Archiv für die Kategorie „Reisen“
Während wir am Gate auf unseren Flug zurück warten, bleibt Zeit auf unseren Kletterurlaub zurückzublicken. Sich ablösende Haut an Claudias Fingerspitzen und meine geschwollenen Handgelenke zeugen von 3 intensiven Wochen an den diversen Sandstein- und Granitwänden…
Den krönenden Abschluss fand unsere Reise an “der Wand der Wände”, dem “heiligen Gral” der Bigwaller(innen) – am El Capitan im Yosemite Nationalpark! Nachdem ich letztes Jahr die berühmte “Nose”-Route mit Tom erfolgreich von der To-Do-Liste streichen konnte (dort stand sie nämlich schon viel zu lange an erster Stelle), stand heuer ein noch verwegeneres Projekt am Programm: die Route “Zodiac” an der überhängenden Ostwand des “Captains”.
Die Zodiac mit ihren 16 Seillängen ist zwar deutlich kürzer als die Nose, die klettertechnischen Schwierigkeiten dafür aber viel größer. Mehr als 3 Seillängen am Tag sind für Gelegenheits-Technokletterer wie uns im Schwierigkeitsgrad A3 kaum zu bewältigen. Daraus ergibt sich eine gesamte Kletterzeit von 5 Tagen und natürlich die Notwendigkeit in der überhängenden Wand zu übernachten. Folglich muss neben dem absurd umfangreichen Klettermaterial auch jede Menge “Campingequipment” und die notwendigen Lebensmittel inklusive Wasser über die Wand gezogen werden. Der vielleicht wichtigste Ausrüstungsgegenstand ist aber die Portaledge – eine Art Bett mit Aluminiumrahmen, welches man in der vertikalen Welt aufspannen kann. Alles zusammen wiegt diese Campingausrüstung knappe 60 kg!
Nun aber genug mit den allgemeinen Informationen – hier kommt der Bericht wie es Bigwall-Aspirantin Claudia und mir in der Zodiac erging:
Donnerstag, 9. Mai 2013
Nachdem es in den vergangenen Tagen viel schlechtes Wetter im Valley gab, waren wir froh Sonnensymbole am Wetterbericht für die kommenden Tage zu sehen. Wir starteten am Donnerstag trotzdem recht früh, da am Nachmittag ein Gewitter wahrscheinlich war. So brachen wir gegen 6 Uhr Richtung Einstieg auf, um Fixseile bis zum 3. Standplatz einzurichten. Während dem mühsamen Aufstieg über das grobe Blockwerk des Hangschutts war ich schon unglaublich nervös, denn ich wusste, dass die erste Seillänge gleich eine der schwersten werden würde. Nachdem ich mich mit der ganzen Kletterausrüstung an Hüft- und Brustgurt in eine Art Christbaum verwandelt hatte, verabschiedete ich mich ins A3 Gelände. A3 bedeutet, dass bis zu 5 Zwischensicherungen in einer Reihe nur das eigene Körpergewicht, nicht aber einen Sturz halten würden. In der ersten Seillänge, also direkt über dem Boden, macht einen dieser Umstand natürlich etwas nervös. Trotzdem verlief der Aufstieg an Cam Hooks, Micro Nuts und Offset Aliens viel schneller als erwartet und so erreichte ich schon bald den ersten Hängestand. Ich zog meinen kleinen Rucksack mit dem Wasser für den heutigen Tag nach, während Claudia bewies, dass das Training im heimischen Klettergarten nicht umsonst war. Wie eine routinierte Bigwallerin “cleante” sie alle Zwischensicherungen und so entschlossen wir uns weiterzumachen.
In der zweiten Seillänge gilt es einen Quergang unter einem horizontalen Dach zu klettern. In dieser Länge spielt es relativ wenig Rolle ob man vorsteigt oder cleant – beide Kletterer müssen alles mit Leiter klettern. Zur dritten Länge gibt es nicht allzu viel zu sagen, aber in der Zwischenzeit durchwühlte ein Bär unseren Haul Bag am Wandfuß. Lebensmittel fand er keine, aber Claudia erschrak als sie sah, dass er ihre neue Daunenjacke aus dem Sack gezogen hatte.
Am dritten Stanplatz wurden wir ziemlich nass vom nahe gelegenen Horsetail Fall, der aufgrund des Regens der letzten Tage natürlich ziemlich viel Wasser führte. Wir hängten die Kletterausrüstung an die Bohrhaken und fixierten das erste Seil für unseren Abstieg. Nach zwei Mal Abseilen erreichten wir den Boden und stellten erleichtert fest, dass Claudias Jacke nicht vom Bären angeknabbert worden war.
Freitag 10. Mai
Beladen mit der gesamten restlichen Ausrüstung wanderten wir am frühen Morgen das dritte Mal in einer knappen Stunde hinauf zum Einstieg. Wir waren froh, dass der Bär unsere gestern deponierten Wasserreserven ignoriert hatte und so packten wir alles in den Haulbag.
Das freibaumelnde aufprusiken (“juggen”) an unseren Fixseilen war zwar ein anstrengender Kaltstart, aber nach ein bisschen mehr als einer halben Stunde standen wir beide am 2. Standplatz. Von hier galt es das erste Mal unser Gepäck hochzuziehen (“haulen”). Zu diesem Zweck wird das Haulbag-Seil in einer Umlenkrolle mit Rücklaufsperre (Petzl ProTraxion) eingelegt und die Last durch sein eigenes Körpergewicht nach oben gezogen. Bei unserer fast 60 kg schweren Ausrüstung musste ich mich zusätzlich von der Wand wegdrücken. Trotz des enormen Gewichts funktionierte das haulen erstaunlich gut – das ist der Vorteil wenn die Route überhängt und der Haulbag deshalb keine Reibung an der Felswand produziert.
