Archiv für die Kategorie „Skitouren“

Wer bei den derzeitigen Temperaturen noch guten Schnee genießen möchte muss sich in higher-grounds begeben! Oberhalb von 3000 Meter findet man noch Pulverschnee. Da der Weg nach Obergurgl bekanntlich nicht der kürzeste ist und der Wetterbericht für Samstag und Sonntag wolkenloses Wetter vorhersagte kam meiner Mutter die Idee eine Nacht auf der Langtalereckhütte zu verbringen.

Am Samstag nutzten Claudia und ich unser Freizeitticket und starteten die Tour zum Eiskögele via Hohe Mut Seilbahn – „parasitärer Alpinismus“ würde ein bekannter südtiroler Bergsteiger da wohl sagen… Meine Eltern erarbeiteten sich jeden Höhenmeter auf die ehrliche Art und schließlich stiegen wir gemeinsam über den schönen Grat hinauf zum Gipfel.

Nach einer klaustrophobischen Nacht auf der Hütte machten wir uns gegen 9 Uhr auf in Richtung Schalfkogel. Nach der kurzen Abfahrt von der Hütte ging’s bei ebenfalls beengten Platzverhältnissen durch die Bachschlucht. An deren Ende kommt ein Highlight der Tour: durch ein spektakuläres Gletschertor gelangt man in ein Amphitheater aus Eis. Der Weitermarsch über den flachen Gurgler Ferner lässt einem Zeit zum Meditieren, ehe es wieder richtig steil wird. Über felsdurchsetztes Gelände quert man hinauf zum Kleinleitenferner. Viele Spitzkehren später erreicht man das Schalfjoch und damit den Südgrat hinauf zum Gipfel des Schalfkogels.

Von hier an heißt es Ski tragen wenn man, so wie wir, vor hat über den oberen Gletscher (zwischen Schalfkogel und Firmisanschneid) abzufahren. Vom Gipfel des 13. höchsten Berges Österreichs muss man in weiterer Folge ein paar Meter über den Nordgrat absteigen um unschwierig auf den Gletscher zu gelangen.

Erst zwei Spuren zogen sich vor uns durch den (fast) perfekten Schnee. Nach unzähligen Schwüngen auf dem großen Gletscher hieß es schließlich einen guten Weg durch das steile und felsige Gelände hinab zum Gurgler Ferner zu finden. Stürzen ist bei den Querungen oberhalb der Felsbänder und Hangneigungen von 45° oder mehr nicht erlaubt!

Der weitere Heimweg erfordert dann nochmals einige Höhenmeter im Aufstieg: Zurück zur Langtalereckhütte und Schönwieshütte nach Obergurgl.

Tipps für Wiederholer:

  • Man kann derzeit durch das Gletschertor und das Amphitheater gehen und dieses auf orografisch linker Seite Richtung Schalfkogel verlassen. (Man muss also nicht wieder Retour zur eigentlichen Aufstiegsspur)
  • Schlüsselstelle der Tour ist die Abfahrt vom oberen Gletscherfeld hinab zum Gurgler Ferner. Beim Aufstieg die Abfahrt zwischen den Felsen gut einprägen und nur bei guter Sicht hier abfahren.

Durch eine sagenhafte Verkettung glücklicher Umstände konnten Andi und ich einen grandiosen Tag im Karwendel verbringen. Dazu gehören:

  • Schönes Wetter am Wochenende
  • Schlechtes Wetter an den Tagen davor
  • Herrlicher Neuschnee
  • Niedere Lawinengefahr
  • Richtiges Timing

Hat man jetzt noch einen tollen Skipartner steht einem unvergesslichen Abenteuer im Karwendel nichts mehr entgegen!

Die Tour im Detail:

Mit der zweiten Gondel ging’s hinauf auf das Hafelekar und von dort in 10 Minuten auf den Gipfel der  Hafelekarspitze. Wir staunten nicht schlecht als wir sahen, dass die steile Rinne, welche direkt vom Gipfel Richtung NO zieht, noch unbefahren war. Die anderen Skitourengeher bevorzugten die Abfahrt von der Scharte (Punkt 2272 AV-Karte), weshalb sich Andi als erster in die etwa 45 Grad steile Rinne stürzen durfte! Anschließend ging es über kupiertes Gelände mit herrlichem Pulver weiter durch das Hafelekar ins Grubach.

