Kursbeginn in die Westalpen. Das Ziel unserer Bergtour w\u00e4hlten wir erst auf den letzten Kilometern nach Zermatt und entschieden uns schlie\u00dflich f\u00fcr die \u00dcberschreitung der Wellenkuppe (3903m) zum Obergabelhorn (4063m). Am Samstagnachmittag stiegen wir von Zermatt in Richtung Rothornh\u00fctte auf. Etwa auf halben Weg begann es wie aus K\u00fcbeln zu sch\u00fctten und so kamen wir v\u00f6llig durchn\u00e4sst auf der H\u00fctte an. Gottseidank gab es nur zwei weitere G\u00e4ste und so konnten wir unsere Ausr\u00fcstung in der Gaststube wenigstens einigerma\u00dfen trocknen&#8230;<\/p>\n<p>Gegen 4 Uhr begannen wir dann mit dem Aufstieg auf die Wellenkuppe, welche Kletterei bis zum oberen 3. Schwierigkeitsgrad erfordert. Der erste Gipfel des Tages belohnt einen mit einer pr\u00e4chtigen Aussicht auf die Matterhorn Nordwand&#8230;die steht doch auch noch auf der to-do-Liste&#8230;<\/p>\nngg_shortcode_1_placeholder\n<p>Eigentlich hatten wir damit spekuliert durch die elegante, ca. 300m lange Nordwand auf das Obergabelhorn zu steigen, doch leider lag noch viel zu viel Schnee in der Wand. Durch die hohen Temperaturen war die Gefahr von Nassschnee-Rutschern selbst auf 4000m zu gro\u00df. Also folgten wir weiterhin dem exponierten Gratverlauf und standen schlie\u00dflich, nach einem interessanten Mix aus Schnee, Fels und Eis am Gipfel. Beim Abstieg zur\u00fcck zur Wellenkuppe best\u00e4tigte sich unsere Bef\u00fcrchtung, denn die vorher schneebedeckte Nordwand war nun innerhalb k\u00fcrzester Zeit durch viele kleine Lawinen blank geworden. Nach weiteren 2500 H\u00f6henmetern Abstieg waren wir zur\u00fcck im Touristen-\u00fcberfluteten Zermatt.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag stand Erholung in Form von Schwimmen am Programm. Benni kannte durch seine fanatische Lekt\u00fcre von Klettermagazinen eine wahre Perle und einen echten Geheimtipp: Das Schwimmbad im Zoo von Marecottes &#8211; hoch \u00fcber Martigny. Hier kann man in einem traumhaft sch\u00f6nen Natur-Pool direkt neben dem Schwarzb\u00e4r-Gehege seine Seele baumeln lassen!<\/p>\nngg_shortcode_2_placeholder\n<p>Offizieller Kursbeginn war erst am Dienstag-Abend, deshalb fuhren wir vormittags von Chamonix hinauf auf die Aguille du Midi um einen der Felsklassiker auf der S\u00fcdseite zu klettern. Mittlerweile waren wir zu viert, denn\u00a0beim Bouldern am\u00a0Col des Montets am\u00a0Vorabend stie\u00df Gerhard zu unserer Gruppe hinzu. Benni und ich lie\u00dfen uns von der Warteschlange in der Rebuffat Route einsch\u00fcchtern und kletterten deshalb die &#8222;Kohlmann&#8220;, allerdings mit alternativem Ausstieg. Der Granit in der Midi-S\u00fcdwand ist ein Traum und durch ein weit verzweigtes System aus Rissen kann man mit gen\u00fcgend Freunden an der Materialschlaufe eigentlich \u00fcberall klettern.