Das Beste gleich vorweg: Endlich darf ich das blaue UIAGM-Wappen auf der Brust tragen! Nach insgesamt 2 Jahren Ausbildung in den verschiedensten Spielarten des Bergsteigens traf sich mein Jahrgang zu einem letzten, grandiosen Kurs in Chamonix – Aber jetzt der Reihe nach:

Sonnenaufgang am Weg zur Wellenkuppe

Um uns ein wenig für die hohen Berge der Mont-Blanc-Gruppe zu akklimatisieren fuhren Benni, Olli und ich schon 4 Tage vor dem eigentlichen Kursbeginn in die Westalpen. Das Ziel unserer Bergtour wählten wir erst auf den letzten Kilometern nach Zermatt und entschieden uns schließlich für die Überschreitung der Wellenkuppe (3903m) zum Obergabelhorn (4063m). Am Samstagnachmittag stiegen wir von Zermatt in Richtung Rothornhütte auf. Etwa auf halben Weg begann es wie aus Kübeln zu schütten und so kamen wir völlig durchnässt auf der Hütte an. Gottseidank gab es nur zwei weitere Gäste und so konnten wir unsere Ausrüstung in der Gaststube wenigstens einigermaßen trocknen…

Gegen 4 Uhr begannen wir dann mit dem Aufstieg auf die Wellenkuppe, welche Kletterei bis zum oberen 3. Schwierigkeitsgrad erfordert. Der erste Gipfel des Tages belohnt einen mit einer prächtigen Aussicht auf die Matterhorn Nordwand…die steht doch auch noch auf der to-do-Liste…

Wellenkuppe und Obergabelhorn

Eigentlich hatten wir damit spekuliert durch die elegante, ca. 300m lange Nordwand auf das Obergabelhorn zu steigen, doch leider lag noch viel zu viel Schnee in der Wand. Durch die hohen Temperaturen war die Gefahr von Nassschnee-Rutschern selbst auf 4000m zu groß. Also folgten wir weiterhin dem exponierten Gratverlauf und standen schließlich, nach einem interessanten Mix aus Schnee, Fels und Eis am Gipfel. Beim Abstieg zurück zur Wellenkuppe bestätigte sich unsere Befürchtung, denn die vorher schneebedeckte Nordwand war nun innerhalb kürzester Zeit durch viele kleine Lawinen blank geworden. Nach weiteren 2500 Höhenmetern Abstieg waren wir zurück im Touristen-überfluteten Zermatt.

Am nächsten Tag stand Erholung in Form von Schwimmen am Programm. Benni kannte durch seine fanatische Lektüre von Klettermagazinen eine wahre Perle und einen echten Geheimtipp: Das Schwimmbad im Zoo von Marecottes – hoch über Martigny. Hier kann man in einem traumhaft schönen Natur-Pool direkt neben dem Schwarzbär-Gehege seine Seele baumeln lassen!

Pool im Zoo von Les Marecottes

Offizieller Kursbeginn war erst am Dienstag-Abend, deshalb fuhren wir vormittags von Chamonix hinauf auf die Aguille du Midi um einen der Felsklassiker auf der Südseite zu klettern. Mittlerweile waren wir zu viert, denn beim Bouldern am Col des Montets am Vorabend stieß Gerhard zu unserer Gruppe hinzu. Benni und ich ließen uns von der Warteschlange in der Rebuffat Route einschüchtern und kletterten deshalb die “Kohlmann”, allerdings mit alternativem Ausstieg. Der Granit in der Midi-Südwand ist ein Traum und durch ein weit verzweigtes System aus Rissen kann man mit genügend Freunden an der Materialschlaufe eigentlich überall klettern.

Benni in der 3. Länge der Route Kohlmann

Der spannendste Moment des gesamten Kurses kam dann am Abend: Die Verkündung mit welchen Teilnehmern man zu welchem Ausbildner kommt. Meine Nerven lagen aufgrund schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit blank, aber dieses Mal hätte ich es kaum besser treffen können: Ich kam mit Christian Bauer und Jan Beutel in die Gruppe von Karl Wieser. Noch am selben Abend begann die Tourenplanung für die nächsten beiden Tage: Mittwoch Petite Aguille Verte (3508m) und Abstieg zum Refuge d’Argentiere, gefolgt von einer Hammer-Tour am Donnerstag: Mont Dolent (3820) über die 300m Westwand und den Nordgrat mit Abstieg auf die italienische Seite.

MITTWOCH (7. Juli 2010)

Von der Bergstation der Aig. des Gds. Montets ist es eigentlich nur noch ein Katzensprung auf die Petite Verte, aber dennoch bietet der kurze Grat ein tolles Führungsgelände für Gehen am kurzen Seil. Über das Col des Gds. Montets stiegen wir anschließend ab auf den Argentiere Gletscher, welcher aus dem beeindruckenden Argentiere-Kessel fließt. Das Ref. d’Argentiere wurde vor wenigen Jahren komplett neu gebaut und übertrifft an Komfort sogar Hütten wie die Konkordia- oder die Finsteraarhornhütte. Der Wirt Fred begrüßte uns mit einer Runde Freibier und im Waschraum gibt es sogar fließend Warmwasser – unerwarteter Luxus in den französischen Westalpen!

