Archiv für die Kategorie „Reisen“

Genau vor 10 Jahren war ich das erste Mal in Jordanien, im Rahmen einer klassischen Touristen-Rundreise mit Schwerpunkt auf historischen Stätten. Damals fuhren wir auch mit einem Bedouinen-Taxi eine Runde durchs Wadi Rum, und mich faszinierten die gewaltigen Sansteinwände schon deutlich mehr als die Überreste der Behausung eines gewissen Lawrence von Arabien…

Dank der guten Flugverbindung von Wien nach Amman gönnten Claudia und ich uns einen einwöchigen Kurzurlaub  im Königreich Jordanien um noch einmal sommerliche Temperaturen zu genießen. Mit einem winzigen Leihauto ging’s nach der Landung hinein in die Hauptstadt um uns mit ein paar Lebensmitteln für die Zeit in der Wüste einzudecken. Schon am ersten Kreisverkehr waren wir froh die Versicherungssumme für den Leihwagen erhöht zu haben – die Umstellung vom gesitteten europäischen Straßenverkehr auf die rücksichtslose Wühlerei des arabischen Rush-Hour-Verkehrs kostet einiges an Nerven! Nach einem Besuch des römischen Theaters und des angrenzenden Obst- und Gemüsemarkts verließen wir am Montagmorgen die Hauptstadt Amman, welche touristisch nicht allzu viel zu bieten hat. Der Desert Highway ist die wichtigste Verkehrsverbindung zwischen Amman und Jordaniens einziger Hafenstadt Aquaba. Dementsprechend groß ist das Verkehrsaufkommen und unser extrem untermotorisierter Leihwagen bescherte uns spannende Kopf- an Kopfrennen mit den LKW’s und Sattelschleppern. Trotz zahlreicher Verkehrskontrollen und noch häufigeren Schlaglöchern und Bremsschwellen (Bumper) kamen wir zügig voran und waren schon am frühen Nachmittag am Visitor Center am Eingang ins Wadi Rum.

Rest House und Campingplatz in Rum

Am Visitor Center wurden wir natürlich sofort von einem einheimischen “Guide” in Empfang genommen, der uns gleich durch die Eintritts-Formalitäten (5 Dinar / Person) leitete und uns eine 4WD-Fahrt zur Westseite des Jebel Rum für 50 Dinar anbot. Da wir die W-O-Traverse des Jebel Rum ohnehin für morgen geplant hatten verabredeten wir uns für 6 Uhr am nächsten Morgen. Wir fuhren die restlichen 7 km bis in Rum-Village und errichteten unser Zelt im Schatten eines Bedouinenzeltes am Campingplatz beim sogenannten “Rest House”. Die Bedouinenzelte werden – soweit wir das verstanden haben – von Salim, dem (selbsternannten ?) Kletterer-Beauftragten betrieben und für eine kleine finanzielle Entschädigung lässt er einen das Zelt auf dem überdachten und betonierten Untergrund aufstellen. Salim informierte uns auch prompt dass es ein großer Fehler war für Morgen beim jungen Mann am Visitor Center zu buchen – schließlich ist er sowas wie der “Climbing Ranger” des Wadi Rums. Egal – dann würden wir uns morgen Früh eben von ihm in die Wüste fahren lassen.

Am Nachmittag machten wir uns noch ein bisschen mit dem Sandstein vertraut und bestiegen den Jebel Mayeen über seinen S-Grat. Schon hier heißt es volle Konzentration beim seilfreien klettern auf den abschüssigen Felsbändern und dem exponierten Blockwerk. Die Schlüsselstelle ist der ca. 5 m hohe Gipfel-Block, welcher am leichtesten an seiner steilen  SO-Kante erklettert wird. Vom Gipfel stiegen wir Richtung W ins schmale Wadi S’ Bach ab über welches man schnell wieder retour zum Zeltplatz gelangt.

Eingehtour Jebel Mayeen S-Grat

Wer bei Campingplätzen viel Wert auf Sauberkeit und Ruhe legt wird in Rum definitiv enttäuscht werden. Zwischen kaputten Generatoren und einem zeitenweise abnormal verdreckten WC- und Duschhäuschen ist Müll in jeder Größe und Form einer der Hauptbestandteile des Wüstensandes… Dazu kommen jede Menge streunende Katzen und Hunde. Letztere liefern sich Nächtens stundenlange Bellereien – manchmal abrupt durch das Mündungsfeuer eines Gewehres unterbrochen! Manchmal nervt die Bellerei scheinbar sogar die Einheimischen…
Aber: Wenn man seine westlichen Ansprüche erst mal ein bisschen zurückgefahren hat kann man den Aufenthalt beim Rest House durchaus mit jenem im berühmten Camp4 in Yosemite vergleichen! Man trifft Kletterer aus der ganzen Welt, kocht zusammen und diskutiert stundenlang übers Klettern!

Schon um 5 Uhr holte uns Salim am Campingplatz ab. Bereits eine halbe Stunde später waren wir auch schon am Ausgangspunkt der “Thamudique-Route” an der Westseite des Jebel Rum. Dabei handelt es sich um eine der vielen “Bedouinen-Routen” welche größtenteils ohne erhebliche Kletterschwierigkeiten durch das unübersichtliche Steinlabyrinth auf die Gipfel der Jebels führen. Bedouinen fanden diese “Normalwege” bei der Jagd, welche dennoch immer wieder Kletterstellen im 4. Schwierigkeitsgrad aufweisen können oder auch Abseilstellen beinhalten. Da es noch stockdunkel war kochte uns Salim am Lagerfeuer Tee und erklärte mir die Schlüsselstellen der Route.

