Claudia und ich verbrachten insgesamt 4 Wochen in Argentinien, drei davon in El Chalten am Fuße von Fitz Roy und Cerro Torre.

Unsere hoch gesteckten Ambitionen traumhaft schönen Granit mit den bloßen Händen zu klettern waren aufgrund der Wettersituation leider unrealistisch. Selbst hart gesottene Patagonien-Großmeister wie Colin Haley waren von den derzeitigen Verhältnissen enttäuscht: Zu wenig Schnee im Winter und in den Wochen vor unserer Ankunft gab es dann zuviel davon. Das Resultat: wenig Eis in den Coloirs, schwierige Bergschründe und – was uns am härtesten traf – vereister Fels.

So disponierten wir auch unsere erste geplante Route nach einem ersten Blick auf den mit Anraum bedeckten Fels um: Statt der „Comesana-Fonrouge“ soll es die „Amy“ werden. Bei typischen, aber für uns dennoch beeindruckenden, patagonischen Winden blieben wir insgesamt 3 Tage im Lager „Piedra negra“, ehe wir am 25. Dezember mit der Route starteten.

Der Bergschrund erwies sich entgegen anfänglicher Befürchtungen als doch recht gut meisterbar (ca. 3 m senkrechtes Eis) und die anschließende schmale Schnee- und Eisrinne war einfach nur ein Genuss. Nachdem man über eine etwas ungute schneebedeckte Granitplatte getoolt ist erreicht man den Grat. Ab hier geht es im Fels weiter, die Steigeisen behielten wir aber vorerst noch an. Meine Kletterei könnte man vermutlich als „alpines Gemurkse“ bezeichnen: In der linken Hand ein Eisbeil zum toolen, rechts ein Handjam mit dicken Handschuhen. Aber hey…man ist in Patagonien und das alleine ist schon wahnsinnig cool! Als sich dann auch noch ein atemberaubender Blick hinüber zum Cerro Torre und dem Inlandseis ergab, waren Claudia und ich nur noch begeistert.

Ein paar Stellen im 5. Grat gilt es auch in dieser, für das Massiv leichten Route zu bewältigen, und daher standen wir dann auch stolz und zufrieden am ersten Gipfel der Fitz Roy Kette. Unglaublich aber wahr: am Gipfel war es vollkommen windstill und daher genossen wir einige Zeit die unbeschreibliche Aussicht.

Zurück ging es über die selbe Route, alle notwendigen Abseilstände sind gut eingerichtet.

Die restliche Zeit in El Chalten verbrachten wir mit online-Wetterbeobachtung (das Internet könnte in El Chalten auf die Seite Windguru.cz reduziert werden) und mit traumhaftem Trailrunning. Auch wenn unsere restlichen Bemühungen andere Routen zu klettern wegen der Verhältnisse oder meiner kleinen Lungenentzündung in der letzten Woche scheiterten, war die Zeit in dieser rauen Umgebung eine unvergessliche Erfahrung.

Tipp:

Der Urlaub in Patagonien rückt näher und daher nutzten wir den ersten Wintereinbruch um unser Equipment einem letzten Test zu unterziehen. Mit den Tourenski ging es in einer Karawane von Tourengehern über die Damenabfahrt bis zum Hoadlsattl. Von dort an begann die Stapferei zum Hochtennboden und dann hinab zum Auslauf der Hochtennspitze NW-Rinne. Selbige Rinne kann in guten Wintern eine tolle Skiabfahrt sein, derzeit wäre aber mehr Fels- als Schneekontakt für die Ski zu erwarten.

Überraschend abwechslungsreich ging es dann hinauf bis zum „Ausstiegskamin“ über den ich mich schon mehrmals für die oben genannte Skiabfahrt abgeseilt hatte. Drytooling in extrem brüchigem Fels mit Schneeauflage macht nur bedingt Spaß, aber irgendwie dann doch. Besonders schwer ist das Gelände schließlich auch nicht und man kann sogar ein, zwei Friends legen.

In Summe ein netter Tag im Schnee mit einem ganz klein bisschen Mixed-Feeling.

Claudia und ich suchten uns heute eine neumodische Route gleich neben dem Rampenweg an der Piz Ciavazes Südwand aus. In 8 Seillängen führt die „Via le moto dal Sella“ durch die steilen Wände links neben der beliebten Nachbarroute. Die Absicherung mit Bohrhaken ist gerade noch ausreichend, aber manchmal sind die Abstände doch ganz schön weit! Ab und zu freut man sich doch über die mitgebrachten Friends.

Die Schlüsselstelle kann relativ problemlos A0 geklettert werden, aber 6b sollte man recht solide beherrschen damit die Route Spaß macht.

Resüme: absolut lohnende Alternative zu den berühmten Klassikern an der Wand.

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