Archiv für die Kategorie „Alpinklettern“

Wie bei unserer letzten Begehung der Route 2013 waren wir auch heuer wieder erstaunt über die anspruchsvolle Kletterei in dieser klassischen Kalkkögel-Route! Diesmal hat uns zumindest der Zustieg keine Probleme gemacht weil es noch genug Schnee in der schmalen Schlucht gab. Dafür kämpften wir gegen kalte Finger da es am Start der Route in Strömen regnete. Zur Urlaubsvorbereitung kletterten wir diesmal beide mit unseren schweren Berschuhen, was aber bei Nässe gar kein großer Nachteil ist.

In der letzten schweren Länge (kleiner Überhang direkt über dem großen Band) habe ich einen orangen Normalhaken spendiert um diese knackige Stelle etwas sicherer zu gestalten…

Tipps und Tricks:

Ein Set Camalots von blau (0,3) bis blau (3) ist unbedingt zu empfehlen. Dazu noch ein paar lange Bandschlingen für Klemmblöcke und Felsköpfe. Dennoch sollte der Vorsteiger ein bisschen Kalkkögel-Erfahrung mitbringen: „drücken, schieben, stemmen“ verhindert allzu viele ausgebrochene Griffe und Tritte.

Eine ganz besondere „Gemeinschaftstour“ der Bergrettung Axams… Zusammen mit Lukas „Lucky“ Priemer und Matthias „Stumpfi“ Stumpf gelang die Begehung der „Muir Wall“ am El Capitan im kalifornischen Yosemite Nationalpark!

Die Muir Wall gilt als eine der logischsten Linien am wohl berühmtesten Granit-Monolithen der Welt. Die Route liegt zwischen den berühmten Linien „Nose“ und „Salathe“ und zeichnet sich vor allem durch riesige Verschneidungen aus. Die Route kann dabei in drei Abschnitte unterteilt werden:

  • Der untere Teil bis zu den Mammoth Terraces (Seillänge 11) ist nicht besonders steil und daher mühsam zum haulen (Gepäck nachziehen). Man klettert oft in nach links hängenden Verschneidungen was sehr anstrengend sein kann.
  • Der mittlere Teil bis zum Stand 20 bietet abwechslungsreiche Kletterei in Verschneidungen, Rissen und Quergängen – beinhaltet aber leider auch eine recht gefährliche Seillänge (20) mit kühlschrankgroßen Felsblöcken.
  • Im oberen Teil geht es dann richtig zur Sache: ausgesetzte und schwierige Rissverschneidungen erfordern viel Geschick im Umgang mit den technischen Hilfsmitteln.

Hier ein kleiner Bericht wie es uns in der Big Wall ergangen ist – eine detaillierte Routenbeschreibung bzw. Tipps und Tricks gibt es weiter unten!

Tag 1 (17.10.2015)

Lucky und Stumpfi waren schon seit 2 Wochen in den USA als sie mich braungebrannt, und vom Surfen gut gelaunt, in Los Angeles abholten. Das Verladen meiner Gepäckstücke in das relativ kleine Mietauto bereitete dann erste Probleme, aber Hauptsache wir haben genug Brennholz für die kalten Herbstnächte im Yosemite Valley dabei. Für heute hatten wir uns vorgenommen alle benötigten Ausrüstungsgegenstände, die wir für unsere Route benötigen würden, zu besorgen. Größere Einkäufe sollte man nämlich noch unbedingt außerhalb des Nationalparks machen, sonst wird’s teuer. Neben Lebensmitteln, Zip Lock Sackerln, feuchten Reinigungstüchern, Gewebeband, Handcreme, und Poop Bag (a.k.a. „Scheißsackerl) standen vor allem 1 Gallonen „Crystal Geyser“ Wasserflaschen auf der Einkaufsliste. Nur diese Flaschen bieten alles was eine gute Big-Wall Trinkflasche braucht: strapazierfähiges Material, guter Schraubverschluss, gutes Packmaß und eine große Öffnung. Normalerweise erhält man diese Wassermarke überall in Kalifornien, wir hatten aber in drei Geschäften hintereinander Pech – sogar im größten WallMart von Fresno gab es kein Wasser, weil gerade die Getränkeabteilung umgebaut wurde…

Vom Jetlag sowieso genervt gaben wir dann auf und da ich mich nicht mehr erinnern konnte vertrauten wir darauf, dass wir das Wasser auch im Valley bekommen würden.

