Archiv für die Kategorie „Freeriden“

Lange hat’s gedauert, aber heute schafften es Flo und ich wieder gemeinsam eine Tour in unseren Kalkkögeln zu unternehmen.

Wie so oft startete die heutige Rinnen-Tour am Hoadl in der Axamer Lizum. Von hier ging es weiter zum Hochtennboden, wo wir den gestrigen Tag bei der bergrettungstechnischen Betreuung des Open Faces verbrachten… Anschließend querten wir zum Beginn unserer Aufstiegsrinne. Dankenswerterweise wurde die Rinne bereits am Vortag perfekt von einem motivierten Freerider angespurt (ein Danke an den Unbekannten – wir schulden dir ein Bier). Die Rinne teilt sich bald auf, wobei man gerade hinauf zum Südturm gelangen würde. Wir folgten aber der rechten Rinne – diese leitet zur Scharte zwischen Vor- und Hauptgipfel des Steingrubenkogels. Bis auf eine kurze steile Passage bei der Abzweigung konnten wir die gesamte Rinne mit angeschnallten Skiern gehen.

Von der Scharte muss man etwa 50 Höhenmeter steil absteigen (hier wären eventuell Steigeisen zu empfehlen). Dabei befindet man sich unter dem spektakulären RAC-Turm. Es folgt wieder ein kurzer Aufstieg (steil, aber mit Ski möglich) bis man in der Scharte zur Schlick steht. Hier erreicht man den Klettersteig, der von der AK-Scharte auf den Steingrubenkogel führt. Über den Klettersteig geht es dann recht unproblematisch (sofern das Seil nicht eingeschneit ist) bis zum Gipfelgrat. Unschwer (Steigeisen sind aber kein Nachteil) geht es über den Grat und kurze Aufschwünge bis zum Gipfel.

Abgefahren sind wir dann durch die Rinne zwischen Steingrubenkogel und Kronennadel. Wie fast immer hatten wir auch heute wieder beste Schneeverhältnisse in der Rinne bzw. am großen Schuttkegel hinunter zur Kemater Alm.

Tipps und Tricks:

  • Übersichtsfoto anschauen.
  • Eventuell Steigeisen und leichten Pickel mitnehmen (heute ging es gerade noch ohne).
  • Klettergurt / Klettersteigset für den Aufstieg zum Gipfel.
  • Bei mehr Schnee (wenn das Stahlseil eingeschneit ist) ist ein kurzes Seil zum sichern empfehlenswert!

Bei traumhaften Wetter konnten Lukas und ich ein Projekt erfolgreich abschließen: den Nordturm in den Kalkkögeln im Winter zu besteigen.

Mit den Ski am Rücken startete die Tour am Hoadlsattel in Richtung Hochtennboden. Von hier traversierten wir bis zum Beginn der schmalen Rinne welche zur Scharte nordöstlich des Nordturms hinaufzieht. Nach einem felsdurchsetzten Start kommt man im Mittelteil der Rinne recht flott mit angeschnallten Ski und vielen Spitzkehren weiter. Ganz oben wird es dann nochmal felsig und schmal. Ein bedrohliches WUMM-Geräusch erinnerte uns hier auch an die potentielle Lawinengefahr durch kammnah abgelagerten Triebschnee…

Neben dem Grattürmchen, mit der Erinnerungstafel für zwei in den 30er Jahren abgestürzte Bergsteiger, startet die Klettertour: Es gilt eine ca. 5 m hohe senkrechte Wandstelle zu überwinden, bevor man im tiefen Schnee bis zu einem Fixseil stapft. Ich entschied mich das schmale Band, an dem das Fixseil mit 2 Normalhaken montiert ist, weiter links zu erklettern. Die anschließende Querung nach rechts auf allen Vieren ist, aufgrund des äußerst schmalen Bandes unterhalb eines Daches, alles andere als einfach! Zumindest für den Nachsteiger ist ein Aufstieg am hinunter hängenden Fixseil deutlich leichter. Das Band wird in weiterer Folge wieder wieder breiter und man gelangt relativ einfach bis zu einem Steinmännchen auf der NW-Seite des Nordturms.

Von hier kletterten wir über eine 7 m hohe Wandstelle steil bis zum nächsten Schneefeld. Etwas weiter rechts könnte man bis hierher, vermutlich ein bisschen einfacher, in einer kaminartigen Verschneidung hochklettern. Unterhalb einer auffälligen Erinnerungstafel gibt es einen guten Standplatz an 2 Normalhaken.

Die letzte Seillänge startet mit einer steilen Wandstelle. Eine Köpfelschlinge gleich zu Beginn beruhigt etwas. Nicht zu weit nach links klettern – dort ist es sehr brüchig. Mir gelang es einen relativ guten Profilhaken („Bong“) zu setzen, ehe ich mit dem Ausstiegskamin einfacheres Gelände erreichte. Am Gipfel entweder an den 2 Normalhaken, oder besser, an den 2 Felsköpfen bei den Überresten des „Gipfelkreuzes“ Stand machen.

Wir seilten uns über den steilen Millerriss ab. Vorsicht: beim ersten Abseiler bleibt der Knoten gerne hängen! Mit einem zweiten 60m Abseiler gelangt man zurück bis zum Einstieg.

Am späten Nachmittag fuhren wir schließlich durch die Rinne durch die wir aufgestiegen sind hinab Richtung Kemater Alm.

Tipps und Tricks:

Topo Nordturm Normalweg downloaden!

 

Letzte Woche scheiterte mein Plan die Rinne in Gipfelfalllinie der Hochtennspitze zu befahren am fehlenden Seil. Nachdem ich heute Früh überrascht feststellte dass die Sonne scheint brach ich auf um die Sache mit der Richtigen Ausrüstung anzugehen.

Als ich am Hoadl, bewaffnet mit 60 m Seil, Hammer, Haken und dem restlichen Zubehör von der Standseilbahn ausstieg, erlebte ich die zweite, noch viel größere Überraschung des heutigen Tages: Gestern wurde „meine“ Rinne schon von 2 Leuten befahren! Telefonisch wollte ich mich bei den üblichen Verdächtigen (Flo und Andi) über ihr Zuvorkommen beschweren, aber sie versicherten mir ihre Unschuld. Würde mich sehr interessieren wer mir diese Rinne wegschnappte!

Ich stieg natürlich trotzdem auf und fand auch bald einen Abseilstand, ca 30 m östlich des Gipfels, ein paar Meter nördlich des Grates in einer schmalen Rinne (siehe Foto). Sonderbarerweise stammte dieser Stand nicht von den zwei gestrigen Skifahrern – offensichtlich wurde diese Rinne also schon öfters befahren. Nach ca 25 m Abseilen durch eine enge Rinne bzw. Verschneidung gelangte ich auf einen kleinen Sattel. Würde man hier Richtung  Osten abfahren gelangt man in die Rinne von letzter Woche (siehe Bericht zur „3-Rinnen-Runde“). Ich fuhr Richtung NW.

Die Rinne stellte sich dann als deutlich besser heraus als erwartet: Guter und viel Schnee, angenehme Neigung, immer breit genug zum Skifahren!

Zufrieden, das Projekt (wenn auch nicht als Erster) noch in diesem Winter abgehakt zu haben, fuhr ich Heim. Die dritte Überraschung des Tages war, dass ich schon eine Stunde später wieder mittels Hubschrauber in der Lizum war – dieses Mal wegen einem Lawineneinsatz am Pleisen, bei dem zum Glück nichts passiert ist.

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