{"id":104,"date":"2010-06-06T14:35:04","date_gmt":"2010-06-06T14:35:04","guid":{"rendered":"http:\/\/higher-ground.at\/forum\/?p=104"},"modified":"2011-05-22T17:17:35","modified_gmt":"2011-05-22T15:17:35","slug":"monte-brento-via-vertigine-1000m-via2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/higher-ground.at\/?p=104","title":{"rendered":"Monte Brento &#8211; Via Vertigine (1000m &#8211; VI+\/A2)"},"content":{"rendered":"<p>Was soll man \u00fcber diese Route schreiben? Bietet sie sch\u00f6ne Kletterei? Macht es Spa\u00df sie zu klettern? W\u00fcrde ich nochmal einsteigen? Alle diese Fragen kann ich mit einem klaren \u201enein\u201c beantworten \u2013 und trotzdem: die Via Vertigine bietet ein wohl einzigartiges Klettererlebnis und deshalb kann ich sie nur weiterempfehlen!<\/p>\n<p><a rel=\"lightbox[]\" href=\"https:\/\/higher-ground.at\/forum\/wp-content\/gallery\/via-vertigine\/brento.jpg\">ngg_shortcode_0_placeholder<\/a><\/p>\n<p>Wer kennt sie nicht, die Sonnenplatten im Sarcatal. Unweigerlich wandern aber die Blicke auch h\u00f6her hinauf in das sogenannte \u201eGelbe Universum\u201c \u2013 einer 600m hohen und 120m(!) \u00fcberh\u00e4ngenden Festung aus br\u00fcchigem Fels. Bis vor kurzem glaubte keiner daran, dass man diese Wand auch in freier Kletterei \u00fcberwinden kann \u2013 bis David Lama und Jorg Verhoeven vor zwei Wochen das Gegenteil bewiesen. Da sich aber weder Gerhard noch ich im Schwierigkeitsgrad 8b wohl f\u00fchlen entschieden wir uns bei der Tourenplanung f\u00fcr eine der drei technischen Routen in der Wand und zwar\u00a0f\u00fcr die\u00a0Via Vertigine.<\/p>\n<p>Unser Plan f\u00fcr das Wochenende sah im Grunde ganz einfach aus: Am Samstagvormittag nach Arco fahren, R\u00e4der f\u00fcr den Abstieg deponieren und noch ein paar Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nde (z.B. Clipstick) kaufen, am Nachmittag den 400m langen Vorbau klettern, am Sonntag durch die D\u00e4cherzone und mit den Fahrr\u00e4dern retour nach Arco, um am Montag ganz normal arbeiten zu gehen\u2026 Es sollte dann doch ein bisschen anders kommen:<\/p>\n<p>Als wir die vielen, in der sengenden Mittagshitze schwitzenden, Biker auf der Stra\u00dfe hinauf nach San Giovanni \u00fcberholten, \u00fcberkamen uns doch gewisse Zweifel, ob Juni die richtige Jahreszeit f\u00fcr unsere Tour ist. Aus Gewichtsgr\u00fcnden k\u00f6nnen wir ja nicht allzu viel Wasser mitnehmen und der Wetterbericht meldete Temperaturen von 30 Grad\u00a0oder mehr\u2026 Unsere Euphorie war aber st\u00e4rker als\u00a0der Zweifel und so versteckten wir neben unseren R\u00e4dern auch noch ein paar Flaschen Wasser im Geb\u00fcsch.<\/p>\n<p>Wieder zur\u00fcck in Arco mussten wir dann feststellen, dass alle Sportgesch\u00e4fte eine ausgiebige Mittagspause machen und so verzichteten wir gezwungenerma\u00dfen auf einen Clipstick \u2013 \u201ewird schon auch ohne gehen\u2026\u201c.<\/p>\nngg_shortcode_1_placeholder\n<p>Am Parkplatz der Sonnenplatten fand dann die obligatorische Material-Sortiererei statt und da wir beide vergessen hatten eine kleine Tube einzupacken wurde die Sonnencreme kurzerhand in \u00dcberraschungseier umgef\u00fcllt \u2013 ein nahezu genialer Gerhard\u2019scher Geistesblitz! F\u00fcr den Zustieg zur Wand ben\u00f6tigten wir etwa eine Stunde und verschwitzten sch\u00e4tzungsweise die gleiche Menge Fl\u00fcssigkeit, die wir eingepackt hatten.