Autorenarchiv

Anfang April gehen die meisten noch Skitour – Roger, Lucky und ich hatten heute aber andere Pläne. Während sich auf der gegenüber liegenden Marmolada noch zahlreiche Skifahrer tummelten, genossen wir eine noch nie dagewesene Ruhe an der Ciavazes Südwand. Nur in der Rampenführe waren noch zwei andere Seilschaften am Werken, aber die sonst so überlaufene Micheluzzi gehörte uns ganz alleine.

Über diesen Klassiker braucht man eigentlich nicht viel schreiben, außer, dass wir drei jede Menge Spaß hatten und dank mehrerer zusammengehängter Seillänge recht schnell am Gamsband standen.

Danke für den coolen Saisonstart Jungs!

Tipp: Den berühmt berüchtigten Quergang kann man mit 60 Meter Seilen perfekt in 2 Seillängen machen! Dabei vom 4. Stand (Topo von Bergsteigen.com) an der Abzweigung der Buhlvariante vorbeiklettern und erst am 6. Standplatz des Topos wieder Stand machen. Jetzt kommt die entscheidende Stelle: Hier nicht wie im Topo eingezeichnet stetig nach rechts oben klettern, sondern auf gleichbleibender Höhe nach rechts queren. Es finden sich ein oder zwei Sanduhren und gleich viele Cam-Placements. Somit hat man den großen Vorteil nicht abklettern zu müssen und man erreicht nach 60 Meter den Stand am Ende des Querganges.

Aufgrund unseres Patagonien-Abenteuers fiel die diesjährige Eisklettersaison heuer sehr bescheiden aus. Dennoch konnte ich die niedrigen Temperaturen im Jänner nutzen um zumindest drei Eisfällen einen Besuch abzustatten.

Vorhang Pinnistal

Mit Lucky ging es  wiedereinmal ins Pinnistal (bequem mit der Rodel von der Bergstation der 11er Seilbahn). Viel Eis war nicht zu finden und selbst der Vorhang sah nicht gerade einladend aus. Nicht zuletzt wegen dem, ca. 30m über dem Einstieg einsam in der Wand hängenden, Steileisgerät das – zusammen mit den Blutflecken im Schnee – unmissverständlich von einem Unfall berichtete, hatte ich ein etwas mulmiges Gefühl. Nachdem wir die erste Hälfte aber ein paar mal geklettert waren ging es auch der Vorstiegsmoral wieder besser und so konnten wir den Vorhang bis ganz hinauf verbuchen.
Das zurückgelassene Eisbeil gaben wir in der Pinnisalm ab und wurde mittlerweile auch schon vom Besitzer abgeholt.

Kriseilbachfall Ötztal

Zusammen mit Lucky und den beiden Marks ging es dann ins Ötztal zu einem eher selten machbaren Wasserfall. Der Zustieg durch den langen Gully ist zwar recht mühsam, aber die zwei schönen Seillängen im gemäßigten Schwierigkeitsgrad waren es auf jeden Fall Wert. Tipp von den Locals: Unbedingt Lawinengefahr beachten!

Eisenbachfall Ötztal

Am Vortag haben wir nachdem wir den Kriseilbachfall abgehakt haben bereits einen ersten Blick auf den wunderschönen Eisenbachfall werfen können. Somit war das Ziel für den heutigen Tag beschlossene Sache – wenngleich sich die Seilschaften änderten: Während Lucky und die beiden Marks lieber auf der Ostseite des Ötztals, und somit im Schatten kletterten, stiegen Claudia und ich zum sonnenbestrahlten Eisenbachfall auf. Bei den heutigen extrem tiefen Temperaturen war die Sonne aber definitiv kein Problem für das Eis und so konnten wir die wunderschöne und lange Route richtig genießen. Der schnellere Abstieg wäre bestimmt sich über den Fall abzuseilen, aber wenn man einen ausgefüllten Tag im Freien erleben will macht es auch Spaß dem Eisenbach bis hinauf zu einer Forststraße zu folgen. Dieser folgt man dann nach rechts bis man eine Rodelbahn erreicht. Theoretisch könnte man sich am Ende der Rodelbahn eine Rodel ausleihen was auch eine nette Kombination wäre. Wir stiegen aber zu Fuß ab.

Claudia und ich verbrachten insgesamt 4 Wochen in Argentinien, drei davon in El Chalten am Fuße von Fitz Roy und Cerro Torre.

Unsere hoch gesteckten Ambitionen traumhaft schönen Granit mit den bloßen Händen zu klettern waren aufgrund der Wettersituation leider unrealistisch. Selbst hart gesottene Patagonien-Großmeister wie Colin Haley waren von den derzeitigen Verhältnissen enttäuscht: Zu wenig Schnee im Winter und in den Wochen vor unserer Ankunft gab es dann zuviel davon. Das Resultat: wenig Eis in den Coloirs, schwierige Bergschründe und – was uns am härtesten traf – vereister Fels.

So disponierten wir auch unsere erste geplante Route nach einem ersten Blick auf den mit Anraum bedeckten Fels um: Statt der „Comesana-Fonrouge“ soll es die „Amy“ werden. Bei typischen, aber für uns dennoch beeindruckenden, patagonischen Winden blieben wir insgesamt 3 Tage im Lager „Piedra negra“, ehe wir am 25. Dezember mit der Route starteten.

Der Bergschrund erwies sich entgegen anfänglicher Befürchtungen als doch recht gut meisterbar (ca. 3 m senkrechtes Eis) und die anschließende schmale Schnee- und Eisrinne war einfach nur ein Genuss. Nachdem man über eine etwas ungute schneebedeckte Granitplatte getoolt ist erreicht man den Grat. Ab hier geht es im Fels weiter, die Steigeisen behielten wir aber vorerst noch an. Meine Kletterei könnte man vermutlich als „alpines Gemurkse“ bezeichnen: In der linken Hand ein Eisbeil zum toolen, rechts ein Handjam mit dicken Handschuhen. Aber hey…man ist in Patagonien und das alleine ist schon wahnsinnig cool! Als sich dann auch noch ein atemberaubender Blick hinüber zum Cerro Torre und dem Inlandseis ergab, waren Claudia und ich nur noch begeistert.

Ein paar Stellen im 5. Grat gilt es auch in dieser, für das Massiv leichten Route zu bewältigen, und daher standen wir dann auch stolz und zufrieden am ersten Gipfel der Fitz Roy Kette. Unglaublich aber wahr: am Gipfel war es vollkommen windstill und daher genossen wir einige Zeit die unbeschreibliche Aussicht.

Zurück ging es über die selbe Route, alle notwendigen Abseilstände sind gut eingerichtet.

Die restliche Zeit in El Chalten verbrachten wir mit online-Wetterbeobachtung (das Internet könnte in El Chalten auf die Seite Windguru.cz reduziert werden) und mit traumhaftem Trailrunning. Auch wenn unsere restlichen Bemühungen andere Routen zu klettern wegen der Verhältnisse oder meiner kleinen Lungenentzündung in der letzten Woche scheiterten, war die Zeit in dieser rauen Umgebung eine unvergessliche Erfahrung.

Tipp:

Archiv