Leider sind die Verhältnisse im Gasteinertal nicht gerade berauschend. Trotzdem wagten sich Lucky und ich heute an den Excalibur (250 m, WI 4+). Zugegeben – die Bedingungen waren heute, was die Temperaturen und die Hinterspülung betrifft, grenzwertig, aber zumindest in den steilen Abschnitten wirkte das Eis noch solide genug!
Wir stiegen erst gegen Mittag ein, weshalb wir uns die letzten relativ leichten 30 m schenkten. Dafür kletterten wir den Rest des beeindruckenden Wasserfalls mit 3 langen 60 m Seillängen um Zeit zu sparen. Besonders unsere 2. Seillänge überraschte durch ihre Steilheit  – die Bewertung WI 5- wäre heute wahrscheinlich auch nicht übertrieben…

Morgen gehts’s ins Anlauftal – hoffentlich gibt’s da mehr Eis!

Der sogenannte “Botanikerkamin” befindet sich ca. 300 m rechts vom “Schneewittchen” im Grawa Eisgarten. Normalerweise ist diese Mixed-Linie mit WI4+/M5+ bewertet, doch heute war die Schlüsselstelle mit einem soliden Eispanzer überzogen. Felskontakt hatten die Steigeisen deshalb nur ganz kurz am Beginn des Gullys – aber schwerer als WI 4 war es heute nicht.
Lukas und ich sind die Route heute in 3 Seillängen geklettert:

SL1 (ca. 70 m): Teilweise recht dünne Eisglasur und vereiste Grasbüschel. Abgesehen von den ersten Metern aber flach und mit kurzen Schrauben absicherbar. Stand bei 3 Normalhaken am Start des eigentlichen Gullys.

SL2 (59 m): Am Start der Gully-Länge stecken 2 Normalhaken, wobei der zweite nicht mehr den besten Eindruck macht… Heute konnte man aber auch mitten im Gully eine kurze Schraube setzen. Die Schlüsselstelle laut Topo war dank super Eislage nicht schwerer als WI 4-. Stand an 3 Friends am Beginn des letzten steilen Aufschwungs.

SL3 (25 m): Über wunderschönen Eisschild hinauf ins Gebüsch!

 

Tipps und Tricks:

  • In 3 Seillängen kletterbar.
  • 3 x abseilen: Schlinge an Ausstiegs-Gebüsch; Abalakov am Beginn der letzten Seillänge; Standplatz mit 3 Normalhaken am Ende der 1. SL
  • Mit Camalot Gelb (#2), Grün (#0,74) und Violett (#0,5) lässt sich ein trockener, eisschlagsicherer und bequemer Standplatz auf der orografisch rechten Seite vor dem letzten Aufschwung basteln!
  • Topo auf bergsteigen.com!

Lucky und ich statteten dem “Easy Afternoon” noch schnell einen Besuch ab bevor das angekündigte Tauwetter wieder zu viel zerstört.

Die Eisverhältnisse heute (09.01.2015):

Gasthausfall: steht recht gut – wie üblich herrschte hier reger Kletterbetrieb…
Übungsrinne links vom Easy Afternoon: schaut gut aus!
Easy Afternoon: Steht recht gut – super Eis!
Hängende Gärten: da fehlt noch einiges (siehe Foto)

Das Salfeinser Panorama ist einfach unbeschreiblich! Hoffentlich beruhigt sich die Lawinen-Situation bald – die Rinnen zwischen Hochtennspitze und Schlicker Seespitze warten darauf durchpflügt zu werden! Ein bisschen mehr Schnee wäre auch nicht schlecht…
Bis dahin – ein paar Panoramabilder unserer geliebten Kalkkögel:

Rettet die Kalkkoegel

“Die Delagokante gehört sicherlich zu einer der meistbegangenen Kletterrouten der Alpen. […] Doch trotzdem bleibt es eine lohnende ausgesetzte Kantenkletterei auf Idealfels” (Dolomiten Vertikal, 2010).

Tja… diese Beschreibung trifft aber leider nur auf die namensgleiche Route im Rosengarten zu – ganz anders sieht es mit der Delagokante in den Dolomiten Nordtirols aus: Dort erklomm der Herr Delago im Jahr 1899 (!) ebenfalls eine Kante, und zwar jene der nördlichen Schlicker Zinne. Von “Idealfels” kann in dieser Route jedoch keine Rede sein, im Gegenteil! Selbst für Kalkkögel-Verhältnisse bezaubert diese Führe mit allerschlimmsten Schutt und Bruch. Gepaart mit der meist gar nicht vorhandenen Absicherung verdient sich die Delagokante in den Kalkkögeln meiner Meinung nach das Prädikat “extrem gefährlich”.

Da Claudia und ich davon aber nichts wussten, und eine Route von 1899 ja vermeintlich gar nicht schwer sein kann, stiegen wir, Top motiviert mit eiskalten Fingern, in die Route ein. Die spartanische Routenbeschreibung im Orgler-Führer lässt auf einfache und schnelle Fortbewegung schließen, aber schon am Start der ersten Seillänge wurde uns ganz schnell klar, dass das heute eine todernste Angelegenheit wird. Eigentlich hätte ich nach einem Griff-Ausbruch  im Mittelteil der ersten Seillänge die Notbremse ziehen sollen (einen Sturz konnte ich um Haaresbreite verhindern), aber in der Hoffnung das Schlimmste jetzt wahrscheinlich überstanden zu haben, kletterten wir weiter.

Nach weiteren 3 Genusslängen staunt man am Beginn der 5. Seillänge nicht schlecht über den weiteren Routenverlauf! Hier geht es über mehrere miese Haken senkrecht hinauf zu einem kleinen Felsband. Den ersten Haken konnte ich einfach so herausziehen, weshalb ich gleich einen neuen Normalhaken dazu hämmerte. Moralisch ohnehin schon geknickt arbeitete ich mich technisch Stück für Stück höher. Leider fand ich keine Möglichkeit einen Standplatz zu bauen, weshalb die Seillänge schlussendlich ziemlich lang wurde und einen miesen Seilverlauf aufwies. Irgendwann ging es deshalb einfach nicht mehr weiter, weshalb ich bei einem alten Haken einen zweiten dazuschlug und endlich einen Standplatz hatte. Das Seil konnte ich nur noch mittels Expressflaschenzug einziehen, wodurch ich Claudia nicht beim Aufstieg unterstützen konnte.

Nervlich nun noch mehr angeschlagen empfand ich auch die kommenden 4 Seillängen bis zum Gipfel alles andere als leicht. Das selbe gilt auch für die Routenfindung: So ganz sicher ob ich denn nun links, direkt auf, oder aber rechts der Kante bleiben sollte war ich mir eigentlich nie. Schlussendlich erreichten wir aber doch den Gipfel und machten uns sofort an den Abstieg. Mit einmal 55 m abseilen auf der NO-Seite (Köpfelschlinge) gelangt man in eine Schuttrinne, die zum Gsaller Steig führt. Via Hochtennspitze gelangten wir schließlich im Dunkel zurück zur Kemater Alm.

Tipps:

Rettet die Kalkkögel!

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