Es folgte der erste Aufstieg des heutigen Tages über den breiten Rücken des Niederbrandjochs bis zum Gleirschtaler Brandjoch. Vor dem Gipfel gilt es ein kurzes, aber ausgesetztes Gratstück zu überwinden. Als ich sah, dass eine weitere Skitourengruppe direkt von Westen her über eine Rinne auf das Brandjoch aufstieg hieß es Gas geben – schließlich galt es wieder als erste durch die Rinne Richtung Pfeishütte abzufahren. Der schnelle Aufstieg zahlte sich aus: Dieses mal war ich es, der die ersten Turns in den Tiefschnee ziehen durfte!

Da südseitige Hänge schon etwas von der Sonne in Mitleidenschaft gezogen waren entschlossen wir uns kurzerhand nicht, wie ursprünglich geplant, über die Arzler Scharte abzufahren, sondern  über das Stempeljoch ins Halltal zu fahren. Diese Entscheidung stellte sich als Volltreffer heraus: Zu unserem Erstaunen (ja, schon wieder) waren bis jetzt maximal 5 Personen vom Stempeljoch abgefahren, was uns die dritte perfekte Abfahrt erlaubte.

Völlig begeistert von den Verhältnissen stiegen wir zu guter Letzt ein Stück Richtung Wildanger Spitze auf um einen finalen Powder-Hang hinab zu den Herrenhäusern genießen zu können.

Danke an Andi für den Anruf am Vorabend und den unvergesslichen Tag im Tiefschnee! Vielen Dank auch an Claudia und Michi, die uns in Absam abholten und mit uns dieses Erlebnis feierten!

Tipps:

  • Von mir aufgezeichneter GPS-Track als GoogleEarth-File: DOWNLOAD (KML) – rechts Klick – „Ziel speichern unter“
  • Ich würde die Tour nur bei Lawinenstufe 2 oder weniger machen!
  • Trotz niederer Lawinenstufe wegen der steilen Abfahrten jeden Hang kritisch beurteilen!
  • Die Aufstiege sind skitechnisch einfach, das kurze Gratstück vor dem Gleirschtaler Brandjoch erfordert aber Trittsicherheit!

Lange haben Lucky und ich gestern darüber beratschlagt, ob wir denn nun eisklettern oder auf Skitour gehen sollen. Der Wetterbericht sah ja nicht besonders rosig aus und auch am Morgen waren wir nicht überzeugt, ob die Sicht ausreichend sein wird. Anruf Lucky 8:00 :“Glaubst‘ wir finden die Seespitze heute überhaupt?“. Optimistisch (und zusätzlich mit GPS bewaffnet)  wollten wir dieser Frage auf den Grund gehen…

Mit der Standseilbahn ging es bequem bis auf den Hoadl. Die erste Abfahrt hinunter zur Kemater Alm war eher endtäuschend: scheinbar hatte die starke Sonneneinstrahlung gestern ganze Arbeit geleistet – Bruchharsch! Aber wenigstens war sie Sicht besser als erwartet.

Eine Aufstiegsspur führte uns direkt zum Beginn des großen NW-Hanges hinauf zur Seespitze. Hier endete die Spur aber und die Sicht betrug mittlerweile nur noch wenige Meter. Motiviert durch den perfekten Schnee und der entspannten Lawinensituation entschlossen wir uns weiterzugehen – gottseidank!

Bis zum Skidepot kämpften wir uns durch den dichten Nebel. Beim weiteren Aufstieg zum Gipfel begann es dann zum ersten mal aufzuklaren. Tolle, mystische Kalkkögelansichten Richtung Riepenwand. Das Glück war auf unserer Seite, denn das Wetter besserte sich kontinuierlich bis wir wieder zurück bei den Ski waren. Und was danach kam war vielleicht die beste Abfahrt des Winters: Endlose, unberührte Tiefschneehänge! Happy und heiser von den unzähligen Jubelschreien fuhren wir (ohne die Ski abschnallen zu müssen) bis zur Bushaltestelle in Axams.

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