Tag 2 (18.10.2015)

Nach einer Nacht in Oakhurst brachen wir früh auf um spätestens gegen 6 Uhr Morgen vor dem Ranger-Häuschen im legendären Camp 4 anzukommen. Bereits gegen Mitternacht begann ein intensives Gewitter und so kam es dass wir um Punkt 6 Uhr morgens bei strömendem Regen, zeitweisem Hagel und Gewitterwind als erste vor dem Ranger Kiosk zwecks Anmeldung standen. Trotz des Hinweiszettels dass heute voraussichtlich 45 Plätze im Camp 4 frei werden zwangen wir durch unsere konsequente Verachtung des Wetters noch andere Kletterer aus ihren trockenen Autos, die sich dann ebenfalls in die durchnässte Schlange einreihten. So standen nun ca. 10 Kletterer für 3 Stunden im Regen, nur um sicher zu gehen einen Platz im Camp zu ergattern. (Anmerkung: Zu dieser Jahreszeit sind alle Campingplätze im Valley randvoll bzw. reserviert. Im Camp 4 sind keine Reservierungen möglich und es gilt das Prinzip „first come first served“.)

Während alle anderen Camp 4 Bewohner ihre durchnässten Zelte und Schlafsäcke trockneten begannen wir uns häuslich einzurichten und letzte Besorgungen zu machen. Bald hatten wir traurige Gewissheit dass es im ganzen Valley ebenfalls keine brauchbare Wasserflasche zu kaufen gibt, weshalb sich Stumpfi mit unserem Auto nach Oakhurst verabschiedete, und dann zum Glück nach 4 Stunden mit den richtigen Kanistern zurückkam. Lucky und ich sortierten währenddessen unser Material und unterhielten uns mit den zahlreichen anderen Bergsteigern über ihre Big-Wall Pläne. Es freute uns festzustellen dass die meisten für Nose und Salathe da waren aber scheinbar niemand die Muir im Sinn hat. Morgen würde der El Capitan regelrecht von einer Welle Kletterer überrollt werden, schließlich war das Wetter seit mehreren Tagen schlecht und rechtzeitig zu unserer Ankunft waren 10 Tage wolkenloses Prachtwetter vorhergesagt. Deshalb, und weil ich noch immer recht müde von der Reise war, entschlossen wir uns erst übermorgen zu starten.

Tag 3 (19.10.2015)

Heute brach der erwartete Sturm auf den El Capitan aus. Das Camp 4 war nur noch halb so voll. Nachdem wir den sonnigen Tag mit letzten Vorbereitungen gemütlich verbracht hatten beschlossen wir am Nachmittag doch noch zumindest eine Seillänge zu klettern. Als wir nach ca. 15 Minuten Zustieg bei der ersten Seillänge eintrafen waren gerade mehrere Sportkletterer am Werken. Erschrocken sind wir aber als zwei weitere Big-Waller eintrafen und bekannt gaben dass sie heute mit der Muir Wall starten, und von Beginn an in der Wand bleiben wollen. Während sie ihre Haulbags herauf trugen begann ich mit der Kletterei. Obwohl die erste Länge bestimmt auch in freier Kletterei zu schaffen wäre sah ich sie mehr als Training für die kommenden Tage an und kämpfte mich mit den Leitern hoch. Meine ohnehin angespannte Psyche wurde noch ein bisschen mehr unter Druck gesetzt als sich Roger Schäli zu Lucky und Stumpfi gesellte und mir ein bisschen zusah…

Tag 4 (20.10.2015)

Das Ziel des heutigen Tages war bis zum 6. Stand zu klettern und von dort 2 Fixseile (20 m und 40 m) bis zum Boden zu installieren. So starteten Lucky und ich zum Beginn der ersten Länge (dort hatten wir gestern ein Seil hängen lassen) und erwarteten ober uns die andere Seilschaft zu sehen. Wir waren erstaunt und ehrlich gesagt auch ein bisschen froh, als am ersten Stand dann nur ihre Haulbags aber keine Kletterer lagen – ein klares Zeichen dass sie, wenn überhaupt, erst später mit dem Klettern beginnen würden, und wir somit vor ihnen sein werden. Während sich Lucky im Cleanen übte fluchte ich über die etwas ungute Kletterei die einer stetig nach links hängenden Verschneidung folgt. Während wir in der Wand hingen ging Stumpfi ein letztes Mal einkaufen und trug dann das ganze Material in angenehmen 60 kg Paketen zum Fuß des „Little John“, einem angelehnten Pfeiler in Fallinie des 6. Standplatzes. Das andere Muir-Team war damit beschäftigt ihre Haulbags abzuseilen und den „walk of shame“ anzutreten.