Nach einer weiteren Seillänge juggen und haulen erreichten wir den höchsten Punkt von gestern: den 3. Standplatz. Hier verwandelte ich mich wieder in den Christbaum aus Klettermaterial. Diesmal war der “Christbaumschmuck” aber noch schwerer, weil Expressschlingen, Friends usw. nass waren. Ab jetzt hieß es wieder mutig sein, denn wir hatten heute noch 4 Seillängen bis zum ersten Biwakplatz am Stand Nr. 7 zu klettern.
Die 4. Seillänge startet mit einer grasigen Rampe in der ich einige Meter frei klettern konnte. Die relativ flache Verschneidungskletterei und die konstante Querung nach links empfanden Claudia und ich beim vor- und nachsteigen als eher unangenehm und erforderte außerdem, dass Claudia unser Gepäck mit einem eigens dafür mitgenommenen Seil vom unteren Standplatz erst in die Falllinie des oberen Standplatzes abseilen (“lowern”) musste, ehe ich es haulen konnte. Diese Prozedur kostet zwar Zeit ist aber notwendig um zu starkes Pendeln und eine eventuelle Beschädigung des Haulbags zu vermeiden.
Die Seillängen 5 und 6 konnte ich zu einer langen Seillänge zusammenhängen. Dazu muss man aber einiges an Material unter sich wieder mitnehmen (“back cleanen”) um zu starke Seilreibung zu verhindern. Für den Vorsteiger eine nervenaufreibende Sache, aber angenehm für Claudia, da sie nicht mehr sehr viel zu cleanen hatte. Die letzten Meter zum Standplatz konnte ich wieder ein paar Meter frei klettern.
Vor der 7. Seillänge hatte ich schon die ganze Zeit Angst: Die A3-Kletterei oberhalb des “Black Towers” gilt als gefährlichste Stelle der Tour, da ein Sturz die meisten Zwischensicherungen aus der Wand reißen würde und man in weiterer Folge unsanft auf besagtem Turm landen könnte. Nachdem ich relativ leicht bis auf die Spitze des Black Towers geklettert war machte ich den ersten Schritt in einen winzigen Haken (RURP) darüber. Es folgten etliche Züge an RURPS, Copperheads, Micro Nuts und meinem ersten selber in den Riss gehämmerten Tomahawk. Um die Dramatik des Augenblicks noch zu steigern ging zeitgleich ein Gewitter nieder und das laute Röhren des Donners begleitete mich bis zum Felsvorsprung (“Ledge”) des heutigen Biwakplatzes. Während ich trocken blieb erwischte Claudia beim Sichern einiges an Regen.
Nachdem Claudia wieder alles perfekt cleante bauten wir unsere Portaledge inklusive Deluxe-Überzelt (“Fly”) zusammen. Die natürliche Ledge ist nämlich nur 60 cm mal 150 cm groß und noch dazu abschüssig. Bald hatten wir es uns im mobilen Zuhause der kommenden Tage bequem gemacht. Da die Schwerkraft jeden Ausrüstungsgegenstand erbarmungslos nach unten saugt ist es wichtig alles irgendwie anhängen zu können. So versahen wir zum Beispiel jede Trinkflasche mit Schnüren und fixierten jeden Schraubverschluss mit einer weiteren Schnur an der Trinkflasche. Claudia hatte sogar ihren Trichter, den sie aufgrund der weiblichen Anatomie benötigte wann immer die Blase drückte, mit einer Sicherungsschlinge versehen. Ja – richtig gelesen: Auch das pinkeln und größere Geschäfte zu tätigen muss geübt sein – schließlich darf und sollte man nicht einfach über die Wand runter schei..’n!
Wir waren zufrieden, dass wir die ersten 7 Seillängen (eigentlich waren’s eh nur 6) gut hinter uns gebracht hatten und nach einem ausgiebigen Abendessen (Vorspeise: Tortilla mit Spam und Käse; Hauptspeise: Jeder eine Doppelpackung Trockennahrung der Firma “Backpackers Pantry”; Nachspeise: Eingelegte Früchte) schliefen wir mindestens gleich gut wie in einem Kingsize Bett in Las Vegas.
Samstag 11. Mai
Zum Frühstück gab es für jeden einen halben Liter trinkbarer Expeditionsnahrung mit Kakao-Geschmack (Peronin), welche uns schon bei vielen Bergtouren gut bekommen war. Danach begannen wir unser Lager abzubauen. Da wir heute in den wirklich steilen, also überhängenden Teil der Route kommen würden, entfernten wir nur das Fly von unserer Portaledge. Die Portaledge selbst ließen wir zusammengesteckt, da wir sie auf jedem Standplatz benötigen würden.
Die achte Seillänge führt einen in den “Grey Circle”, den spektakulärsten Teil der Route. Gleich zu Beginn der Seillänge zog es mich aber zu weit nach links zum Standplatz der Nachbarroute – und das obwohl auf diesen Fehler im Topo extra hingewiesen wird. Dummheit! Nach dem unnötigen Zeitverlust ging es im richtigen Riss weiter – und der hat’s in sich! Meiner Meinung nach war diese Länge eine der schwersten der ganzen Tour, da relativ weite Strecken mit zweifelhaften Zwischensicherungen zurückgelegt werden müssen. Und es ist verdammt steil! Vielleicht war es aber auch nur der morgendliche Kaltstart, der mir Probleme bereitete. Claudia leistete exzellente Arbeit als sie alleine die Portaledge wie eine Fahne an das Haulbag Seil über dem Haulbag montierte (“flagte”). Während sie wieder am fixierten Seil cleante haulte ich alles hoch und montierte die Portaledge am Standplatz. Ohne Portaldge müsste man stundenlang in der leicht überhängenden Wand im Gurt hängen – unerträglich.
