Nach einem miesen Start gab es heute doch noch ein versöhnliches Ende der Osterfeiertage: Wolkenloses Prachtwetter und ca. 30 cm feinster Powder in den heimischen Bergen! Was für ein Glück dass mich Lucky doch nochmal überreden konnte die Tourenski aus dem Keller zu holen – bin ich doch in Gedanken schon im sonnigen Kalifornien (in 3 Wochen ist es wieder so weit…).
Bereits bei der obligatorischen Abfahrt vom Hoadl hinunter zur Kemater Alm wurden wir mit besten Verhältnissen fürs Erwischen der ersten Bahn belohnt: Als erste zogen wir unsere Lines durch den Tiefschnee.
Erste waren wir dann natürlich auch beim Aufstieg Richtung Schlicker Seespitze – selber Spuren war angesagt! Leider stellte sich bald heraus, dass sich der halbe Steilhang hinauf zur Seespitze gestern in Form einer Lockerschneelawine ins Tal verabschiedet hatte, was uns zu einer spontanen Änderung des Tourenziels zwang. Ersatz war schnell gefunden: die unberührte Nordflanke vom Gamskogel lachte uns ohnehin verlockend entgegen.
Besser hätte die Abfahrt von der Seespitze auch nicht sein können: Mehr als 700 Höhenmeter allerfeinster Tiefschnee am Stück sind kaum zu toppen!
Letzte Woche scheiterte mein Plan die Rinne in Gipfelfalllinie der Hochtennspitze zu befahren am fehlenden Seil. Nachdem ich heute Früh überrascht feststellte dass die Sonne scheint brach ich auf um die Sache mit der Richtigen Ausrüstung anzugehen.
Als ich am Hoadl, bewaffnet mit 60 m Seil, Hammer, Haken und dem restlichen Zubehör von der Standseilbahn ausstieg, erlebte ich die zweite, noch viel größere Überraschung des heutigen Tages: Gestern wurde “meine” Rinne schon von 2 Leuten befahren! Telefonisch wollte ich mich bei den üblichen Verdächtigen (Flo und Andi) über ihr Zuvorkommen beschweren, aber sie versicherten mir ihre Unschuld. Würde mich sehr interessieren wer mir diese Rinne wegschnappte!
Ich stieg natürlich trotzdem auf und fand auch bald einen Abseilstand, ca 30 m östlich des Gipfels, ein paar Meter nördlich des Grates in einer schmalen Rinne (siehe Foto). Sonderbarerweise stammte dieser Stand nicht von den zwei gestrigen Skifahrern – offensichtlich wurde diese Rinne also schon öfters befahren. Nach ca 25 m Abseilen durch eine enge Rinne bzw. Verschneidung gelangte ich auf einen kleinen Sattel. Würde man hier Richtung Osten abfahren gelangt man in die Rinne von letzter Woche (siehe Bericht zur “3-Rinnen-Runde”). Ich fuhr Richtung NW.
Die Rinne stellte sich dann als deutlich besser heraus als erwartet: Guter und viel Schnee, angenehme Neigung, immer breit genug zum Skifahren!
Zufrieden, das Projekt (wenn auch nicht als Erster) noch in diesem Winter abgehakt zu haben, fuhr ich Heim. Die dritte Überraschung des Tages war, dass ich schon eine Stunde später wieder mittels Hubschrauber in der Lizum war – dieses Mal wegen einem Lawineneinsatz am Pleisen, bei dem zum Glück nichts passiert ist.
Wer bei den derzeitigen Temperaturen noch guten Schnee genießen möchte muss sich in higher-grounds begeben! Oberhalb von 3000 Meter findet man noch Pulverschnee. Da der Weg nach Obergurgl bekanntlich nicht der kürzeste ist und der Wetterbericht für Samstag und Sonntag wolkenloses Wetter vorhersagte kam meiner Mutter die Idee eine Nacht auf der Langtalereckhütte zu verbringen.
Am Samstag nutzten Claudia und ich unser Freizeitticket und starteten die Tour zum Eiskögele via Hohe Mut Seilbahn – “parasitärer Alpinismus” würde ein bekannter südtiroler Bergsteiger da wohl sagen… Meine Eltern erarbeiteten sich jeden Höhenmeter auf die ehrliche Art und schließlich stiegen wir gemeinsam über den schönen Grat hinauf zum Gipfel.