Im Großen und Ganzen kamen wir recht schnell voran, auch wenn ich die Längen für die Bewertung C1 sehr schwer empfand. Für den größten Adrenalinschub des Tages sorgte dann Lucky, der beim Cleanen in der 6 Seillänge einen netten Sturz hinlegte: Genau an der Stelle wo man aus dem Quergang heraus etwas abklettern muss brach ein Cam aus und so löste er die Abkletterstelle im freien Fall – zeittechnisch natürlich sehr effizient!
Nach etwa 65 m abseilen erreicht man die Spitze des Little John. Von hier sind es nochmal etwa 45 m zum Boden. Da die direkte Linie zum haulen ungeeignet ist stieg ich vom Boden über die Fixseile der Heart Ledges Fixseile bis zum ersten Standplatz dieser Abseilpiste auf und wir haulten unser Gepäck entlang dieser Linie hoch. Ehrlich gesagt waren wir überrascht dass sich die riesige Ladung (2 Haulbags, 2 Portaldges, Poop Bag und Tagesrucksack), die etwa 150 kg wog, überhaupt bewegen ließ. Als die Ladung auf seiner Höhe ankam zog Lucky alles zusammen zur Spitze des Little John hinüber. Hier konnten wir alles ablegen  und über Nacht liegen lassen. Wir seilten uns zu Matthias ab und schliefen ein letztes Mal im Zelt im Camp 4.

Tag 5 (21.10.2015)

Jetzt ging es richtig los! Im Morgengrauen stiegen wir über unsere Fixseile auf und zogen das Gepäck zum 6. Standplatz. Für die 70 m Strecke zwischen Little John und dem 6. Stand mussten wir unser Kletterseil zum haulen benutzen weil unser hyperstatisches Dyneema-Seil nur 60 m lang war. Ich rüstete mich wieder mit etwa 20 kg Sicherungsmitteln aus und begann mit der siebten Seillänge. Mehrere Seilschaften stiegen währenddessen nur ein paar Meter links von uns an den Fixseilen in Richtung Heart Ledges hoch. Diesen Umstand nutzte ich als mir im Bereich des am Topo eingezeichneten 7. Standplatzes klar wurde, dass ich hier bestimmt keinen Standplatz an mobilen Sicherungsmitteln errichten möchte – die einzige Möglichkeit hätte sich unter einen riesigen hohlen Schuppe ergeben, die mir aber nicht sympathisch genug für 3 Personen und 150 kg Gepäck war… Also fragte ich eine Seilschaft an den Fixseilen über mir ob sie denn vielleicht einen besseren Standplatz sehen würden. Gottseidank kam ich durch die erhaltene Auskunft mit genau 59 m Länge zum Stand Nr. 8 an dem zwei Bohrhaken stecken.


Das Tagesziel, die Mammoth Terraces am Stand Nr. 11, zu erreichen erforderte dann noch einige knifflige Stellen. Besonders erwähnenswert ist die freie Reibungskletterei hinauf zur Heart Ledge und die lange letzte Länge des Tages. Seillänge 11 ist genau im Bereich des Fixseiles zwischen Mammoth Terrace und Heart Ledge und ist etwas unübersichtlich. Hier kann man immer wieder ein paar Meter frei klettern.

Pünktlich zu Sonnenuntergang erreichte unser Team die geräumigen Mammoth Terraces. Da es hier trotzdem nicht viele bequeme Liegemöglichkeiten gibt entschlossen wir uns die Nacht in den Portaldges zu verbringen. Es zeigte sich bald dass Stumpfi und ich deren Aufbau deutlich mehr üben hätten sollen… Dank Jetboil und Travellunch hatten wir auch bald gut gefüllte Mägen und schliefen zufrieden über unseren Fortschritt ein.