Seillänge (“pitch”) 9 gilt als beste Länge der Tour. Eine riesige Verschneidung mit feinem Riss zieht sich endlos empor. Ca. 1,5 Stunden und gefühlte 100 Zwischensicherungen Später konnte ich den nächsten Standplatz erreichen. Die Ausgesetztheit ist unbeschreiblich und man ist froh möglichst bald wieder die Portaledge unter sich zu haben.
Der Höhepunkt des Tages war die nächste Seillänge: die berühmte “Nipple Pitch”. Die Felsformation erhielt ihren Namen aufgrund der unverkennbaren Ähnlichkeit mit einer Brust. Bis zur Brustwarze muss man einem feinen Riss ca. 20 Meter nach rechts folgen, welcher sich durch den Verschnitt der senkrechten Wand und dem Vorsprung einer abgelösten Granitschuppe ergibt. Den Ratschlag diese Distanz ausschließlich mit “reverse Cam Hooks” zurückzulegen ignorierte ich aufgrund des bösen Sturzpotentials mit Gefahr eines Pendlers auf die Portaledge und entschloss mich zu einer anderen Taktik. Nach jedem Cam Hook hämmerte ich einen abgeschnittenen Profilhaken (“sawed angle”) senkrecht nach oben in den Riss. Claudia würde mir beim cleanen zwar das Kreuz abfluchen, aber das nahm ich in Kauf. Nahe des Nipples und dem dortigen, erlösenden Bohrhaken verwandelt sich der Riss in einen unguten offwidth. Hier würde ein Camalot Nr. 6 ein paar Zentimeter Raumgewinn bedeuten, wir hatten aber keinen dabei. Ich fasste allen Mut zusammen und kletterte den letzten Meter in Piaz-Technik frei. Der nachfolgende Riss ist auch nicht gerade ganz einfach, aber früher oder später gelangt man zum exponiertesten Biwakplatz der Route.
Claudia musste zum Cleanen ebenfalls viel mit reverse Cam Hooks arbeiten und schaffte es alle Haken wieder aus dem Riss zu hämmern. Unvorstellbar, dass diese Seillänge komplett frei geklettert wurde!
Wie durch ein Wunder schaffte ich es alleine das Fly an der Portaledge zu montieren, was uns eine angenehme Biwaknacht sicherstellte.
Sonntag, 12. Mai
Die erste Länge des 4. Klettertages führt durch den Z-förmigen Überhang des “Mark of Zorro”. Der Überhang selbst war aufgrund der soliden Zwischensicherungen für mich recht einfach, der feine Riss danach machte mir mehr Probleme und ich schlug 2 Haken. Claudia beschwerte sich beim cleanen genau gegenteilig, da ihr das extrem überhängende Gelände bei gleichzeitiger Querung nach rechts mehr Schwierigkeiten bereitete. Trotzdem standen wir bald wieder beide auf unserer Ledge am 11. Standplatz.
Seillänge 12 führt an der “Devil’s Brow” vorbei und im Mittelteil über ein paar lose Blöcke. Hier muss man sehr genau aufpassen welche Zwischensicherung man verwendet (ein Friend könnte durch seine Spreizwirkung die falsche Wahl sein…). Claudia hätte beim Cleanen fast einen 10 Kilo Brocken aus der Wand gerissen! Zum Stand gelangt man durch eine Kombination aus Freiklettern und hooken. Man hat auf diese Art zwar lange keine Zwischensicherung, aber die Hooks an der großen Schuppe sind ausgezeichnet (“bomber”).
Seillänge 13 bedeutet viel Arbeit für den Vorsteiger – viel back cleanen – ist aber nicht besonders schwierig. Der Riss hinauf zur “Peanut Ledge” (60 cm mal 180 cm) ist ein wahrer Genuss im Schwierigkeitsgrad C1, was bedeutet, dass alle Cams bomber sind.
Da wir mit der Peanut Ledge schon recht früh unser heutiges Tagesziel erreicht hatten beschloss ich noch die 14. Seillänge für morgen zu fixieren. Diese Länge bereitete mir schon Kopfzerbrechen seitdem ich in der neuen Ausgabe des Kletterführers las, dass man 4 Camalots der Größe 4 und 5 mitnehmen soll. Die anfangs leichte Granitschuppe (ja – man kann sogar ein paar Meter frei klettern) und der schwierigere, nasse, obere Teil können ausschließlich durch diese Cam-Größen abgesichert werden! Da ich nur 3 Cams #4 und einen Cam #5 dabei hatte bedeutete das für mich viel “leap frogging”. Dabei nimmt man (wie beim back cleanen) immer die Sicherung unter einem mit, damit man wieder das richtige Material zur Hand hat. In der Mitte der Seillänge gibt es einen kleinen Rivet, aber ohne Schockabsorber (“screamer”) möchte ich diesen Schrauben nicht zu stark belasten. Ab der Mitte ist der Camalot #4 eigentlich zu klein, hält aber gerade noch (“tipped out”). So gelang es mir meinen 5er Cam vor mir herzuschieben bis man unterhalb des Daches wieder eine andere Cam-Größe verwenden kann. Die letzten Meter unter dem Dach links hinaus zum Stand sind sehr exponiert aber nicht mehr besonders schwer.
Ich fixierte unser Haulbag-Seil und Claudia ließ mich am Kletterseil ab, während ich cleante. Als ich den letzten Friend aushängte gab es natürlich eine argen Pendler, der wegen einer relativ scharfen Kante ganz oben ziemlich unheimlich war.
Den letzten Adrenalin-Ausstoß des Tages hatten Claudia und ich als unser Jetboil während dem Wasser kochen plötzlich Flammen warf. Eine ungute Sache, wenn alles, was einem an der Wand festhält, aus brennbarem Nylon ist. Gottseidank konnten wir den Kocher schnell auf die Peanut Ledge werfen und mit einem beherzten Griff ins Feuer das Gasventil abdrehen!