Salim gibt Tipps für Jebel Rum W-O-Traverse

Die größte Herausforderung der Bedouinen-Routen ist die Routenfindung. Zwar gibt es Steinmännchen, diese sind aber oft sehr klein und weit auseinander. Spätestens am Gipfelplateau ist man daher mehr als gefordert am richtigen Weg zu bleiben. Ganz ohne “Verhauer” ging es bei uns dann auch nicht über die Bühne, aber dennoch kamen wir gegen 10 Uhr am Gipfel des Jebel Rum an. Ich war heilfroh einen GPS-Track im Internet gefunden zu haben, der die Orientierung deutlich erleichterte! Für den Abstieg wählten wir die “Hammad’s-Route”. Dieser Bedouinen-Pfad ist der kürzeste Weg zwischen Gipfel und Rum-Village. Bei der ersten von vielen Abseilstellen angekommen verknöchelte ich stark, konnte aber vorerst problemlos weitergehen – wenigstens hätte man hier sogar Handy-Empfang im Fall eines Notfalls. Es folgen zahlreiche Abseilstellen, die mitunter spektakulär in die große Schlucht (Great Siq) führen. Claudia und ich navigierten zügig von einem Steinmännchen zum nächsten und waren gegen 15:30 zurück beim Zelt.

Am Abend begann mein Knöchel stark zu schmerzen, schwoll aber nie an. Während des Abendessens, zu dem uns Salim in sein Haus einlud, entschieden Claudia und ich morgen als Ruhetag Petra zu besichtigen. Als Nachspeise gab’s für mich Schmerztabletten…

Blick nach Süden

Nachdem wir am Mittwoch Petra besichtigt hatten war es am Donnerstag nun endlich so weit “richtig” klettern zu gehen. Als erste Route kletterten wir am Donnerstag die “Black Magic” (12 Seillängen, 5+) am Dark Tower, unweit vom Campingplatz. Sandsteinkletterei vom Feinsten erinnerte uns an die Red Rocks bei Las Vegas. Tendenziell ist der Fels im Wadi Rum zwar ein bisschen weicher / brüchiger, aber das wirkt sich auf das Klettervergnügen gar nicht aus! Die Standplätze sind meistens eingerichtet, aber dazwischen heißt es selber absichern, und wie vom Sandstein gewöhnt ist das Arbeiten mit Friends und Keilen einfach eine Freude!

Mindestens genauso ein Abenteuer wie das hochklettern ist das runterkommen: bei sehr vielen Abstiegen muss abgeseilt werden und zahlreiche abgeschnittene Kletterseile in den Tiefen der Risse beweisen, dass sich die Seile extrem einfach verfangen…

Freitag und Samstag verbrachten wir im Barrah Canyon. Salim’s Bruder fuhr uns eine knappe Stunde durch die Wüste in diesen abgelegenen Canyon. Am Fuß der imposanten Merlins Wand errichteten wir unser einsames Lager und starteten sofort in den “Supercrack des Wadi Rums”. Die Route Merlins Wand folgt für 5 Seillängen einem perfekten Riss durch die steile Wand und zählt bestimmt zu den tollsten Routen, welche ich je geklettert bin! Immer wieder müssen kleine Überhänge überwunden werden – der schwerste von ihnen im Schwierigkeitsgrad 6a+.  Nachdem wir (gottseidank ohne Seil-Probleme) über die Route angeseilt hatten brachen wir am Nachmittag noch Richtung Arch Tower auf um die Route “Le Bal des Chameaux” zu klettern. Hier wurden unsere Kaminkletter-Fähigkeiten geprüft und auch das anschließende Abseilen gestaltete sich nicht ganz einfach…

Barrah Canyon vom Top der Merlins Wand

Den letzten Klettertag verbrachten wir in der Route “Rain in the Desert” – einer genialen Linie durch ein Riss- und Kaminsystem. Wieder einmal stellte sich der Abstieg als die größere Herausforderung heraus – so hat man hier eine 50 m lange Querung über ein abschüssiges Band zu bewältigen, was dem Nachsteiger einiges an Moral abverlangen kann.

Nachdem wir am Samstagabend pünktlich von Salim’s Bruder abgeholt wurden starteten wir Sonntag früh in Richtung Totes Meer. Für eine kurze Schrecksekunde sorgte ein kaputter Reifen, aber der war dann schnell gewechselt. Vielleicht wäre es besser im Toten Meer VOR einem Klettertrip zu baden, denn die zahlreichen kleinen Wunden an Händen und Füßen können in der Salzbrühe ganz schön brennen… Pünktlich um 15 Uhr trafen wir am selben Tag am Flughafen ein und schon um 22 Uhr waren wir zurück am Flughafen Innsbruck.