Tag 6. (22.10.2015)

Heute standen nur 5 Seillängen auf der To-Do-Liste um die Gray Ledges (Stand 15) zu erreichen. In Seillänge 13 verschärft sich die Gangart deutlich, aber mit unserer ganzen Techno-Ausrüstung war auch der Schwierigkeitsgrad C2 gut zu beherrschen. In den grasigen Zwillingsrissen der Seillänge 14 ist mancherorts ein bisschen Gärtnerarbeit angesagt – ein Nutkey eignet sich exzellent zum Unkraut jäten. Ich entschloss mich Seillänge 14 und 15 zusammenzuhängen da Stand Nr. 14 sehr unbequem (glatte senkrechte Felswand) wäre. Unbequem ist allerdings auch Seillänge 15 – ein extrem anstrengender Kamin in dem man sich nur sehr langsam höher schrubben kann.
Früher als erwartet trafen wir bei den Gray Ledges ein und daher entschlossen wir noch zwei weitere Seillängen zu klettern und Fixseile zu verlegen. Unterdessen bereitete Stumpfi den Lagerplatz vor: er verlegte ein „Klettersteigseil“ zwischen den übereinander liegenden Ledges und baute beide Portaledges auf.
In Seillänge 16 endete eine Unachtsamkeit von mir in einem 10 m Sturz, der aber glimpflich ausging. Ein falsch belasteter Stopper rutschte aus dem Riss. Es sollte mein einziger Sturz bleiben.


Seillänge 17 ist eine der imposantesten Längen der gesamten Tour. Zum einen ist sie sehr lange (ca. 50 m) und außerdem gar nicht so einfach, da der Riss zum Teil sehr schmal ist. Müde wie ich war freute ich mich sehr über ein bestens eingerichtetes Lager in den Gray Ledges. Nach einer Doppelportion Meeresfrüchte-Travellunch machte ich dann eine Erfahrung die man auch seinen Feinden nicht wünscht: schwere Verdauungsprobleme in einer Big-Wall…

Tag 7. (23.10.2015)

Dank Imodium Frühstück wieder gestärkt ging es am frühen Morgen weiter,  über die Fixseile hinauf zum Stand 17. Stumpfi machte es sich an Stand 16 bequem während Lucky und ich über den Bohrhakenquergang und die anschließende hohle Schuppe zu Stand 17 kletterten. Hier wird es das erste Mal so richtig ausgesetzt und der Tiefblick beeindruckend. Dies galt besonders für Stumpfi der nun in direkter Linie, frei baumelnd vom 16er Standplatz, zu uns hoch kam. Als auch die Haulbags über die Kante des Überhanges kamen überraschte uns Stumpfi mit einem unvergesslichen Moment: Die unverwechselbaren Kirchenglocken von „Hells Bells“ schallten dank mitgebrachten Lautsprechern in ohrenbetäubender Lautstärke quer über die Granitwüste! Unglaublich was für einen Motivationsschub gute Musik bewirken kann. Somit war die Entscheidung gefallen – wir setzten den Aufstieg über die Muir Wall fort! An dieser Stelle gäbe es nämlich die Möglichkeit in einer Seillänge nach rechts zum Great Roof und der deutlich einfacheren Nose Route zu queren.
Top Motiviert war auch das C3-Gelände der Seillänge 19 kein echtes Problem. Aufpassen heißt es dann aber in SL 20. Hier gibt es zahlreiche lose Schuppen und noch gefährlichere kühlschrankgroße Blöcke die man mit Obacht behandeln sollte! In der Falllinie waren gerade zwei Amis dabei Bohrhaken, für ihr seit 7 Jahren verfolgtes Projekt einer neuen Freikletterlinie, mit der Hand zu setzen. Sie hatten sich von oben über unsere Route bis hierher abgeseilt. Es tat gut wiedermal ein bisschen mit jemand anderem zu quatschen und ein paar Infos über den weiteren Routenverlauf zu erhalten.


Unser eigentliches Tagesziel, Stand Nr. 20 stellte sich als ein Reinfall heraus – dort gibt es definitiv keine „good ledge“ wie im Topo eingezeichnet. Da wir sowieso noch Zeit hatten, und mir die Länge vermutlich eine schlaflose Nacht bereitet hätte, startete ich noch in SL 21. Auch wenn man kein Englisch verstehen würde wüsste man nach SL 21 was „awkward“ in einem US Topo bedeutet: ein weiterer offwidth-artiger Kamin raubt einen die letzten Kraftreserven.
Am äußerst exponierten (komplett senkrechte Granitplatte in einer großen Verschneidung) 21. Stand errichteten wir wieder unsere Portaledges. Diesmal mussten wir sie untereinander hängen, da in der Verschneidung kein Platz war. Während ich es mir in der unteren Double-Portaledge bequem machte sorgte Lucky für heißes Wasser und Stumpfi für die Kochutensilien aus den Haulbags.

