Eisklettern in der Fotsch!? Wer hätte das für möglich gehalten? Das Fotschertal ist für Freunde des Vertikalen eigentlich kein sehr attraktiver Ort, doch das sonderbare Wetter der letzten Wochen zauberte eine kleine Überraschung hervor: Oberhalb der Seealm verwandelte sich ein kleines Rinnsaal in einen ca 250m langen Eisschlauch, selten breiter als fünf Meter, und beidseitig von Bergwiese begrenzt. Ganz unten erwartet den erstaunten Eiskletterer eine 30 Meter hohe Steilstufe, die fortan den Namen “Potsdamer Eisgarten” tragen soll. Neben der leichtesten Linie, dem “Kickstarter” erfreuen ganz besonders ein paar Mixed-Linien, von denen heute nur der “Zwergenfeind” und der “Smoothie” geklettert wurden. Beide leider nur toprope,da sie nicht absicherbar sind, aber vielleicht findet ja einmal jemand Zeit ein paar Haken anzubringen.
Im Eisschlauch bewegt man sich meist in Schwierigkeiten zwischen WI2 und WI3. Das Gelände wäre einfach ideal für die ersten Eiskletter-Erfahrungen! Sollte irgendwann doch noch Schnee fallen dürfte der obere Teil weniger interessant werden, aber der Eisgarten vielleicht sogar noch besser. Dann gilt allerdings: Lawinengefahr beachten!!! Im Spätwinter/Frühjahr sind die Linien deshalb tabu!
Schönwetter das länger hält als der Duracell-Hase erlaubt motivierten Claudia und mich zu einer letzten(?) großen Tour der Saison. Klettern am Untersberg nahe Salzburg stand schon lange auf Claudia’s Wunschliste. Da die Seilbahn derzeit geschlossen ist und viele der interessanten Routen am Salzburger Hochthron nur von oben erreichbar sind, entschlossen wir in die Südwand des Berchtesgadener Hochthrons auszuweichen.
Die Route “Neue Südwand” aus dem Jahr 2002 verläuft einer Diretissima ähnlich, in gerader Linie durch die Südwand des Berchtesgadener Hochthrons. Bohrhaken sorgen für Sicherheit in den teilweise recht brüchigen Seillängen, aber der Schwierigkeitsgrad 7- sollte beherrscht werden. In der Schlüssellänge passen Freunde mittlerer Größe, es geht aber auch ohne. Die letzten drei Seillängen sind zwar nicht mehr schwer, dafür lang, schwer abzusichern und teilweise ziemlich brüchig bzw. grasig. Simultan klettern ist daher nicht wirklich empfehlenswert.
Tipps für (ortsunkundige) Wiederholer:
Topo: Website von Markus Stadler
- In Hinterettenberg parken und zum Scheibenkaser aufsteigen (gut beschildert).
- Bei der Almhütte (Scheibenkaser) rechts vorbei bis zu einem gelben Schild.
- Links dem Steig hinauf zur Südwand folgen (siehe Beschreibung am Topo).
- Einstieg ist mit Blechtafel in etwa 10m höhe markiert.
- Die Route kreuzt hin und wieder die “Alte Südwand”, die viel leichter ist. (Fluchtmöglichkeit).
- Beim Abstieg entweder über den Klettersteig hinunter oder:
- Durch das “Mittagsloch” und über den Südwandsteig. Der Höhleneinstieg in das Mittagsloch ist nicht ganz einfach zu finden. Etwas unterhalb des Stöhr-Hauses. Am besten Locals fragen!
Endlich fand sich ein Zeitfenster um wohl das letzte große Projekt der heurigen Alpinkletter-Saison abzuhaken! Benni und ich starteten zeitig um einen neuerlichen Traumtag (ungefähr der 40. wolkenlose Tag in Serie!) an der Schüsselkarspitze zu nutzen. Während dem langen Zustieg entschied eine Runde Schere-Stein-Papier (a.k.a. “Schnick, Schnack, Schnuck”) darüber wer beginnen darf und somit die berühmte Piazschuppe in der 5. Seillänge erwischt… Meine Schere hat leider verloren… egal, dafür gehörte mir die 8er Länge in der 8ten Seillänge!