Montag, 13. Mai
Der letzte Tag in der Wand! Nach dem Frühstück bauten wir unsere Portaledge ab – wir würden sie dank kleiner Felsbänder an den Standplätzen nicht mehr brauchen. Bald startete Claudia nach einem luftigen Swing mit dem Aufstieg am fixierten Dyneema-Haulbag-Seil. Zusätzlich sicherte ich sie toprope mit dem Kletterseil – schließlich habe ich die scharfe Kante bei meinem gestrigen Swing nicht vergessen.
Unser Gepäck fixierten wir mit einem Fifi-Hook am Standplatz und nachdem ich ebenfalls über das Fixseil bei Claudia angekommen war konnten wir es so einfach vom Stand wegziehen und haulen.
In Gedanken schon ganz beim Ausstieg erlebte ich in den letzten beiden Seillängen noch so einige Überraschungen. Seillänge 15 erforderte wieder viel back cleaning und Freikletterei, endet aber auf einer großen und bequemen Ledge.
In der letzten Seillänge verließ mich knappe 10 m unter dem Ausstieg die Geduld und ich hämmerte einen großen Beak (Black Diamond Pecker) und einen Copperhead mit aller Kraft in einen feinen Riss. Diese beiden Zwischensicherungen sollten die einzigen Spuren sein, welche wir in der Wand hinterließen. Nachdem ich mich aus dem letzten Überhang mit einem Zug über die Kante in die horizontale Welt beförderte konnte ich mir einen lauten Glücksschrei nicht verkneifen. Claudia cleante, inzwischen routiniert, die Seillänge. Unglaublich, dass sie all die vielen Haken, Friends und Stopper die ich bis hier her gelegt hatte entfernen konnte!
Ich baute am Baum hinter dem Ausstieg einen Manschaftsflaschenzug und konnte so unser Gepäck rasch über die relativ flache letzte Länge befördern. Kurz nach Mittag hatte es auch Claudia geschafft und wir fielen uns glücklich in die Arme. Wie sehr hatte ich doch anfangs am Erfolg unser “Expedition” gezweifelt!? Umso größer war jetzt natürlich die Freude darüber, dass eigentlich alles “wie am Schnürchen” verlief.
Peter, ein routinierter Bigwaller, besuchte uns am Ausstieg und half in weiterer Folge bei der Wegfindung am Marsch nach unten. Die Website von ihm und seiner Frau war uns eine große Hilfe! Der Abstieg über die East Ledges ist anstrengend und gefährlich – vor allem wegen dem vielen Gepäck.
Wir mussten noch 3 Mal an fixierten Statikseilen abseilen und dann noch einmal mit dem eigenen. Nach 3 Stunden chauffierte uns Peter zurück zu unserem Leihauto, welches wir bei der Brücke geparkt hatten. Der Tag endete nach einer Dusche und einer riesigen Pizza mit viel Bier und Whisky um 2 Uhr Nachts im Camp 4.
Großer Dank gebührt Tom Evans – dem Fotografen auf der Brücke der El Cap Meadows. Er machte viele beeindruckende Bilder in Profi-Qualität von uns, welche weit mehr Geld wert sind, als er dafür verlangt! Dementsprechend sollte man ihn auch entlohnen! Thank you very much Tom Evans! Tipp: Tom veröffentlicht täglich einen Report über die Kletterer am ElCapitan: www.elcapreport.com
Tipps für Wiederholer:
Das “Supertopo” von Chris McNamara ist sehr gut! Wir haben alle seine Tipps befolgt und würden es wieder so machen.
Material:
- 3 Set Camalots C4 bis zur Größe 4
- 1 Camalot Nr. 5, würde das nächste Mal sicher 2 davon mitnehmen und evtl. auch einen Nr. 6.
- Ein Set Black Diamond Camalot C3
- Aliens Schwarz, Blau und Grün
- Offset Aliens bis zur Größe Rot/Gelb
- 2 Sets HB Offset Micro Nuts
- 1 Set HB Offset Nuts (normale Größen)
- 3 Beaks
- 10 Rivet Hangers
- Ein paar Copperheads
- Abgeschnittene Profilhaken (“sawed off angles”): siehe Angaben von McNamara
- Ein paar Knifeblades.
- Cam Hooks!!! Vielleicht wichtigster Ausrüstungsgegenstand! Alle Größen von Leeper und die beiden mittleren Größen doppelt. Der schwarze Leeper Cam Hook war ständig in Verwendung und ein dritter extra für den Nachsteiger wäre auch kein Luxus.
- Normale Hooks: Hatte 6 Stück dabei und habe alle verwendet. Unbedingt auch zwei sehr große Hooks für die Schuppen.
/p
Verwitterter Granit, zerschundene Hände, zerquetschte Fußballen, abgenützte Friends… ein heftiger Umstieg vom ergonomisch geformten, feinkörnig und kantengerundeten Red Rocks Sandstein! Aber: Geil waren sie, die zwei Tage in Joshua Tree!
Jede Route aufzuzählen, an denen wir unsere spärlich vorhandenen Risskletterkünste strapazierten wäre zu aufwendig, deshalb sollen an dieser Stelle nur die Highlights genannt werden:
Zwei ausgesetzte Routen an der Kante des sogenannten Headstone Rocks boten die Möglichkeit uns zumindest am Foto als high-end J-Tree Kletterer darzustellen. Neben einer halb gebolteten 5.10b am Cyclops Rock konnte ich einen cleanen 5.9 Riss am Tumbling Rainbow Rock für mich verbuchen. Nachdem wir uns die traumhaften 40 m der “Flake” (5.8) am Intersection Rock, inklusive Kamin-Einstieg und Slab-Ausstieg, gönnten, wagte sich Claudia nach abgeschlossener Granit-Kennenlernphase einen cleanen Handriss im Vorstieg hinauf! Ich beendete die Kletterei mit einem Besuch der Space Station – einer kleinen Höhle mit tollem Ausblick.
