Archiv für die Kategorie „Kombinierte Touren“

Bei traumhaften Wetter konnten Lukas und ich ein Projekt erfolgreich abschließen: den Nordturm in den Kalkkögeln im Winter zu besteigen.

Mit den Ski am Rücken startete die Tour am Hoadlsattel in Richtung Hochtennboden. Von hier traversierten wir bis zum Beginn der schmalen Rinne welche zur Scharte nordöstlich des Nordturms hinaufzieht. Nach einem felsdurchsetzten Start kommt man im Mittelteil der Rinne recht flott mit angeschnallten Ski und vielen Spitzkehren weiter. Ganz oben wird es dann nochmal felsig und schmal. Ein bedrohliches WUMM-Geräusch erinnerte uns hier auch an die potentielle Lawinengefahr durch kammnah abgelagerten Triebschnee…

Neben dem Grattürmchen, mit der Erinnerungstafel für zwei in den 30er Jahren abgestürzte Bergsteiger, startet die Klettertour: Es gilt eine ca. 5 m hohe senkrechte Wandstelle zu überwinden, bevor man im tiefen Schnee bis zu einem Fixseil stapft. Ich entschied mich das schmale Band, an dem das Fixseil mit 2 Normalhaken montiert ist, weiter links zu erklettern. Die anschließende Querung nach rechts auf allen Vieren ist, aufgrund des äußerst schmalen Bandes unterhalb eines Daches, alles andere als einfach! Zumindest für den Nachsteiger ist ein Aufstieg am hinunter hängenden Fixseil deutlich leichter. Das Band wird in weiterer Folge wieder wieder breiter und man gelangt relativ einfach bis zu einem Steinmännchen auf der NW-Seite des Nordturms.

Von hier kletterten wir über eine 7 m hohe Wandstelle steil bis zum nächsten Schneefeld. Etwas weiter rechts könnte man bis hierher, vermutlich ein bisschen einfacher, in einer kaminartigen Verschneidung hochklettern. Unterhalb einer auffälligen Erinnerungstafel gibt es einen guten Standplatz an 2 Normalhaken.

Die letzte Seillänge startet mit einer steilen Wandstelle. Eine Köpfelschlinge gleich zu Beginn beruhigt etwas. Nicht zu weit nach links klettern – dort ist es sehr brüchig. Mir gelang es einen relativ guten Profilhaken (“Bong”) zu setzen, ehe ich mit dem Ausstiegskamin einfacheres Gelände erreichte. Am Gipfel entweder an den 2 Normalhaken, oder besser, an den 2 Felsköpfen bei den Überresten des “Gipfelkreuzes” Stand machen.

Wir seilten uns über den steilen Millerriss ab. Vorsicht: beim ersten Abseiler bleibt der Knoten gerne hängen! Mit einem zweiten 60m Abseiler gelangt man zurück bis zum Einstieg.

Am späten Nachmittag fuhren wir schließlich durch die Rinne durch die wir aufgestiegen sind hinab Richtung Kemater Alm.

Tipps und Tricks:

Topo Nordturm Normalweg downloaden!

 

Kurz nachdem wir den Gipfel des Hochalters mit dem Ziel Irzwände in Richtung Westen verlassen hatten wurde uns folgendes klar: Wenn wir die kommende Nacht nicht auf dem extrem anspruchsvollen Grat verbringen wollen, dann muss ein Ersatzziel her! Zurück bei der Wetterstation am Hochalter stach uns deshalb der deutlich leichter anmutende Grat hinüber zum Mugkogel ins Auge.

Schon bald belohnt einen der Mugkogel Westgrat mit exponierten Stellen und beeindruckend steilen Tiefblicken Richtung Norden. Am Fuß eines markanten Gratturmes findet sich ein Normalhaken mit Seilschlinge. Erst zu spät bemerkte ich auch den Standplatz auf der Spitze des Gratturms – ich schätze die Kletterei hinauf zur Turmspitze liegt irgendwo im 4. Schwierigkeitsgrat. Claudia und ich verzichteten auf den Turm der leicht auf seiner Südseite umgangen werden kann. Gleich dahinter erwartete uns aber eine ca. 15-20 m hohe Wandstelle, welche die Schlüsselstelle unserer Tour darstellte. Genau an der schwersten Stelle kann man einen perfekten Friend (Camalot 0,75 – grün) und gleich dahinter noch einen zweiten (Camalot 0,5 – violett) legen.

