Archiv für die Kategorie „Kombinierte Touren“

Der höchste Berg Österreichs bekommt Besuch aus Aspersdorf im Weinviertel! Wenn die Familie Patschka und die Familie Pietersteiner miteinander „in die Berg‘ geht“ dann muss es auch ein standesgemäßes Ziel sein. Daher war uns bei der Tourenwahl das Höchste gerade gut genug und wir entschlossen uns für den Normalweg auf den steinernen Stolz unserer Nation.

Bei idealen Verhältnissen – nicht zu warm, nicht zu kalt – genossen wir einen herrlichen Tag in der dünnen Luft auf 3.798 m. Gratulation an Herbert und Michaela, welche trotz erstmaliger Steigeisen-Benützung in beeindruckendem Tempo alle anderen Seilschaften „stehen ließen“ und sich nun das Musikvideo vom Fendrich ganz entspannt ansehen können..!

„Aiguille“ (franz. „die Nadel“) – diesem Namen wird wohl kein Gipfel mehr gerecht als die patriotischste aller französischen Felsspitzen. Die Aiguille de la République mag zwar, was ihre Höhe Betrifft, kein herausragender Gipfel in Chamonix sein, das macht der kühne Zacken am NO-Grat der benachbarten Grands Charmoz aber locker durch seine Ästhetik wett.

Wie die meisten Routen in Chamonix ist auch der Normalweg auf die „République“ nicht gerade ein Nachmittagsspaziergang. Die allermeisten Bergsteiger schlafen deshalb in der Refuge de l’Envers des Aiguilles und steigen dann am zweiten Tag früh morgens in die Route ein.
Aufgrund der ungewöhnlichen Temperaturen entschlossen wir uns aber für eine andere Variante: Wir stiegen gleich am ersten Tag in die Route ein und biwakierten auf der „grande terrasse“ (ca. 8 Seillängen im Fels).
Zugegebenermaßen fällt der Rucksack für eine halbwegs angenehme Biwaknacht etwas größer aus, dafür tauscht man aber ein stickiges Bettenlager gegen ein grandioses Freiluftkino mit Verte, Grandes Jorasses und Dent du Géant in den Hauptrollen.
Die Tour im Detail:
Mit der Zahnradbahn hinauf nach Montenvers. Von dort dem Weg zu den immer länger werdenden Leitern hinab zum Mer de Glace folgen. Es gibt mehrere Leitern nebeneinander, gerade am Morgen ist das sehr praktisch da sich weniger Staus bilden. Theoretisch könnte man an etlichen Bohrhaken zusätzlich mit Seil sichern, aber die Leitern sind in einem sehr guten Zustand weshalb eigentlich alle ungesichert abklettern.

Danach gilt es einen geeigneten Punkt zu finden um auf das Gletschereis zu gelangen. Für gewöhnlich gibt es hier zahlreiche Steinmännchen. Am Gletscher selbst geht es sich am Morgen auch ohne Steigeisen recht gut etwas orografisch links der Gletschermitte. Hier gibt es genug Schutt für guten Grip. Beim Abstieg am Nachmittag machten wir die Erfahrung, dass die orografisch rechte Seite (schuttfrei) besser ist, weil das Eis durch die Tageswärme dann nicht mehr rutschig ist und es hier auch weniger Spalten zu umgehen gilt.

Noch bevor der Gletscher deutlich steiler wird und zu einer Rechtskurve ansetzt sieht man rechts (in Gehrichtung) relativ hoch oben eine deutliche rote Markierung mit gelbem Pfeil. Ungefähr in Falllinie darunter beginnt eine schier endlose Stahlleiter-Serie die auf die Terrasse oberhalb des Mer de Glace führt.
Will man, so wie wir, direkt zum Einstieg der Route und nicht zum Refuge l’Envers, kann man den Steig an geeigneter Stelle verlassen und relativ problemlos in Richtung des kleinen Glacier de Trélaporte aufsteigen. Man erkennt sehr bald den Fels-Einstieg zwischen Tour Rouge und Pointe Élisabeth bzw. den Bergschrund direkt davor.

Mit Steigeisen über den nach oben hin steiler werdenden Mini-Gletscher und eine geeignete Stelle suchen um den Bergschrund zu überwinden. Bei uns waren es zwei große Spalten, die erste konnten wir im linken Bereich (orografisch rechts) überwinden, danach quert man quasi in der zweiten Spalte zurück nach rechts (orografisch links). Nach einer relativ steilen abermaligen Querung oberhalb der Spalte steht man schließlich an der Randkluft vor einem unbequem kleinen Felsabsatz. Mit einem beherzten Schritt dorthin steigen und von dort einem logischen Rampensystem linkshaltend folgen.

Im Fels finden sich immer wieder Abseilschlingen die als Standplatz perfekt sind. Die Kletterei besteht meistens aus kurzen steileren Aufschwüngen und leichtem Gelände dazwischen. Die beiden Seillängen die schließlich zu unserem Biwakplatz führten folgen einer markanten und recht steilen Rissverschneidung, mit einem großen Klemmblock am oberen Ende, welcher in Kletterrichtung rechts überwunden werden muss. Nach dem Klemmblock in einer großen, etwas brüchigen Verschneidung hinauf und dann links auf das System größerer Bänder aussteigen. Bald erreicht man einen genialen Biwakplatz, der für mindestens 6 Personen geeignet wäre.

