Was das Wetter betrifft war heute wohl ein neuer Tiefpunkt erreicht… Der Föhn blies die ganze Nacht und als er am Morgen zusammenbrach regnete es in Strömen. So starteten wir (zugegebener Weise eher mäßig motiviert) zum dritten Mal ins Anlauftal. Diesmal waren wir zu viert, denn Marco und Matthias kamen ebenfalls nach Gastein um ihre ersten Eisklettererfahrungen zu sammeln.

Es regnete auch noch am Einstieg des Almrosencoloirs – unserem Ausweichziel, weil alle anderen Linien links vom Fenstergucker den warmen Temperaturen zum Opfer gefallen sind. Da ich mich am Beginn der Einstiegssäule wie unter einer Dusche fühlte brachen wir die Aktion ab und beschlossen doch wieder hinüber zum Federweiß zu wechseln.

Schließlich wurde es doch deutlich kühler und es setzte zum Teil heftiger Schneefall ein. In zwei Seilschaften kletterten wir im nebelig-wilden Ambiente hinauf bis zum Höhkarsteig. Die Jungs verblüfften Lukas und mich durch ihre super Vorstiegsmoral an ihrem ersten Eisfall! Gratuliere zu eurem tollen Debüt – in Bad Gastein finden wir sicher ein passendes Plätzchen um den heutigen Tag zu feiern ;-)

Die ohnehin schon mäßigen Eisverhältnisse in Gastein erlebten heute einen weiteren Tiefpunkt: Föhnsturm und Temperaturen weit über dem Gefrierpunkt.

Top Motiviert starteten wir heute schon um 6:45 Uhr Richtung Mordor – dem Highlight im Anlauftal. Bereits bei der Autoverladung ahnten wir, dass es heute wohl eher nix werden wird – starker Wind und milde Temperaturen begleiteten uns beim langen Zustieg. Trotzdem stiegen wir in den riesigen Wasserfall ein, aber ein gewisses Unbehagen in der Magengrube konnten wir nicht verschweigen. Als dann der Wind stetig stärker wurde und die Temperatur auch merklich zulegte, fassten wir am Ende der ersten Seillänge den Beschluss umzukehren. Das Risiko einen der großen Eisbalkone über uns beim Abbrechen hautnah zu erleben war uns einfach zu groß. Schade.

Der Tag wurde dann doch noch sinnvoll genützt und wir kletterten den Fenstergucker. Abgestiegen sind wir über den Höhkarsteig bis zur Abseilpiste am Ausstieg vom Federweiß.

Die Eisarena im Anlauftal beeindruckte mich heute gleich wie damals beim Bergführer-Eiskurs! Eine gewaltige Linie nach der anderen zieht in diesem Amphitheater in die Höhe! Zwar sind die Eisverhältnisse im Vergleich zu damals bescheiden (siehe Übersichtsfotos), aber manche der Fälle mit klingenden Namen wie Federweiß, Fenstergucker oder Mordor stehen recht gut. Letzterer fasziniert derzeit durch riesige Eis-Dächer, welche teilweise wie weit aufgerissene Mäuler erscheinen. Furchteinflößend.

Lucky und ich genossen heute aber allerfeinstes Eis am Federweiß. Mit Ausnahme der leichten 4. Länge bietet dieser Eisfall Genusskletterei im oberen 3. Eisgrad. Ähnlich wie im Mordor beeindruckten auch in unserer letzten Seillänge bizarre Eisdächer.

Tipps und Tricks:

  • Unbedingt den oberen Stock klettern (Abseilschlinge an Gebüsch)
  • Abstieg: Nach der 3. Seillänge quert man den Höhkarsteig. Hier gibt es rechts (orografisch links) einen Bohrhakenstand. Von dort etwa 50 m bis zum nächsten Bohrhakenstand abseilen (Vorsicht – wir hatten heute leichte Probleme beim Abziehen). Dann nochmals in 60 m zurück zum Einstieg!

Leider sind die Verhältnisse im Gasteinertal nicht gerade berauschend. Trotzdem wagten sich Lucky und ich heute an den Excalibur (250 m, WI 4+). Zugegeben – die Bedingungen waren heute, was die Temperaturen und die Hinterspülung betrifft, grenzwertig, aber zumindest in den steilen Abschnitten wirkte das Eis noch solide genug!
Wir stiegen erst gegen Mittag ein, weshalb wir uns die letzten relativ leichten 30 m schenkten. Dafür kletterten wir den Rest des beeindruckenden Wasserfalls mit 3 langen 60 m Seillängen um Zeit zu sparen. Besonders unsere 2. Seillänge überraschte durch ihre Steilheit  – die Bewertung WI 5- wäre heute wahrscheinlich auch nicht übertrieben…

Morgen gehts’s ins Anlauftal – hoffentlich gibt’s da mehr Eis!

Der sogenannte “Botanikerkamin” befindet sich ca. 300 m rechts vom “Schneewittchen” im Grawa Eisgarten. Normalerweise ist diese Mixed-Linie mit WI4+/M5+ bewertet, doch heute war die Schlüsselstelle mit einem soliden Eispanzer überzogen. Felskontakt hatten die Steigeisen deshalb nur ganz kurz am Beginn des Gullys – aber schwerer als WI 4 war es heute nicht.
Lukas und ich sind die Route heute in 3 Seillängen geklettert:

SL1 (ca. 70 m): Teilweise recht dünne Eisglasur und vereiste Grasbüschel. Abgesehen von den ersten Metern aber flach und mit kurzen Schrauben absicherbar. Stand bei 3 Normalhaken am Start des eigentlichen Gullys.

SL2 (59 m): Am Start der Gully-Länge stecken 2 Normalhaken, wobei der zweite nicht mehr den besten Eindruck macht… Heute konnte man aber auch mitten im Gully eine kurze Schraube setzen. Die Schlüsselstelle laut Topo war dank super Eislage nicht schwerer als WI 4-. Stand an 3 Friends am Beginn des letzten steilen Aufschwungs.

SL3 (25 m): Über wunderschönen Eisschild hinauf ins Gebüsch!

 

Tipps und Tricks:

  • In 3 Seillängen kletterbar.
  • 3 x abseilen: Schlinge an Ausstiegs-Gebüsch; Abalakov am Beginn der letzten Seillänge; Standplatz mit 3 Normalhaken am Ende der 1. SL
  • Mit Camalot Gelb (#2), Grün (#0,74) und Violett (#0,5) lässt sich ein trockener, eisschlagsicherer und bequemer Standplatz auf der orografisch rechten Seite vor dem letzten Aufschwung basteln!
  • Topo auf bergsteigen.com!

Archiv