Besonders erwähnenswert sind die chilligen Campgrounds, wie in unserem Fall jener des ‘Hidden Valley”: zwar bieten sie wenig Luxus (nicht einmal fließendes Wasser), aber dafür jede Menge Platz und Zeltplätze am Einstieg von Kletterrouten.
Laut Wetterbericht soll es dieser Tage sogar Neuschnee im Yosemite Valley geben. Auch hier in Joshua Tree ist es dank steifer Brise gerade richtig kalt. Trotzdem werden wir morgen in Richtung El Capitan, Half Dome und co aufbrechen, in der Hoffnung unsere Portaledge ihrer Bestimmung zu zuführen.
Die erste Urlaubswoche ist vorbei, Zeit für eine Zwischenbilanz!
Viva las Vegas! 5 Klettertage im genialen Sandstein der Red Rocks am Rand der Sin City haben deutliche Spuren an unseren Händen hinterlassen… Neben den insgesamt 42 gekletterten Seillängen erlebten wir noch andere Abenteuer – aber nun der Reihe nach:
Sonntag 28. April
Als erste Route wählten wir (auf Empfehlung von Lucky) die Dark Shadows am sogenannten Mescalito im Pine Creek Canyon (5.8, 10 SL). Da die Route sehr beliebt ist mussten wir am Einstieg ein Weilchen warten. Nach der vierten SL seilen aber die meisten Kletterer ab, obwohl der schönste Teil der Route unserer Meinung erst hier beginnt. Am vorletzten Standplatz holten wir zwei Locals ein, welche Klaus nach dem Abstieg befragte, schließlich hatten wir uns darüber noch gar keine Gedanken gemacht. Als Jason (Polizist und Bergretter) erfuhr, dass ich ebenfalls Bergretter bin, verriet er uns, dass sie wahrscheinlich via Helikopter absteigen werden – immerhin besitzt der lokale Bergrettungsdienst 3 (!) eigene Hubschrauber die auch mal bewegt werden müssen.
Am Ende der Route angelangt fragte mich Jason, ob Claudia innerhalb der nächsten halben Stunde ebenfalls die letzte Seillänge beenden würde. Ich ahnte schon was diese Frage bedeuten könnte und tatsächlich: der beste Abstieg aller Zeiten wartete in Form eines kurzen aber spektakulären Heliflugs auf uns.
Ohne Türen und mit den Beinen auf dem Trittbrett gings mit der winzigen Maschine direkt hinunter zum Auto. Wir haben also noch immer keine Ahnung wie der reguläre Abstieg verläuft…
Zum Einstieg mussten wir dann trotzdem nochmal zurück um den Rucksack zu holen, die gesparte Zeit investierten wir in ein kurzes Bad in einem natürlichen Pool am Wandfuß.
Montag, 29. April
Tunnel Vision im Gebiet White Rock (5.7+, 6SL)
Wir konnten die Route komplett in Wechselführung klettern, wobei Claudia ihre ersten vollständig cleanen (also alle Zwischensicherungen und der Standplatz müssen selber gelegt werden) absolvierte. Der Routenname leitet sich von der 5. SL ab, welche fast vollständig durch eine Höhle verläuft. In Erinnerung bleibt mir die Route aber wohl eher durch den Offwidth der 3. SL. Große Cams bis zum Camalot #6 sind sehr nützlich.
Dienstag, 30. April
Chrimson Crysalis (5.8+, 9 SL)
Die, wie ich finde, schönste Route der Welt lockte mich bereits das dritte Mal! Ein Set Camalots bis zur #4 und die Größen #0.5 bis #1 doppelt, sowie ein blauer Alien erwiesen sich als optimales Rack. Lange, anstrengende Route, über die abgeseilt werden muss!
Mittwoch, 1. Mai
Ruhetag. Sightseeing Hoover Dam, Lake Mead und die grandiose Cirque du Soleil Show “Kà” im MGM Grand.
Donnerstag, 2. Mai
Claudia war scharf auf mehr cleanes Vorstiegsklettern. Die ideale Location dafür bietet Willow Springs, genauer gesagt die Ragged Edges Area. Hier finden sich zahlreiche 1 SL Routen mit moderaten Schwierigkeiten mit sehr wenig bis gar keinen Bohrhaken, welche den sicheren Umgang mit Friends und Keilen erfordern. Unsere Ausbeute:
Crooked Crack, Diplomatic Immunity, Ok Ok Ok, Lethal Weapon, Dense Dunce, Ragged Edges.
Am Abend besuchten wir ein Kletterfest im Örtchen Blue Diamond, bei dem die lokal berühmten Erschließer Jorge und Joanne Urioste (kletterer der ersten Stunde der Red Rocks) alte Dias zeigten. Claudia und ich fühlten sich nun auch schon ein bisschen wie Locals, schließlich kannten wir ja von unserem Hubschrauberflug auch schon ein paar Leute.
Freitag, 3. Mai
Ein ungeplant langer Tag, welcher beinahe in einem Biwak geendet hätte! Eigentlich wolten wir die Route Dream of Wild Turkeys im Black Velvet canyon gehen, doch der starke Andrang durch eine japanische und eine italienische Seilschaft zwang uns Planwechsel. Eine Alternative war schnell gefunden: Die Route Refried Brains (5.9, 8 SL + 1000 ft 4th class) im linken Wandbereich. Wir starteten um 10:30 und erreichten den Gipfel (Black Velvet Peak) um 17:30. Die ersten 4SL waren sehr steil, wobei mich besonders der Fingerriss am Ende der 2. SL viele Nerven kostete! Der Abstieg dauerte dann auch noch 2 Stunden, weshalb wir pünktlich bei Einbruch der Nacht das Auto erreichten.