Tipps und Tricks:

  • Lebensmittel (inkl. frischem Gemüse) kann man auch in Rum Village einkaufen. Mehr Auswahl hat man aber in Amman!
  • Gleich beim Visitor Center sagen, dass man zum klettern hier ist und dass man alle weiteren Arrangements mit Salim machen wird.
  • Bevor man eine lange Route am E-Face des Jebel Rums machen will sollte man sich den Abstieg (Hammad’s-Route) anschauen! Eine W-O-Überschreitung ist landschaftlich einmalig und auch sonst ein großes Abenteuer!
  • Immer eine Stirnlampe mitnehmen – Das Seil kann sich beim Abziehen extrem leicht verfangen und dann wird’s unter umständen schnell dunkel…
  • Ich bin immer mit 2 Sets Camalots bis zur Größe 3 (blau) plus einmal #4 und #5 geklettert.
  • Das Buch von Tony Howard “Treks and climbs in Wadi Rum, Jordan” kaufen! Dieses Buch ist sowas wie die Bibel der Kletterer in Rum.
  • Bei einer Jebel-Rum Überquerung ein GPS Gerät mit meinen Tracks dabei haben! Hier kannst du ein hochauflösendes Satellitenbild mit dem Track und den Track selbst (GoogleEarth-KML) downloaden:

Download Track Thamudique – Jebel Rum – Hammad’s Route (kml) (rechte Maustaste > Ziel speichern unter, evtl. Dateiendung auf “.kml” ändern)

Download High Resolution Image mit Track (Jebel Rum):

Jebel Rum W-O-Traverse

 

Download Track Jebel Mayeen S-Ridge (kml) (rechte Maustaste > Ziel speichern unter, evtl. Dateiendung auf “.kml” ändern)

Download High Resolution Image mit Track (Jebel Mayeen):Jebel_Mayeen_Track

Wetter_Wadi_Rum1

El Capitan Während wir am Gate auf unseren Flug zurück warten, bleibt Zeit auf unseren Kletterurlaub zurückzublicken. Sich ablösende Haut an Claudias Fingerspitzen und meine geschwollenen Handgelenke zeugen von 3 intensiven Wochen an den diversen Sandstein- und Granitwänden…

Den krönenden Abschluss fand unsere Reise an “der Wand der Wände”, dem “heiligen Gral” der Bigwaller(innen) – am El Capitan im Yosemite Nationalpark! Nachdem ich letztes Jahr die berühmte “Nose”-Route mit Tom erfolgreich von der To-Do-Liste streichen konnte (dort stand sie nämlich schon viel zu lange an erster Stelle), stand heuer ein noch verwegeneres Projekt am Programm: die Route “Zodiac” an der überhängenden Ostwand des “Captains”.

Die Zodiac mit ihren 16 Seillängen ist zwar deutlich kürzer als die Nose, die klettertechnischen Schwierigkeiten dafür aber viel größer. Mehr als 3 Seillängen am Tag sind für Gelegenheits-Technokletterer wie uns im Schwierigkeitsgrad A3 kaum zu bewältigen. Daraus ergibt sich eine gesamte Kletterzeit von 5 Tagen und natürlich die Notwendigkeit in der überhängenden Wand zu übernachten. Folglich muss neben dem absurd umfangreichen Klettermaterial auch jede Menge “Campingequipment” und die notwendigen Lebensmittel inklusive Wasser über die Wand gezogen werden. Der vielleicht wichtigste Ausrüstungsgegenstand ist aber die Portaledge – eine Art Bett mit Aluminiumrahmen, welches man in der vertikalen Welt aufspannen kann. Alles zusammen wiegt diese Campingausrüstung knappe 60 kg!

Nun aber genug mit den allgemeinen Informationen – hier kommt der Bericht wie es Bigwall-Aspirantin Claudia und mir in der Zodiac erging:

Donnerstag, 9. Mai 2013

Nachdem es in den vergangenen Tagen viel schlechtes Wetter im Valley gab, waren wir froh Sonnensymbole am Wetterbericht für die kommenden Tage zu sehen. Wir starteten am Donnerstag trotzdem recht früh, da am Nachmittag ein Gewitter wahrscheinlich war. So brachen wir gegen 6 Uhr Richtung Einstieg auf, um Fixseile bis zum 3. Standplatz einzurichten. Während dem mühsamen Aufstieg über das grobe Blockwerk des Hangschutts war ich schon unglaublich nervös, denn ich wusste, dass die erste Seillänge gleich eine der schwersten werden würde. Nachdem ich mich mit der ganzen Kletterausrüstung an Hüft- und Brustgurt in eine Art Christbaum verwandelt hatte, verabschiedete ich mich ins A3 Gelände. A3 bedeutet, dass bis zu 5 Zwischensicherungen in einer Reihe nur das eigene Körpergewicht, nicht aber einen Sturz halten würden. In der ersten Seillänge, also direkt über dem Boden, macht einen dieser Umstand natürlich etwas nervös. Trotzdem verlief der Aufstieg an Cam Hooks, Micro Nuts und Offset Aliens viel schneller als erwartet und so erreichte ich schon bald den ersten Hängestand. Ich zog meinen kleinen Rucksack mit dem Wasser für den heutigen Tag nach, während Claudia bewies, dass das Training im heimischen Klettergarten nicht umsonst war. Wie eine routinierte Bigwallerin “cleante” sie alle Zwischensicherungen und so entschlossen wir uns weiterzumachen.