<\/p>\n<p>Um 17 Uhr ging es dann endg\u00fcltig los: Die 13 Seill\u00e4ngen des 400m langen \u201eVorbaus\u201c bieten eine Mischung aus kurzer, steiler und meist br\u00fcchiger Wandkletterei mit langen, leichteren Reibungspassagen. Die Absicherung mit 10mm Bohrhaken ist ausreichend, auch wenn in den leichten L\u00e4ngen die Abst\u00e4nde schon mal mehr als 15m sein k\u00f6nnen. Gerhard und ich kamen in Wechself\u00fchrung sehr flott voran und drei Stunden sp\u00e4ter waren wir schon am B\u00e4umchen, wo die Tour dann erst so richtig losgehen sollte.<\/p>\nngg_shortcode_2_placeholder\n<p>Wir fanden uns schon mit dem Schicksal eines unbequemen Sitz-Biwaks ab, ehe wir dann doch beschlossen \u00fcber ein Felsband etwa 80m nach Norden zu einem kleinen Wald zu queren. Dort fanden wir eine kleine Felsnische die uns eine recht angenehme Nachtruhe versprach. Immer wieder zuckten wir erschrocken zusammen, wenn ein BASE-Jumper mit Wingsuit \u00fcber uns mit der Ger\u00e4uschkulisse eines kleinen Kampfjets hinwegrauschte. Zwei Fragen gingen uns beide vor dem Einschlafen durch den Kopf: Was w\u00fcrde uns morgen erwarten? Und warum zum Teufel hatten wir kein Bier f\u00fcr heute Abend mitgenommen!?<\/p>\n<p>Nach einer viel zu warmen Nacht waren wir um 5:30 Uhr zur\u00fcck beim B\u00e4umchen, wo ein Statikseil hinauf zum ersten Standplatz fixiert ist. Ich montierte meinen Ropeman und einen Tibloc daran und begann mit dem m\u00fchsamen Aufstieg. Auf halber H\u00f6he\u00a0war das Seil jedoch so dick und ausgefranst, dass beide Klemmger\u00e4te an ihre Grenzen stie\u00dfen und ich kletterte fortan an den Haken weiter. So ein Kickstart am fr\u00fchen Morgen kostet extrem viel Kraft und l\u00e4sst einen wiedermal an seiner Kondition zweifeln.<\/p>\nngg_shortcode_3_placeholder\n<p>Die Route ist komplett mit 6mm Express-Anker und Ringmuttern aus dem Baumarkt ausgestattet. Das Gute an den Ringmuttern ist, dass sie einen \u00e4u\u00dferst massiven Eindruck machen und meistens den Rost der furchterregend d\u00fcnnen Bolts, an denen sie montiert sind, verdecken. Schlechter ist, dass man nur einen Karabiner in der \u00d6se Platz hat. Die Standpl\u00e4tze sind ALLE zus\u00e4tzlich mit meist zwei 10mm Express-Anker ausgestattet.<\/p>\n<p>Ab der vierten Seill\u00e4nge geht es dann richtig zur Sache. Man durchquert elegant die erste gro\u00dfe D\u00e4cherzone ehe man im Laufe der 6. Seill\u00e4nge wieder \u201eflacheres\u201c Terrain erreicht. Hier klettert man die halbe L\u00e4nge an Normalhaken, die aber trotz ihres Alters noch recht stabil sind. Au\u00dferdem quert hier die Freikletterroute von David und Jorg die Vertigine, was an den unz\u00e4hligen Tickmarks ersichtlich war. Unterhalb des gro\u00dfen Dachs h\u00e4ngt auch noch ihr Portaledge, das mit Statikseilen bis zum Ausstieg verbunden ist. Die Vertigine verl\u00e4uft aber weiter links und in der 9. Seill\u00e4nge wird es am ca. 7 Meter horizontal ausladenden Dach das erste Mal so richtig luftig .