Nach einer klaustrophobischen Nacht auf der Hütte machten wir uns gegen 9 Uhr auf in Richtung Schalfkogel. Nach der kurzen Abfahrt von der Hütte ging’s bei ebenfalls beengten Platzverhältnissen durch die Bachschlucht. An deren Ende kommt ein Highlight der Tour: durch ein spektakuläres Gletschertor gelangt man in ein Amphitheater aus Eis. Der Weitermarsch über den flachen Gurgler Ferner lässt einem Zeit zum Meditieren, ehe es wieder richtig steil wird. Über felsdurchsetztes Gelände quert man hinauf zum Kleinleitenferner. Viele Spitzkehren später erreicht man das Schalfjoch und damit den Südgrat hinauf zum Gipfel des Schalfkogels.
Von hier an heißt es Ski tragen wenn man, so wie wir, vor hat über den oberen Gletscher (zwischen Schalfkogel und Firmisanschneid) abzufahren. Vom Gipfel des 13. höchsten Berges Österreichs muss man in weiterer Folge ein paar Meter über den Nordgrat absteigen um unschwierig auf den Gletscher zu gelangen.
Erst zwei Spuren zogen sich vor uns durch den (fast) perfekten Schnee. Nach unzähligen Schwüngen auf dem großen Gletscher hieß es schließlich einen guten Weg durch das steile und felsige Gelände hinab zum Gurgler Ferner zu finden. Stürzen ist bei den Querungen oberhalb der Felsbänder und Hangneigungen von 45° oder mehr nicht erlaubt!
Der weitere Heimweg erfordert dann nochmals einige Höhenmeter im Aufstieg: Zurück zur Langtalereckhütte und Schönwieshütte nach Obergurgl.
Tipps für Wiederholer:
- Man kann derzeit durch das Gletschertor und das Amphitheater gehen und dieses auf orografisch linker Seite Richtung Schalfkogel verlassen. (Man muss also nicht wieder Retour zur eigentlichen Aufstiegsspur)
- Schlüsselstelle der Tour ist die Abfahrt vom oberen Gletscherfeld hinab zum Gurgler Ferner. Beim Aufstieg die Abfahrt zwischen den Felsen gut einprägen und nur bei guter Sicht hier abfahren.
Die geringe Lawinengefahr, gepaart mit wolkenlosem Wetter und einer Portion Entdeckergeist trieben mich am Freitag in die heimische Bergwelt. Die Kalkkögel entwickelten sich in letzter Zeit immer mehr zu einem kleinen Freeride-Mekka – das beweisen die unzähligen Abfahrtsspuren die aus fast jeder Rinne der bizarren Felslandschaft herauskommen. Motiviert durch das tolle Skierlebnis im Karwendel letztes Wochenende wollte ich eine ähnliche Tour in der Lizum versuchen.
Aufstieg 1: Hoadlsattel – Hochtennspitze
Die Tour startet gemütlich mit der Standseilbahn und der kurzen Abfahrt in den Hoadlsattel. Danach geht’s mit den Ski am Rücken via Hochtennboden auf die Hochtennspitze. Der Plan eine extrem steile nordseitige Rinne direkt unter dem Gipfel zu befahren scheiterte leider am felsdursetzten Einstieg. Hier müsste man sich etwa 20 m weit abseilen.
Abfahrt 1: Hochtennspitze – Lizumer Grube
Etwa 100 m östlich vom Gipfel gibt es aber eine zweite, mindestens gleich lohnende Rinne, welche Richtung Lizumer Grube leitet. Ich war erstaunt und noch mehr erfreut, dass hier noch keine Skispuren zu sehen waren.
Aufstieg 2: Lizumer Grube – Malgrubenspitze (Vorgipfel)
46 (!) Spitzkehren leiten einen über eine relativ breite Rinne hinauf auf eine Schulter.
Abfahrt 2: Vorgipfel Malgrubenspitze – Lizumer Kar
Auf der Schulter angekommen ergeben sich (wenn man sich auf den kleinen Felsturm stellt) 4 Abfahrtsmöglichkeiten. Ganz links, Richtung eines markanten, freistehenden Turms befindet sich die etwas versteckte Einfahrt in die richtige Rinne ins Lizumer Kar. Ganz rechts würde auch funktionieren, die Exposition Richtung SO verhieß aber nicht unbedingt beste Schneeverhältnisse. Die zweite Rinne von links sieht einladend aus und hier gab es bereits 2 oder 3 Spuren. Ich entschied mich für die dritte Rinne von links, obwohl bereits die Einfahrt nicht gerade einladend aussah. Nach 20 m teilte sich diese Rinne: rechts eine senkrechte Felsverschneidung, links ging es unter einer Wechte in die bereits verspurte Rinne. Leider stellte sich auch diese vermeintlich gute Abfahrtsmöglichkeit über einer Felswand als Sackgasse heraus. Ski abschnallen – wieder hinaufstapfen!