SL2 - Einfacher Quergang In der zweiten Seillänge gilt es einen Quergang unter einem horizontalen Dach zu klettern. In dieser Länge spielt es relativ wenig Rolle ob man vorsteigt oder cleant – beide Kletterer müssen alles mit Leiter klettern. Zur dritten Länge gibt es nicht allzu viel zu sagen, aber in der Zwischenzeit durchwühlte ein Bär unseren Haul Bag am Wandfuß. Lebensmittel fand er keine, aber Claudia erschrak als sie sah, dass er ihre neue Daunenjacke aus dem Sack gezogen hatte.

Am dritten Stanplatz wurden wir ziemlich nass vom nahe gelegenen Horsetail Fall, der aufgrund des Regens der letzten Tage natürlich ziemlich viel Wasser führte. Wir hängten die Kletterausrüstung an die Bohrhaken und fixierten das erste Seil für unseren Abstieg. Nach zwei Mal Abseilen erreichten wir den Boden und stellten erleichtert fest, dass Claudias Jacke nicht vom Bären angeknabbert worden war.

Freitag 10. Mai

Beladen mit der gesamten restlichen Ausrüstung wanderten wir am frühen Morgen das dritte Mal in einer knappen Stunde hinauf zum Einstieg. Wir waren froh, dass der Bär unsere gestern deponierten Wasserreserven ignoriert hatte und so packten wir alles in den Haulbag.

Das freibaumelnde aufprusiken (“juggen”) an unseren Fixseilen war zwar ein anstrengender Kaltstart, aber nach ein bisschen mehr als einer halben Stunde standen wir beide am 2. Standplatz. Von hier galt es das erste Mal unser Gepäck hochzuziehen (“haulen”). Zu diesem Zweck wird das Haulbag-Seil in einer Umlenkrolle mit Rücklaufsperre (Petzl ProTraxion) eingelegt und die Last durch sein eigenes Körpergewicht nach oben gezogen. Bei unserer fast 60 kg schweren Ausrüstung musste ich mich zusätzlich von der Wand wegdrücken. Trotz des enormen Gewichts funktionierte das haulen erstaunlich gut – das ist der Vorteil wenn die Route überhängt und der Haulbag deshalb keine Reibung an der Felswand produziert.

Nach einer weiteren Seillänge juggen und haulen erreichten wir den höchsten Punkt von gestern: den 3. Standplatz. Hier verwandelte ich mich wieder in den Christbaum aus Klettermaterial. Diesmal war der “Christbaumschmuck” aber noch schwerer, weil Expressschlingen, Friends usw. nass waren. Ab jetzt hieß es wieder mutig sein, denn wir hatten heute noch 4 Seillängen bis zum ersten Biwakplatz am Stand Nr. 7 zu klettern.

Claudia lowert Haulbag in SL 4 - Photo by Tom Evans Die 4. Seillänge startet mit einer grasigen Rampe in der ich einige Meter frei klettern konnte. Die relativ flache Verschneidungskletterei und die konstante Querung nach links empfanden Claudia und ich beim vor- und nachsteigen als eher unangenehm und erforderte außerdem, dass Claudia unser Gepäck mit einem eigens dafür mitgenommenen Seil vom unteren Standplatz erst in die Falllinie des oberen Standplatzes abseilen (“lowern”) musste, ehe ich es haulen konnte. Diese Prozedur kostet zwar Zeit ist aber notwendig um zu starkes Pendeln und eine eventuelle Beschädigung des Haulbags zu vermeiden.

Die Seillängen 5 und 6 konnte ich zu einer langen Seillänge zusammenhängen. Dazu muss man aber einiges an Material unter sich wieder mitnehmen (“back cleanen”) um zu starke Seilreibung zu verhindern. Für den Vorsteiger eine nervenaufreibende Sache, aber angenehm für Claudia, da sie nicht mehr sehr viel zu cleanen hatte. Die letzten Meter zum Standplatz konnte ich wieder ein paar Meter frei klettern.

Vor der 7. Seillänge hatte ich schon die ganze Zeit Angst: Die A3-Kletterei oberhalb des “Black Towers” gilt als gefährlichste Stelle der Tour, da ein Sturz die meisten Zwischensicherungen aus der Wand reißen würde und man in weiterer Folge unsanft auf besagtem Turm landen könnte. Nachdem ich relativ leicht bis auf die Spitze des Black Towers geklettert war machte ich den ersten Schritt in einen winzigen Haken (RURP) darüber. Es folgten etliche Züge an RURPS, Copperheads, Micro Nuts und meinem ersten selber in den Riss gehämmerten Tomahawk. Um die Dramatik des Augenblicks noch zu steigern ging zeitgleich ein Gewitter nieder und das laute Röhren des Donners begleitete mich bis zum Felsvorsprung (“Ledge”) des heutigen Biwakplatzes. Während ich trocken blieb erwischte Claudia beim Sichern einiges an Regen.