Bis auf die ersten 2-3 Meter besagter 8er Länge in der uns vor Allem die Tritte fehlten konnten Benni und ich alles in Wechselführung onsighten. Um die Tour abzurunden stiegen wir über die “Südost” weiter auf den Westgrat.
Tipps:
- Einstieg gemeinsam mit der “Friedenspfeife” (Kleines Schild)
- In der Schuppen-Länge sind große Freunde ratsam: 2 Camalots #4 sind ideal
- 10 Expressschlingen sind ausreichend
- Papier schlägt Stein
Zum Abschluss meiner geologischen Diplomarbeits-Kartierungstätigkeit beschlossen mein Vater und ich dem Südgrat auf die Larchetkarspitze einen Besuch abzustatten.
Um noch “unerforschtes” Gebiet besichtigen zu können wählten wir als Zustieg einen, auf der ÖK eingezeichneten, Jägersteig, der vom Kienleitensattel direkt ins Mitterkar führt. Großer Fehler. Auf ungefähr halbem Weg stellte sich entgültig eraus, dass dieser Steig schon seit Jahren nicht mehr verwendet wird, aber zu diesem Zeitpunkt standen wir schon mitten in meterhohen Latschen… Nützt nichts – es folgte Latschenkletterei des höchsten Schwierigkeitsgrades!
Der Grat beginnt anfangs harmlos an einem breiten Rücken, doch schon bald steht man vor der ausgesetztesten Passage. Auf etwa 8m ist der Grat nicht viel breiter als der Bergschuh und auf halber Strecke klafft eine 2m tiefe Scharte. Mit einem schon gewohnt mulmigen Highline-Feeling balancierte ich hinüber und wagte den Schritt über die kleine Scharte. Kriechen ist vernünftiger.
Der weitere Gratverlauf bis zum Gauggturm ist stellenweise ziemlich brüchig (soll heißen: noch brüchiger, als man im Karwendel ohnehin erwartet) und fordert stellenweise Kletterei im 4. Grad.
Das Gipfelbuch am Gauggturm bestätigte unsere Vermutung, dass dieser Gipfel selten überlaufen ist: Ca 20 Seilschaften seit 1979…
Nach zwei kurzen Abseilstellen, die ich nur äußerst ungerne seilfrei abklettern würde und dem Anschließenden Auftstieg über Fixseile gelangten wir schließlich auf den Gipfel der Larchetkarspitze.
Als Rückweg wählten wir das Hinterkar, da ich dort noch die eine oder andere Schachtdoline vermessen musste und schließlich statteten wir noch dem Siggi einen Besuch auf der Pleisenhütte ab, die mich während meiner zweijährigen Kartierungstätigkeit immer bestens versorgt hatte.
Ich stattete der “Direkten” heuer bereits das zweite Mal einen Besuch ab, diesmal mit Matthias Stumpf aus Götzens. Für ihn war es die erste Mehrseillängenroute, noch dazu mit “alpinem Touch”. In Wechselführung konnten wir alle Längen, bis auf den Quergang rotpunkten. Am Start der Quergang-Seillänge brach mir etwa 4m oberhalb vom Standplatz ein Griff aus und ich verabschiedete mich um Miles&More Bonusmeilen zu sammeln. Nach etwa 6 Meter insgesamt und zwei Meter unterhalb des Standplatzes, an dem ich zum Glück nicht mit Matthias kollidiert bin, wurde mein Flug aber etwas abrupt und schmerzhaft beendet als ich mit dem Steißbein gegen den Fels prallte… Nachdem die Sternchen aus meinem Sichtfeld verschwunden waren kletterte ich weiter, aber an einen Rotpunkt-Versuch dachte ich jetzt gar nicht mehr.
In der letzten Seillänge scheint jetzt noch weniger zu stecken als früher (vielleicht war aber auch nur meine Moral nach dem Sturz etwas geschwächt) und die viele Vegetation macht die Sache auch nicht leichter.
Nach einem äußerst schmerzhaften Abstieg und der Überlegeung doch noch in die Klinik zu fahren entschieden wir uns doch für ein Bierchen in der Branger Alm.