Apropos Locals: die letzten Meter zum Auto trafen wir “die Uriostes”, die Erstbegeher der heutigen Route und unzähliger anderer, wie z.b. der Chrimson Crysalis. Sie wiesen uns bei einem netten Hoangascht den besten Weg zum Auto.
Samstag, 4. Mai
Aufgrund des wechselhaften Wetters im Yosemite Valley entschlossen wir uns zu einem Zwischenstop in Joshua Tree. Morgen werden wir das erste Mal Hand am Granit anlegen.
„Ein Traumberg erhebt sich über den Tälern der nördlichen Cordillera Blanca, wie ihn nur Kinder zu zeichnen wagen, die noch nie einen Berg gesehen haben. Das ist der Alpamayo nicht Traum, sondern Wirklichkeit. Von der einen Seite sieht man ihn als ebenmäßige Pyramide emporsteilen, deren Schenkel mit riesigen Wächten behangen sind. Das andere Gesicht des Alpamayo, die trapezförmige Südwestwand, ist noch schöner: Durch das Zusammenwirken der fast senkrecht herabbrennenden Tropensonne am Mittag und der aufsteigenden, feuchten Luftmassen aus dem Urwald wurde die Wand mit feinem Riffelfirn überzogen. So sieht der Berg von dieser Seite wie eine weiße Kathedrale aus“ (Günther Hauser, Erstbesteiger – Quelle: Wikipedia).
Oder: 6 Tage für einen Gipfel.
Claudia und ich sorgten mit der Besteigung des Alpamayo, welcher seit 1966 als vermeintlich “schönster Berg der Erde” gilt, für den krönenden Abschluss unserer Peru Reise.
Mit unserem gesamten Gepäck verlegten Claudia und ich unser “Basislager” von Huaraz ins kleine, verschlafene Örtchen Caraz. Zuvor deckten wir uns aber am Mercado mit ausreichend Lebensmittel ein, denn der Alpamayo ist vielleicht der abgelegenste Berg der gesamten Cordillera Blanca und nur zu Fuß erreichbar. Am Dienstag bestiegen wir wiedermal ein berühmt berüchtigtes Collectivo: Ein alter Toyota Corolla wurde vom Fahrer mit 6 Passagieren vollgestopft und anschließend die 1000 Höhenmeter hinauf nach Cashapampa gequält. An die fehlenden Leitplanken der ausgesetzten, teilweise abgemurten, einspurigen Schotterstraßen haben wir uns mittlerweile auch schon fast gewöhnt. Am Ende der Straße in Cashapampa beginnt der Fußweg ins Santa Cruz Tal. Hier befindet sich auch ein kleiner Holzkiosk, in dem ein Nationalparkbeamter seinen Dienst versieht. Gottseidank schien der Ranger seinen Job noch nicht allzu lange zu machen, denn er glaubte uns, dass unser Wochenticket vom Pisco noch lange genug gültig sei. Kurze Zeit später hatten wir auch schon einen Eseltreiber organisiert: Amador, 36 Jahre alt, Single und seineszeichen staatlich geprüfter Eseltreiber und Lastenträger. Nach den Gehaltsverhandlungen (125 Soles pro Tag) verabschiedete er sich eine Stunde lang zum Lebensmittel shoppen und Esel einfangen. Wir lauschten währenddessen der unglaublich nervigen, fast chinesisch klingenden Volksmusik, welche aus Amadors Lehmhäuschen schallte. Nachdem wir unser Gepäck eselgerecht auf vier gleich schwere Pakete verteilt hatten, gingen wir schließlich los. Cashapampa liegt auf ungefähr 2900 m und das heutige Tagesziel Llamacorral 900 m höher. Mit leichten Rucksäcken schlenderten wir das schmale Tal hinauf und hatten das große Glück zwei Kondore ganz nah zu sehen. Nach drei Stunden wird das Tal flacher und ein bisschen weiter. Schließlich gelangt man zu einer kleinen Steinhütte mit dazugehörigem Holzkiosk in dem die ansässige Hirtenfamilie Snacks und Getränke an die vielen Wanderer und Bergsteiger verkauft. Hier, in Llamacorral, schlugen wir unser erstes Lager auf. Am nächsten Tag ging es dann in Richtung Basislager weiter. In den ersten Stunden der Wanderung macht man quasi keinen einzigen Höhenmeter, denn man spaziert am Ufer eines Sumpfes und später der Laguna Jatuncocha entlang. Am Ende des großen Sees staunten wir nicht schlecht, als sich die sonst grüne Landschaft in eine wüstenartige Gegend verwandelte. Hier ging laut Amador vor einem halben Jahr eine riesige Mure ab, welche das saftige Gras unter sich begrub. Viele Kühe scheinen diese Tatsache allerdings immer noch nicht wahr haben zu wollen und stehen etwas verwirrt blickend mitten in dieser kleinen Sandwüste. Auch für uns hatte diese Mure ungute Auswirkungen, denn im tiefen Quarzsand geht es sich nicht besonders gut. Das Wetter war heute ausnahmsweise auch nicht sehr freundlich, aber die kurzen Regenschauer aus den tief hängenden Wolken passten auf eine dramatische Art und Weise zur trostlosen Landschaft. Am Ende der Sandwüste zweigt der Weg nach links ab und gewinnt in vielen Serpentinen rasch an Höhe. Bald ergattert man einen ersten Blick auf das Objekt der Begierde: den Alpamayo. Das Basislager liegt idyllisch in einem kleinen Wald und bietet wieder den Komfort eines kleinen Getränkekiosks. Da Amador ja wie bereits erwähnt auch professioneller Porter ist, bot er uns an den größten Teil unserer Ausrüstung zumindest bis zum Beginn des