Tag 8. (24.10.2015)

Heute sollte der anstrengendste Tag der Tour werden. Noch in der Dunkelheit begann ich mit SL 22. Diese Länge ist sicher eine der schönsten der ganzen Tour. Hier bräuchte man fast ausschließlich graue, violette und grüne Camalots – d.h. man muss mehrmals back-cleanen (bereits gelegtes Material unter sich wieder ausbauen, damit man es erneut weiter oben verwenden kann).
Die anschließende SL 23 („1st crux“ laut Topo) erinnerte mich dann dass die Muir Wall nicht zu unterschätzen ist: nach einem harten Pendelquergang zu einem blitzschnell gelegten Camhook beginnt ein überhängender Haarriss in dem nur winzige offset-Stopper Platz haben. Für mich war es jetzt an der Zeit den Hammer und ein paar Haken aus dem Haulbag zu holen. Mit zahlreichen Lost Arrows und Knifblades nagelte ich mich angsterfüllt höher. Danke Jungs für’s Anfeuern! Nach dem überhängenden Riss muss man dann auch noch über eine abschüssige Platte (technisch) hochklettern, in der man sich wie auf einem Solarpanel fühlt. Ziemlich erschöpft kam ich am Stand Nr. 23 an.
Hier entschlossen wir uns die Single-Ledge von Lucky aufzubauen und nun immer aufgebaut zu lassen, da es absehbar war, dass es nur noch Hängestände geben wird.
Die anschließende 24ste Seillänge startete wieder mit einer endlos erscheinenden Haarriss-Verschneidung in der ich auch ein paar Haken schlagen musste. Winzige Stopper, Micro-Cams und Ball Nuts sind hier die Mittel der Wahl.


Seillänge 25 ist zwar laut Topo auch einer Schlüssellängen, ich fand sie aber leichter als SL 24. Nach einem Überhang kämpft man sich über ein eigenartig unterteiltes Risssystem in der glatten Wand links der Riesenverscheidung hoch. Erstaunlicherweise kann man immer wieder einen guten Friend mit ordentlicher Größe legen, dazwischen heißt es aber Hooks und Micro-Nuts vertrauen. Weiter oben in der Länge funktionieren Beaks perfekt, ehe man unter einem kleinen Dach nach rechts quert. Hier braucht es einen sinnlos weiten Zug hinauf zum Bohrhakenstand – eigenartig wieso die Haken nicht ein bisschen tiefer gesetzt wurden. Für kleinere Kletterer könnte diese Stelle aus Mangel an Alternativen ein wahres Problem werden.
Die Sonne war bereits schon am Untergehen als ich in die berühmt berüchtigte SL 26 startete. Nach einem tödlichen Unfall vor 2 Jahren gibt es die „loose sharp flake“ aus dem Topo zwar nicht mehr, an deren Stelle stecken jetzt aber gleich mehrerer dieser labilen, messerscharfen Granitschuppen senkrecht übereinander an der Wand. Ich glaube die Dunkelheit und die damit verbundene Unwissenheit schützte mich in dieser Situation ein bisschen, auf jeden Fall heißt es in der Länge extrem aufpassen! Sehr unheimlich ist auch ein ca. 0,7 Kubikmeter großer Block der am Rand der kleinen Ledge bei Stand Nr. 26 nur darauf wartet die eigenen Partner zu erschlagen. Wir hängten Lucky’s Ledge genau über den Block damit er beim Cleanen aus dem Quergang direkt auf seine Ledge steigen kann, und nicht auf diese tickende Bombe.
Unnötig zu erwähnen dass ich nach diesem Tag extrem müde war – danke Jungs für meine „Erstversorgung“ und Bewirtung an diesem Abend!

