Archiv für die Kategorie „Sportklettern“

Nach einem ausgiebigen Rasttag, den Klaus im Bett verbringen musste (Anm. Klaus: Vielen Dank für die lieben Genesungswünsche, die mir die Stunden am Klo verkürzten), wagten wir am Samstag einen kleinen Ausflug zu den nahegelegenen Wari-Ruinen Wilcawain. Es handelt sich dabei um ein ca 800 Jahre altes, dreistöckiges Wohnhaus aus nur minimal bearbeiteten Steinen – und ist anscheinend erdbebensicher. Mit einer guten Stunde Wanderung auf einem Höhenweg gelangten wir zu den Thermalbädern in Monterrey – pure Entspannung in der “großen Badewanne”. Nachdem die entsprechenden Medikamente (Antibiotika und peruanischer Rum) bei Klaus schon Wirkung zeigten wagten wir uns am Sonntag wieder aus Huaraz heraus (mit entsprechendem Vorrat an Klopapier) und verbrachten drei Tage im zwei Stunden entfernten Sportklettergebiet Hatun Machay. Wir sollten es nicht berreuen… Endlose Klettermöglichkeiten auf 4300 m in abwechslungsreichem Fels, vulkanisch, mit riesigen Lochstrukturen, Rissen, Höhlen, rauh, ein Traum!! Auch zum bouldern gäbe es unendlich viele Möglichkeiten, fast erschreckend… Eine nette Hütte ist auch vor Ort, was uns die Verpflegung rettete, als nacheinander Wasserfilter und Kocher wegen Verschmutzung vorübergehend den Geist aufgaben – und uns heute zurück in Huaraz zu einer Intensivreinigungssession zwangen. Frisch und einigermaßen gesund werden wir in den kommenden Tagen den Nevado Pisco (5752 m) in Angriff nehmen. Ob die Luft dort oben wohl zum obligatorischen Gletscherspaltenspringen reichen wird..?

Dani, Claudia, Tom und ich nutzten drei wunderschöne Tage in Arco um uns die Finger wund zu klettern. Am ersten Tag gingen wir alle zusammen die “Via Einstein” am Monte Cassale (VI+, R3), welche mir dieses Mal noch weniger gefiel als bei meiner ersten Begehung vor ein paar Jahren… Vereinzelte schöne Kletterstellen werden leider zu häufig durch viel Vegetation und brüchigen Passagen unterbrochen.

Tom startet in die zweite SL

Am zweiten Tag veränderten wir die Aufteilung der Seilschaften: Während unsere Mädels durch die 8 Seillängen der “Strane voglie di Amelie” (5c) kletterten, frönten Tom und ich dem Genuss der leitertechnischen Fortbewegung in der “Bortolo Fontana” (VI, A2, R3). Der ursprüngliche Plan, dass beide Seilschaften eventuell gleichzeitig am Gipfel des Piccolo Dain ankommen würden stellte sich bereits in unserer ersten Seillänge als verwegen heraus. Die technische Kletterei in der Fontana folgt einem feinen Riss, und erfordert neben einigen Freikletterpassagen auch einiges an Geschick im Umgang mit mobilen Sicherungsmittel. Das Trittleitern-Entwirren und Pseudo-HaulBag-Ziehen dauerte dann letztlich doch bis in den späten Nachmittag – der Trainingseffekt für unsere Yosemite Reise war aber sehr gut.

Am Montag gingen Claudia und ich noch die “Tredicesima Luna” (6b) am Monte Colt – eine wunderschöne Route, welche der nahegelegenen Nemesi um nicht viel nachsteht.

Tipps für (technisch kletternde) Wiederholer der “Bortolo Fontana”:

  • Camalot C4 0,4 (grau) ist gerade in der ersten Seillänge oft sehr hilfreich.
  • Die Standplätze haben alle mindestens einen Bohrhaken
  • In allen Seillängen sind ein paar zwingende Freikkletterpassagen (Schuhe!)
  • In der vierten Seillänge gibt es eine moralisch anspruchsvolle Freikletterquerung nach rechts ohne Absicherung für ca 10 Meter. Alternativ kann man aber auch die 4. SL der “Dudaev” klettern.
  • Die 4. und 5. SL lassen sich zusammenhängen.
  • 25 Expressschlingen sind gerade richtig!