Mont Dolent mir Westwand und Nordgrat

DONNERSTAG (8.Juli 2010)

Um 3 Uhr führte uns Chris zwei Stunden lang zum Einstieg unserer Route: die Westwand, welche sich vom hintersten Argentiere-Kessel hinauf zum Col de l’Amone zieht. Die große Randkluft, welche wir in der Morgendämmerung hinter uns brachten war ein erster Vorgeschmack auf die zu erwartenden Schwierigkeiten unserer Tour. In wechselnder Felsqualität kletterten wir in etwa 3 Stunden durch die 300m hohe Wand, wobei die schwierigsten Längen den unteren 5. Grad erreichten. Es dauerte nicht lange da schlug auch das erste Mal mein Geologenherz höher, als etwa 150m rechts von uns ein beachtlicher Felssturz in die Tiefe donnerte. Kein Wunder dass der Permafrost immer weiter zurück schreitet, lag die Null-Grad-Grenze doch auf über 5000m!

Ab dem Col de l’Amone war ich an der Reihe die Führung zu übernehmen. Zuerst ging es am schönen, ausgesetzten Nordgrat entlang, der sich schließlich in einem messerscharfen Firngrat fortsetzte. Danach galt es eine ca. 100m lange, ca 60° steile Eisflanke zu überwinden, ehe man in einen wirklich katastrophal brüchigen-grob blöckigen Abschnitt gelangt. In diesen zwei Seillängen half nur noch eins: hoffen, dass es schon irgendwie hält und nichts wie durch! Die letzten 200m zum Gipfel waren dann vergleichsweise wieder reinste Genusskletterei…

Letzte Länge hinauf zum Col de l'Amone

Um 12:45 erreichten wir schließlich den Gipfel und machten Stand an einer Madonna-Statue, deren Kopf durch unzählige Blitzeinschläge stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Abstieg vorbei am Fiorio Bivak hinunter ins Val Ferret bot dann den knietiefen Schnee-Sumpf, welchen wir auf der Südseite erwartet, bzw. befürchtet hatten. Nach insgesamt ca. 12 Stunden waren wir wieder im Tal und gönnten uns ein Taxi durch den Mont Blanc Tunnel zurück nach Chamonx.

Chris und Jan am kurzen Seil

FREITAG (9. Juli 2010)

Am Freitag stiegen wir erst am Nachmittag vom Skiort Le Tour zum Ref. Albert Premier auf. Ziel für den nächsten Tag war die Aguille du Chardonnet (3824m).

SAMSTAG (10. Juli 2010)

Um 3 Uhr verließen wir die Hütte und überquerten in gerader Linie den Glacier du Tour in Richtung Chardonnet. Dieser direkte Zustieg ist nur möglich, wenn noch genügend Schnee am Gletscher liegt, aber in 1 bis 2 Wochen wird man wohl den ganzen Gletscherkessel ausgehen müssen. Es folgt ein ziemlich steiler Gletscher-Aufschwung zwischen Aig. Forbes und Punkt 3471 um auf den Gletscherrücken “La Bosse” zu gelangen. Von hier ist es nicht mehr weit in eine markante Scharte des Forbes-Grats, der sich nach Westen zum Gipfel zieht.

Aguille Chardonnet

Der Grat bietet zum Teil richtig schöne Kletterei, aber auch brüchigere und vereiste Passagen, speziell beim Umgehen von manchen Gendarmen. Alles in Allem aber auch wieder eine exzellente Führungstour für gehobene Ansprüche und auf jeden Fall weiter zu empfehlen!

Der Abstieg auf der West-Seite (= Normalweg) erfordert zwei unproblematische Abseiler, ehe man wieder auf den Gletscher gelangt.

Chris am Forbes Grat

SONNTAG (11. Juli 2010)

Am Sonntag stand alpines Sportklettern und Bergrettung am Programm, weshalb wir mit der Seilbahn auf den nördlich von Chamonix gelegenen Brevent fuhren. Der Blick von hier auf das Mont-Blanc-Massiv ist einfach unbeschreiblich und es wird wohl auch nirgendwo ein schöneres Ambiente für Bergrettungs-Übungen geben! Wir kletterten eine schöne Route im unteren 6. Grad an der Brevent-Ostwand, welche leider durch völlig unnötige Bohrhaken direkt neben den schönsten Rissen verunstaltet war.