Tag 9. (25.10.2015)

Die Hoffnung noch heute den Gipfel zu erreichen trieb mich heute trotz schmerzenden Händen (beide Arme waren fast die ganze Nacht über komplett eingeschlafen) an schnell Meter zu gewinnen. Der Start von SL 27 ist etwas unheimlich: grasig und eine „expanding flake“, die sich um ein paar Zentimeter hin und her bewegte als ich sie mit einem Hook belastete. Am Stand 27 (hier gibt es entgegen dem Topo 2 Bohrhaken) weiß man: jetzt geht’s los! Hier startet die riesige Verschneidung die schon vom Talboden aus beeindruckt.
Es folgt die elegante und unvergessliche Länge 28 die sich recht gut clean (ohne Hammereinsatz) bewerkstelligen lässt. Mit der cleanen Kletterei ist dann in SL 29 Schluss: Die Frage C4 oder A2 beantwortet sich hier meiner Meinung nach von selbst. Fast ausschließlich an Lost Arrows, Beaks und vielen abgeschnittenen Angles (passen in die Pin Scars) kletterte ich mit wüstem Hammereinsatz höher. Trotz der harten Arbeit eine extrem coole Seillänge. Die Erleichterung ist dann aber doch groß wenn man einen Bohrhaken und sofort danach die Standhaken erreicht.


Seillänge 30 startet gleich wie SL 29 – also Haken marsch! Unter dem horizontalen Dach folgt dann eine lässige Querung mit extremen Tiefblick. Hier kommt auch die neue, projektierte Freikletteroute von rechts herein. Ein paar alte Rostgurken und ein lustiger Hook-move später gelangt man zu zwei Bohrhaken die eigentlich der Fortbewegung dienen sollen. Da weiter oben aber kein toller Standplatz auf einen wartet verband ich diese beiden Haken miteinander und richtete unseren 30sten Stand ein. Von hier wären es nur etwa 20 Meter bis hinauf ins leichte Gelände…
Für Seillänge 31 klettert man zunächst ein paar Meter hinauf bis zum eigentlichen Standplatz, lässt sich wieder etwas ab und pendelt in die nächste Verschneidung nach links. Es folgen die schönsten 5 Meter Freikletterei über eine leichte Schuppe. Ich bin von hier gleich wieder um die nächste Kante herum und hoch zum Fixpunkt des nächsten Pendlers geklettert. Hier gilt es eine „Tension Traverse“ zu bewerkstelligen – gottseidank kann man diese aber mit einem Beak, den man horizontal in einen Riss hämmert, deutlich entschärfen.
Stumpfi blieb auf der Portaledge bei Stand 30 zurück während ich mich mit Lucky in SL 31 und 32 um den großen Schlussüberhang herum schwindelte.
Seillänge 32 startet in einem leichten Kamin (Freikletterei) ehe ein kleiner Überhang letzte Probleme macht. Da ich endlich ein Ende machen wollte zögerte ich nicht lange und schlug einen letzten Lost Arrow, bevor ich endgültig auf dem großen Ausstiegsband stand. Hier hat man ziemlich genau einen Kilometer Luft unter dem Hintern!


Wie auf dem Foto ersichtlich genoss Stumpfi den komplett frei baumelnden Direktaufstieg am Haulbag-Seil herauf vom 30sten Stand!
Bei Sonnenuntergang waren wir alle im leichten Gelände angekommen.
Wir verlegten ein Fixseil über die gesamte 33. Seillänge und trugen unsere Ausrüstung Stück für Stück hinauf ins Flache. Nach etwa 10 Mal hin und hergehen in der 33. SL war alles oben angekommen und wir suchten uns ebene Plätzchen zum Schlafen.

Tag 10. (26.10.2015)

Nachdem wir unsere Ausrüstung einigermaßen sortiert hatten hievten wir uns die unerträglich schweren Haulbags auf den Rücken und begannen mit dem Abstieg. Auf den abschüssigen Granitplatten heißt es konzentriert bleiben und eine Lage Blasenpflaster an den Zehen ist auch kein Fehler! Nach insgesamt 4 Stunden erreichten wir den Parkplatz unterhalb des Manure Pile und somit das Ende unseres Abenteuers.

Natürlich gäbe es noch ein paar weitere Anekdoten zu erzählen – wie jene von der im Haulbag ausgeronnen Brunzflasche oder den verpassten Heimflügen… Aber das wäre entweder zu ekelig oder zu peinlich…

Ich bedanke mich bei meinen Buddies Lucky und Stumpfi für das unvergessliche Erlebnis – im Nachhinein betrachtet kann ich unserer Twerking-Queen Anna nur zustimmen: Das war Type 2 Fun! Denn während dem Verfassen dieses Berichtes waren Schmerz und Qual wieder vergessen und ich bekam schon wieder Lust auf El Capitan!