Nachdem Claudia wieder alles perfekt cleante bauten wir unsere Portaledge inklusive Deluxe-Überzelt (“Fly”) zusammen. Die natürliche Ledge ist nämlich nur 60 cm mal 150 cm groß und noch dazu abschüssig. Bald hatten wir es uns im mobilen Zuhause der kommenden Tage bequem gemacht. Da die Schwerkraft jeden Ausrüstungsgegenstand erbarmungslos nach unten saugt ist es wichtig alles irgendwie anhängen zu können. So versahen wir zum Beispiel jede Trinkflasche mit Schnüren und fixierten jeden Schraubverschluss mit einer weiteren Schnur an der Trinkflasche. Claudia hatte sogar ihren Trichter, den sie aufgrund der weiblichen Anatomie benötigte wann immer die Blase drückte, mit einer Sicherungsschlinge versehen. Ja – richtig gelesen: Auch das pinkeln und größere Geschäfte zu tätigen muss geübt sein – schließlich darf und sollte man nicht einfach über die Wand runter schei..’n!

Wir waren zufrieden, dass wir die ersten 7 Seillängen (eigentlich waren’s eh nur 6) gut hinter uns gebracht hatten und nach einem ausgiebigen Abendessen (Vorspeise: Tortilla mit Spam und Käse; Hauptspeise: Jeder eine Doppelpackung Trockennahrung der Firma “Backpackers Pantry”; Nachspeise: Eingelegte Früchte) schliefen wir mindestens gleich gut wie in einem Kingsize Bett in Las Vegas.

Samstag 11. Mai

Zum Frühstück gab es für jeden einen halben Liter trinkbarer Expeditionsnahrung mit Kakao-Geschmack (Peronin), welche uns schon bei vielen Bergtouren gut bekommen war. Danach begannen wir unser Lager abzubauen. Da wir heute in den wirklich steilen, also überhängenden Teil der Route kommen würden, entfernten wir nur das Fly von unserer Portaledge. Die Portaledge selbst ließen wir zusammengesteckt, da wir sie auf jedem Standplatz benötigen würden.

Die achte Seillänge führt einen in den “Grey Circle”, den spektakulärsten Teil der Route. Gleich zu Beginn der Seillänge zog es mich aber zu weit nach links zum Standplatz der Nachbarroute – und das obwohl auf diesen Fehler im Topo extra hingewiesen wird. Dummheit! Nach dem unnötigen Zeitverlust ging es im richtigen Riss weiter – und der hat’s in sich! Meiner Meinung nach war diese Länge eine der schwersten der ganzen Tour, da relativ weite Strecken mit zweifelhaften Zwischensicherungen zurückgelegt werden müssen. Und es ist verdammt steil! Vielleicht war es aber auch nur der morgendliche Kaltstart, der mir Probleme bereitete. Claudia leistete exzellente Arbeit als sie alleine die Portaledge wie eine Fahne an das Haulbag Seil über dem Haulbag montierte (“flagte”). Während sie wieder am fixierten Seil cleante haulte ich alles hoch und montierte die Portaledge am Standplatz. Ohne Portaldge müsste man stundenlang in der leicht überhängenden Wand im Gurt hängen – unerträglich.

Claudia im Grey Circle Seillänge (“pitch”) 9 gilt als beste Länge der Tour. Eine riesige Verschneidung mit feinem Riss zieht sich endlos empor. Ca. 1,5 Stunden und gefühlte 100 Zwischensicherungen Später konnte ich den nächsten Standplatz erreichen. Die Ausgesetztheit ist unbeschreiblich und man ist froh möglichst bald wieder die Portaledge unter sich zu haben.

Der Höhepunkt des Tages war die nächste Seillänge: die berühmte “Nipple Pitch”. Die Felsformation erhielt ihren Namen aufgrund der unverkennbaren Ähnlichkeit mit einer Brust. Bis zur Brustwarze muss man einem feinen Riss ca. 20 Meter nach rechts folgen, welcher sich durch den Verschnitt der senkrechten Wand und dem Vorsprung einer abgelösten Granitschuppe ergibt. Den Ratschlag diese Distanz ausschließlich mit “reverse Cam Hooks” zurückzulegen ignorierte ich aufgrund des bösen Sturzpotentials mit Gefahr eines Pendlers auf die Portaledge und entschloss mich zu einer anderen Taktik. Nach jedem Cam Hook hämmerte ich einen abgeschnittenen Profilhaken (“sawed angle”) senkrecht nach oben in den Riss. Claudia würde mir beim cleanen zwar das Kreuz abfluchen, aber das nahm ich in Kauf. Nahe des Nipples und dem dortigen, erlösenden Bohrhaken verwandelt sich der Riss in einen unguten offwidth. Hier würde ein Camalot Nr. 6 ein paar Zentimeter Raumgewinn bedeuten, wir hatten aber keinen dabei. Ich fasste allen Mut zusammen und kletterte den letzten Meter in Piaz-Technik frei. Der nachfolgende Riss ist auch nicht gerade ganz einfach, aber früher oder später gelangt man zum exponiertesten Biwakplatz der Route.

Nipple Pitch - Klaus an der Brustwarze - Photo by Tom Evans Claudia musste zum Cleanen ebenfalls viel mit reverse Cam Hooks arbeiten und schaffte es alle Haken wieder aus dem Riss zu hämmern. Unvorstellbar, dass diese Seillänge komplett frei geklettert wurde!

Wie durch ein Wunder schaffte ich es alleine das Fly an der Portaledge zu montieren, was uns eine angenehme Biwaknacht sicherstellte.