Bohrhakenquerhang - SL6 Ich stattete der “Direkten”  heuer bereits das zweite Mal einen Besuch ab, diesmal mit Matthias Stumpf aus Götzens. Für ihn war es die erste Mehrseillängenroute, noch dazu mit “alpinem Touch”. In Wechselführung konnten wir alle  Längen, bis auf den Quergang rotpunkten. Am Start der Quergang-Seillänge brach mir etwa 4m oberhalb vom Standplatz ein Griff aus und ich verabschiedete mich um Miles&More Bonusmeilen zu sammeln. Nach etwa 6 Meter insgesamt  und zwei Meter unterhalb des Standplatzes, an dem ich zum Glück nicht mit Matthias kollidiert bin, wurde mein Flug aber etwas abrupt und schmerzhaft beendet als ich mit dem Steißbein gegen den Fels prallte… Nachdem die Sternchen aus meinem Sichtfeld verschwunden waren kletterte ich weiter, aber an einen Rotpunkt-Versuch dachte ich jetzt gar nicht mehr.
In der letzten Seillänge scheint jetzt noch weniger zu stecken als früher (vielleicht war aber auch nur meine Moral nach dem Sturz etwas geschwächt) und die viele Vegetation macht die Sache auch nicht leichter.
Nach einem äußerst schmerzhaften Abstieg und der Überlegeung doch noch in die Klinik zu fahren entschieden wir uns doch für ein Bierchen in der Branger Alm.

Gerhard in der letzten Länge Am Freitag starteten Gerhard und ich ins Rossloch hinter der Kastenalm um einer 2008 erschlossenen Route von Reini Scherer und Dieter Stöhr einen Besuch abzustatten. Die einzigartige Linie folgt im Mittelteil einer etwa 60m langen, rampenähnlichen Störungsfläche, welche sich durch die beeindruckende Plattenflucht zieht. Die letzte Länge folgt einem fast senkrechten Riss, wobei einem Camalots #0.75 (grün), #1 (rot) und besonders #2 (gelb) das Leben sicherer machen…

Info’s für Wiederholer:
Die Absicherung mit Bohrhaken ist gut, der Schwierigkeitsgrad 8- muss aber geklettert werden. In der letzten SL sind die Abstände doch recht weit, der Riss ist aber mit den 3 beschriebenen Friends (siehe oben) perfekt abzusichern.
Abstieg: Am besten in Fallinie über die “Bike 2 Crack” abseilen – Abseilkarabiner hängen an den Ständen.

TOPO: Gibt’s auf dieser Seite des Kletterzentrums Tivoli.

Die Engländer sind schon ein seltsames Volk! Zu dieser Erkenntnis kommt man spätestens, wenn man in seinen ersten Pork Pie beißt, während man auf der falschen Straßenseite über eine viel zu schmale Landstraße fährt, die noch dazu beidseitig von endlosen Steinmauern begrenzt wird… Und hinter den Steinmauern? Schafe. Heerscharen von Schafen und ab und zu ein kleines Häuschen, ein “Cottage” in der dann vermutlich ein Schafzüchter sitzt.

Englische Feinkost: Pork Pie...

Genau so ein Cottage, nämlich das “Well Cottage” im kleinen Örtchen Youlgrave sollte Lukas, Tom, dem ehemaligen Local Mark und mir für eine Woche als Basislager für unseren Klettertrip in England dienen. Mark, der wie gesagt ein paar Jahre in Youlgrave lebte, organisierte uns diese stilvolle Unterkunft und war auch sonst so freundlich eine Art Fremdenführer für uns zu sein. Vor allem aber war er unser Chauffeur, denn wäre ich gefahren hätte es garantiert schon am ersten Kreisverkehr gekracht!

