Wie oft fuhr ich wohl schon mit den Ski auf der Damenabfahrt unter der Hörzingwand vorbei? Ich weiß es nicht, aber jedenfalls störte es mich schon seit langer Zeit, dass ich diese markante Felswand noch nie durchstiegen bin. Jetzt habe ich etwas dagegen unternommen und das Resultat kann sich sehen lassen: Mit der „Hart aber Hörzlich“ gibt es nun eine neue Linie durch den zentralen Teil der Wand!

Im Kletterführer von Andreas Orgler sind bereits 3 Routen in der Hörzingwand vermerkt: Der „Mitteldurchstieg“ (Huber & Reinalter, 1975), die „Putana“ (A. & M. Orgler, 1981) und den „Westriss“ (Orgler, 1983). Die ungefähren Verläufe der 3 Routen sind auf einer etwas spartanischen Skizze eingezeichnet. Aus dieser Skizze war zu schließen, dass die „Headwall“ der Hörzingwand – also der obere, steile und zentrale Wandteil – noch nie durchklettert wurde.

Mitte August wollte ich mir die Sache dann aus der Nähe ansehen und startete mit entsprechend mulmigen Bauchgefühl in das Abenteuer. Gesichert habe ich mich mittels modifiziertem GriGri, was ein ziemlich flüssiges Solo-Vorstiegsklettern erlaubt. Dank der erstaunlich guten Felsqualität in der ersten Seillänge kam ich hier recht gut voran. Das Ziel möglichst viel mit mobilen Sicherungsmitteln zu arbeiten gestaltete sich aber schwierig – der kompakte Kalk weißt hier leider sehr wenige geeignete Strukturen (Risse) auf. Immer wenn sich die Furcht zu sehr bemerkbar machte setzte ich einen Bohrhaken aus der Kletterstellung. Dies ist natürlich sehr anstrengend, aber eine andere Option gab es aufgrund fehlender Skyhook/Cliffhanger-Möglichkeiten nicht.

In der zweiten Seillänge erhielt ich moralische Unterstützung durch Lucky und Alex, die mich, in der Sonne sitzend, beobachteten. Diesen seelischen Beistand hatte ich am Start der zweiten Seillänge auch dringend nötig: Hier galt es extrem brüchigen Fels zu überwinden, was in einer gröberen Felsräumaktion endete. Nach dieser heiklen Stelle (die mittlerweile deutlich besser zu klettern ist) ging es in einem tollen Riss weiter. Hier konnte ich den einen oder anderen Friend legen.

Am zweiten Stand ließ ich es gut sein, jetzt war klar, dass sich eine Route durch die ganze Wand lohnen wird. Ich seilte ab und wurde von meinen zwei Beobachtern mit einem Bier empfangen. Perfekter Support – Vielen Dank!

Der zweite Anlauf endete in einem kleinen Gewitter am selben Standplatz. Claudia und ich seilten mit der ganzen mitgebrachten Ausrüstung wieder ab.
Der dritte Anlauf sollte dann aber nicht lange auf sich warten lassen. Claudia und ich kletterten wieder bis zum 2. Stand hoch und nun hieß es erneut in den Entdeckermodus umzuschalten.

Mehr als nur erstaunt war ich einen alten Normalhaken in der brüchigen Verschneidung am Start der dritten Seillänge zu finden. Laut Orgler-Führer dürfte hier doch keine Route sein!? In der Annahme, dass es sich um einen Verhauer-Haken der Huber-Reinalter-Route handelt kletterte ich weiter. Wenig später fand ich 2 weitere Normalhaken. Ich gehe davon aus, dass der „Mitteldurchstieg“ hier entgegen dem Orgler-Topo nach rechts ausholt, ehe er zurück in die riesige Verschneidung führt. Diese 3 Haken waren jedenfalls die einzigen und letzten Begehungsspuren. Spätestens ab Seillänge 4 folgt die „Hart aber Hörzlich“ ganz sicher wieder einer neuen, eigenständigen Linie.

Seillänge 4 ist ein Highlight der Route: Sehr steil, aber trotzdem nie zu schwer. Nach der kniffligen Einstiegsstelle schlängelt sich die Linie durch die schwächste Wandpartie, wobei der Fels wieder erstaunlich fest und griffig ist.