<\/p>\nngg_shortcode_3_placeholder\n<p>Der spannendste Moment des gesamten Kurses kam dann am Abend: Die Verk\u00fcndung mit welchen Teilnehmern man zu welchem Ausbildner kommt. Meine Nerven lagen aufgrund schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit blank, aber dieses Mal h\u00e4tte ich es kaum besser treffen k\u00f6nnen: Ich kam mit Christian Bauer und Jan Beutel in die Gruppe von Karl Wieser. Noch am selben Abend begann die Tourenplanung f\u00fcr die n\u00e4chsten beiden Tage: Mittwoch Petite Aguille\u00a0Verte (3508m) und Abstieg zum Refuge d&#8217;Argentiere, gefolgt von einer Hammer-Tour am Donnerstag: Mont Dolent (3820) \u00fcber die 300m Westwand und den Nordgrat mit Abstieg auf die italienische Seite.<\/p>\n<p>MITTWOCH (7. Juli 2010)<\/p>\n<p>Von der Bergstation der Aig. des Gds. Montets ist es eigentlich nur noch ein Katzensprung auf die Petite Verte, aber dennoch bietet der kurze Grat ein tolles F\u00fchrungsgel\u00e4nde f\u00fcr Gehen am kurzen Seil. \u00dcber das Col des Gds. Montets stiegen wir anschlie\u00dfend ab auf den Argentiere Gletscher, welcher aus dem beeindruckenden Argentiere-Kessel flie\u00dft.\u00a0Das Ref. d&#8217;Argentiere\u00a0wurde vor wenigen Jahren komplett neu gebaut und \u00fcbertrifft an Komfort sogar H\u00fctten wie die Konkordia- oder die Finsteraarhornh\u00fctte. Der Wirt Fred begr\u00fc\u00dfte uns mit einer Runde Freibier und im Waschraum gibt es sogar flie\u00dfend Warmwasser &#8211; unerwarteter Luxus in den franz\u00f6sischen Westalpen!<\/p>\nngg_shortcode_4_placeholder\n<p>DONNERSTAG (8.Juli 2010)<\/p>\n<p>Um 3 Uhr f\u00fchrte uns Chris zwei Stunden lang zum Einstieg unserer Route: die Westwand, welche sich vom hintersten Argentiere-Kessel hinauf zum Col de l&#8217;Amone zieht. Die gro\u00dfe Randkluft, welche wir in der Morgend\u00e4mmerung hinter uns brachten war ein erster Vorgeschmack auf die zu erwartenden Schwierigkeiten unserer Tour. In wechselnder Felsqualit\u00e4t kletterten wir in etwa 3 Stunden durch die 300m hohe Wand, wobei die schwierigsten L\u00e4ngen den unteren 5. Grad erreichten. Es dauerte nicht lange da schlug auch das erste Mal mein Geologenherz h\u00f6her, als etwa 150m rechts von uns ein beachtlicher Felssturz in die Tiefe donnerte. Kein Wunder dass der Permafrost immer weiter zur\u00fcck schreitet, lag die Null-Grad-Grenze doch\u00a0auf \u00fcber 5000m!<\/p>\n<p>Ab dem Col de l&#8217;Amone war ich an der Reihe die F\u00fchrung zu \u00fcbernehmen. Zuerst ging es am sch\u00f6nen, ausgesetzten Nordgrat entlang, der sich schlie\u00dflich in einem messerscharfen Firngrat fortsetzte. Danach galt es eine ca. 100m lange, ca 60\u00b0 steile Eisflanke zu \u00fcberwinden, ehe man in einen wirklich katastrophal br\u00fcchigen-grob bl\u00f6ckigen Abschnitt gelangt. In diesen zwei Seill\u00e4ngen half nur noch eins: hoffen, dass es schon irgendwie h\u00e4lt und nichts wie durch! Die letzten 200m zum Gipfel waren dann vergleichsweise wieder reinste Genusskletterei&#8230;<\/p>\nngg_shortcode_5_placeholder\n<p>Um 12:45 erreichten wir schlie\u00dflich den Gipfel und machten Stand an\u00a0einer Madonna-Statue, deren Kopf durch unz\u00e4hlige Blitzeinschl\u00e4ge stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Abstieg vorbei am Fiorio Bivak hinunter ins Val Ferret bot dann den knietiefen Schnee-Sumpf, welchen wir auf der S\u00fcdseite erwartet, bzw. bef\u00fcrchtet hatten. Nach insgesamt ca. 12 Stunden waren wir wieder im Tal und g\u00f6nnten uns ein Taxi durch den Mont Blanc Tunnel zur\u00fcck nach Chamonx.