Nach dieser Steilstufe bewegt man sich direkt am Grat, welcher mit Köpfelschlingen recht gut zum absichern ist. Vorsicht gebietet die mäßige Felsqualität – beim balancieren am unerwartet ausgesetzten Grat sollte man immer mit losen Steinen und Blöcken rechnen. Dafür war der Grat bei unserer Begehung meist gar nicht überwechtet. Bald wird das Gelände wieder einfacher und man erreicht schnell das kleine Steinmännchen am Gipfel.

Wir stiegen mehr oder weniger in Falllinie vom Gipfel Richtung Süden ab. Dieser Abstieg ist aber nur bei entsprechend sicherer Lawinensituation bzw. bei quasi aperen Verhältnissen zu empfehlen. Eine Rinne führt einen hinunter zu einem präparierten Weg.

Resümee:

Zugegeben – von Kühtai aus sieht der Grat nicht besonders spektakulär aus, aber vor Ort überrascht er mit teilweise richtig ausgesetzten Passagen und netten Kletterstellen. Die einfache Erreichbarkeit mittels Seilbahn und der schnelle Abstieg über die Südflanke entschädigen auch für die teils schlechte Felsqualität. Alles in allem ein lohnendes, nicht allzu ernstes Unterfangen mit herrlichem Ausblick auf die beliebten Skitourenberge in der Umgebung.

Tipps für Wiederholer:

Bei uns lag fast kein Schnee, aber auch in schneereicheren Wintern ist der Hochalter von der Bergstation der gleichnamigen Seilbahn meist halbwegs gut ohne Ski zu erreichen.

Ein Set Camalots bis zur Größe 2 (gelb) und ein paar Klemmkeile sind für die Kletterstellen kein Luxus. Ansonsten reichen ein paar lange Bandschlingen für die Felsköpfe.

Die Angaben im Alpenvereinsführer von Walter Klier (II, 1/2 Stunde) finde ich untertrieben. Die Schlüsselstelle würde ich mindestens mit III+ bewerten, aber vielleicht kann man diese auch südseitig umgehen.

 

Die Hitzewelle lässt einem ja gar keine andere Wahl, als sich in das kühlere Hochgebirge zu begeben. Deshalb holte mich Claudia direkt von einer Woche Bergrettungs-Grundkurs im Jamtal ab um zusammen zu den höchsten Bergen der Ostalpen zu fahren.
Der Ostpfeiler des Piz Palü ist eine der schönsten Hochtouren dieses Schwierigkeitsgrades überhaupt und ist es deshalb Wert ihn nicht nur einmal zu machen. Ich selbst hatte nun schon das zweite Mal das Vergnügen. Weitere Faktoren, welche diese Route zur absoluten Genusstour machen sind der bequeme Zu- und Abstieg mittels Seilbahn, das unglaublich schöne Abendrot-Panorama von der Diavolezza-Terrasse, sowie das 5 Gänge Menü welches in der Halbpension inbegriffen ist. Da können einen nicht mal mehr die unverschämt hohen Getränkepreise (10 Euro für 1 Liter Mineralwasser) die Euphorie und Vorfreude auf den bevorstehenden Tourentag vermiesen!

Gegen 5 Uhr früh (und somit wiedermal als letzte) brachen Claudia und ich Richtung Gletscher auf. Natürlich war alles perfekt gespurt weshalb wir schnell an der Ostseite des Piz Trovat vorbei kamen und schon bald am großen Gletscher standen. Vor uns wanderten Heerscharen anderer Bergsteiger in Richtung Gipfel und wir waren Froh, dass die allermeisten am Normalweg blieben. Claudia und ich bogen nach dem ersten Gletscheraufschwung Richtung Ostpfeiler ab und gelangten ohne Probleme zum Einstieg, den ein Bohrhakenstand erkenntlich macht.