Sonntag, 12. Mai

Die erste Länge des 4. Klettertages führt durch den Z-förmigen Überhang des “Mark of Zorro”. Der Überhang selbst war aufgrund der soliden Zwischensicherungen für mich recht einfach, der feine Riss danach machte mir mehr Probleme und ich schlug 2 Haken. Claudia beschwerte sich beim cleanen genau gegenteilig, da ihr das extrem überhängende Gelände bei gleichzeitiger Querung nach rechts mehr Schwierigkeiten bereitete. Trotzdem standen wir bald wieder beide auf unserer Ledge am 11. Standplatz.

Seillänge 12 führt an der “Devil’s Brow” vorbei und im Mittelteil über ein paar lose Blöcke. Hier muss man sehr genau aufpassen welche Zwischensicherung man verwendet (ein Friend könnte durch seine Spreizwirkung die falsche Wahl sein…). Claudia hätte beim Cleanen fast einen 10 Kilo Brocken aus der Wand gerissen! Zum Stand gelangt man durch eine Kombination aus Freiklettern und hooken. Man hat auf diese Art zwar lange keine Zwischensicherung, aber die Hooks an der großen Schuppe sind ausgezeichnet (“bomber”).

Seillänge 13 bedeutet viel Arbeit für den Vorsteiger – viel back cleanen – ist aber nicht besonders schwierig. Der Riss hinauf zur “Peanut Ledge” (60 cm mal 180 cm) ist ein wahrer Genuss im Schwierigkeitsgrad C1, was bedeutet, dass alle Cams bomber sind.

Da wir mit der Peanut Ledge schon recht früh unser heutiges Tagesziel erreicht hatten beschloss ich noch die 14. Seillänge für morgen zu fixieren. Diese Länge bereitete mir schon Kopfzerbrechen seitdem ich in der neuen Ausgabe des Kletterführers las, dass man 4 Camalots der Größe 4 und 5 mitnehmen soll. Die anfangs leichte Granitschuppe (ja – man kann sogar ein paar Meter frei klettern) und der schwierigere, nasse, obere Teil können ausschließlich durch diese Cam-Größen abgesichert werden! Da ich nur 3 Cams #4 und einen Cam #5 dabei hatte bedeutete das für mich viel “leap frogging”. Dabei nimmt man (wie beim back cleanen) immer die Sicherung unter einem mit, damit man wieder das richtige Material zur Hand hat. In der Mitte der Seillänge gibt es einen kleinen Rivet, aber ohne Schockabsorber (“screamer”) möchte ich diesen Schrauben nicht zu stark belasten. Ab der Mitte ist der Camalot #4 eigentlich zu klein, hält aber gerade noch (“tipped out”). So gelang es mir meinen 5er Cam vor mir herzuschieben bis man unterhalb des Daches wieder eine andere Cam-Größe verwenden kann. Die letzten Meter unter dem Dach links hinaus zum Stand sind sehr exponiert aber nicht mehr besonders schwer.

Peanut Ledge Ich fixierte unser Haulbag-Seil und Claudia ließ mich am Kletterseil ab, während ich cleante. Als ich den letzten Friend aushängte gab es natürlich eine argen Pendler, der wegen einer relativ scharfen Kante ganz oben ziemlich unheimlich war.

Den letzten Adrenalin-Ausstoß des Tages hatten Claudia und ich als unser Jetboil während dem Wasser kochen plötzlich Flammen warf. Eine ungute Sache, wenn alles, was einem an der Wand festhält, aus brennbarem Nylon ist. Gottseidank konnten wir den Kocher schnell auf die Peanut Ledge werfen und mit einem beherzten Griff ins Feuer das Gasventil abdrehen!

Montag, 13. Mai

Der letzte Tag in der Wand! Nach dem Frühstück bauten wir unsere Portaledge ab – wir würden sie dank kleiner Felsbänder an den Standplätzen nicht mehr brauchen. Bald startete Claudia nach einem luftigen Swing mit dem Aufstieg am fixierten Dyneema-Haulbag-Seil. Zusätzlich sicherte ich sie toprope mit dem Kletterseil – schließlich habe ich die scharfe Kante bei meinem gestrigen Swing nicht vergessen.

Unser Gepäck fixierten wir mit einem Fifi-Hook am Standplatz und nachdem ich ebenfalls über das Fixseil bei Claudia angekommen war konnten wir es so einfach vom Stand wegziehen und haulen.

In Gedanken schon ganz beim Ausstieg erlebte ich in den letzten beiden Seillängen noch so einige Überraschungen. Seillänge 15 erforderte wieder viel back cleaning und Freikletterei, endet aber auf einer großen und bequemen Ledge.

In der letzten Seillänge verließ mich knappe 10 m unter dem Ausstieg die Geduld und ich hämmerte einen großen Beak (Black Diamond Pecker) und einen Copperhead mit aller Kraft in einen feinen Riss. Diese beiden Zwischensicherungen sollten die einzigen Spuren sein, welche wir in der Wand hinterließen. Nachdem ich mich aus dem letzten Überhang mit einem Zug über die Kante in die horizontale Welt beförderte konnte ich mir einen lauten Glücksschrei nicht verkneifen. Claudia cleante, inzwischen routiniert, die Seillänge. Unglaublich, dass sie all die vielen Haken, Friends und Stopper die ich bis hier her gelegt hatte entfernen konnte!

