Archiv für die Kategorie „Alpinklettern“

Claudia und ich entflohen heute dem schwül-heißen Wetter und fuhren mit der Seilbahn zum Elfer hinauf. Bald nach dem Einstieg in den Nordwand-Klettersteig zieht rechts die kompakte NW-Wand des Südwestturms empor. Von den Erstbegehern noch weitgehend klassisch abgesichert, ist die Route heute vollständig mit Bohrhaken eingerichtet. Die Schlüsselstellen sind der Quergang in der 2. und die steile Wandstelle in der 4. Seillänge. Die Felsqualität ist ausgezeichnet, nicht nur für brennermesozoische/kalkkögelige Verhältnisse. Ein absolut lohnendes Ziel für heiße Sommertage!

5 (kurze) Seillängen: V, V+ (Quergang), V (Quergang), VI, IV+

Tipps und Tricks:

  • Topo gibt’s im Kletterführer von Andreas Orgler.
  • 50m Einfachseil, Standplatzschlingen, ca. 12 Express sind ausreichend.
  • Abstieg: Vom Turm nach Süden über Klettersteig absteigen. Entweder über N-Wand Klettersteig oder über Normalweg zurück zum 11er Haus.

 

Was macht man bei wolkenlosem Wetter und 34°C im Schatten? Richtig – man schiebt sein Mountainbike durchs Halltal hinauf zu den Herrenhäusern und genießt dann die stehende Hitze zwischen den Latschen am Weiterweg zum Lafatscherjoch. Übersteht man diese ca. 3 stündige Tortur wird man in der Route 6×7=8 von Stöhr und Scherer in der kühlen Lafatscher Nordwand mit beeindruckender Kletterei entschädigt. Die Felsqualität ist fast durchgehend ausgezeichnet, die Steilheit und Kontinuität der Schwierigkeiten sind es auch. Alle Seillängen bewegen sich im 7. Schwierigkeitsgrad, wobei die Absicherung mit Bohrhaken den Schwierigkeiten entspricht. Gerade in der ersten Seillänge sind aber zwischen den längeren Abständen gute Nerven gefragt. Selbige fehlten mir heute, weshalb ich Martin das scharfe Ende des Seiles reichte und eine tolle Führungstour genoss.

Tipps und Tricks:

  • Topo auf der Seite des Kletterzentrums Tivoli downloaden
  • Den beschriebenen Zustieg über den Vorbau nehmen – nicht ganz ungefährliche KLetterei im 2er Schutt, aber dennoch schnell und einfach zu finden.
  • Evtl. Cams bis Black Diamond #1 (rot) mitnhemen. Letzteren konnte Martin ganz gut unterbringen.
  • Abstieg: 3x Abseilen mit 60m Halbseilen – (6.,4.,2. Stand) Es sind alle Standplätze perfekt eingerichtet
  • So weit wie möglich Mountainbike durchs Halltal mitnehmen.

Bei traumhaften Wetter konnten Lukas und ich ein Projekt erfolgreich abschließen: den Nordturm in den Kalkkögeln im Winter zu besteigen.

Mit den Ski am Rücken startete die Tour am Hoadlsattel in Richtung Hochtennboden. Von hier traversierten wir bis zum Beginn der schmalen Rinne welche zur Scharte nordöstlich des Nordturms hinaufzieht. Nach einem felsdurchsetzten Start kommt man im Mittelteil der Rinne recht flott mit angeschnallten Ski und vielen Spitzkehren weiter. Ganz oben wird es dann nochmal felsig und schmal. Ein bedrohliches WUMM-Geräusch erinnerte uns hier auch an die potentielle Lawinengefahr durch kammnah abgelagerten Triebschnee…

Neben dem Grattürmchen, mit der Erinnerungstafel für zwei in den 30er Jahren abgestürzte Bergsteiger, startet die Klettertour: Es gilt eine ca. 5 m hohe senkrechte Wandstelle zu überwinden, bevor man im tiefen Schnee bis zu einem Fixseil stapft. Ich entschied mich das schmale Band, an dem das Fixseil mit 2 Normalhaken montiert ist, weiter links zu erklettern. Die anschließende Querung nach rechts auf allen Vieren ist, aufgrund des äußerst schmalen Bandes unterhalb eines Daches, alles andere als einfach! Zumindest für den Nachsteiger ist ein Aufstieg am hinunter hängenden Fixseil deutlich leichter. Das Band wird in weiterer Folge wieder wieder breiter und man gelangt relativ einfach bis zu einem Steinmännchen auf der NW-Seite des Nordturms.