 

Recommendations and Beta

  • Be aware of the fact that the Muir is not an easy climb: it’s not climbed as often as many other El Cap routes and therefore you’ll encounter some unexpected problems like grassy cracks, dirt, and dangerous loose flakes/blocks! Especially the alleged easy (rated C1) lower pitches feel much harder than on the Nose route. The Muir is long and gets harder the higher you get.
  • Plan your climb: Find a high resolution image of El Capitan like this one on Gigapan.
  • The new Supertopo is good – although there are some minor mistakes.

All pitches in detail:

  • P1+2: Beautiful finger and hand crack. If climbing on aid bring a lot of gear because it’s a long pitch. There’s a perfect flat and large ledge on top of P2.
  • P3-5: Since the corner is constantly leaning to the left and there’s nothing to stand on the slabs, it’s strenuous climbing. In P4 route finding is a little bit tricky – don’t traverse to the left too early. There are some tricky and steep aid moves on P5.
  • P6: Traverse with some long reaches between the bolts (all the hangers are in place: you will not need a single rivet hanger on the Muir Wall at all!). At the end of the roof-traverse downclimb 2 meters using a large hook and then follow the thin and steep upper crack (Rurps and/or heads in place). Belay 6 is a nasty hanging belay. From 6 you’ll need 65 meters of rope to reach the top of Little John. You won’t reach the bolted belay on left side of Little John’s top but it’s easy rope-free walking terrain. From this belay it’s like 45 meters to the ground. Don’t haul up here directly: better use the lowest rappel station of the Heart Ledges Rappel line and then lower the bags to the right, to the top of little John.
  • P7+8: They link perfectly: 59 meters! I wouldn’t dare to build a belay at the hollow flake where belay 7 is suggested at the topo.
  • P9: Nothing special.
  • P10: Follow the crack until you are high enough to swing on the slabs to the left. Easy but unprotected slab climbing to the Heart Ledges (belay is far right). If you fall on the slabs you won’t die, but it’s a far swing back to the corner…
  • P6-10: Low angle but still good hauling (very smooth wall). Route is just 15 m right of fixed lines leading to Heart Ledges.
  • P11: A long one with some freeclimbing. Just follow the crack system exactly where the fixed rope to Mammoth Terraces is hanging. Install a rope between the left and the far right belay and then shuttle the Bags to the right end of Mammoth Terraces. There are some flat ledges but you’ll sleep better in the portaledge.
  • P12: Climb up the obvious crack, then let your partner lower you all the way to belay 12. Easy hauling.
  • P13: Nice.
  • P14+15: Grassy twin-cracks. Link 14+15 because belay 14 is a hanging belay with absolutely nothing to stand on. P15 is an extremely strenuous chimney – but you can climb it completely on aid. There is a nice smaller crack deep inside the chimney for protection.
  • Gray Ledges: a couple of ledges – we put our portaldges at the upper ledges and cooked at the broader lower ledges.
  • P16: Easy but not so nice hauling. Leave haulbags at belay 16 and haul from belay 18 (easily possible with 60 meter rope).
  • P17: Perfect aid-crack! Long and clean. Narrow but never too hard. Longer then you expect: use the upper belay!
  • P18: Easy bolt ladder at the beginning. Kind of scary hollow flake at the end. Great hauling from belay 16.
  • P19: Get lowered to the first pin – obvious crack leading vertical upward. The C3 didn’t feel too hard – bring enough micro offset nuts! Hammer not needed.
  • P20: Dangerous! Be very careful about the big loose blocks – especially when lowering out the haul bags. There is no „good ledge“ at belay 20. Because of the loose rock it’s not a good place to stay overnight.
  • P21: Similar to P15. Squeeze chimney – very strenuous but very good cam placements deep inside. Not too bad. Dead vertical hanging belay at right side of corner. 3 Bolts and perfect cams in corner – we stayed there for the night.
  • P22: Very beautiful pitch. Gray, purple and green Cams almost all the way… Leapfrog from the beginning to save gear.
  • P23: Probably the hardest pitch of the climb. Climb to the fixed pitons via hollow stuff and then lower a little bit. Swing hard and put in a cam hook quickly. Overhanging and very thin crack. I used a couple of BD Arrows and Knifeblades. The fun isn’t over once you reached the end of the overhanging crack: pass a perfect little ledge and continue the crack that runs through the low angle slab.
  • P24: Not much easier! Perfect crack in corner, but very thin and the same size all the way: Micro Nuts, Micro Cams and Arrows. The crack gets easier once it starts to lean to the right. You’ll get in some larger cams there.
  • P25: Beautiful and not too hard. Start with the little overhang and than follow the funny crack system. Some hooking and some unexpected good (large) cam placements. At the upper part follow the seam using Beaks. Some beaks in place but bring at least 3 middle and large sized beaks your own. At the end of this crack climb to the right under the small roof. The belay-bolts look farther away than they are – but it’s a long reach though.
  • P26: Fun at the beginning, very dangerous at the end. Start with the overhanging corner until you reach some ledges. Climb higher to the loose flakes. Very scary traverse to the left, I used a beak once. Delicate tension traverse to the left – some good hook placements there until you can step on the big ledge. Caution: there is a loose block at the far right side of the ledge with some old slings underneath. Don’t touch this block! It looks like it will drop the next second. We hung the single portaledge above it so the cleaning guy was able to step on the ledge after the traverse, not having to touch it.
  • P27: Scary start because of grass and expanding/moving flake. The flake moved out when I hooked it and moved in again after unloading it. Nice climbing to belay. Good belay with at least two bolts. You don’t need gear for belay 27.
  • P28: Great pitch. You probably won’t believe it but you’ll need some large cams for this long pitch. One good bolt and 3 mid-sized cams plus stopper to improve it.
  • P29: No doubt A2 for me. If you fall you’ll hit your partner. So bring a hammer and a lot of sawed-off angles (pin scars), Arrows and Beaks. Almost no clean placemant for me on whole pitch.
  • P30: Some pitons as well until you reach the roof. Funny traverse on old pins and good hooks to the left. Build belay on two bolts about 6 meters underneath belay 30.
  • P31: Climb to the fixed slings above the two bolts (belay), get lowered all the way again and swing around the corner to some easy and pretty flake (easy freeclimbing). Climb up to the next fixed slings and start with tension traverse. I used horizontal crack/pin scar for beak, second beak in place. Easy walking and downclimbing to big perfect belay-crack. Leave bags at belay 30
  • P32: Start with easy chimney and keep climbing right. I needed a Pin (Arrow) for the last hard aid move. Put in some gear for your partner when walking on ledge to the right. Belay at obvious large loose bolder. Perfect free hanging hauling from 30 to 32. With a 60 m haul line you can climb easily from 30 via 31 to 32.
  • P33: We fixed a rope from belay 32 to the tree far left and then up over 3rd class terrain to easy ground. Shuttle small loads.