Von nun an ist die Route nur noch ein Genuss: feinste Blockgratkletterei! Wir bewegten uns zügig in Wechselführung dahin, wobei wir viel am “laufenden Seil” kletterten. Krönender Abschluss ist der scharfe Firngrat hinauf zum Ostgipfel. Auch hier fanden wir beste Verhältnisse mit perfekter Spur vor. Vom Ostgipfel erreicht man in ca. 15 min den Hauptgipfel. Auch hier bewegt man sich, gesichert am kurzen Seil, auf einem scharfen Firngrat mit ordentlich Tiefblick.

Der Abstieg über den Normalweg ist, solange die Brücken über die vielen Gletscherspalten halten, unproblematisch. Einzig der Rückmarsch inklusive Gegenanstiege zur Diavolezza stellt dann am Ende der Tour nochmals Ansprüche an die Kraftreserven…

Tipps für Wiederholer:

  • Heuer (14. Juli) lag noch recht viel Schnee im Bereich des Gletscherzustieges, was durchaus ein Vorteil war, da man sich das gestolpere durch den sonst vorhandenen Blockschutt erspart. Bei uns war es so warm, dass wir die Steigeisen erst direkt am Beginn der ersten Gletscher-Steilstufe montierten – so lässt es sich viel bequemer (und schneller) gehen.
  • Vorsicht auf den letzten Metern des Zustieges: Je nachdem wie man den letzten flachen Bereich des Gletschers erreicht quert man ihn unter Umständen parallel zu großen Querspalten. Versetzt gehen!
  • Wir hatten 5 Friends (Camalots #0,4 (grau) bis #2 (gelb) dabei, was meiner Meinung nach Ideal war. Viele lange Bandschlingen verhindern den Seilzug und finden oft als Köpflschlinge Verwendung.
  • Die offensichtlich schwierigste Steilstufe kann recht einfach links umklettert werden.
  • Der abschließende Firngrat ist zwar bei vorhandener Spur nicht schwierig, erfordert aber ggf. eine gute Sicherungstechnik (Kurzes Seil mit Sprungseil, bzw. Seilschaftsbetrieb mit Standplatzbau durch Steckpickel).

Als Claudia und ich vor ein paar Wochen die Gratüberschreitung vom Mitterzaiger zum Rietzer Grießkogel machten, faszinierte mich bereits der scharfe Grat vom Mitterzaiger Richtung Süden zum Hochalter. Gerhard war für dieses Projekt schnell überredet und obwohl eigentlich Föhnsturm vorhergesagt wurde starteten wir Richtung Kühtai.

Unser ursprünglicher Plan war mit dem Sessellift bis kurz unter den Hochalter zufahren, die letzten Höhenmeter zum Gipfel aufzusteigen  um dann über den Grat hinüber zum Mitterzaiger zu balancieren. Als wir aber schließlich kurz unterhalb vom Hochalter ankamen und die tolle Abfahrtsgelegenheit hinunter Richtung Klammbach sahen wurde unser Plan kurzerhand geändert. So kamen wir zum Genuss einer herrlichen Pulverschnee-Abfahrt bis zum Skitouren-Highway der zum Rietzer Grießkogel führt.

Es folgte der klassische Aufstieg zum Kreuzjoch, wo wir unsere Ski schließlich auf die Rucksäcke packten. Weiter ging’s über den Mitterzaiger Gipfel und anfangs noch gemütlich über den Grat Richtung Hochalter. Schon bald wurde der Grat aber immer ausgesetzter und stark überwechtet. Immer wieder gilt es Kletterstellen im 2. bis 3. Schwierigkeitsgrat zu überwinden, weshalb wir dann doch recht froh um das mitgebrachte Seil waren. So konnten sich Gerhard und ich am “laufenden Seil” relativ zügig fortbewegen. Abrupt gestoppt wurde unser Weiterkommen schließlich an einem exponierten Felskopf, von dem wir uns abseilen mussten.