Seillänge 5 startet mit einer einfachen Rampe. Gleich danach geht es aber wieder mehr zur Sache, denn der Quergang nach links ist nicht zu unterschätzen. Außerdem gibt es hier wohl die moralisch anspruchsvollste Stelle, aufgrund der recht weiten Hakenabstände.

Die letzte Seillänge startet in einer rinnenartigen Verschneidung. Mein ursprünglicher Plan dieser Verschneidung bis hinauf zum nächsten Band zu folgen verwarf ich, als ich den besseren Fels weiter links sah. Im Nachhinein betrachtet wäre es besser gewesen gleich vom Stand links hinauf zu klettern, aber jetzt ist es so wie es ist. Die letzten 30 Meter dieser Seillänge verbringt man dann in einem klassischen Kalkkögel Kamin: ziemlich brüchig, aber nicht schwierig.

Es gibt wohl wenige Routen mit einem ähnlich eleganten Ende. Vom letzten Standplatz sind es noch 5 Schritte und man steht in der ebenen Almwiese und kann sich gemütlich auf den Rücken legen.

Großer Dank gebührt meiner Claudia, die mich bei solchen Unternehmungen immer unterstützt und fast immer auch begleitet!

Das Topo der „Hart aber Hörzlich“ gibt es hier als PDF zum Herunterladen!

Toureninfo:

Hörzingwand – Hart aber Hörzlich

  • 250 Klettermeter, 6 Seillängen, Schwierigkeit: 6a+ (VI+)
  • Bohrhakengesicherte Route im typischen Kalkkögel-Fels. Stellenweise entsprechend brüchig. Die meisten Standplätze wurden wie beim Eisklettern so gewählt, dass der Sichernde einigermaßen vom Steinschlag geschützt ist. Dennoch sollte der Vorsteiger behutsam klettern.
  • Die Abstände zwischen den Bohrhaken sind mitunter sehr weit. Möglichkeiten für mobile Sicherungsmittel gibt es wenige und wurden im Topo mit Angabe der Friend-Größe vermerkt.
  • Die Schlüsselstellen sind zwingend frei zu klettern.
  • Es empfiehlt sich die meisten Zwischensicherungen zu verlängern um dem Seilzug entgegenzuwirken.
  • Informationen zum Material: siehe Topo

Zustieg:

Entweder von der Lizum über die Damenabfahrt aufsteigen (ca. 30 min), oder mit der Bahn aufs Hoadl fahren und dann gemütlich in 20 min über die Piste zum Einstieg absteigen.

Abstieg:

Besser geht es nicht: In 15 min über Almwiesen völlig problemlos und offensichtlich zurück zum Einstieg. Abseilen über die Route wäre möglich, aber wegen dem möglichen Steinschlag nicht zu empfehlen (alle Standplätze mit 2 Bohrhaken, Seilstück und Abseilkarabiner eingerichtet).

Erste Begehung (von unten):
Seillängen 1 und 2: Klaus Pietersteiner (solo)
Seillängen 3-6: Klaus Pietersteiner und Claudia Patschka (am 26.8.2016)
2. und zugleich erste Rotpunktbegehung:
Mathias Gschwendtner und Klaus Pietersteiner (28.8.2016)
3. Begehung (rotpunkt):
Arno und Klaus Pietersteiner (16.9.2016)

topo-hoerzingwand-hart-aber-hoerzlich

 

Endlich fanden Claudia und ich die Gelegenheit zu einer der bekanntesten Routen der Kalkkögel aufzubrechen: Das sagenumwobene „Fliegerbandl“ an der düsteren Riepenwand-NW-Wand. Die Route wurde unglaublicher Weise schon 1914 von Netzer, Aichner, Hummel und Schuster erstbegangen und führt von links nach rechts quer durch die senkrechte Wand. Highlight der Route ist die wahnwitzige Quergangslänge. Extrem ausgesetzt hantelt man sich an einer Bankungsfläche nach rechts und hofft, dass man dem Namen der Route keine Ehre macht…

Hat man diese Passage gemeistert erwartet einen eine sehr brüchige Ausstiegslänge die aus der riesigen Schlucht herausführt. Anschließend folgt man noch recht lange einer ausgewaschenen Rinne bis man schließlich auf den Nordgrat der Riepenwand gelangt.

Leider fehlte Claudia und mir heute die Zeit den Normalweg bis zum Gipfel weiter zu gehen, da wir noch unbedingt die Standseilbahn am Hoadl erwischen mussten.