Wieder war ich positiv überrascht, dass die linkste Rinne ebenfalls unverspurt war. Es folgte eine herrliche Abfahrt, wobei die Rinne immer weiter und besser zu fahren wird. Zum Schluss geht’s dann noch etliche Höhenmeter über den Schuttkegel hinunter bis zum tiefsten Punkt des Lizumer Kars.
Aufstieg 3: Widdersberg
Unschwierig geht es über den viel begangenen Südhang hinauf auf den Widdersberg.
Abfahrt 3: Widdersberg – Axamer Lizum
Direkt vom Gipfel gelangt man in NO Richtung auf die große Rampe oberhalb der Hörzingwand. Hier darf man sich nur nicht verleiten lassen in eine der links abzweigenden Rinnen zu fahren – immer zentral und am Ende rechts halten.
Tipps für Wiederholer:
- Nur bei absolut sicheren Verhältnissen!
- Nur lohnend bei (sehr) wenigen Spuren – die Rinnen sind eng und steil – da bleibt nicht viel Schnee übrig!
- Skitechnisch äußerst anspruchsvoll in Auf- und Abstieg!
- Orientierungshilfen: Siehe Google Earth KML File (Rechtsklick – Ziel speichern unter), Track am 1.3.2013 aufgezeichnet, Video ansehen!
Durch eine sagenhafte Verkettung glücklicher Umstände konnten Andi und ich einen grandiosen Tag im Karwendel verbringen. Dazu gehören:
- Schönes Wetter am Wochenende
- Schlechtes Wetter an den Tagen davor
- Herrlicher Neuschnee
- Niedere Lawinengefahr
- Richtiges Timing
Hat man jetzt noch einen tollen Skipartner steht einem unvergesslichen Abenteuer im Karwendel nichts mehr entgegen!
Die Tour im Detail:
Mit der zweiten Gondel ging’s hinauf auf das Hafelekar und von dort in 10 Minuten auf den Gipfel der Hafelekarspitze. Wir staunten nicht schlecht als wir sahen, dass die steile Rinne, welche direkt vom Gipfel Richtung NO zieht, noch unbefahren war. Die anderen Skitourengeher bevorzugten die Abfahrt von der Scharte (Punkt 2272 AV-Karte), weshalb sich Andi als erster in die etwa 45 Grad steile Rinne stürzen durfte! Anschließend ging es über kupiertes Gelände mit herrlichem Pulver weiter durch das Hafelekar ins Grubach.
Es folgte der erste Aufstieg des heutigen Tages über den breiten Rücken des Niederbrandjochs bis zum Gleirschtaler Brandjoch. Vor dem Gipfel gilt es ein kurzes, aber ausgesetztes Gratstück zu überwinden. Als ich sah, dass eine weitere Skitourengruppe direkt von Westen her über eine Rinne auf das Brandjoch aufstieg hieß es Gas geben – schließlich galt es wieder als erste durch die Rinne Richtung Pfeishütte abzufahren. Der schnelle Aufstieg zahlte sich aus: Dieses mal war ich es, der die ersten Turns in den Tiefschnee ziehen durfte!
Da südseitige Hänge schon etwas von der Sonne in Mitleidenschaft gezogen waren entschlossen wir uns kurzerhand nicht, wie ursprünglich geplant, über die Arzler Scharte abzufahren, sondern über das Stempeljoch ins Halltal zu fahren. Diese Entscheidung stellte sich als Volltreffer heraus: Zu unserem Erstaunen (ja, schon wieder) waren bis jetzt maximal 5 Personen vom Stempeljoch abgefahren, was uns die dritte perfekte Abfahrt erlaubte.
Völlig begeistert von den Verhältnissen stiegen wir zu guter Letzt ein Stück Richtung Wildanger Spitze auf um einen finalen Powder-Hang hinab zu den Herrenhäusern genießen zu können.
Danke an Andi für den Anruf am Vorabend und den unvergesslichen Tag im Tiefschnee! Vielen Dank auch an Claudia und Michi, die uns in Absam abholten und mit uns dieses Erlebnis feierten!
Tipps:
- Von mir aufgezeichneter GPS-Track als GoogleEarth-File: DOWNLOAD (KML) – rechts Klick – “Ziel speichern unter”
- Ich würde die Tour nur bei Lawinenstufe 2 oder weniger machen!
- Trotz niederer Lawinenstufe wegen der steilen Abfahrten jeden Hang kritisch beurteilen!
- Die Aufstiege sind skitechnisch einfach, das kurze Gratstück vor dem Gleirschtaler Brandjoch erfordert aber Trittsicherheit!