<\/p>\nngg_shortcode_6_placeholder\n<p>FREITAG (9. Juli 2010)<\/p>\n<p>Am Freitag stiegen wir erst am Nachmittag vom Skiort Le Tour zum Ref. Albert Premier auf. Ziel f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag war die Aguille du Chardonnet (3824m).<\/p>\n<p>SAMSTAG (10. Juli 2010)<\/p>\n<p>Um\u00a03 Uhr verlie\u00dfen wir die H\u00fctte und \u00fcberquerten in gerader Linie den Glacier du Tour in Richtung Chardonnet. Dieser direkte Zustieg ist nur m\u00f6glich, wenn noch gen\u00fcgend Schnee am Gletscher liegt, aber in 1 bis 2 Wochen wird man wohl den ganzen Gletscherkessel ausgehen m\u00fcssen. Es folgt ein ziemlich steiler Gletscher-Aufschwung zwischen Aig. Forbes und Punkt 3471 um auf den Gletscherr\u00fccken &#8222;La Bosse&#8220; zu gelangen. Von hier ist es nicht mehr weit in eine markante Scharte des Forbes-Grats, der sich nach Westen zum Gipfel zieht.<\/p>\nngg_shortcode_7_placeholder\n<p>Der Grat bietet zum Teil richtig sch\u00f6ne Kletterei, aber auch br\u00fcchigere und vereiste Passagen, speziell beim Umgehen von manchen Gendarmen. Alles in Allem aber auch wieder eine exzellente F\u00fchrungstour f\u00fcr gehobene Anspr\u00fcche und auf jeden Fall weiter zu empfehlen!<\/p>\n<p>Der Abstieg auf der West-Seite (= Normalweg) erfordert zwei unproblematische Abseiler, ehe man wieder auf den Gletscher gelangt.<\/p>\nngg_shortcode_8_placeholder\n<p>SONNTAG (11. Juli 2010)<\/p>\n<p>Am Sonntag stand alpines Sportklettern und Bergrettung am Programm, weshalb wir mit der Seilbahn auf den n\u00f6rdlich von Chamonix gelegenen Brevent fuhren. Der Blick von hier auf das Mont-Blanc-Massiv ist einfach unbeschreiblich und es wird wohl auch nirgendwo ein sch\u00f6neres Ambiente f\u00fcr Bergrettungs-\u00dcbungen geben! Wir kletterten eine sch\u00f6ne Route im unteren 6. Grad an der Brevent-Ostwand, welche leider durch v\u00f6llig unn\u00f6tige Bohrhaken direkt neben den sch\u00f6nsten Rissen verunstaltet war.<\/p>\nngg_shortcode_9_placeholder\n<p>MONTAG (12. Juli 2010)<\/p>\n<p>Der Aiguille du Plan sind n\u00f6rdlich (Chamonix-Seite) mehrere kleinere Aguilles vorgelagert. Eine davon, n\u00e4mlich die Aiguilles des Pelerins wollten wir \u00fcber den SW-Grat besteigen. Von der Mittelstation der Midi-Seilbahn steigt man \u00fcber den Glacier des Pelerins auf, bis man \u00fcber 2er und 3er Gel\u00e4nde auf den Grat aufsitzen kann. Die Kletterei erfordert mindestens den oberen f\u00fcnften Grad was uns mit den schweren Bergschuhen ordentlich zu schaffen machte. Wir verzichteten absichtlich auf unsere Kletterpatschen, was aber im Nachhinein eher als Fehler zu werten ist, da wir sonst deutlich schneller gewesen w\u00e4ren. Etwa 200 Meter unter dem Gipfel entschieden wir uns schlie\u00dflich die Tour abzubrechen und seilten uns \u00fcber die SO-Seite ab. Egal &#8211; R\u00fcckzug steht ja schlie\u00dflich auch auf dem Lehrplan \ud83d\ude42<\/p>\nngg_shortcode_10_placeholder\n<p>DIENSTAG (13. Juli 2010)<\/p>\n<p>Eigentlich h\u00e4tten wir geplant am Nachmittag mit der Midi- und der Helbronner-Seilbahn zur Torino-H\u00fctte zu fahren um am n\u00e4chsten Tag \u00fcber den Kuffner-Grat auf den Mont Maudit zu steigen, doch leider machte uns starker Wind einen Strich durch die Rechnung: Alle Seilbahnen blieben geschlossen. Wir machten das Beste aus dem Tag und gingen Sportklettern, bzw. Bergrettungstechniken \u00fcben.