<\/p>\nngg_shortcode_4_placeholder\n<p>Viel Zeit gekostet hat uns die 11. Seill\u00e4nge, welche von einer alten Stahlseiltrommel, an der ich nicht einmal ein Bild aufh\u00e4ngen m\u00f6chte, nach links quert. Hier sind besonders viele der Zwischensicherungen ausgebrochen und wer gerade \u2013 so wie ich \u2013 keine Kletterschuhe an den F\u00fc\u00dfen tr\u00e4gt ist froh, wenn er ein paar Cliffhanger\/Hooks am Gurt h\u00e4ngen hat. Nach drei prickelnden Hook-Z\u00fcgen (Zitat Pete Zabrok: \u201cHooking is scary but great fun\u201c) hoffte ich dann das gr\u00f6bste hinter mir zu haben\u2026 Weit gefehlt: Etwa drei Meter vor dem Stand sind wieder ein oder zwei Haken ausgebrochen und der extrem br\u00fcchige Fels l\u00e4sst definitiv kein Hooken oder Normalhaken-Schlagen zu. Wo war nochmal unser Clipstick? Aja \u2013 wir haben keinen! Also dann: Handbohrer marsch! Danke Lucky f\u00fcr deinen genialen Eigenbau-Handbohrer! Nach etwa 20 Minuten hatte ich dann endlich ein ca 2cm tiefes, 6mm breites Loch in den Fels geh\u00e4mmert. Express-Anker hinein, Mutter leicht anziehen, Rivet Hanger drauf und\u00a0Sto\u00dfgebet dass es h\u00e4lt! Ein paar Minuten sp\u00e4ter endlich der laute, erleichterte Ruf: \u201eSTAAAAND!\u201c<\/p>\nngg_shortcode_5_placeholder\n<p>Die folgenden zwei L\u00e4ngen sind kein Problem und dann kommt der kr\u00f6nende Abschluss mit der L\u00e4nge 14. Sie beginnt recht harmlos, also nur leicht \u00fcberh\u00e4ngend, ehe man sich dann \u00fcber einen gewaltigen \u00dcberhang hinauf k\u00e4mpft. An der Dachkante hat man wirklich die gesamte H\u00f6he der Route unter dem Allerwertesten und man kann vor Freude nur noch jubeln, wenn man erkennt, dass einen nur noch etwa 20 Meter im f\u00fcnften Grad vom Ausstieg trennen.<\/p>\n<p>Um 22 Uhr stehen Gerhard und ich am Exit Point der BASE Jumper. 16,5 Stunden Klettern ohne wirkliche Pause sind hinter uns und wir sind beide halb verdurstet, also nichts wie hinunter zu den R\u00e4dern. \u201eHinunter\u201c bedeutet bei diesem Abstieg leider f\u00fcr eine lange Zeit \u201ebergauf\u201c, denn wir\u00a0wanderten in der Dunkelheit bis zum Gipfelkreuz des Monte Brento und erst von dort stiegen wir\u00a0mit einer\u00a0recht riskanten Querfeldein-Aktion ostw\u00e4rts\u00a0nach San Giovanni ab. Um Mitternacht waren wir dann endlich bei unseren Wasserreserven und entschieden uns hier zu \u00fcbernachten und erst morgen die Heimreise anzutreten.<\/p>\nngg_shortcode_6_placeholder\n<p>Wie schon anfangs erw\u00e4hnt: Im Grunde ist die Route weder f\u00fcr Freikletterer noch f\u00fcr echte Techno-Freaks besonders sch\u00f6n, da man ja selber eigentlich nicht viel Eigenk\u00f6nnen mitbringen muss wenn schon alle Zwischensicherungen da sind, aber die enorme Ausgesetztheit und das Ambiente machen die Via Vertigine trotzdem zu einem gro\u00dfen Erlebnis! Mein gro\u00dfer Respekt gilt meinem Partner Gerhard, der sich mit dieser Route nicht gerade die leichteste Gelegenheit gesucht hat das erste Mal \u00fcberhaupt mit Leiter zu klettern! Ob ich in ihm aber die Begeisterung f\u00fcr lange Techno-Touren geweckt habe bleibt allerdings fraglich \ud83d\ude09<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hier alle Bilder der Tour zum durchklicken:<\/strong><\/p>\nngg_shortcode_7_placeholder\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hier