Gletschers zu tragen. Für den weiteren Weg hatte er leider nicht das passende Schuhwerk dabei. Um 5 Uhr früh brachen wir so zu dritt am Donnerstag auf, mit dem Ziel, in einem Tag zum Hochlager auf 5400 m zu gelangen. Das Moränenlager auf halber Strecke wollten Claudia und ich auslassen, da es nur eine weitere kalte Nacht in großer Höhe bedeuten würde. Seufzend übernahm ich schließlich den großen Rucksack von Amador, welcher die ca. 25 kg an Ausrüstung keuchend bis hierher geschafft hatte. Am Gletscher gab es natürlich wieder einen gut ausgetretenen Pfad hinauf Richtung Hochlager, schließlich ist der Alpamayo einer der berühmtesten Berge überhaupt und dementsprechend viel bestiegen. Zum Ende des Aufstieges muss man eine 50 m hohe Steilstufe hinauf zum Sattel überwinden, an der wir das erste Mal beide Eisgeräte benützen mussten. Von hier ergibt sich ein Erster Blick auf das Hochlager und die SW Flanke des Alpamayo. Etwas erschreckt stellte ich fest, dass in dieser Saison scheinbar nur die längere und steilere Franzosenroute als Aufstiegsrinne geklettert wird. Positiv war aber, dass scheinbar nur recht wenige Personen den Berg belagerten und die Gefahr des Eisschlages deshalb geringer sein sollte. Bereits um 11:30 begannen wir unseren eigenen Lagerplatz im Schnee mit Händen und Füßen auszubuddeln. Das Zelt wurde mit den selbstgeschnitzten Hölzchen in Form von “Hombritos muertes” (kleine tote Männer) verankert. Den Nachmittag verbrachten wir mit Schnee schmelzen, Kletterer beobachten und essen. Ist es untertags am Gletscher fast unerträglich heiß, fallen die Temperaturen nach Sonnenuntergang rapide ab. Nun war ich froh eine Wärmeweste mitgenommen zu haben, denn aus Gewichtsgründen hatten wir nur einen Schlafsack und eine Isomatte dabei. Das Zittern hatte aber bald ein Ende, denn bereits um 1 Uhr Nachts begannen wir mit dem Frühstück kochen im Zelt. Kurz vor zwei brachen wir trotz einschüchternd kaltem Wind zeitgleich mit sieben anderen Gipfelaspiranten auf. Da gerade Neumond war, gaben unsere Stirnlampen wirklich das einzige Licht. Das ist aber nur zum Teil wahr, denn Claudias Lampe hatte ausgerechnet heute einen Wackelkontakt. Am Einstieg in die Flanke kam das erste Mal ein Firnanker zum Einsatz und ich fand eine schonendere Variante den Bergschrund zu überwinden. Die anschließenden ersten 150 m der Rinne bestehen hauptsächlich aus steilem, aber kompaktem Schnee, der sich immer gut mit Firnankern absichern lässt. Danach wird die Rinne steiler und es wird Zeit die mitgebrachten Eisschrauben einzusetzen. Bei eisiger Kälte froren und tauten abwechselnd Finger und Zehen. Wir konnten immer relativ knapp hinter den anderen Bergsteigern bleiben, was die gelegentlich herabstürzenden Eisbrocken weniger schmerzhaft machte. Nur nicht zu viel nach oben schauen! Immer wieder fanden wir in der Dunkelheit Eissanduhren, welche als solide Zwischensicherungen dienten. Vier Seillängen vor dem Gipfel begann es endlich zu dämmern und wir konnten das erste Mal den Tiefblick in die Rinne “genießen”. Um halb neun standen Claudia und ich dann ganz alleine am unerwartet breiten (2×2 m), aber dennoch sehr exponierten, Gipfel und ließen unsere Freudenschreie los! Wir hatten es geschafft! Detail am Rande: Claudia ist gerade durch ihre erste Eiswand geklettert! Der Abstieg erfolgt über den gleichen Weg wie der Aufstieg, was bedeutet, dass man viel abseilen muss. Wir hatten das große Glück, dass ein peruanischer Bergführer gerade damit begonnen hatte die Route mit 100 m langen Fixseilen einzurichten und uns am Gipfel anbot diese zum Abseilen zu benützen. Auf diese Weise konnten wir die ersten 2/3 des Abstieges sehr schnell bewältigen, ehe wir doch mit den eigenen Seilen weiter abseilen mussten. Gegen 11:00 waren wir zurück am Zelt, kochten uns was zu essen und brachen dann Richtung Basislager auf. Die wieder glühende Hitze am Gegenanstieg zum Sattel, die Warteschlange am dortigen Abseilstand und der extrem schwere Rucksack setzten uns ganz nett zu. Nach insgesamt 15 Stunden auf den Beinen errichteten wir am Abend wieder unser Basislager und schliefen nach einer kleinen Jause und einer Flasche Siegesbier schnell ein. Wie schon beim Anmarsch verbrachten wir von Samstag auf Sonntag eine weitere Nacht in Llamacorral, ehe wir schließlich müde, aber überglücklich nach Cashapampa zurückkehrten. Ein am gleichen Tag 150 m weit abgestürztes Auto erinnerte uns bei der Collectivofahrt zurück nach Caraz wieder daran, dass Autofahren in Peru mindestens gleich gefährlich ist, wie das Bergsteigen… Nun genießen wir noch ein paar gemütliche Tage in Caraz und auf dem Weg nach Lima. Mit diesem bergsteigerischen Highlight beenden wir unseren Reiseblog und bedanken uns bei euch für euer Interesse und lieben Kommentare! Bis bald daheim!