Was bewegt 4 Tiroler Kletterer die heimischen Berge für maximal 30 Meter hohe Sandsteinklippen einzutauschen? Es ist der Kletterstil, der uns in den Nationalpark des Peak Districts lockte: Bezeichnen manche den heutigen Kletterstil in Tirol als “Climbers Paradise”, so müssten sie den Stil im Peak District als “Climbers Hell” empfinden… Es gibt absolut keine fix montierte Absicherung im gesamten Gebiet! Alles clean! Die Strukturen der schier endlosen Sandsteinklippen schlucken dafür so ziemlich alles an mobilen Sicherungsgeräten die man ihnen vorhält. Meistens zumindest – denn hier kommt die nächste Eigenart der Engländer zur Geltung: Ihre Schwierigkeitsbewertung! Um Auskunft darüber zu geben wie gut eine Route absicherbar ist führten die Altvorderen eine Bewertung ein, an deren Basis die Schwierigkeit “Moderate” (Mod) steht. Für Schwierigkeiten im Bereich UIAA II-III verwendeten sie schon den Begriff “Difficult” (Diff), was in der weiteren Entwicklung des Klettersportes natürlich für Probleme sorgen sollte. Die nächste Stufe war ja noch logisch: “Very Difficult” (VDiff), aber dann ging’s los kompliziert zu werden: “Hard Very Difficult” (HVD), “Severe” (Sev), “Hard Severe” (HS), “Very Severe” (VS) und schließlich “Hard Very Severe” (HVS). Mit HVS befinden wir uns im UIAA Grad V+ bis VI+, also brauchte man bald ein noch größeres Superlativ – und das war schnell gefunden: “Extreme” (E). Und weil’s halt kein furchteinflößenderes Wort als “Extreme” gibt begnügt man sich nun damit eine Zahl von 1 bis derzeit 10 anzuhängen, also E1 bis E10.
Den englischen Kletterern war es aber noch nicht kompliziert genug, jetzt musste auch noch ein technischer Schwierigkeitsgrad her. Hierfür nutzen sie das gleiche System wie die Franzosen, aber weil sie die ja nicht besonders mögen gibt es einen kleinen Unterschied: 5a englisch bedeutet 6a französisch, die Skala hinkt der uns vertrauten also immer ungefähr einen Grad hinterher! Buh…Glück gehabt wenn man in einer 5c abblitzt: In Wirklichkeit ist sie ja 6c!

Die Klippen von Stanage in der Abendsonne

Gleich nach unserer Ankunft in Manchester fuhren wir zum größten aller Klettergebiete: Stanage. Diese Klippe zieht sich für etwa 3km durchs Land und weil es Samstag war und die Sonne schien gab es eine ebenso lange Schlange von Kletterern!
Wir begnügten uns anfangs mit ein paar Boulderproblemen, aber später am Tag tastete ich mich dann doch bis zur Schwierigkeit HVS vor. Erster Eindruck: Geniale Kletterei… super griffiger Fels und vor allem: Cool dass man alles selber absichern kann und muss!!!

Der zweite Tag brachte dann jenes Wetter, das wohl jeder mit England assoziiert: Regen. Da wir (und auch die Meteorologen) nicht genau wussten was die restliche Woche noch bringen würde, beschlossen wir uns in einer riesigen Boulderhalle in Sheffield die Finger wund zu klettern… Gesagt getan. Es sollte dann aber der einzige wirklich schlechte Tag der ganzen Woche sein und der ein oder andere von uns hätte sich in der Boulderhalle wohl ein bisschen zurückhalten sollen.

Kraftig-kraftiger-Quietus E2 5c - Stanage

Von Montag bis Sonntag war es dann im Großen und Ganzen wunderschön und wir konnten viele der großen Gritstone-Klassiker abhaken. Obwohl die Höhe der meisten Routen recht bescheiden ist, so ist die Kletterei doch sehr geschichtsträchtig: Kletterlegenden wie Joe Brown (Erstbesteiger des Kangchendzönga) verewigten sich mit, für die damalige Zeit, unvorstellbar schwierigen Routen.
Im Laufe der Zeit wächst das Vertrauen in das eigene Absicherungsvermögen und auch der Schwierigkeitsgrad “Extreme” verliert etwas von seinem Schrecken. Am letzten Tag konnte ich mich schließlich bis zum Schwierigkeitsgrad E3 5c herantasten und kann so, wie meine Begleiter auch, auf eine erfolgreiche und lohnende Woche auf der Insel zurückblicken!

Danke nochmal an meine 3 Freunde Lukas, Mark und Tom, dass sie mich bei ihrer schon länger geplanten Tour mitkommen ließen, danke auch für die vielen tollen Fotos, welche hier zum Teil zu sehen sind und danke vor allem an Mark unseren “Fremdenführer” und “Papa Duck”!

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