Von hier kletterten wir über eine 7 m hohe Wandstelle steil bis zum nächsten Schneefeld. Etwas weiter rechts könnte man bis hierher, vermutlich ein bisschen einfacher, in einer kaminartigen Verschneidung hochklettern. Unterhalb einer auffälligen Erinnerungstafel gibt es einen guten Standplatz an 2 Normalhaken.

Die letzte Seillänge startet mit einer steilen Wandstelle. Eine Köpfelschlinge gleich zu Beginn beruhigt etwas. Nicht zu weit nach links klettern – dort ist es sehr brüchig. Mir gelang es einen relativ guten Profilhaken („Bong“) zu setzen, ehe ich mit dem Ausstiegskamin einfacheres Gelände erreichte. Am Gipfel entweder an den 2 Normalhaken, oder besser, an den 2 Felsköpfen bei den Überresten des „Gipfelkreuzes“ Stand machen.

Wir seilten uns über den steilen Millerriss ab. Vorsicht: beim ersten Abseiler bleibt der Knoten gerne hängen! Mit einem zweiten 60m Abseiler gelangt man zurück bis zum Einstieg.

Am späten Nachmittag fuhren wir schließlich durch die Rinne durch die wir aufgestiegen sind hinab Richtung Kemater Alm.

Tipps und Tricks:

Topo Nordturm Normalweg downloaden!

 

„Die Delagokante gehört sicherlich zu einer der meistbegangenen Kletterrouten der Alpen. […] Doch trotzdem bleibt es eine lohnende ausgesetzte Kantenkletterei auf Idealfels“ (Dolomiten Vertikal, 2010).

Tja… diese Beschreibung trifft aber leider nur auf die namensgleiche Route im Rosengarten zu – ganz anders sieht es mit der Delagokante in den Dolomiten Nordtirols aus: Dort erklomm der Herr Delago im Jahr 1899 (!) ebenfalls eine Kante, und zwar jene der nördlichen Schlicker Zinne. Von „Idealfels“ kann in dieser Route jedoch keine Rede sein, im Gegenteil! Selbst für Kalkkögel-Verhältnisse bezaubert diese Führe mit allerschlimmsten Schutt und Bruch. Gepaart mit der meist gar nicht vorhandenen Absicherung verdient sich die Delagokante in den Kalkkögeln meiner Meinung nach das Prädikat „extrem gefährlich“.

Da Claudia und ich davon aber nichts wussten, und eine Route von 1899 ja vermeintlich gar nicht schwer sein kann, stiegen wir, Top motiviert mit eiskalten Fingern, in die Route ein. Die spartanische Routenbeschreibung im Orgler-Führer lässt auf einfache und schnelle Fortbewegung schließen, aber schon am Start der ersten Seillänge wurde uns ganz schnell klar, dass das heute eine todernste Angelegenheit wird. Eigentlich hätte ich nach einem Griff-Ausbruch  im Mittelteil der ersten Seillänge die Notbremse ziehen sollen (einen Sturz konnte ich um Haaresbreite verhindern), aber in der Hoffnung das Schlimmste jetzt wahrscheinlich überstanden zu haben, kletterten wir weiter.

Nach weiteren 3 Genusslängen staunt man am Beginn der 5. Seillänge nicht schlecht über den weiteren Routenverlauf! Hier geht es über mehrere miese Haken senkrecht hinauf zu einem kleinen Felsband. Den ersten Haken konnte ich einfach so herausziehen, weshalb ich gleich einen neuen Normalhaken dazu hämmerte. Moralisch ohnehin schon geknickt arbeitete ich mich technisch Stück für Stück höher. Leider fand ich keine Möglichkeit einen Standplatz zu bauen, weshalb die Seillänge schlussendlich ziemlich lang wurde und einen miesen Seilverlauf aufwies. Irgendwann ging es deshalb einfach nicht mehr weiter, weshalb ich bei einem alten Haken einen zweiten dazuschlug und endlich einen Standplatz hatte. Das Seil konnte ich nur noch mittels Expressflaschenzug einziehen, wodurch ich Claudia nicht beim Aufstieg unterstützen konnte.