Bergrettung mit gewaltigem Panorama

MONTAG (12. Juli 2010)

Der Aiguille du Plan sind nördlich (Chamonix-Seite) mehrere kleinere Aguilles vorgelagert. Eine davon, nämlich die Aiguilles des Pelerins wollten wir über den SW-Grat besteigen. Von der Mittelstation der Midi-Seilbahn steigt man über den Glacier des Pelerins auf, bis man über 2er und 3er Gelände auf den Grat aufsitzen kann. Die Kletterei erfordert mindestens den oberen fünften Grad was uns mit den schweren Bergschuhen ordentlich zu schaffen machte. Wir verzichteten absichtlich auf unsere Kletterpatschen, was aber im Nachhinein eher als Fehler zu werten ist, da wir sonst deutlich schneller gewesen wären. Etwa 200 Meter unter dem Gipfel entschieden wir uns schließlich die Tour abzubrechen und seilten uns über die SO-Seite ab. Egal – Rückzug steht ja schließlich auch auf dem Lehrplan :-)

Chris am Weg zum miesen Standplatz

DIENSTAG (13. Juli 2010)

Eigentlich hätten wir geplant am Nachmittag mit der Midi- und der Helbronner-Seilbahn zur Torino-Hütte zu fahren um am nächsten Tag über den Kuffner-Grat auf den Mont Maudit zu steigen, doch leider machte uns starker Wind einen Strich durch die Rechnung: Alle Seilbahnen blieben geschlossen. Wir machten das Beste aus dem Tag und gingen Sportklettern, bzw. Bergrettungstechniken üben.

Am Abend fand in Chamonix der Kletterwelcup statt, wo wir die Angy Eiter natürlich lautstark anfeuerten.

Abendrot beim Weltcup

MITTWOCH (14. Juli 2010)

Der Wind ließ zum Glück wieder nach und so fuhren wir zeitig hinauf auf die Aiguille du Midi um einen echten Chamonix-Klassiker zu machen: den Midi-Plan Grat.

Der ausgesetzte Grat fordert führungstechnisch recht viel, durch einen ständigen Wechsel von Schneefeldern, Eis, Fels und einer Abseilstelle. Der Gipfel der Aiguille du Plan (3673) ist ein 3x3m große ebene Fläche und bietet ein einmaliges Panorama. Für mich war dieser Gipfel der schönste des ganzen Kurses!

Panorama Midi Plan Grat

Als Abstieg wählten wir die lange Variante: Über den unglaublich spaltigen Glacier d’Envers du Plan hinunter zum Refuge du Requin und dann weiter über das blanke Mer de Glace hinaus nach Montenvers. Am Mer de Glace gingen wir mehr oder weniger absichtlich in den spaltenzerfressendsten Bereich und übten uns im Spalten-Springen… Im Nachhinein betrachtet waren mehr als nur ein Sprung zu gewagt und übermutig, aber es machte uns einfach viel Spaß. Vom Gletscher hinauf nach Montenvers führen eine Vielzahl von endlosen Stahlleitern, welche man überwinden muss, bevor man sich in einen der Sitze der Zahnradbahn fallen lassen darf.

Am beeindruckenden Gipfel der Aiguille du Plan

DONNERSTAG (15. Juli 2010)

Der erste Prüfungstag: Lehrauftritt am Col des Montets. Mein Thema: Treten und Steigen im alpinen Gelände mit Bergschuhen.

FREITAG (16. Juli 2010)

Zweiter Prüfungstag am Brevent: Orientierung, Bergrettung, Sportbiologie, Erste Hilfe, Alpine Gefahren.

Blick von der Plan zur Aig. Vert und Leschaux Gletscher

Nach der Verkündung der Noten am Abend gab’s nur noch eines: Feiern!!! An dieser Stelle möchte ich mich nochmal ganz besonders beim Kursleiter Alex Giacomelli für die tolle Organisation bedanken: Alle erfolgreichen Teilnehmer erhielten sofort den Bergführer Ausweis und der Verband sowie die BSPA spendierten T-Shirts und ein paar Runden Bier bei einem geselligen Abschlussabend!

Der Abschlusskurs in Chamonix hat alle Erwartungen bei weitem Übertroffen! Der Hauptgrund war bestimmt das unglaublich schöne Wetter (auch wenn’s schon eher zu warm war), aber auch die tolle Gruppe und allen Voran unser Ausbildner Karl! Danke für die super Zeit!

Hier die besten (50) Fotos als Diashow:

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1 Kommentar zu „Chamonix – Abschlusskurs der Bergführer-Ausbildung“

  • Sarah Sarah:

    hey klaus! gratuliere nochmal ganz herzlich zum bravourösen abschluss der ausbildung! war nicht anders zu erwarten ;-) freu mich voll mit dir….
    und allesamt tolle fotos!! macht lust auf mehr…berg….
    gratulation auch an tom, benni und gerhard… ihr habts es euch alle mehr als verdient :-)

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