Nach ca. 2 Stunden kamen wir am Hochalter an und waren nach dem vielen (teilweise hüfttiefen) Schneegewühle froh über die präparierte Piste zurück zum Auto.

Gerhard war diesmal schneller mit seiner Website: Einen tollen Artikel aus seiner Sichtweise gibt’s hier: www.freiraumberg.at

Infos für Wiederholer:

  • Die Felsqualität ist meist sehr gut.
  • Gerhard kletterte alles mit Steigeisen, geht aber auch ohne.
  • Die Kletterpassagen sind kurz, aber z.T. exponiert. Seilsicherung ist sicher kein Nachteil – mobile Sicherungsmittel könnte man zwar verwenden ist aber nicht unbedingt nötig.
  • Vorsicht vor den Wechten!!!
  • Reepschnur und Messer für etwaige Abseilmanöver mitnehmen.
  • Der Mittelteil vom Grat ist am schwierigsten.
  • Es gibt manchmal Fluchtmöglichkeiten durch Rinnen Richtung Osten. Diese sind aber sehr steil (Lawinengefahr) und erfordern ganz oben evtl. Abseilen.

Thomas Rabl, mein Partner für die nahende Yosemite Reise, erzählte mir vor einiger Zeit von seiner Vorbereitungstour für einen Anden-6000er: der Hauserrinne in den Loferer Steinbergen. Da Claudia und ich ebenfalls unsere Spuren im peruanischen Schnee hinterlassen wollen ist es für uns nun auch an der Zeit die Wadl zu trainieren. Da es sich zeitlich ausging begleiteten uns Tom mit seiner Frau Dani, sowie sein Freund Peter.

Claudia und ich starteten um 6:00 in Salzburg und trafen uns mit den anderen um 7:00 in Waidring. Zwanzig Minuten später hatten wir unsere Ski auf den Rucksack montiert und marschierten in das Lastal. Auf der orografisch linken Talseite folgt man dem Sommerweg, welcher sich auf einem zeitweise scharfen Moränengrat in der Talmitte fortsetzt. Nach etwa 1,5 Stunden erreicht man eine kleine Jagdhütte bzw. einen Hochstand an der Waldgrenze. Ab hier gab es genug Schnee um mit den Tourenski weiterzugehen.

Der Einstieg in die Rinne ist gleich eine der steilsten Passagen und hatte gerade noch genug Schnee um mit den Steigeisen d’rüberzustapf’n. Danach geht es meistens im 45 Grad steilen Gelände weiter, wobei wir manchmal ganz nett tief zu wühlen hatten. Am Ende des unteren Drittels gelangt man an eine zweite Steilstufe, welche für ca. 10m eine Mischung aus Eis, Schnee und Fels bietet. Am Ende der Langen Rinne wartet dann abermals eine kurze kombinierte Passage um schließlich auf das Geiselhorn zu gelangen.

Der Höhepunkt der Tour war natürlich die Abfahrt durch die Rinne, welche aber wirklich nur bei sicheren Schneeverhältnissen zu empfehlen ist! An der Steilstufe bauten Tom und ich an einem “toten Mann” und 2 Steckski einen Standplatz und seilten unsere Begleiter rückwärtsfahrend ab. Endlich erkannten wir den Sinn von TwinTip-Tourenski… Bei meinem Abstieg über diese Passage erlebte ich noch ein paar aufregende Minuten, als ich mittendrin beide Steigeisen verlor, aber letztlich ging dann doch alles gut.

In Summe waren wir ca 8 Stunden am Weg, was die Tour definitiv zu einem ernsten und sehr lohnenden Unterfangen macht.

Tipps für Wiederholer:

  • Unbedingt Steigeisen
  • Je nach Eiskletterkönnen: 1 Führerpickel, besser aber 2 Steileisgeräte
  • Keine Eisschrauben oder andere mobilen Sicherungsmittel
  • Vor allem für den Abstieg ist ein max. 30m langes (Halb)Seil praktisch/erforderlich
  • Weitere Infos auf Bergsteigen.at

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