Nervlich nun noch mehr angeschlagen empfand ich auch die kommenden 4 Seillängen bis zum Gipfel alles andere als leicht. Das selbe gilt auch für die Routenfindung: So ganz sicher ob ich denn nun links, direkt auf, oder aber rechts der Kante bleiben sollte war ich mir eigentlich nie. Schlussendlich erreichten wir aber doch den Gipfel und machten uns sofort an den Abstieg. Mit einmal 55 m abseilen auf der NO-Seite (Köpfelschlinge) gelangt man in eine Schuttrinne, die zum Gsaller Steig führt. Via Hochtennspitze gelangten wir schließlich im Dunkel zurück zur Kemater Alm.

Tipps:

Rettet die Kalkkögel!

Nach der langen Tour am Samstag (Tofana – Dibona) brauchte es doch eine ganze Weile (und eine große Pizza + Wein in Cortina) bis wir uns dazu entschlossen als Dreier-Seilschaft in die Große Mauer einzusteigen. Bei der Talstation des Sessellifts waren wir noch skeptisch ob eine Westwand bei dieser Lufttemperatur die richtige Entscheidung war, aber dank Inversion wurde es nach oben hin immer wärmer.

Ein nicht zu unterschätzender Teil der Route umfasst den Vorbau: Es gilt sich auf 300 Höhenmetern im unübersichtlichen Block- und Schuttgelände zurecht zu finden! Der meist schlecht zu erkennende Trampelpfad ist aber recht gut mit kleinen und großen Steinmännern versehen und so standen wir bald am Einstieg der Route.

Die erste Seillänge startet sehr brüchig, bevor man eine interessantes kaminartiges Verschneidungssystem erreicht. Diesem folgt man für insgesamt 4 Seillängen bis zum großen Band in Wandmitte. Man könnte sagen, dass die Route hier ein zweites mal startet – und diesmal erst so richtig! Die erste Seillänge vom Band ist etwas überhängend und daher sehr anstrengend. In der nächsten Länge beginnt ein langer Quergang nach rechts, welcher in der berühmten Schuppe seinen Höhepunkt findet. Während die Kletterei entlang der Schuppe zwar exponiert aber relativ leicht ist, stellen die letzten Meter über eine senkrechte Wandstelle aber nochmal ein echtes Problem dar. An einem etwas brüchigen Untergriff gilt es einen Boulder-ähnlichen Zug nach rechts zu machen, ehe man wieder leichteres Gelände und den Standplatz erreicht. Fantastisch ausgesetzt klettert man in der vorletzten Seillänge zuerst senkrecht nach oben und quert dann wieder retour nach links. Die Länge ist zwar recht kurz, aber der schwierige Riss zu Beginn und die Reibungsstelle zum Schluss machen sie dennoch zum Erlebnis! Die letzte Seillänge kostet dann nochmal richtig Kraft: Eine schier endlose Rissverschneidung zieht mehr oder weniger senkrecht nach oben, bis man, von einem Meter zum Anderen, auf dem flachen Gipfelplateau aufatmen kann.

Tipps:

  • Stirnlampe einpacken! Entweder man startet sehr früh und erwischt dafür den Lift beim Abstieg, oder man nimmt den Lift am Morgen und riskiert, dass man (so wie wir) zu Fuß ins Tal absteigen muss.
  • Ein großes Set Friends (wir hatten bis zur #4 alles dabei) und Klemmkeile ist meiner Meinung nach unbedingt nötig. Es steckt erstaunlich wenig Hakenmaterial und dieses ist sehr oft in schlechtem Zustand! Hauptproblem sind oft alte Reepschnüre, welche in den Haken hängen und zu wenig Platz für eigenes Material (Expressen, Bandschlingen) lassen. Ich habe ungewöhnlich oft direkt neben einem Haken/Holzkeil zusätzlich einen Friend/Keil gelegt…
  • Die Standplätze sind meist groß genug für 3 Personen, aber im oberen Teil wird’s dann doch ab und zu eng.

 

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