Tipps für Wiederholer:

  • „By Fair Means“ ist etwas anderes, aber die Standseilbahn aufs Hoadl erspart einem viele Höhenmeter…
  • Beim Zustieg zuerst im Nahbereich des Nordecks höher steigen (schlecht erkennbare Steigspuren) und erst dann über den Schotter in direkter Linie zum Wandfuß.
  • Friends lassen sich in der Schlüsselstelle (feucht, moosig, brüchig) sehr gut legen und auch an den Standplätzen kann deutlich nachgebessert werden. Wir hatten Camalots # 0,4 bis # 4 dabei und konnten eigentlich alle recht gut gebrauchen.
  • In der Länge vor dem Fliegerbandl soll man laut Orgler-Führer an einer Steilstufe nach links ausholen. Wir sind aber auf dem Band weiter nach rechts bis zur einfachsten Stelle der Steilstufe gequert. Dort stecken auch 2 brauchbare Haken um auf das nächste große Band zu klettern.
  • Im Quergang gilt die Devise: „unten bleiben!“. Das bedeutet, dass man mit den Händen immer entlang der großen Bankungsfläche hantelt und mit den Füßen teilweise recht kleine Tritte nutzen muss. Der Quergang startet einfach, hat einen sehr ausgesetzten und gar nicht so leichten Mittelteil und wird dann wieder stetig leichter. Es stecken zwar recht viele Haken, aber fast alle von bedenklicher Qualität.
  • In der großen Ausstiegsschlucht haben wir uns für die Rissverschneidung an der linken Wand (in Kletterrichtung gesehen) entschieden. Ein Klemmblock im oberen Drittel dieses Risses ist hier die schwerste Stelle, es steckt aber irgendwo ein Haken. Gleich oberhalb des Ausstiegs aus dem Riss gibt es zwei Bohrhaken (!) als Standplatz.
  • Im Anschluss klettert man (evtl. am kurzen Seil) in gerader Linie nach oben. Man landet irgendwann in einer ausgewaschenen Rinne die sich gut höher klettern lässt.

Da nun endlich die Standseilbahn in der Axamer Lizum auch im Sommer in Betrieb ist, lässt sich so mancher Zustieg in den Kalkkögeln optimieren…
Obwohl wir heute eigentlich etwas ganz anderes vor hatten, entschlossen wir am Hoadlsattel unseren Plan zu ändern und dem „Rampenweg“ am Sockel der Schlicker Zinnen einen Besuch abzustatten.

Dank ausgezeichnetem Topo im Führer von Andeas Orgler lässt sich der Einstieg leicht finden. Auf den Fotos dieses Berichts habe ich den Routenverlauf inklusive Zu- und Abstieg aber nochmal im Detail eingezeichnet.

Für Claudia war es die erste Kalkkögel-Route in der sie auch im Vorstieg am Weg war. Top motiviert kletterte sie in SL 2 gleich die steile, gerade Variante. In Wechselführung kamen wir zügig voran und standen bald an der Kante im leichten Ausstiegsgelände. Von hier ergeben sich gute Einblicke in die benachbarte „Delagokante“ an der nördlichen Zinne.

Tipps:

  • Topo aus dem Führer „Klettern in den Stubaier Alpen“ von Andreas Orgler ist sehr gut.
  • Es sind einige recht gute Normalhaken vorhanden, aber ein paar Friends sind sicher kein Fehler!
  • Die schwerste Länge ist die Seillänge 6. Diese setzt am Ende der eigentlichen Rampe an und führt über die sehr kompakte Patte hinauf. Achtung: weiter rechts gibt es eine brüchige kaminartige Verschneidung wo man Schlingen sieht – das ist entweder ein Verhauer oder die Route „Grüner Spaziergang“.
  • Im Ausstiegsgelände gibt es mehrere Möglichkeiten. Schlussendlich gelangt man aber immer auf den richtigen Weg (nach Steinmännchen Ausschau halten). Zuerst muss man noch relativ weit nach oben klettern/gehen um dann wieder abfallend, auf undeutlichen Steigspuren durch Schuttrinnen, in die große Abstiegsrinne queren zu können.
  • In der Abstiegsrinne kann man die Steilstufen (große Blöcke) alle abklettern – kein Seil erforderlich.

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