Wir sind müde, deshalb heute nur ganz kurz: Claudia und ich waren am vielleicht besten Aussichtsberg Perus erfolgreich… Der 5759 m hohe Nevado Pisco ist unser! Am nächsten Tag wanderten wir dann noch zur idyllischen Laguna 69, ehe wir wieder zurück nach Huaraz fuhren. Trotz meines wieder schlechteren Verdauungszustandes brechen wir in den kommenden Tagen nochmal zu einem letzten großen Bergabenteuer auf… Alpamayo wir kommen!
Nachtrag Nevado Pisco
So, nachdem wir wieder ausgeruht sind folgt nun ein etwas ausführlicherer Bericht von unserem 4 Tagestrip ins Quebrada Llanganuco. In Huaraz bestiegen wir foll beladen ein Collectivo (Sammeltaxi) nach Yungay. Diese Stadt erfuhr traurige Berühmtheit, als sie beim großen Ancash-Erdbeben von 1970 vollständig zerstörtwurde. Damals löste sich ein Teil des Huascaran-Gletschers und donnerte in Form einer gewaltigen Eislawine ins Santa-Tal, wo sie über 20.000 Menschenleben forderte. Das neue Yungay liegt 2 km weiter nördlich, an den ursprünglichen Ort erinnert nur noch ein großes Denkmal am Friedhofshügel. Von Yungay nach Cebollapampa teilten wir uns ein weiters Sammeltaxi mit einem englisch-holländischen Pärchen, welches uns die unvorstellbar holprige Fahrt mit schlüpfrigen Gesprächen verkürzte. Die blöden Sprüche des schwer tätowierten und mit Diamox vollgepumpten Engländers stachelten unseren Fahrer zu einer wahren Ralleyfahrt mit seinem halb verrosteten Toyota Corolla auf. Claudia und ich warn froh, auf halber Strecke eine kurze Rast am Nationalparkeingang machen zu können. Gottseidank hatte ich auch meinen Bergführerausweis dabei, denn ohne Nachweis alpiner Ausbildung darf man den Huascaran Nationalpark nicht mehr betreten! Später erfuhren wir, dass auch ein Alpenvereins-, oder Bergrettungsausweis ausreichend ist. In Cebollapampa organisierten wir erstmalig vierbeinige Unterstützung für unser Gepäck: Zwei Esel und ihr zweibeiniger Chef sollten uns den Aufstieg ins Basislager auf ca. 4600 m erleichtern! Dieses erreichten wir nach etwas mehr als zwei Stunden und platzierten unsere Hacienda abseits der Zeltstadt der organisierten Gruppen. Die meisten Bergsteiger schlafen allerdings im nahen Refugio Peru, welches in Kooperation mit dem italienischen Alpenverein errichtet wurde. Um 3 Uhr nachts brachen wir unter klarstem Sternenhimmel und Mondschein in Richtung Gipfel auf. Zuerst gilt es eine “Killermoräne” (Zitat: Claudia) zu überwinden. Bei Tagesanbruch erreichten wir den Gletscher, was das Vorankommen im Vergleich zum groben Blockwerk der Moräne deutlich erleichtert. Diese Mal waren wir auf die Kälte besser vorbereitet – 3 Lagen Hosen und 4 Lagen Oberteile waren genau richtig! Da der Nevado Pisco der vielleicht meistbestiegene Andengipfel ist, mussten wir nun nur noch dem Trampelpfad durch den Schnee folgen. Ab dem Sattel auf 5300 m gestaltet sich der Aufstieg jedoch trotzdem sehr kurzweilig, da es immer wieder kürzere Steilstufen und Spaltenzonen zu überwinden gilt. Schon hier beeindruckt die Aussicht auf die nahe Südostwand des Artesonraju, sowie auf die Huandoy-Gipfel und den Huascaran. Claudia und ich konnten dieses Panorama nun auch schon deutlich mehr genießen, da wir mittlerweile viel besser akklimatisiert waren, als am Vallunaraju. Nach weniger als sieben Stunden kletterten wir als kleine Zugabe über die sehr steile Variante auf den Gipfel, auf den sich Claudia nach einem Zielsprint stürzte (Beweisvideo vorhanden). Der Abstieg verlief zuerst bei glühender Gletscherhitze, ehe die “Killermoräne”, inklusive garstigem Gegenanstieg, Claudia den letzten Nerv raubte… Um ihren Gemütszustand etwas zu bessern führten unsere letzten Schritte des Tages ins Refugio Peru auf ein Bier und ein weniger berauschendes Abendessen. So ging eine 11 Stunden Bergtour versöhnlich zu Ende. Am nächsten Morgen verzichteten wir auf die vierbeinige Unterstützung und kofferten unser Gepäck selbst ins Tal. Erstaunlich motiviert brachen wir Mittags dann gleich wieder zur nächsten Tour auf. Unser Ziel war die berühmte Laguna 69, welche ebenfalls auf 4600 m liegt und beeindruckende Blicke auf die wilden Nevados Chacraraju bietet. Am Rückweg konnte sich Klaus ein erfrischendes Bad in einem Gletschersee nicht verkneifen (ebenfalls Beweisfotos vorhanden). Bewacht von Eseln, Kühen, Pferden und vielen, vielen Trekingtouristen verbrachten wir eine weitere Nacht im Llanganuco Tal und fuhren erst am nächsten Tag nach Yungay, bzw. Huaraz zurück. Am Abend gab es dann Belohnungs-Roastbeef in unserem Lieblingslokal El Encuentro, wo es Klaus bei einer Flasche Wein gelang Claudia für eine weitere große Bergtour auf den Alpamayo zu überreden.