Vom Biwakplatz leitet eine abschüssige Rampe in Richtung des riesigen Felskessels oberhalb der Tour Rouge. Hier gab es bei unserer Begehung noch ein paar Überreste eines Schneefeldes und folglich auch fließendes Wasser. Wir richteten uns ein 30m langes Fixseil zwischen Biwakplatz und dem kleinen Gerinne ein und genossen so den unerwarteten Wasserreichtum. Um wieviel leichter unsere Rucksäcke beim Zustieg nur hätten sein können…

Um 4 Uhr morgens ging es dann am nächsten Tag weiter. Im riesigen Felskessel kann man sich in der Dunkelheit schon etwas verlaufen, aber irgendwie drängt es einen dann immer wieder zurück in die richtige Linie. Tendenziell sollte man sich unten in Kletterrichtung links und weiter oben dann rechts halten. Schließlich gelangt man zu einer Art Felsrippe welche die zwei großen Couloirs trennt. Dieser Rippe relativ weit hinauf folgen und schließlich im Bereich eines kleinen Kamins hinter abstehenden Felsschuppen zu einem kleinen Absatz abseilen. Nun sollte man in der großen Verschneidung stehen welche hinaufzieht zur Scharte zwischen Grands Charmoz und Aiguille de la République.

In unerwartet anspruchsvoller Wandkletterei hinauf in Richtung Scharte und über Schutt und Felsstufen zu einem deutlich sichtbaren Standplatz (Seilrest). Nun etwas unübersichtlich rechts haltend durch ein tiefe, kaminartige Verschneidung hinauf zum sogenannten Obélisque – einem nicht zu verkennenden Hinkelstein (siehe Foto). Wir sind außen am Obelisk vorbei, über ein Band weiter nach rechts und über eine sehr steile 5m Rissverschneidung hinauf die dann zu einer spektakulären Querung nach rechts über ein 30cm breites Felsband führt. Exponierter Stand direkt an der Kante.

Von hier wird die Kletterei deutlich schwieriger, dafür stecken recht gute Normalhaken und Friends finden auch immer einen passenden Riss. Im Großen und Ganzen immer der Kante (oder etwas rechts davon) folgen bis man eine große ebene Fläche mit freier Sicht auf den Gipfelaufbau erreicht. Hier gibt es, etwas versteckt links unterhalb der Kante einen neuen Bohrhaken-Abseilstand. Dieser Abseilstand erlaubt einen genialen 50 m Abseiler exakt hinunter zum Obelisk ohne Gefahr dass sich das Seil verhängt.

In einer langen Seillänge (Seilzug!) links an einem Grattürmchen vorbei und über exponiertes, abschüssiges Blockwerk nach rechts querend zum Beginn der Gipfelplatte. Über Bohrhaken hinauf auf den unglaublich ausgesetzten Gipfel der Aiguilles de la République. Aus Zeitgründen ließ mich Claudia gleich wieder ab bis zum Standplatz vor der blockigen Querung und sie kletterte die letzte Seillänge Toprope. Wir kletterten die eine Seillänge zurück bis aufs große Plateau – denn der abzugssichere Abseilstand gefiel mir besser als gleich drüben unterhalb des Gipfels abzuseilen.

Unser Abstieg verlief äußerst unproblematisch: Claudia ließ mich an fixen Schlingen 20-25-mal passiv ab und seilte sich dann zu mir ab. Die Abseilschlingen sind meist 50 m voneinander entfernt und lassen sich recht gut finden. Fast alle dieser Schlingen sind mit einem Kettenglied aus Stahl ausgerüstet. Oberhalb unseres Biwakplatzes sollte man sich beim Abstieg orografisch links halten und kann dann fast senkrecht genau zum Biwakplatz abseilen.

Ganz zum Schluss quert man nicht hinüber Richtung Bergschrund sondern man folgt den Abseilstellen in Fallrichtung (République Bananiére). Mit ca. 4 äußerst luftigen (z.T. freihängenden) Abseilern gelangt man direkt hinunter zum Glacier de Trélaporte.

Es folgte der leiternreiche Abstieg/Aufstieg nach Montenvers und die Gewissheit die letzte Zahnradbahn um 30 Minuten verpasst zu haben. Weitere genussreiche 2 Stunden am Wanderweg später kamen wir schließlich erschöpft aber glücklich in Chamonix an.

Da es uns in Südfrankreich endgültig zu heiß wurde und die ohnehin abgespeckten Griffe in den Klettergärten im Gebiet der Ardèche schlichtweg nicht mehr zu halten waren, beschlossen wir nach Chamonix zu flüchten. Am Fuß der höchsten Berge Mitteleuropas muss es doch angenehm kühl sein! Irrtum – die Hitzewelle hatte auch die Hochburg des Alpinismus mit 35 Grad im Schatten erreicht. An Couloirs oder kombinierte Wandklettereien war aufgrund der prekären Stein- und Eisschlaggefahr daher nicht zu denken – da bietet sich doch ein objektiv sicherer Grat an.

Claudia und ich staunten nicht schlecht, als bereits am frühen Morgen in der Bergstation der Aiguille du Midi aus jeder Kluft Wasser tropfte und das Thermometer bereits über 10 Grad anzeigte… auf über 3.800m (!). Harter Schnee? Fehlanzeige! Von Beginn an hieß es im „Sumpf“ zu stapfen, die Jacke hatten wir schon längst ausgezogen und wir gingen auch in den schattigen Abschnitten kurzärmlig weiter. Die anspruchsvollsten Passagen sind die schattseitigen Querungen, welche unangenehm ausgeapert sind. Am Rognon du Plan wurde es uns dann (schon wieder) endgültig zu heiß und wir traten den Rückweg an.

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