Ich baute am Baum hinter dem Ausstieg einen Manschaftsflaschenzug und konnte so unser Gepäck rasch über die relativ flache letzte Länge befördern. Kurz nach Mittag hatte es auch Claudia geschafft und wir fielen uns glücklich in die Arme. Wie sehr hatte ich doch anfangs am Erfolg unser “Expedition” gezweifelt!? Umso größer war jetzt natürlich die Freude darüber, dass eigentlich alles “wie am Schnürchen” verlief.

Gipfelfoto mit Half Dome Peter, ein routinierter Bigwaller, besuchte uns am Ausstieg und half in weiterer Folge bei der Wegfindung am Marsch nach unten. Die Website von ihm und seiner Frau war uns eine große Hilfe! Der Abstieg über die East Ledges ist anstrengend und gefährlich – vor allem wegen dem vielen Gepäck.

Wir mussten noch 3 Mal an fixierten Statikseilen abseilen und dann noch einmal mit dem eigenen. Nach 3 Stunden chauffierte uns Peter zurück zu unserem Leihauto, welches wir bei der Brücke geparkt hatten. Der Tag endete nach einer Dusche und einer riesigen Pizza mit viel Bier und Whisky um 2 Uhr Nachts im Camp 4.

Großer Dank gebührt Tom Evans – dem Fotografen auf der Brücke der El Cap Meadows. Er machte viele beeindruckende Bilder in Profi-Qualität von uns, welche weit mehr Geld wert sind, als er dafür verlangt! Dementsprechend sollte man ihn auch entlohnen! Thank you very much Tom Evans! Tipp: Tom veröffentlicht täglich einen Report über die Kletterer am ElCapitan: www.elcapreport.com

Tipps für Wiederholer:

Das “Supertopo” von Chris McNamara ist sehr gut! Wir haben alle seine Tipps befolgt und würden es wieder so machen.

Material:

  • 3 Set Camalots C4 bis zur Größe 4
  • 1 Camalot Nr. 5, würde das nächste Mal sicher 2 davon mitnehmen und evtl. auch einen Nr. 6.
  • Ein Set Black Diamond Camalot C3
  • Aliens Schwarz, Blau und Grün
  • Offset Aliens bis zur Größe Rot/Gelb
  • 2 Sets HB Offset Micro Nuts
  • 1 Set HB Offset Nuts (normale Größen)
  • 3 Beaks
  • 10 Rivet Hangers
  • Ein paar Copperheads
  • Abgeschnittene Profilhaken (“sawed off angles”): siehe Angaben von McNamara
  • Ein paar Knifeblades.
  • Cam Hooks!!! Vielleicht wichtigster Ausrüstungsgegenstand! Alle Größen von Leeper und die beiden mittleren Größen doppelt. Der schwarze Leeper Cam Hook war ständig in Verwendung und ein dritter extra für den Nachsteiger wäre auch kein Luxus.
  • Normale Hooks: Hatte 6 Stück dabei und habe alle verwendet. Unbedingt auch zwei sehr große Hooks für die Schuppen.

Verwitterter Granit, zerschundene Hände, zerquetschte Fußballen, abgenützte Friends… ein heftiger Umstieg vom ergonomisch geformten, feinkörnig und kantengerundeten Red Rocks Sandstein! Aber: Geil waren sie, die zwei Tage in Joshua Tree!
Jede Route aufzuzählen, an denen wir unsere spärlich vorhandenen Risskletterkünste strapazierten wäre zu aufwendig, deshalb sollen an dieser Stelle nur die Highlights genannt werden:
Zwei ausgesetzte Routen an der Kante des sogenannten Headstone Rocks boten die Möglichkeit uns zumindest am Foto als high-end J-Tree Kletterer darzustellen. Neben einer halb gebolteten 5.10b am Cyclops Rock konnte ich einen cleanen 5.9 Riss am Tumbling Rainbow Rock für mich verbuchen. Nachdem wir uns die traumhaften 40 m der “Flake” (5.8) am Intersection Rock, inklusive Kamin-Einstieg und Slab-Ausstieg, gönnten, wagte sich Claudia nach abgeschlossener Granit-Kennenlernphase einen cleanen Handriss im Vorstieg hinauf!  Ich beendete die Kletterei mit einem Besuch der Space Station – einer kleinen Höhle mit tollem Ausblick.
Besonders erwähnenswert sind die chilligen Campgrounds, wie in unserem Fall jener des ‘Hidden Valley”: zwar bieten sie wenig Luxus (nicht einmal fließendes Wasser), aber dafür jede Menge Platz und Zeltplätze am Einstieg von Kletterrouten.
Laut Wetterbericht soll es dieser Tage sogar Neuschnee im Yosemite Valley geben. Auch hier in Joshua Tree ist es dank steifer Brise gerade richtig kalt. Trotzdem werden wir morgen in Richtung El Capitan, Half Dome und co aufbrechen, in der Hoffnung unsere Portaledge ihrer Bestimmung zu zuführen.