noch ein paar n\u00fctzliche Informationen f\u00fcr Wiederholer:<\/strong><\/p>\n<p>Das Topo von D. Filippi ist sehr gut und alle Standpl\u00e4tze sind richtig eingezeichnet. Die ersten 40m kann man recht einfach seilfrei \u00fcber eine Rampe bis zum deutlich von unten sichtbaren, ersten Standplatz klettern. Die 3. Seill\u00e4nge ist mit VI+ bewertet, das sollte aber wahrscheinlich eher IV+ hei\u00dfen. Die ebenfalls mit VI+ bewertete 7. Seill\u00e4nge ist extrem br\u00fcchig, kann aber fast A0 an perfekten 10mm Bohrhaken geklettert werden.<\/p>\n<p>Etwa 30 Meter unterhalb des B\u00e4umchens wo die technische Kletterei startet kann man \u00fcber ein 2m breites Band recht bequem nach Norden zu dem kleinen Wald queren. Hier gibt es unterhalb einer Felsnase einen perfekten Biwakplatz mit einem neuen Bohrhaken.<\/p>\n<p>Die technische Kletterei selbst ist meist ziemlich unproblematisch, wobei die Abst\u00e4nde stark variieren. Manchmal muss man schon ganz nett hoch in seiner Leiter steigen, um den n\u00e4chsten Haken zu klicken. Es sind immer wieder Haken ausgebrochen, doch dann h\u00e4ngt meistens eine Reepschnur vom n\u00e4chsten herunter.<\/p>\n<p>Man kann die ganze Route auch in festen Schuhen gehen, aber immer wieder gibt es ein paar Freikletterz\u00fcge wo man Zeit sparen kann.<\/p>\n<p>An allen Standpl\u00e4tzen kann man zumindest ein bisschen auf kleinen Leisten und Abs\u00e4tzen stehen. Am Stand nach der 11. L\u00e4nge des oberen Teils\u00a0k\u00f6nnte man einigerma\u00dfen bequem sitzen oder sogar liegen.<\/p>\n<p><strong>Unser Material:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>2,5 Liter Wasser (Sehr kleiner Camelback-Rucksack ist extrem n\u00fctzlich!)<\/li>\n<li>Minimal-Biwak-Ausr\u00fcstung<\/li>\n<li>2 x 50m Halbseile<\/li>\n<li>30 Express (dicke, damit man sie gut angreifen kann) Manche L\u00e4ngen sind extrem lang, und ich h\u00e4tte wahrscheinlich 40 oder mehr Express gebraucht, wenn ich alle Zwischensicherungen eingeh\u00e4ngt h\u00e4tte!<\/li>\n<li>1 x Frog (Sehr praktisch weil ein paar Bolts zu weit in die \u00d6se stehen und deshalb kein Karabiner platz hat!)<\/li>\n<li>2 x Leiter pro Person (Wir hatten die BigWall Aiders von Yates \u2013 ein wahrer Luxus!)<\/li>\n<li>Handschuhe!!!<\/li>\n<li>1 x Steigklemme f\u00fcr den Nachsteiger (selten verwendet)<\/li>\n<li>1 x Ropeman + Tibloc<\/li>\n<li>2 x Hook \/ Cliffhanger<\/li>\n<li>5 x Rivet Hanger (Vor Allem in der 11. Seill\u00e4nge praktisch!)<\/li>\n<li>1 x Hammer<\/li>\n<li>1 x Handbohrset + Bolts (W\u00fcrde niemals ohne einsteigen!)<\/li>\n<li>Normalhaken (Nicht gebraucht k\u00f6nnten aber weiterhelfen)<\/li>\n<li>KEINE FRIENDS ODER STOPPER!!! Kann man getrost daheim lassen!<\/li>\n<li>Zu empfehlen: Clipstick!!!<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was soll man \u00fcber diese Route schreiben? Bietet sie sch\u00f6ne Kletterei? Macht es Spa\u00df sie zu klettern? W\u00fcrde ich nochmal einsteigen? Alle diese Fragen kann ich mit einem klaren \u201enein\u201c beantworten \u2013 und trotzdem: die Via Vertigine bietet ein wohl einzigartiges Klettererlebnis und deshalb kann ich sie nur weiterempfehlen! 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