<\/p>\n<p>Am Abend fand in Chamonix der Kletterwelcup statt, wo wir die Angy Eiter nat\u00fcrlich lautstark anfeuerten.<\/p>\nngg_shortcode_11_placeholder\n<p>MITTWOCH (14. Juli 2010)<\/p>\n<p>Der Wind lie\u00df zum Gl\u00fcck wieder nach und so fuhren wir zeitig hinauf auf die Aiguille du Midi um einen echten Chamonix-Klassiker zu machen: den Midi-Plan Grat.<\/p>\n<p>Der ausgesetzte Grat fordert f\u00fchrungstechnisch recht viel, durch einen st\u00e4ndigen Wechsel von Schneefeldern, Eis, Fels und einer Abseilstelle. Der Gipfel der Aiguille du Plan (3673) ist ein 3x3m gro\u00dfe ebene Fl\u00e4che und bietet ein einmaliges Panorama. F\u00fcr mich war dieser Gipfel der sch\u00f6nste des ganzen Kurses!<\/p>\nngg_shortcode_12_placeholder\n<p>Als Abstieg w\u00e4hlten wir die lange Variante: \u00dcber den unglaublich spaltigen Glacier d&#8217;Envers du Plan hinunter zum Refuge du Requin und dann weiter \u00fcber das blanke Mer de Glace hinaus nach Montenvers. Am Mer de Glace gingen wir mehr oder weniger absichtlich in den spaltenzerfressendsten Bereich und \u00fcbten uns im Spalten-Springen&#8230; Im Nachhinein betrachtet waren mehr als nur ein Sprung zu gewagt und \u00fcbermutig, aber es machte uns einfach viel Spa\u00df. Vom Gletscher hinauf nach Montenvers f\u00fchren eine Vielzahl von endlosen Stahlleitern, welche man \u00fcberwinden muss, bevor man sich in einen der Sitze der Zahnradbahn fallen lassen darf.<\/p>\nngg_shortcode_13_placeholder\n<p>DONNERSTAG (15. Juli 2010)<\/p>\n<p>Der erste Pr\u00fcfungstag: Lehrauftritt am Col des Montets. Mein Thema: Treten und Steigen im alpinen Gel\u00e4nde mit Bergschuhen.<\/p>\n<p>FREITAG (16. Juli 2010)<\/p>\n<p>Zweiter Pr\u00fcfungstag am Brevent: Orientierung, Bergrettung, Sportbiologie, Erste Hilfe, Alpine Gefahren.<\/p>\nngg_shortcode_14_placeholder\n<p>Nach der Verk\u00fcndung der Noten am Abend gab&#8217;s nur noch eines: Feiern!!! An dieser Stelle m\u00f6chte ich mich nochmal ganz besonders beim Kursleiter Alex Giacomelli f\u00fcr die tolle Organisation bedanken: Alle erfolgreichen Teilnehmer erhielten sofort den Bergf\u00fchrer Ausweis und der Verband sowie die BSPA spendierten T-Shirts und ein paar Runden Bier bei einem geselligen Abschlussabend!<\/p>\n<p>Der Abschlusskurs in Chamonix hat alle Erwartungen bei weitem \u00dcbertroffen! Der Hauptgrund war bestimmt das unglaublich sch\u00f6ne Wetter (auch wenn&#8217;s schon eher zu warm war), aber auch die tolle Gruppe und allen Voran unser Ausbildner Karl! Danke f\u00fcr die super Zeit!<\/p>\n<p>Hier die besten (50)\u00a0Fotos als Diashow:<\/p>\nngg_shortcode_15_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Beste gleich vorweg: Endlich darf ich das blaue UIAGM-Wappen auf der Brust tragen! 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