Recommended gear:

  • Supertopo gear list is good.
  • Next time I would bring only one BD #6 and two #5.
  • Many tiny cams (black Aliens, BD C3 #00 and #000)
  • Many BD C4 purple and green
  • Many offset micro nuts
  • Ball Nuts / Slider Nuts would work perfectly in small cracks of P23 and P24
  • Beaks (mid- and large sice: 2 each)
  • no rivet hangers needed
  • Don’t expect the C4 to be overrated: bring enough pitons like written in gear list!
  • Hooks of all sizes – large hooks help a lot.

Nach der gestrigen Schlägerei mit den Herrn Philipp und Flamm in der Civetta hätten sich Gerhard und ich am meisten über einen Regentag gefreut. Aber wie so oft in diesem Sommer schrie ein neuerlich wolkenloser Tag förmlich nach einer Klettertour. Eine an unser heutiges Befinden angepasste Route war beim Cafe in Palafavera schnell gefunden: die „Paolo Amado“ nahe des Passo Giau.

Obwohl die Route (abgesehen von den gebohrten Standplätzen) einen recht alpinen Charakter hat kam sie uns nach der gestrigen Odyssee extrem entspannend vor. Insgesamt eine nette Nachmittagsroute im besten Fels mit bequemen Abstieg.

Tipps und Tricks:

  • Die Schlüsselstelle ist vielleicht der Zustieg – hier gilt es einigermaßen gut durch den Wald zu finden.
  • Wier stiegen über die Rampe ganz hinten in der kleinen Schlucht in die Route ein. Hier steckt zwar nichts, aber man kommt direkt zum Stand am Pfeilerkopf.
  • Ein Sortiment Friends sollte man durchaus mitnehmen.
  • Die letzten beiden Seillängen lassen sich gut zusammenhängen.
  • Super Routenbeschreibung und Topo: www.stadler-markus.de

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