Die erste Urlaubswoche ist vorbei, Zeit für eine Zwischenbilanz!
Viva las Vegas! 5 Klettertage im genialen Sandstein der Red Rocks am Rand der Sin City haben deutliche Spuren an unseren Händen hinterlassen… Neben den insgesamt 42 gekletterten Seillängen erlebten wir noch andere Abenteuer – aber nun der Reihe nach:

Sonntag 28. April
Als erste Route wählten wir (auf Empfehlung von Lucky) die Dark Shadows am sogenannten Mescalito im Pine Creek Canyon (5.8, 10 SL). Da die Route sehr beliebt ist mussten wir am Einstieg ein Weilchen warten. Nach der vierten SL seilen aber die meisten Kletterer ab, obwohl der schönste Teil der Route unserer Meinung erst hier beginnt. Am vorletzten Standplatz holten wir zwei Locals ein, welche Klaus nach dem Abstieg befragte, schließlich hatten wir uns darüber noch gar keine Gedanken gemacht. Als Jason (Polizist und Bergretter) erfuhr, dass ich ebenfalls Bergretter bin, verriet er uns, dass sie wahrscheinlich via Helikopter absteigen werden – immerhin besitzt der lokale Bergrettungsdienst 3 (!) eigene Hubschrauber die auch mal bewegt werden müssen.
Am Ende der Route angelangt fragte mich Jason, ob Claudia innerhalb der nächsten halben Stunde ebenfalls die letzte Seillänge beenden würde. Ich ahnte schon was diese Frage bedeuten könnte und tatsächlich: der beste Abstieg aller Zeiten wartete in Form eines kurzen aber spektakulären Heliflugs auf uns.
Ohne Türen und mit den Beinen auf dem Trittbrett gings mit der winzigen Maschine direkt hinunter zum Auto. Wir haben also noch immer keine Ahnung wie der reguläre Abstieg verläuft…
Zum Einstieg mussten wir dann trotzdem nochmal zurück um den Rucksack zu holen, die gesparte Zeit investierten wir in ein kurzes Bad in einem natürlichen Pool am Wandfuß.

Montag, 29. April
Tunnel Vision im Gebiet White Rock (5.7+, 6SL)
Wir konnten die Route komplett in Wechselführung klettern, wobei Claudia ihre ersten vollständig cleanen (also alle Zwischensicherungen  und der Standplatz müssen selber gelegt werden) absolvierte. Der Routenname leitet sich von der 5. SL ab, welche fast vollständig durch eine Höhle verläuft. In Erinnerung bleibt mir die Route aber wohl eher durch den Offwidth der 3. SL. Große Cams bis zum Camalot #6 sind sehr nützlich.

Dienstag, 30. April
Chrimson Crysalis (5.8+, 9 SL)
Die, wie ich finde, schönste Route der Welt lockte mich bereits das dritte Mal! Ein Set Camalots bis zur #4 und die Größen #0.5 bis #1 doppelt, sowie ein blauer Alien erwiesen sich als optimales Rack. Lange, anstrengende Route, über die abgeseilt werden muss!

Mittwoch, 1. Mai
Ruhetag. Sightseeing Hoover Dam, Lake Mead und die grandiose Cirque du Soleil Show “Kà” im MGM Grand.

Donnerstag, 2. Mai
Claudia war scharf auf mehr cleanes Vorstiegsklettern. Die ideale Location dafür bietet Willow Springs, genauer gesagt die Ragged Edges Area. Hier finden sich zahlreiche 1 SL Routen mit moderaten Schwierigkeiten mit sehr wenig bis gar keinen Bohrhaken, welche den sicheren Umgang mit Friends und Keilen erfordern. Unsere Ausbeute:
Crooked Crack, Diplomatic Immunity, Ok Ok Ok, Lethal Weapon, Dense Dunce, Ragged Edges.
Am Abend besuchten wir ein Kletterfest im Örtchen Blue Diamond, bei dem die lokal berühmten Erschließer Jorge und Joanne Urioste (kletterer der ersten Stunde der Red Rocks) alte Dias zeigten. Claudia und ich fühlten sich nun auch schon ein bisschen wie Locals, schließlich kannten wir ja von unserem Hubschrauberflug auch schon ein paar Leute.

Freitag, 3. Mai
Ein ungeplant langer Tag, welcher beinahe in einem Biwak geendet hätte! Eigentlich wolten wir die Route Dream of Wild Turkeys  im Black Velvet canyon gehen, doch der starke Andrang durch eine japanische und eine italienische Seilschaft zwang uns Planwechsel. Eine Alternative war schnell gefunden: Die Route Refried Brains (5.9, 8 SL + 1000 ft 4th class) im linken Wandbereich. Wir starteten um 10:30 und erreichten den Gipfel (Black Velvet Peak) um 17:30. Die ersten 4SL waren sehr steil, wobei mich besonders der Fingerriss am Ende der 2. SL viele Nerven kostete! Der Abstieg dauerte dann auch noch 2 Stunden, weshalb wir pünktlich bei Einbruch der Nacht das Auto erreichten.
Apropos Locals: die letzten Meter zum Auto trafen wir “die Uriostes”, die Erstbegeher der heutigen Route und unzähliger anderer, wie z.b. der Chrimson Crysalis. Sie wiesen uns bei einem netten Hoangascht den besten Weg zum Auto.

Samstag, 4. Mai
Aufgrund des wechselhaften Wetters im Yosemite Valley entschlossen wir uns zu einem Zwischenstop in Joshua Tree. Morgen werden wir das erste Mal Hand am Granit anlegen.

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